Sennheiser IE 900 im Test – single-dynamisches IEM-Flaggschiff macht mich sprachlos…

…naja, nicht ganz, denn sonst wäre das hier schon alles, was ich zum Sennheiser IE 900 schreiben würde.
Sennheiser aktualisiert augenscheinlich die Sparte der IEM Kopfhörer und haut auch gleich mit dem neuen Flaggschiff eine Ansage raus, die nicht nur im Preis beachtlich ist, sonder klanglich alle Register zieht.
Was mich beim IE 900 nun so flasht, das versuche ich in diesem Bericht zu beschreiben…


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Der IE 900 wurde mir von Sennheiser für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!



Vorwort


Bereits in meinem Artikel zum Sennheiser IE 300 InEar-Kopfhörer hatte ich das Thema Multi-Treiber vs. Single-Dynamiker im Vorwort etwas ausführlicher angerissen. Ob es nun ein Hype oder vielleicht auch schon ein Trend ist, mit vielen Treibern einen Kopfhörer bestmöglich abzustimmen, kann ich nicht bewerten. Jedoch ist die Nutzung vieler Treiber derzeit einfach oft ein Pseudo-Qualitätsmerkmal, denn viel hilft nicht immer viel.

Sennheiser zeigt, dass es auch anders geht und bleibt seiner mit der Zeit perfektionierten Technologie treu, dynamische Treiber selbst zu entwickeln und durch die besondere Bauart der Gehäuse und präzise Abstimmung des Treibers maximale Klangqualität zu erreichen. So auch beim IE 900 als neues Flaggschiff im Bereich der InEar-Kopfhörer von Sennheiser geschehen. Ehrlich gesagt ist es mir persönlich ziemlich egal, was sich im Gehäuse befindet, wenn das Erlebnis stimmt. Fakt ist, je mehr Material enthalten ist und je größer ein Gehäuse ist, desto schwerer und desto unsicherer oft der Sitz im Ohr. Da wird ein InEar auch gern zum OutEar Kopfhörer.

Nun liegt der neue IE 900 bei UVP 1.299,-€. Das ist eine Menge Geld, da brauche ich niemanden etwas vormachen. Dennoch ist der Preis noch längst nicht in Preisregionen, die mittlerweile für IEM-Flaggschiffe gern aufgerufen und auch bedient werden. Was man nun bei Sennheiser für sein Geld bekommt, habe ich mir genau angesehen und natürlich auch angehört…


Verpackung & Lieferumfang


Der Sennheiser IE 900 wird in einer dreiteiligen Verpackung geliefert. Der Umkarton ist bedruckt und zeigt auf der Vorderseite einen ersten Eindruck der Treibergehäuse im Großformat. Das Hi-Res-Logo ist ebenfalls recht groß mit aufgedruckt. Bis auf wichtige Piktogramme, die Seriennummer des Kopfhörers, grundlegende Informationen zu Sennheiser sowie das Echtheitssigel auf der Rückseite verrät der Karton jedoch nichts zur enthaltenen Technik. Informationen über die Wirkungsweise des Treibers oder einfach nur technische Daten sucht man vergebens. Der Karton ist somit weitestgehend clean und zeigt vor allem das Produkt.




Nach dem Öffnen lässt sich ein edler, schlichter Behälter entnehmen, dessen Oberfläche sich seidig anfühlt und mich regelrecht auf hohe Qualität einstimmt. Seinen Inhalt gibt er durch Ziehen an einer Lasche preis. Dazu lege ich den Behälter quer mit dem Sennheiser-Logo oben vor mir auf den Tisch. Das erinnert mich unweigerlich an das Öffnen einer Schmuckschatulle. Und in der Tat fällt der Blick als erstes auf die strahlenden Gehäuse aus Aluminium, welche separat in einem Bett aus Schaumstoff präsentiert werden. Direkt unter dem Schaumstoff befindet sich unter Seidenpapier mit Sennheiser Logos ein wenig versteckt das Echtheitszertifikat mit handschriftlich bestätigter Endkontrolle. Das hat schon etwas Exklusives.

In der Ebene darunter befinden sich die Tips, je 3x Silikon und 3x Memory Foam, Ein Kabel mit 3,5mm-Stereo-Klinke auf MMCX, eine Sennheiser-Tuch, ein Reinigungs-Werkzeug, ein Kabelclip und noch unter dem Hardcase ganz unten im Karton die Produktbeschreibung (in 19! Sprachen) zum IE 900, die nun auch Aufschluss über die technischen Daten gibt.

Im Hardcase finden sich dann überraschender Weise noch zwei weitere Kabel jeweils in symmetrischer Ausführung. Diese verfügen über einen 2,5mm-Klinke und einem 4,4mm-Pentaconn-Stecker. Ein rundum komplettes Paket.


Technische Daten & Infos

  • Treiber: 7mm X3R Treiber, dynamisch
  • Frequenzgang: 5 Hz- 48.000 Hz
  • Wirkungsgrad: 123 dB (1kHz, 1Vrms)
  • Dämpfung: -26 dB
  • Impedanz 18 Ohm
  • THD: <0.05 % (1kHZ, 94dB)
  • Verbindung: MMCX
  • Gewicht: ca. 4 gr je Gehäuse und Tip

Die aufgeführten Informationen wurden aus der dem IE 900 beiliegenden Bedienungsanleitung entnommen, welche darüber hinaus weitere Details enthält. Ohne Gewähr.


Beim X3R-Treiber handelt es sich laut Sennheiser um eine Weiterentwicklung des XWB-Treibers, was für “Extra Wide Band” steht. Diese Wandler werden bereits sehr erfolgreich bei den Modellen IE 800s und IE 300 eingesetzt.
Die Gehäuse des IE 900 bestehen aus präzisionsgefrästem Aluminium. Die feinen Stufenstruktur der Oberfläche sind auch als Designelement von außen schön anzusehen. Im Inneren sind die Gehäuse mit einem Dreikammer-System ausgestattet, welches bereits für den IE 800 entwickelt wurde. Diese Kammern wirken einfach gesagt Verzerrungen entgegen. So absorbieren sie ungewollte Resonanzen und minimieren Maskierungseffekte.

Erst die Kombination aus neuem X3R-Treiber und aktuellem Gehäuse lässt den IE 900 entstehen, der so auf technischer Ebene das derzeit machbare Optimum darstellt. Die Selektion und das Paaren eines IE 900 erfolgt im Hauptsitz in der Wedemark. So wird nichts dem Zufall überlassen und der höchste Qualitätsstandard garantiert.

Was das in Sachen Klang bedeutet, wird sich später noch im Detail zeigen. Die Grundvoraussetzungen versprechen jedoch nicht weniger als absolutes High-End.




Design & Verarbeitung


Die Gehäuse des Sennheiser IE 900 entspricht dem des IE 300 und ist mit 4 Gramm nicht nur winzig sondern zudem auch extrem leicht. Allerdings besteht es nun aus präzisionsgefrästem Aluminium und fällt sofort angenehm auf. An den Kabeln angebracht fallen die IE 900 kaum auf. In Kombination mit dem recht kräftigen Kabel wirkt der Sennheiser IE 900 mit seinen silberfarbenen Gehäusen absolut hochwertig und wertvoll.

In die Gehäuse wurden MMCX-Buchsen integriert. Die mit dem IE 300 bereits eingeführten und auch mit dem IE 900 mitgelieferten Kabel machen einen sehr guten Job. Insbesondere aufgrund ihrer Einfachheit und der optimalen Eigenschaften in Bezug auf Flexibilität, Tragekomfort und Körperschall feiere ich sie. Die Kabel haben eine Para-Aramid-Verstärkung und sind somit extrem reißfest. Zudem sind ca. 7cm hinter dem Stecker die Kabel um eine zusätzliche Ummantelung ergänzt, welche flexibel biegbar ist und die Form stets beibehält. Sennheiser spricht hier von gleichbleibender Qualität selbst bei tausenden Biegezyklen.

Zudem verheddern die Kabel beim ausrollen nicht, was eine nicht unerheblich Rolle in Bezug auf die haptische Erfahrung in der Gesamtheit des Produktes ausmacht. Körperschall ist nahezu nicht vorhanden und die Kabel legen sich so an die Haut, dass beim Ziehen jedenfalls keine Kraft auf die Gehäuse wirkt. Ob beim schnellen Gehen oder sogar Rennen, die Sennheiser IE 900 sitzen immer perfekt im Ohr. Rundherum bleibe ich bei meinem Eindruck, den ich schon beim IE 300 gewonnen hatte. Die neuen Sennheiser MMCX-Kabel sind vielleicht nicht die hübschesten, jedoch aktuell die technisch besten IEM Kabel, die man auf dem Markt findet!


Hinweise



Die Länge von 1,25m könnte zumindest für Sitzriesen wie mich ein Problem darstellen. Mit dem N3Pro in der Hosentasche passt das gerade so. Bin ich unterwegs, dann muss der Zuspieler jedoch unbedingt in der Innentasche meiner Jacke verstaut werden, sonst kommt es vor, dass am Ende der Stecker aus dem Zuspieler herausgezogen wird.

Die MMCX-Buchsen sind etwas tiefer als sonst üblich in das Gehäuse eingelassen sind. Das vereitelt, dass ich bereits vorhandenen symmetrischen Kabel mit den IE 900 nutzen kann. Die Durchmesser der Steckergehäuse sind leider zu groß und verhindern das notwendige Einschieben in das Buchsengehäuse des IE 900.

Die mitgelieferten Tips decken die Standardgrößen ab. Spätestens mit den Memory-Foam-Tips sollte jeder einen optimalen Sitz hinsichtlich der Abdichtung erreichen, die unbedingt notwendig ist. Wer aber mit den beiliegenden Tips nicht zurecht kommt, der kann ganz normal Standard Tips nutze, dabei ist jedoch zu beachten, dass in den Tips ab Werk etwas Schaumstoff eingearbeitet ist. Dieses schützen auf jeden Fall noch zusätzlich vor möglichen Verunreinigungen. In wie fern diese noch klanglichen Einfluß haben, kann ich beim IE 900 nicht erhören.


Tragekomfort & Tip Mod


Beim Tragekomfort verweise ich für Details erneut auf meinen Bericht zum Sennheiser IE 300 halte ich mich kurz. Der Tragekomfort des IE 900 ist optimal!


Anstelle der beigelegten Tips nutze ich quasi als Tip-Mod erneut die Beyerdynamic Tips, die dem Xelento beigelegt werden. Seit ich den IE 300 besitze hat sich jedoch gezeigt, dass die “nur” XXL-Tips sogar noch besser mit dem Gehäuse zusammenspielen, anfangs nutzte ich die 3XL-Tips. Klanglich macht das keinen Unterschied, dafür schmiegen sich die Sennheiser Gehäuse nun ebenfalls noch schön in meiner Ohrmuschel vollflächig an. Das ist tatsächlich noch angenehmer und macht sie insbesondere zum Hören im Liegen auch noch perfekt.

Blasphemie oder Pakt mit dem Teufel? Egal! Für mich mit den 3XL-Xelento-Tips perfekt im Klang und Tragekomfort.



Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.


Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik “Events & Medien” veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201


Klang


Der Sennheiser IE 900 wird als neues Flaggschiff im Sennheiser IEM-LineUp positioniert. Ich darf vorwegnehmen, dass ich das auch genauso höre. Meine Einschätzung begründet sowohl darauf, dass ich weiß, was mir am IE 800s nicht gefällt, als auch darauf, dass ich mit dem IE 300 direkt vergleichen kann.

Der IE800s verfügt über einen ordentlichen Bass, klare Mitten und einem kräftigen Hochton. Der Kopfhörer ist im besten Sinne angeregt musikalisch getunet, wobei mir im Hochton dort klar in Erinnerung geblieben ist, dass er für meinen Geschmack zu viel zeigt. Es gibt Lieder, bei denen ich mich an teils fiese Nadelstiche erinnern kann.

Der günstigere IE 300 ist im Hochton schon moderater abgestimmt als der IE800s. Das war mir auch ohne Direktvergleich sofort aufgefallen und hat mir den IE 300 sofort sympathisch gemacht.

Nun höre ich mir den IE 900 an und bei ihm gibt es nicht diese Nadelstiche des IE 800s und er spielt im Vergleich zum IE 300 auch insgesamt noch etwas anders. Dazu später mehr. Wichtig ist es, zunächst die Eigenschaften des Sennheiser IE 900 möglichst objektiv heraus zu arbeiten. Also los…


· Bass


Angegeben von Sennheiser 5Hz als tiefste Bassreproduktion. Das kann ich nicht hören, doch klar ist, dass sich mit dem IE 900 ein Subwoofer-Gefühl einstellt. Schaue ich mir Filme an, dann fangen die IEMs regelrecht an körperlich zu werden. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Der Bassbereich reicht also unheimlich tief hinab und wird mit einer grandiosen Energie versorgt. Dabei ist der Bass immer kontrolliert und klar umrissen. Hier zeichnet definitiv der bereits beschrieben technische Aufwand verantwortlich. Der gesamte Bassbereich verläuft meiner Einschätzung nach sehr homogen. Ich nehme keine zusätzlichen Betonungen wahr und quer durch alle Genres hatte ich nicht einmal das Gefühl, da fehlt etwas oder da ist etwas zuviel.

Am ifi Audio micro iDSD Signature lässt sich ein xBass zuschalten, der vielen Kopfhörern in bestimmten Situationen gut tut und deren musikalische Darbietung durchaus unterstütz. Bei keinem einzigen Lied konnte der xBass eine Verbesserung erreichen. Auch wenn ab und an der Eindruck entstand, dass der (noch) kräftigere Bass mehr Spaß machen könnte, zeigte sich aber, dass dann die angesprochene Exaktheit einfach auf der Strecke blieb. Der Sennheiser IE 900 schient hier bereits so optimiert zu sein, dass der mit Eingriffen im Bassbereich für mehr Mass nur verschlimmbessert wird.

Gerade bei den elektronischen Songs meiner Playlisten blieb mir sprichwörtlich manchmal die Spucke weg. Und ich dachte, nach dem Sennheiser IE 300, dass es bei einem Single-Dynamiker kaum besser sein kann.
Doch, kann es!


· Mitten


Mit dem Sennheiser IE 900 werden Stimmen und Instrumente sehr ausgewogen reproduziert und er schafft es, genau die Banlance dabei einzuhalten, dass auch hier in jedem meiner Genres weder Stimmen zu weit vorne sind oder Instrumente ungünstig betont werden. Gesang und Instrumente sind gut voneinander separiert und im Raum hervorragende lokalisierbar. Im Vergleich zu einem Sennheiser HD800s natürlich dennoch sehr intim. Alles in allem ist die Darbietung der Mitten über alle Genres hinweg akkurat und im höchsten Maße befriedigend. Um hier nur einige Interpret*innen zu nennen, bei denen mir zeitweise die Augen feucht wurden oder sich Gänsehaut eingestellt hat: Gregory Porter, Jeff Cascaro, Carol Duboc, Patricia Barber und nicht zu vergessen Diana Krall und Ray Carlos


· Höhen


In dieser Disziplin hat mich der Sennheiser IE 900 absolut überrascht, nicht weil die Obergrenze bei 48.000 Hz liegt, denn je nach Tagesform ist bei mir maximal bei 16.400 Hz Schluss. Dennoch spielt der IE 900 absolut kristallklar, hochpräzise und mit einer unglaublichen Auflösung, dass ich zunächst dachte, er würde da ganz dem HD800s entsprechen. Ich stellte mich bereits darauf ein, den IE 900 nicht ganz so laut hören zu können. Allerdings blieb genau das aus. Eher das Gegenteil ist eingetreten. Der IE 900 schafft es, auch etwas langweilig abgemischter Musik mehr Lebendigkeit und Leichtigkeit einzuhauchen. Bei bereits sehr fett und dynamisch gemasterten Songs habe ich mich erwischt, dass ich die Lautstärke immer noch etwas hochgedreht habe. Was für klangliche Details der IE 900 mir da zum Teil offenbart, ohne anstrengend oder analytisch zu sein, ist erstaunlich. Ich bin mir fast sicher, dass er gemessen an einer möglichst neutralen Kurve sich messtechnisch nicht orientieren würde. Macht aber nichts, denn was Sennheiser da mit dem IE 900 fein und sauber abgestimmt hat, ist genau das, was sich sicher andere Hersteller vorstellen, es aber oft nicht erreichen. Wow!


· Räumlichkeit


Ich spreche das immer wieder an, jeder hört anders und in Sachen Räumlichkeit gibt es immer wieder Überraschungen, wie unterschiedlich doch Wahrnehmungen sind. Der Sennheiser IE 900 ist zumindest für mich einer der besten IEMs in Sachen ehrlicher Räumlichkeit. Gesang und Instrumente stehen gut voneinander separiert im Raum sowohl in der Breite als auch Tiefe. Beides sehe ich als überdurchschnittliche Abbildungsleistung in Bezug auf einen InEar-Kopfhörer. Hier gibt es nichts zu mäkeln.


· Dritthersteller- vs. Stock-Tips


Beim IE 300 hatte und habe ich das Gefühl, dass mit Tips von Dritten ohne die integrierten Schaumstoffscheibchen der von Sennheiser mitgelieferten Tips und durch eine ggf. abweichende Positionierung im Gehörgang in Bezug auf den Hochton in Nuancen durchaus ein klanglicher Unterschied besteht, was beim IE 300 etwas mehr Brillanz ausmacht.
Einen solchen Unterschied durch Tip-Wechsel höre ich beim IE 900 nicht. Das mag an der etwas anderen Abstimmung des IE 900 liegen, denn die Geometrie beider Hörer zum Ohr ändert sich bei beiden gleichermaßen. Im Prinzip ist es sogar sehr gut, dass diese Änderung keine hörbaren Auswirkungen für mich beim E 900 hat, denn so ist er für viele Nutzer hinsichtlich dem Sitz besser anpassbar bei gleichbleibendem Klangerlebnis.



Klangfazit


Der Sennheiser IE 900 versetzt mich in Entzückung, ja er verzaubert mich regelrecht.
Genau das erwarte ich von einem Kopfhörer, egal ob Flaggschiff und egal welche Zahl auf dem Preisschild steht.
Klanglich ist der IE 900 für mein Gehör hier und heute perfekt.
Wer noch etwas mehr Hochton-Energie benötigt, der hat die immer noch den IE 800s zur Auswahl.
So wie der Sennheiser IE 900 bis zu diesem Punkt abliefert, bin ich auf den Vergleich mit anderen IEMs in meinem Besitz sehr gespannt, nun denn…


Klangvergleich IE 900 mit…


· Fiio FD1

Der rein dynamische Fiio FD1 ist auch heute noch und insbesondere wegen seines geringen Preises um 65€ eine Empfehlung wert. Details sind im Testbericht zum Fiio FD1 verfügbar. Der Fiio FD1 spielt mit kräftigem Bass, gut aufgestellten Mitten und einem Hochton, der zwar eher relaxed daher kommt, doch immer noch ein schönes Gegengewicht zum Bass darstellt. Was im Vergleich zum IE 900 sofort auffällt ist noch nicht einmal in erster Linie der Unterschied in der Abstimmung, sondern eher um wie viel präziser, klarer und konturierter der Sennheiser zu Werke geht. Der IE 900 ist aber auch in der Abstimmung ausgeglichener und zeichnet mit einer sehr gefälligen Signatur.

· Fiio FD5

Im Vergleich zum Fiio FD5 spielt der Sennheiser IE 900 in den Mitten weitaus weniger betont und geht im Tiefbass kräftiger und akkurater zu Werke während der Oberbass keine besondere Präsenz hat. Dadurch klingt der IE 900 im ersten Moment nicht ganz so dynamisch, was sich aber mit dem Hören der verschiedenen Lieder schnell relativiert. Wo es mit dem FD5 dann nämlich gelegentlich zu Boom wird, lebt der IE 900 dann so richtig auf.
Im Hochton ist auch der FD5 schon nicht schlecht dabei und da stehen beide auch enger zusammen. Dennoch spielt der Sennheiser eine Liga über dem FD5. Der Superhochton ist kristallklar während ich manche Töne mit dem FD5 so nicht wahrnehme, der Spielt die oberen Mitten dafür etwas kräftiger, was ihn jedoch ab und an leicht aufdringlich werden lässt. Das ist beim IE 900 nie der Fall.


· IE 300

Mit dem IE 300 verhält es sich ein wenig wie mit dem FD5. Wie im Test zum Sennheiser IE 300 bereits festgestellt, bringt dieser eine leicht “boomige” Abstimmung im Bass mit, die ihm jedoch zugleich auch einen sehr dynamischen Punch verleiht. Der Oberbass ist ebenfalls etwas kräftiger als der Tiefbass, das ist beim Sennheiser IE 900 absolut im Gleichgewicht. Nicht ganz so viel wie es der Fiio FD5 macht, betont der IE 300 im Vergleich auch etwas mehr die unteren Mitten. Dadurch gehen Stimmen leicht nach vorne. Auch die oberen Mitten werden etwas kräftiger betont als beim IE 900 und so klingen Instrumente mit dem IE 300 gelegentlich etwas zu “hell”. In Sachen Mikrodetails ist der IE 900 deutlich ausgeprägter unterwegs während der IE 300 sogar im direkten Vergleich etwas gröber, körnig wirkt. Der IE 300 ist eher spaßig und energetisch abgestimmt und besitzt zugleich eine tolle räumliche und dennoch intime Abbildung.

Der IE 900 spielt deutlich samtiger und detaillierter bei zugleich etwas ausgeprägterer Räumlichkeit. Seine Abstimmung ist ausgeglichener, trotzdem anregend und gefälliger zugleich. Technisch absolut mindestens eine Klasse besser. Auch hier ist schon nach wenigen Minuten klar, was Sennheiser mit “Weiterentwicklung” meint. Das ist nicht einfach nur Marketing sondern Realität. Ich möchte es mal so beschreiben: Ein Bowmore 15 ist schon klasse, doch der 18 jährige legt einfach noch etwas drauf. Ist der IE 900 vielleicht schon der 26-jährige? Den habe ich noch nicht gekostet, doch der müsste so schmecken wie der Sennheiser klingt. 😉


· iBasso iT07

Beim IE 300 meinte ich noch, dass dieser Vergleich etwas unfair ist, weil beide preislich so weit auseinander liegen. Das gilt jetzt natürlich nicht. Nun ist es der Sennheiser IE 900, der etwa 30% über dem iBasso iT07 liegt.

Zur Erinnerung, der iT07 ist aus meiner Sicht ebenfalls nahezu perfekt abgestimmt, kommt aber mit einer anderen Signatur. Typisch für BA-Treiber bringt er in den Mitten und im Hochton ein besonderes Potential für Feinzeichnung und Auflösung mit. Der dynamische Treiber lässt ihn auch im Tiefbass mit der nötigen Energie spielen während er auch einen ordentlichen Kick-Bass mitbringt. Der iT07 geht mit einer erstaunlichen Akkuratesse zu Werke, an die der IE300 nicht ganz heran reicht, sehr wohl aber der Sennheiser IE 900. Er spielt im Hochton und Superhochton mit den Spezial-BA-Treibern gleichauf. Zusätzlich klingt er etwas feiner und runder. Das ist sicherlich subjektiv, was einem besser gefällt. Ein wenig wie Holz- und Blechblasinstrument.

Im Bass geht der iT07 eher nach vorne während der IE 900 einen homogen Bass mit viel Potential bietet, dass der Sennheiser wohl dosiert freisetzt. Ein wenig Understatement und wenn notwendig Zurückhaltung macht den Sennheiser IE 900 für mich noch eine Spur interessanter. Der iT07 geht im Vergleich stets nach vorne und zeigt, dass er da ist.

Ich hätte erwartet, dass der iT07 mit seinen präzise abgestimmten BA-Treibern definitiv Vorteile in Bezug auf Separation und Detaillierung mitbringt. Doch der IE 900 mit nur einem dynamischen Treiber ist so gut abgestimmt, dass ich mit ihm keine Nachteile gegenüber dem iT07 höre. Ganz im Gegenteil hören sich mit dem IE 900 insbesondere Live-Aufnahmen deutlich natürlicher an.

Beide besitzen einen hervorragenden Tragekomfort, doch der Sennheiser IE900 hat hier einfach die Nase vorn, denn mit dem kleineren Formfaktor der Treibergehäuse ist er noch universeller nutzbar. Zudem ist das Kabel derzeit für mich das beste IEM-Kabel auf dem Markt. Nehme ich nun noch die Preise dazu, hat jeder der beiden Kopfhörer genau den richtigen Preispunkt im Vergleich zueinander. Der IE 900 kostet mehr und gefällt mir noch etwas besser.


Zuspieler


Für diesen Testbericht habe ich mit allen mitgelieferten Kabeln gehört, bin später aber der Einfachheit wegen beim Stereo-Kabel mit 3,5mm-Klinke-Stecker geblieben. Der Klang ändert sich bei Nutzung der verschiedenen Kabel nicht. Und selbst am Smartphone reichte die Leistung aus, so dass die symmetrisch aufgebauten Kabel aus meiner Sicht keinen Vorteil bringen, denn zusätzliche Leistung wird für den Sennheiser IE 900 nicht benötigt.

Als Zuspieler habe ich mich in diesem Test begrenzt auf den Kopfhörerausgang meines MacBook Air M1, als DAP auf den Cayin N3 Pro sowie den iBasso DX220 Max und als DAC/Amp auf den ifi Audio micro DSD Signature.

Auch am Smartphone spielt der IE 900 absolut mehr als laut genug. Klanglich kann die Endstufe jedoch nicht mit den genannten Geräten mithalten. Vom MacBook Air M1 war ich sehr positiv überrascht. Das Notebook bietet eine satte Leistung bei toller Auflösung und das ohne hörbarem Grundrauschen oder sonstigen Störgeräuschen.
Das ist der Grund, warum ich oft einfach so den IE 900 auch beim Schreiben oder Surfen benutzt habe. Hinsichtlich der Klangqualität ist das Air auf jeden Fall auf Augenhöhe mit mittleren DAPs und Kopfhörerverstärkern.

Der ZEN Dac bzw. dessen integrierter Verstärker hinterlässt tendenziell den Eindruck einer etwas “dunkleren” Abstimmung, was aus einem leicht abgemilderten Hochton resultiert. Der iBasso DX220 Max hingegen spielt absolut neutral und “schärft” sogar noch klanglich ein wenig nach im Vergleich zu meinen anderen Zuspielern. An ihm wird der Sennheiser IE 900 zu einem absoluten Präzisionswerkzeug.

Sehr musikalisch geht dabei der Carin N3 Pro zu Werke, denn er bietet die interessanteste Option in der Hand, was die Färbung der Klangsignatur angeh. Der Röhren-DAP bietet drei Antriebsmöglichkeiten, eine lineare Ansteuerung mit Transistor-Endstufe sowie zwei Röhren-Modi. Im Ultra-Linear-Modus werden Stimmen und Instrumente zusätzlich etwas mehr betont, der Oberbass erhält ein wenig mehr Präsenz und Punch. Der Hochton profitiert von einer noch etwas schärferen Kontur, was beim IE 900 gerade noch in Ordnung ist. Als Triode betrieben wird der Klang insgesamt etwas schlanker im Bass und der Hochton bleibt nahezu unverändert. Stimmen werden nicht präsenter, dafür wird die Abbildung breiter, in etwa so, als hält man sich seine Hände als Vergrößerung hinter seine Ohren. Subtil und trotzdem gut hörbar. Gefällt mir beim IE 300 der Ultra-Linear-Modus am besten, wahrscheinlich weil der IE 300 damit noch etwas energischer und transparenter wird, gibt es keinen Modus, den ich mit dem IE 900 bevorzugen würde. Hier macht es Spaß zwischen diesen drei zu wählen und jeder macht Sinn. Live klingt im TR-Modus mit dem IE 900 noch ein Stück “wahrer”, Elektronische Musik und Vocals profitieren mit dem UL-Modus und für alles andere ist der Transistor-Modus hervorragend geeignet. Das ist nun sehr allgemein gehalten und ist nur mein grobes Empfinden.

Mit dem IE 900 wird aber schnell klar, dass er mehr noch als der IE 300 auf die zugespielte Qualität anspricht. Daher habe ich ihn sehr oft am ifi Audio micro iDSD Signature betrieben, wenn ich wusste, dass ich längere Hörsessions einlege. Der Signature funktioniert ohne Probleme an einem beliebigen Notebook, dem iPadPro oder meinem Smartphone und schon geht es mit Qobuz los in bester Qualität.


Unterm Strich kann ich sagen, dass egal welcher Zuspieler genutzt wird, der Sennheiser IE 900 sein Potential entfaltet. Er arbeitet besser die Unterschiede der Quellen heraus als es beispielsweise der IE 300 leisten kann. Dabei klingt er nicht “besser” sondern stellt auf seinem Reproduktionsniveau kleinste Veränderungen noch exakter dar. Das ist in jedem Fall faszinierend und zuweilen kann das sogar unbemerkt ein wenig vom Musikgenuss ablenken.

mit Klick auf das Bild geht es zum Youtube-Video…



Fazit



Der Sennheiser IE 900 spricht mit einem UVP von 1.299,-€ als neues Flaggschiff natürlich eine andere Käuferschicht aan als der IE 300. Schon von dem war ich begeistert, was Sennheiser da für einen vergleichsweisen geringen Preis auf den Markt bringt.

Nun bringt der IE 900 natürlich keine vierfach “bessere” Performance. Die Frage ist eher, ob beispielsweise das “Bessere” eines IE 900 zu einem IE 300 den Mehrpreis von 1.000 € rechtfertigt. Hätte ich nicht beide intensiv im Vergleich hören dürfen, wäre das wahrscheinlich ein No-Go für mich. Allerdings ist es genau der Sennheiser IE 900, bei dem ich mir persönlich nach einigen Tagen der Nutzung eine solche Investition vorstellen könnte.

Der Sennheiser IE 900 ist mit seinem Erscheinen im Mai 2021 für mich einer der besten Single-Dynamiker weltweit, vielleicht sogar der beste. Bestimmter kann ich nicht werden, da ich natürlich nicht alle auf dem Markt existierende Single-Dynamiker hören kann. Ich glaube aber, dass zwischen dem IE 900 und dem absolutem Optimum sprichwörtlich kein Blatt mehr dazwischen passt. Nicht umsonst habe ich ihn direkt als Referenz mit phänomenalen 98% bewertet.


Am Ende meines intensiven Tests und meines Bewertungsergebnisses bin ich dann doch etwas sprachlos. Was soll ich zum IE 900 noch schreiben? Einfach Weltklasse!


Damit habe ich alles zum Sennheiser IE 900 gesagt und freue mich, den genialen Kopfhörer jetzt noch weiter genießen zu können…



Bewertung

Sennheiser IE 900 - Referenzklasse
Insgesamt
98.3%
98.3%
  • Tiefbass - 98%
    98%
  • Bass - 98%
    98%
  • Mitten / Stimmen - 98%
    98%
  • Mitten / Instrumente - 98%
    98%
  • Obere Mitten - 98%
    98%
  • Brillanz / Hochton - 98%
    98%
  • Auflösung / Transparenz - 98%
    98%
  • Räumlichkeit / Separation - 98%
    98%
  • Dynamik - 98%
    98%
  • Design - 100%
    100%
  • Verarbeitung - 100%
    100%
  • Konstruktion - 100%
    100%
  • Tragekomfort - 96%
    96%

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Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Focal Clear Pro, Sennheiser HD800s, DCA Ether2, DCA AEON Flow 2 Open, Stax L500 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Focal Celestee, DCA AEON2 Noiré; Im Bestand sind folgende InEars: Sennheiser IE900, iBasso iT07, Fiio FD1, IMR Ozar; Dauerhaft eingesetzte DAPs: iBasso DX300 Max, DX300 & AMP12, Cayin N3Pro; Kopfhörerverstärker im Bestand: Audiovalve Solaris, SPL Phonitor XE & Phonitor One D, ifi Audio ZEN DAC & CAN, micro iDSD Signature