Hifiman EF400 DAC im Test – R2R-Kopfhörerverstärker pur und kraftvoll

Hifiman kann auch Kopfhörerverstärker. Mit dem EF4000 DAC bietet Hifiman für nur 599,-€ einen audiophilen KHV im mittleren Preissegment an. Er verfügt über nur wenige Features, dafür sind diese jedoch umso bemerkenswerter. Allein ein hochwertiger R2R-DAC ist in dieser Preisklasse eher selten anzutreffen…

Hifiman EF400 DAC / Kopfhörerverstärker


Werbung


Der Hifiman EF400 DAC wurde mir leihweise von Hifi-Passion für diesen Test zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank dafür!



Vorwort


Mein Interesse wurde durch eine meiner WhatsApp-Gruppen geweckt, in der sich einige Teilnehmer über diesen Kopfhörerverstärker intensiv ausgetauscht hatten. Als dann die ersten Hörabende mit dem direkt bei Hifiman bestellten und importierten Gerät durchgeführt wurden und die Teilnehmer voll des Lobes waren, konnte ich nicht anders und ich habe Nils von Hifi-Passion gefragt, ob er nicht auch an den KHV heran kommt. Kurze Zeit später erhielt ich die freudige Botschaft, dass Hifi-Passion die Distribution übernommen hat. Nun, einige Wochen später, steht der EF400 DAC bei mir und darf zeigen was er kann…


Verpackung & Zubehör


Die Verpackung des EF400 DAC ist recht einfach gehalten. Ein hellbrauner Klappkarton mit einem recht großen Aufkleber mit Bilddruck, der zugleich als Echtheitssiegel dient. Nach dem Öffnen fällt der Blick auf eine extra Schachtel, in der das Kaltgerätekabel für die Stromversorgung untergebracht ist. In der Etage darunter ist in einem Zellstoff umhüllt der EF400 DAC selbst zu finden. Beim Herausnehmen fällt sofort sein Gewicht aber auch seine robustes Gehäuse auf. Das verspricht Qualität.




Technische Daten


Hier einige technische Daten des EF400 DAC als Auflistung.
Die aktuellsten Daten sind auf der Produktseite des Herstellers zu finden.

Gewicht3.080g
Abmessungen228mm x 246,5mm x 61mm (B x T x H)
Kopfhörerimpedanzen16Ω – 800Ω
Leistung maximal4,4W (@50Ω)
THD+N (line out)0,002% – 0,004%
Eingänge1x USB-C, 1x USB-B
Ausgänge2x XLR (L/R balanced), 2x RCA (L/R unbalanced)
KopfhöreranschlüsseKlinke: 1x 6.35mm (unbalanced), 1x 3.5mm (unbalanced), 1x 4.4mm (balanced), 1x XLR (balanced)
Kopfhörerimpedanz (GAIN)High Gain NOS, Low Gain NOS,
High Gain OS, Low Gain OS
Signal to Noise Ratio118dB +-3dB
Kanaltrennung125dB +-3dB
DACR2R Hifiman Himalaya
Dekodierung (bis zu…)96kHz, 24Bit
Quelle: Hifiman (*alle Angaben ohne Gewähr)



Design & Verarbeitung


Aus meiner Sicht macht Hifiman hier alles richtig. Das Design gefällt mir ausgesprochen gut. Der Kopfhörerverstärker kommt in einer angenehmen Größe, die ich als schreibtischtauglich einordne. Ein Din-A4-Blatt ist etwas schmaler, dafür jedoch länger. Das Gehäuse bittet somit genug Fläche, dass ein Kopfhörerständer direkt auf ihn platziert werden kann. Das finde ich sehr praktisch.

Das Gehäuse besteht aus massiven Material und ist absolut verwindungssteif. Die aufgesetzte Frontplatte ist fast 4mm stark und deckt den vorderen Beeich großzügig überstehend ab. Allein das vermittelt schon einen überaus erwachsenen Eindruck. Die Front ist in silber eloxiertem Alu gehalten und das Gehäuse selbst in mattem Schwarz ausgeführt.

Das Design der Frontplatte ist streng symmetrisch gehalten. So sind der GAIN-Wahlschalter und der Lautstärkeregler in From und Größe identisch und ebenfalls aus silbernem Aluminium bestehend. Die Buchsen für die Kopfhörer wurden ebenfalls optisch gleichwertig gewählt und werden von einem schwarzen Streifen umgeben. Für die 6,35mm Buchse kommt eine im Design der XLR-Buchse entsprechende Größe zum Einsatz. Die 3,5mm und 4,4mm Klinke-Buchsen befinden sich zwischen den großen Kopfhörerbuchsen. Alle Beschriftungen sind gut lesbar auf der Alu-Front per Laser graviert. Als kleines i-Tüpfelchen edler Produktsprache gibt es eine kleine, quadratische, goldfarbene Plakette mit Aufschrift “R2R Himalaya” statt einer sehr ähnlich aussehenden Hi-Res-Plakette.



Handhabung & Features


Die Feature-Liste ist denkbar kurz. Neben USB-Eingängen, um den EF400 DAC am Computer oder an einem DAP anzuschließen, gibt es keine weiteren Eingänge. Line Out kann balanced und unbalanced vom Verstärker abgegriffen werden, das war es auch schon. Es gibt zwei GAIN-Stufen, welche für meinen Geschmack allerdings einen etwas größeren Unterschied hätten ausmachen dürfen. Der EF400 DAC hat so viel Leistung, dass der Low-Gain durchaus noch geringer ausfallen dürfte, um auch für empfindliche IEMs einen größeren Regelbereich zu haben. So kann ich beispielsweise den Sennheiser IE900 und den Sennheiser IE600 zwar bis maximal 12:00 Uhr aufdrehen, doch beim iBasso iT07 ist bereits bei etwa 10:00 Uhr Feierabend.

Mit dem Gain-Schalter wird übrigens auch ausgewählt, ob der Hifiman EF400 DAC bei der Wandlung quasi bit-genau, also “non oversampling”, dekodieren soll oder ob stets Oversampling genutzt werden soll. Ich selbst höre kaum einen Unterschied. Ebenfalls puristisch steht es um die digitalen Filter, denn eine Auswahl digitaler Filter gibt es mit dem R2R-Netzwerk nicht.

Kurz gefasst kann der Hifiman EF400 DAC nur eine Sache, nämlich Musik in ein für Kopfhörer nutzbares, analoges, hochenergetisches Signal umwandeln. Einfach das digitale Quellsignal via USB einspeisen, auf der Rückseite einschalten, Kopfhörer einstecken, Musik zuspielen und die Lautstärke regeln. Das ist auch schon alles. 😎

Als kleinen Nachteil dabei empfinde ich, dass genau nur die Zuspielung über USB möglich ist. Hier hätte ich mir noch einen SPDIF und optischen Eingänge gewünscht. Perfekt wäre der EF400, wenn auch eine analoge Quelle zulassen würde. Es braucht stets ein Gerät, was Audio über die USB-Schnittstelle liefert. Ein BT- oder Chromecast-Empfänger fällt damit aus. Was Konnektivität angeht, punktet der EF400 leider nicht besonders.




Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.


Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik “Events & Medien” veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201



Wie klingt der Hifiman EF400 DAC?


Für gewöhnlich bin ich ein Fan davon, wenn ein Kopfhörerverstärker oder DAP auch Möglichkeiten zur individuellen Klanganpassung mitbringt, auch wenn ich selbst davon nur homöopathisch Gebrauch mache. Das Wichtigste ist, dass ein Verstärker es vermag, mit den angeschlossenen Endgeräten optimalen Klang abzuliefern. Im Falle des EF400 DAC gelingt das für mien Dafürhalten vorzüglich. Mit 4,4W pro Kanal bei 50Ω Impedanz und 750mW bei 300Ω werden alle meine Kopfhörer vom Austrian Audio Hi-X65 über den Sennheiser HD800s bis hin zum HEDDphone mit ausreichend Reserven angetrieben. Um Lautstärke brauche ich mir bei meinem Setup mit dem Hifiman EF400 DAC keine Gedanken machen. Wie schon erwähnt gibt es mit eher feinsinnigen und sehr leicht anzutreibenden Kopfhörern bzw. IEMs die Schwierigkeit des begrenzten Regelbereiches. Allein schon aus Sicherheitsgründen hätte ich mir eine Begrenzung gewünscht, welche über das einfache Low-Gain hinaus geht.

Ganz klar, Lautstärke kann der EF400 DAC. Und auch bei der Dynamik gibt er sich keine Blöße. Den Wechsel von leise zu laut, egal ob bei sehr spärlich instrumentierten Songs oder epischen Stücken mit orchestraler Opulenz. Selbst maximal geladene Metal-Salven werden im Detail sauber aufgegliedert und jedes Instrument ist, einen entsprechenden Kopfhörer vorausgesetzt, klar identifizierbar.

Durchweg reproduziert der EF400 DAC sehr linear. Während meines Tests habe ich nichts zusätzlich gehört, was ich einer Färbung durch den Hifiman zusprechen würde. Ich tendiere eher dazu, diesen Kopfhörerverstärker als absolut neutral und trocken spielend einzuordnen. Tatsächlich befreit es auch ein wenig, einfach den Klang so zu erhalten, wie er aufbereitet wird, ohne besondere Filter auswählen zu können.


Spielpartner


Der EF400 DAC bildet zusammen mit dem HD800s ein absolut analytisches Werkzeug, mit dem vom tiefsten Bassbereich bis in den Superhochton Details absolut konturiert und auf den Punkt wiedergegeben werden. Hier fällt mir auch wieder auf, wie die räumliche Darstellung des HD800s mit einem solchen Kopfhörerverstärker schon etwas zu viel und auch unnatürlich ausfallen kann. Wer allerdings genau das sucht, bekommt für nur knapp 600,-€ kaum einen geeigneteren Zuspieler für seinen Sennheiser.

Was bei dem einen zuviel ist, holt aus anderen genau das heraus, was manchmal etwas zu kurz kommt. Der Sennheiser HD650 bzw. in meinem Fall der HD6XX von Drop. Diese Kopfhörer sind deutlich wärmer abestimmt und auch für offene Vertreter mit einer deutlich kleineren Bühne unterwegs. Am EF400 DAC blüht der HD6XX sogar etwas auf. Tonal ändert sich bei dem nicht, doch mit der einwandfreien Dynamik und der Abbildungsschärfe des Hifiman, entfaltet sich das volle potential des ehemaligen Top-Modells und Urgestein von Sennheiser.

Ds gilt genauso für einen Avantone Planar. Aktuell ist mir kein anderer halboffener Planarmagnet bekannt, der sich so an die Harman-Referenz anfügt. Da mir diese tonale Abstimmung etwas zu “unspritzig” ist, war ich gespannt, wie die Kombination mit dem EF400 DAC performt. Und ich darf sagen, dass auch hier der Avantone zeigen kann, wie gut er wirklich ist. Interessant ist zudem, dass besonders der mit dem vom EF400 DAC zur Verfügung stehenden Leistung skaliert. Etwas lauter als Zimmerlautstärke gehört wird der Avantone richtig mitreißend und trotz des relativ geringen Pegels im Hochton sind alle Details sauber hörbar. In Kombination mit dem EF400 DAC meine absolut favorisierte Klangkette für derben und heftigen Metal.

Ich könnte die Liste noch weiter führen, doch am Ende kann ich festhalten, dass es der Hifiman EF400 DAC tatsächlich schafft, aus allen meinen Kopfhörern die individuellen Potentiale zu heben, ohne dass irgendwelche Klangkorrekturen, Filter, oder sonstige innovative Features vorhanden sind.


Hifiman Edition XS am EF400 – mehr braucht es eigentlich nicht…



Fazit


Mit einem Preis von 599,-€ ist der Hifiman EF400 DAC eine absolut sichere Empfehlung. Um perfekt zu sein wünschte ich mir zum einen “Ultra-Low-Gain” für eine bessere Unterstützung von sensiblen Kopfhörern und zum anderen neben USB zusätzliche Eingänge.

Für alle von mir benutzten OverEar-Kopfhörer lässt der EF400 DAC keine Wünsche offen. Aufgrund der minimalen Features beschränkt es sich mit dem Hifiman im besten Sinn darauf, Musik zu genießen. Die Verführung, für sich “das beste Setup” zu finden, bevor es mit dem Musikhören losgeht, gibt es beim Hifiman nicht.

Mit dem Hifiman EF400 DAC ist schlicht und ergreifend eine einfache Handhabung und ein pures und kraftvolles Klangerlebnis garantiert!



Bewertung

  • 96%
    Klang - 96%
  • 96%
    Leistung - 96%
  • 92%
    Kopfhörereignung - 92%
  • 100%
    Handhabung - 100%
  • 100%
    Design - 100%
  • 100%
    Verarbeitung - 100%
  • 80%
    Konnektivität - 80%
  • 90%
    Verpackung & Lieferumfang - 90%
  • 96%
    Preis/Leistung - 96%
94.4%

Aufrufe: 1797

Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Hifiman HE1000v2, HEDDphone, Meze Liric & 109 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Avantone Pro ; InEar-Lineup: Sennheiser IE900 & IE600, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Cayin N8ii, Astell & Kern SR25ii; Kopfhörerverstärker im Bestand: Cayin HA-3A, Jan Meier Corda Country, ifi Audio GO Bar, Topping DX5