InEar-Kopfhörer Sennheiser IE 600 im Test -audiophiler Allrounder

Sennheiser ergänzt mit Einführung des IE 600 am 2. März 2022 die Produktreihe der InEar-Kopfhörer. Auch beim neue IEM kommt die Gehäuseform zum Einsatz, welche bereits vom IE 300 und IE 900 bekannt ist. Erneut setzt Sennheiser auf rein dynamische Single-Treiber. Wie sich der IE 600 nun zwischen den beiden Neuentwicklungen aus 2021 einfügt, dazu nun mein Eindruck.


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Der IE 600 wurde mir von Sennheiser für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!



Vorwort


Sennheiser hat bereits mit dem Einstiegskopfhörer IE 300 gezeigt, dass für “kleines Geld” bereits ein sehr guter IEM im HiFi-Segment im Programm ist. Für höchste Ansprüche im Detail, sowohl in der Verarbeitungsqualität als auch im Klang, wurde bereits als Flaggschiff der IE 900 auf den Weg gebracht.

Nicht nur in Sachen Bezeichnung sondern auch im Preis drängt sich die Lücke zwischen dem IE 300 und IE 900 geradezu auf. Das haben die Strategen bei Sennheiser natürlich auch festgestellt und nun Abhilfe geschaffen.

Der Sennheiser IE 600 liegt namentlich genau in der Mitte. Mit seinem Preis von 699,-€ allerdings liegt er sogar ein gutes Stück darunter.

Vor dem Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels konnte ich den IE 600 bereits knapp drei Wochen intensiv testen. Ich darf sagen, dass mich dieser Kopfhörer verwirrt und zugleich fasziniert hat. Und ich darf vorweg nehmen, am Ende handelt es sich beim IE 600 um einen hervorragenden InEar-Kopfhörer. Mehr noch, ich gehe sogar soweit, dass ich ihn als “den heimlichen Star” bezeichne.

Wie sich diese Aussage mit dem IE 900 als Flaggschiff ausgeht? Spannend, oder?


Verpackung & Lieferumfang


Wie schon zuvor der IE 900 wird auch der Sennheiser IE 600 in einer dreiteiligen Verpackung geliefert. Der Umkarton ist bedruckt und zeigt auf der Vorderseite die Gehäuse, deren Oberfläche mich an den Hammerschlag-Lack alter Ormig-Overheadprojektoren während meiner Schulzeit erinnert, quasi eine Mondlandschaft in Miniaturausführung. Das Hi-Res-Logo prangt ebenfalls wieder recht groß unten links auf der Vorderseite des Kartons.

Bis auf ein paar Piktogramme, die Seriennummer des Kopfhörers, grundlegende Informationen zu Sennheiser sowie das Echtheitssigel auf der Rückseite verrät der Karton auch in diesem Fall nichts Konkretes zur enthaltenen Technik. Informationen über die Wirkungsweise des Treibers oder einfach nur technische Daten sucht man vergebens.

Eine Kleinigkeit fällt mir dennoch auf, denn auf dem Aufkleber heißt es “Made in Germany”. In den Info-Unterlagen und im Live-Event von Sennheiser war die Rede davon, dass die Kopfhörer in Deutschland entwickelt, jedoch in Irland hergestellt werden. Daher gehe ich davon aus, dass der mir zur Verfügung gestellte Kopfhörer einer der wenigen ist, die möglicherweise in Kleinserie vorab aus 3D-Druckern der Wedemark entstammen. Ich gehe aber davon aus, dass es klanglich keine Unterschiede geben wird, da es sich bereits um das verkaufsfertige Endprodukt handelt.




Nach dem Öffnen der Umverpackung entnehme ich eine Auszugbox, welch in der Farbgebung auf die Treibergehäue abgestimmt ist. Die Box macht einen hochwertigen Eindruck und die Oberfläche fühlt sich “samtweich” an.

Mit dem Herausziehen der Schublade aus der Sennheiser Schmuckschatulle fällt mein Blick als erstes auf die im schwarzen Schaumstoff-Bett liegenden und grau schimmernden Gehäuse aus amorphen Zirkon. Ein Metall, welches durch die besondere Beschaffenheit hoch bruchsicher ist und maximalen Belastungen trotzt. Unter schwarzem Seidenpapier findet sich dann sogleich ein per Hand unterschriebenes Echtheitszertifikat sowie eine Produktkarte mit QR-Code.

Nahezu identisch zum IE 900 befinden sich in der Ebene darunter die Tips, je 3x Silikon und 3x Memory Foam, ein Kabel mit 3,5mm-Stereo-Klinke und ein Kabel mit 4,4mm-Pentaconn-Stecker (im Hardcase verstau) jeweils auf MMCX, ein Reinigungs-Werkzeug, ein Kabelclip und unter dem schwarzen Hardcase die Produktbeschreibung des IE 600 – in 19! Sprachen.



Technische Daten & Infos

  • Treiber: 7mm XWR Treiber, dynamisch
  • Frequenzgang: 4 Hz- 46.500 Hz, diffusfeldentzerrt
  • Wirkungsgrad: 118 dB (1kHz, 1Vrms)
  • Dämpfung: -26 dB
  • Impedanz 18 Ohm
  • THD: <0.06 % (1kHZ, 94dB)
  • Verbindung: MMCX
  • Gewicht: ca. 6 gr je Gehäuse mit Tip

Die aufgeführten Informationen wurden aus der dem IE 600 beiliegenden Bedienungsanleitung entnommen, welche darüber hinaus weitere Details enthält. Ohne Gewähr.


Beim IE 600 werden die schon seit dem IE800 bekannten XWB-Treiber eingesetzt, während im Flaggschiff IE 900 die weiter entwickelten X3R-Treiber enthalten sind. Beide Treiber sind technisch optimiert und klanglich hervorragend. Die Gehäuse des IE 600 bestehen aus amorphen Zirkon, das aus dem 3D-Drucker kommt. Im Inneren sind die Gehäuse mit einem Zweikammer-System ausgestattet. Diese Helmholtz-Resonatoren sorgen für eine klarere Klangdifferenzierung.



Design & Verarbeitung


Wie schon erwähnt, gibt es beim IE 600 in Sachen Design keine größeren Überraschungen, denn schon der IE 300 und der IE 900 besitzen diese typische Gehäuseform. Die Gehäuse bestehen beim IE 600 nun allerdings aus amorphen Zirkonium. Von diesem sagt Sennheiser, dass es aufgrund der strukturellen Beschaffenheit etwa dreimal stärker als Stahl und damit auch besonders robust ist.

Im Teaser Video zum IE 600 hatte Sennheiser die Oberfläche stark vergrößert aufgenommen. Dabei erschien diese ein wenig wie eine Mondlandschaft. Allerdings darf ich sagen, dass aus 10-15 cm Betrachtung die Oberfläche sehr ruhig und regelmäßig aussieht. Zudem fassen sich die Gehäuse sehr angenehm an.

Die MMCX Buchsen sind erneut leicht vertieft in die Gehäuse eingelassen. Das bedeutet wiederum, dass hier Standardkabel mit MMCX-Stecker nicht angebracht werden können. Für mein Dafürhalten ist das aber auch nicht weiter schlimm. Die von Sennheiser mitgelieferten Kabel gehören für mich immer noch mit zu den besten Kabeln für InEar-Kopfhörer. Die Kabel sind zwar recht einfach gehalten, sie sind aber sehr robust und strapazierfähig. Körperschall überträgt sich so gut wie gar nicht.


Hinweise – “geheimes Wissen”



Wer kennt das nicht? Nach dem Hören rollt man das Kabel über drei Finger zusammen, steckt es in die Hosentasche oder das Case. Wenn es später wieder aus der Hosentasche herausgenommen wird, geht das zeitraubende Entwirren los, weil sich linkes und rechtes Kabel beliebig um- und ineinander verflochten haben. Dem kann aber auf einfache Weise abgeholfen werden!

Wie viele andere Kabel hat auch das Sennheiser Kabel hinter dem Splitter eine verstellbare Kabelführung. Diese Kabelführung ist nicht etwa dazu gedacht, nach dem Anlegen der Kopfhörer sich das Kabel unter dem Kinn fest zu schnallen. Viel mehr sorgt diese Kabelführung dafür, dass nach dem Absetzen die Kabel bis zu den Gehäusen hin definiert mit dieser Führung zusammengehalten werden.

Was bedeutet das? Ganz einfach, die einzelnen Enden links und rechts werden auf ein Minimum verkürzt. So aufgewickelt gibt es beim nächsten Abrollen kein Verheddern. Probiert es einfach selbst einmal aus. Vorbei das lästige Gefummel… und zwar egal bei welchem Kabel.





Tragekomfort & Tip Mod


Und auch in dieser Rubrik darf ich wieder für die Details auf meinen Bericht zum Sennheiser IE 300 verweisen. Bei allen drei IEMs kann ich keine Unterschiede im Sachen Tragekomfort feststellen. Auch wenn die Nozzle (Tip-Aufnahme) nicht im 90° Winkel zur Fläche steht und etwas schräger nach hinten geneigt ist, bietet mir der IE 600 ebenfalls optimalen Tragekomfort.

Beim Thema Tips verhält es sich ebenfalls wieder analog zu IE 300 und IE 900. Ich kann leider mit den beiliegenden Silikonen und Foams nichts anfangen. Daher greife ich auch beim IE 600 wieder auf meinen bewährten “Tip-Mod” zurück.


Zur Erinnerung:
Anstelle der beigelegten Tips nutze ich als “Tip-Mod” die Beyerdynamic Tips, die auch dem Xelento beigelegt werden. Ich nutze die XXL-Tips. An die Gehäuse angebracht schmiegen sich die IE 600 hervorragend in meiner Ohrmuschel vollflächig an. Die Sennheiser IEMs versinken regelrecht im Ohr und sind auch nahezu unsichtbar. Das kommt auch meiner Gewohnheit zu Gute, vor dem Einschlafen auch gern auf der Seite liegend Musik zu hören. Mit den Sennheiser IEMs und den optimalen Tips ist das gar kein Problem!



Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.


Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik “Events & Medien” veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201




Klang



Schon mit den ersten Tönen wusste mir der IE 600 sehr zu gefallen. Sofort stellte sich das ein, was ich auch heute immer noch mit dem IE 900 erlebe. Klanglich rasten beide IEM sofort bei mir ein. Damit ist Gänsehaut beim Musikhören garantiert.

Natürlich komme ich nach diesem ersten Eindruck nicht umhin, direkt mit dem IE 900 zu vergleichen. Tatsächlich bietet mir der IE 600 mehr Details als das Flaggschiff IE 900. Das bedeutet aber auch, dass die Präsentation eher in die analytische Richtung geht. Nach den ersten Minuten drängten sich mir schon direkt zwei Einschätzungen auf. Zum einen kam mir der IE 600 insgesamt “heller” vor als der IE 900 und zum anderen hatte ich direkt ein gewisses “Klang-Dejavu”. Was das bedeutet, sollte sich später allerdings erst noch zeigen.


· Verwirrend


…ist die Tatsache, dass ich den IE 600 als deutlich analytischer empfinde, er mich aber genauso abholt wie der IE 900. Den Unterschied zum IE 900 höre ich sofort auch ohne direkten Vergleich. Trotzdem fesselt mich der Bass gepaart mit der klaren Stimmen- und Instrumentenwiedergabe sowie der grandiosen Räumlichkeit vom ersten Moment an. Der IE 900 spielt im Vergleich etwas “gelassener”.


· Faszinierend


…ist der Umstand, dass mir also der IE 900 im direkten Vergleich deutlich entspannter, ja sogar wärmer vorkommt. Er rastet auch sofort wieder bei mir ein wie ich es bisher gewohnt bin. Allerdings ist das beim IE 600 genauso der Fall, ohne dass etwa der IE 900 abgelöst wird. Das empfinde ich als hoch faszinierend. Trotz unterschiedlicher Abstimmungen mag ich keinem den Vorzug geben.


· Hervorragend


…klingen beide trotz im Detail unterschiedlicher Abstimmung. Ich hatte erwartet, dass sich eigentlich einer als Favorit “durchsetzen” müsste. Dem ist aber nicht so. Beide IEM verfügen in meinen Ohren über die gleiche, hervorragende Grundabstimmung und gehen dann im Detail in zwei unterschiedliche Richtungen. Das macht beide für sich genommen einfach zu optimalen InEar-Kopfhörern.


· Audiophil


…kennzeichnet zwar beide IEMs, jedoch auf unterschiedliche Weise. Der IE 900 ist für mich eher der wärmer und gelassenere Kopfhörer, der zum absoluten Genießen einlädt und trotzdem keine Details vernachlässigt. Der IE 600 hingegen spielt noch feinzeichnender, hebt Stimmen etwas deutlicher hervor und verleiht Instrumenten noch etwas mehr Brillanz. Das ist es, was ihn für mich insgesamt auch etwas heller und analytischer klingen lässt.

Doch da ist noch mehr. Ich sprach über ein Dejavu und tatsächlich geht der Klang des IE 600 deutlich in die Richtung des Sennheiser HD800s, das Flaggschiff von Sennheiser im offenen OverEar-Bereich. Eher zufällig habe ich diese Klangsignatur am HD800s festmachen können. Da der bereits wieder länger auf seinen Einsatz wartet, hatte mich der IE 600 dazu animiert, wieder einmal mit dem großen Bruder am Abend Musik zu hören. Und sofort war klar, woher dieses Klang-Dejavu kam. Der IE 600 bietet dabei den kräftigeren Bass bei eher IEM typischer, räumlichen Abbildung. Doch was die Auflösung und den allgemeinen Klang angeht, wird es mit den IE 600 richtig spannend. Er ist für mich quasi der HD800s für die Hosentasche.


Messungen & Klangvergleich IE 900


Seit ich die EARS-Messstation angeschafft habe, bin ich in der Lage, auch regelmäßig Messungen bei IEMs durchzuführen. Der große Vorteil ist nun, dass ich auch genau die Xelento-Tips bei meinen Messungen benutzen kann. So erhalte ich Messungen mit dem Setup, welches ich täglich benutze. Und egal wie oft ich die IEMs in die Silikon-Ohren neu einsetze, die Messergebnisse sind stets nahezu deckungsgleich reproduzierbar. Das macht es umso interessanter, nun auch unterschiedliche IEMs miteinander zu vergleichen.

Wichtig dabei ist, dass es mir nicht unbedingt darum geht, ob die Messungen nun die Harman-Kurve abdecken oder nicht, sondern wie sich verschiedene Modelle zueinander verhalten.
Konkret bedeutet dass, ob ich die hörbaren Unterschiede zwischen IE 600 zum IE 900 sich auch visuell nachvollziehen lassen. Und ja, die Messung unten, welche die “Abweichung” des IE 600 zum IE 900 zeigt, bestätigt mir und erklärt vielleicht auch für Dritte, was ich heraushöre.

Tiefbass, Stimmen & Instrumente sowie Brillanz und Superhochton sind beim IE 600 teils deutlich betonter als beim IE 900


· Bass


Beim IE 600 stellt sich ein ähnliches Subwoofer-Gefühl ein wie beim IE 900. Ja, insbesondere beim Ansehen von Filmen legt der IE 600 sogar noch einen drauf, was aber nicht nur für den Bassbereich gilt.
Die Messung im Vergleich zum IE 900 als Referenz zeigt das auch. Trotz der immensen Energiefreisetzung im Bass bleibt er stets kontrolliert und klar umrissen.


· Mitten


Geht es um die Sprachverständlichkeit, hat der IE 600 da auch die Nase vorn. Das führt aber auch dazu, dass er einfach etwas heller insgesamt wirkt. Zumindest bei mir ist das so, da ich diesen Frequenzbereich sensibel wahrnehme und die Gesamtlautstärke eher danach ausrichte. Das führt dazu, dass ich die Lautstärke beim IE 600 insgesamt etwas absenke beim Vergleichshören. Trotz kräftigeren Bass wirkt der IE 600 somit “heller” als der IE 900.

Als “schlimm” empfinde ich das jedoch nicht, denn die Präsentation insbesondere von Stimmen ist mit dem IE 600 damit mustergültig. Es macht mir fast noch mehr Spaß mit ihm Gregory Porter oder Patricia Barber zu hören als mit dem IE 900.


· Höhen


Im Hochton verhalten sich der IE 600 und der IE 900 recht ähnlich und doch deutlich unterschiedlich. Der IE 600 ist ab ca. 9kHz deutlich energetischer unterwegs als der IE 900. Dieser hingegen betont bei 6kHz und 8kHz Details deutlicher. Das lässt den IE 600 zwar analytischer klingen, trotzdem schenken sich beide nicht wirklich etwas in der Darstellung wichtiger Details. Der IE 900 spielt allerdings etwas “gelassener” und auch etwas “aufgeräumter”.


· Räumlichkeit


Der IE 600 verfügt über eine sehr starke Räumlichkeit, muss sich aber dem IE 900 geschlagen geben. Offensichtlich hat die Abstimmung im oberen Frequenzbereich wie bei einem geschlossenen Kopfhörer auch beim InEar einigen Einfluß auf die Fähigkeit der räumlichen Abbildung. Der IE 600 legt klar den Fokus auf ein Mehr an Details.

Die Ausstattung für die einsame Insel: Sennheiser IE 600 und Cayin N3 Pro



Klangfazit



Ich möchte sagen, die phänomenale Räumlichkeit des HD800s einmal außen vor gelassen, dass der IE 600 quasi der HD800s im Miniformat ist. Zusätzlich jedoch mit einem knaller (Tief-)Bass, der selbst mit einem Equalizer beim OverEar nicht zu erreichen ist.

Der IE 600 ist der zweite InEar von Sennheiser, den ich für mich als perfekt bezeichne. Wie schon zuvor beschrieben, bietet mir der IE 600 genau die Grundabstimmung wie der IE 900, die mir Gänsehaut bereitet. Der IE 600 setzt mit der detailreichen Auflösung, der höheren Sprachverständlichkeit und dem kräftigeren Tiefbass genauso einen Akzent wie es der IE 900 mit der gelassenen, warmen und aufgeräumten Präsentation vermag.

Zitat aus dem Bericht zum IE 900:
“Wer noch etwas mehr Hochton-Energie benötigt, der hat immer noch den IE 800s zur Auswahl.”
…oder nun im IEM-Formfaktor den IE 600, der genau das bietet plus einen grandiosen Tiefbass.


Weitere Klangvergleiche IE 600 vs.


Mit dem IE 900 habe ich bereits ausführlich verglichen, das hat sich aufgedrängt. Daher spare ich mir an dieser Stelle weitere Vergleiche. Ich werde aber noch kurz auf den IE 300 sowie auf den iBasso iT07 eingehen.


· IE 300


Der IE 300 bringt eine leicht “boomige” Abstimmung im Bass mit und etwas weniger Energie im Hochton. Er ist im Vergleich mit mehr Punch im Oberbass unterwegs bei weniger Hochtonenergie. Im Bereich der Stimmen sind beide ähnlich konkret unterwegs, wobei der IE 600 präziser zu Werke geht. Der IE 300 ist in der Dreier-Riege als Einsteiger-Kopfhörer “der geniale Spaß-Kopfhörer”.

Der IE 600 spielt deutlich ausgeglichener und präziser. Er zeigt alle Feinheiten genau auf und unterschlägt keine Details. Trotzdem beeindruckt er mit seiner Basspräsenz und der leichten Spielweise. Trotzdem, der IE 600 ist für mich “der audiophile Allrounder”.

Anmerkung: Vergleichsmessungen vom IE 300 zu IE 600 kann ich leider nicht liefern


· iBasso iT07


Der iT07 reicht im Tiefbass nicht so tief hinab wie der IE 600. Zugleich ist er auch im Hochtonbereich etwas sanfter unterwegs. Beides gleicht sich aus und auch den iT07 würde ich als ähnlich ausgeglichen wie den IE 600 sehen. Im Auflagepunkt der gedachten Waage ist der iBasso jedoch etwas betonter unterwegs. Er geht bei Gesang und Instrumenten noch einen Schritt weiter als der Sennheiser IE 600 und gibt noch etwas mehr Betonung in diesem Bereich.

Allerdings klingen die Mitten und der Hochton durch die Balanced Armature Treiber etwas kühler als es bei den Sennheiser IEMs der Fall ist. Das ist nun eine Frage des Geschmacks, ob die präzisen BA-Treiber besser zu gefallen wissen oder die energetische Präsentation des dynamischen Vollbereich-Treibers des Sennheiser. Auch wenn ich den IE 600 eher als analytisch bezeichne, so ist er im Vergleich mit dem iBasso iT07 dennoch ein Hauch gelassener unterwegs. Das möchte ich aber daran festmachen, dass die BA-Treiber nach meiner Einschätzung stets eine gewisse Schärfe, bisweilen etwas “Metallisches” mitbringen. Auch beim iT07 ist das der Fall, wovon sich der IE 600 leicht positiv absetzt, ohne weniger Energie in Details zu liefern. Der Sennheiser liefert eine klarere Brillanz und liefert deutlichere Hochtondetails.

schön zu sehen der zum IE 600 betontere Bereich in den Mitten



Zuspieler


Als Zuspieler habe ich mir von ifi audio den Go Blu und den Gryphon vorgenommen sowie bei den handlichen DAPs den Cayin N3 Pro und den Astell & Kern SR25ii. Unter den Boliden durften der iBasso DX300 und der Fiio M17 ran. Stationär kamen der Astell & Kern Acro CA1000 und der SPL Phonitor XE zum Einsatz.

Ich habe die IE 600 ausschließlich an dem mitgelieferten Kabel mit 3,5mm-Stereo-Klinke betrieben, denn egal mit welchem Zuspieler, alle hatten genug Leistung um ihn ordentlichst antreiben zu können.

Paarungen & Besonderheiten


Tatsächlich vermag ich nicht zu sagen, welche Kombination mit dem IE 600 die beste ist. Die Astell & Kern Geräte spielen eine Spur aufgeräumter und räumlicher. ifi ist etwas gelassener unterwegs und bietet bei Bedarf xBass und xSpace an, sehr cool mit dem IE 600. Der DX300 und der Fiio M17 sind etwas wärmer abgestimmt und bieten ein wenig mehr Kick im Bass.

Der SPL Phonitor XE spielt komplett zwischen allen und zeigt seine Studioqualität. Gepaart mit der Phonitor-Crossfeed-Matrix lässt sich der IE 600 nahe zur Perfektion bringen. Abstrahlwinkel auf 35° gestellt und die Intensität auf 3. Als wenn Sennheiser den IE 600 genau für den SPL Kopfhörerverstärker entwickelt hätte. Knaller.



Mobile Empfehlung


Im mobilen Bereich ist der Cayin N3 Pro noch unbedingt zu erwähnen, da er über drei Klangmodi allein dadurch verfügt, dass er zwei Röhrenmodi zu dem Transistor-Modus anbietet. Tatsächlich gefällt mir der Trioden-Modus mit dem IE 600 sogar am besten. Damit geht der IE 600 in Richtung IE 900, spielt also deutlich gelassener. Im UL-Modus werden Stimmen und Instrumente besonders betont und so wird der IE 600 quasi zum iT07, den ich hier auch beschrieben habe.

Aufgrund dieser Optionen ist es auch diese Kombination, die ich als Klang-Chamäleon uneingeschränkt empfehlen möchte. Sennheiser IE 600 und Cayon N3 Pro sind nicht nur als Einstieg in die audiophile Welt bestens geeignet, sondern wären für mich derzeit das Set, welches ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde.



Hinweis an MacBook Pro M1 Nutzer


Laut Apple haben die neuen MacBook Pro einen HighEnd-Kopfhörerverstärker integriert, der sowohl für Kopfhörer bis zu 600Ω mit ausreichend Leistung antreiben kann und zugleich intern von einem potenteren hiRes-DAC mit 96/24 gefüttert werden soll.
Auch am MacBook Pro habe ich den IE 600 direkt betrieben. Das MacBook Pro M1 hat mit der Lautstärke kein Problem. Im Vergleich zu meinen externen DAC-/KHV-Lösungen ist bildet der Kopfhörerverstärker den Klang allerdings im Hochtonbereich durchweg etwas heller ab. Insgesamt ist das nicht viel, doch insbesondere bei Kopfhörern wie dem IE 600 und IE 900 gut wahrnehmbar. In der Kombination mit ein paar Songs meiner Playlist gibt es dann doch einige Nadelstiche, die mit meinen bewährten Lösungen nicht auftreten.




Fazit



Der IE 600 hat mich verwirrt, fasziniert und zugleich absolut überzeugt. Mindestens alle Klangfreunde, welche den HD800s lieb gewonnen haben, dürfen sich unbedingt auf den IE 600 freuen. Den sehe ich quasi als Pflichtkauf an.

Der IE 600 macht an allen von mir getesteten DAPs und KHVs stets eine sehr gute Figur. Mit dem N3 Pro wäre er aktuell sogar mein Setup für die einsame Insel. Irre gut diese Kombination.

Mit dem IE 900 hat Sennheiser den “Hifi-InEar” schlechthin platziert. Mit dem IE 600 jedoch ist Sennheiser das Kunststück gelungen, mit nur geringen klanglichen Änderungen vielleicht den audiophilen Allrounder aller IEMs zu erschaffen.

In Anbetracht des Preises von 699,-€ legt Sennheiser mit dem IE 600 schon zu Anfang des Jahres 2022 die Messlatte für alle Mitbewerber maximal hoch, wenn es um die audiophile IEM-Krone im noch dreistelligen Preisbereich geht.



Bewertung

  • 100%
    Tiefbass - 100%
  • 100%
    Bass - 100%
  • 98%
    Mitten / Stimmen - 98%
  • 98%
    Mitten / Instrumente - 98%
  • 98%
    Obere Mitten - 98%
  • 98%
    Brillanz / Hochton - 98%
  • 98%
    Auflösung / Transparenz - 98%
  • 98%
    Räumlichkeit / Separation - 98%
  • 98%
    Dynamik - 98%
  • 100%
    Design - 100%
  • 100%
    Verarbeitung - 100%
  • 100%
    Konstruktion - 100%
  • 96%
    Tragekomfort - 96%
98.6%

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Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Hifiman Edition XS, Sennheiser HD800s, Meze Liric, DCA AEON Noiré, Austrian Audio Hi-X65 & 60, Avantone Pro ; InEar-Lineup: Sennheiser IE900 & IE600, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: iBasso DX240 & AMP8 MKii, Astell & Kern Acro CA1000 & SR25ii, Cayin N3Pro; Kopfhörerverstärker im Bestand:SPL Phonitor XE, ifi Audio Gryphon, Cayin RU6, SMSL DO100 & HO100