Beyerdynamic T1 im Test – offener Kopfhörer als audiophiles Flaggschiff in 3. Generation

Beyerdynamic T1 in Neuauflage. Während heutzutage Flaggschiffe zumindest im Preis immer neue Superlativen erreichen, bleibt Beyerdynamic seiner Linie treu. Auch die neuen Flaggschiffe T1 und T5, welche ich hier auf Miniklangwunder vorstelle, sind weiterhin für 999€ erhältlich. Was technisch und klanglich zu erwarten ist, schaue und höre ich mir nun beim T1 der 3. Generation genau an…


 


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Die T1 wurden mir für diesen Test leihweise von Beyerdynamic zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Vorwort


Bisher war es mir nicht möglich die beiden ersten Generationen des T1 zu hören. Daher kann ich in diesem Bericht nicht auf etwaige Unterschiede zu den früheren Generationen eingehen. Möglicherweise ist das jedoch gar nicht so verkehrt, denn so gehe ich unbefangen an den T1 der 3. Generation heran.

Der erste Punkt auf der Pro-Seite ist der Preis. Denn auch der ist im Jahr 2020 für das Flaggschiff als halboffener Kopfhörer aus dem Hause Beyerdynamic weiterhin bei 999€ und somit seit Jahren unverändert auf stabilem Niveau.

Der zweite Punkt ist, was ich den bisherigen mir bekannten Stimmen anderer Rezensenten entnehmen kann, die offensichtliche Änderung des bisherigen Klangtunings. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn ein Hersteller sich etwas traut und sich auch neu erfindet.

Offensichtlich polarisieren der T1 und der T5 in der 3. Generation. Umso mehr bin ich gespannt, wie mir beide zusagen. Den Anfang macht nun der Beyerdynamic T1 Over-Ear-Kopfhörer…



Verpackung & Zubehör


Der T1 Kopfhörer wird in einem einfachen, genauer umweltfreundlichen Pappkarton ohne unnötige Kunststoffteile geliefert. Auf dem Karton sind lediglich Fotos vom T1 aufgedruckt. Im Karton befindet sich neben dem Benutzerhandbuch ein sehr edles Hardcase mit Velours-Oberfläche, sowohl innen als auch außen. In ihm liegt der T1 sicher gebettet. Das links und rechts steckbare Kabel mit einer Länge von 3m mit einem 3,5mm Stereo-Klinkenstecker und aufgeschraubten 6,3mm Klinke-Adapter befindet sich ebenfalls im Case.



Design & Verarbeitung

Nach dem Ausflug in Richtung Amiron Home mit den zylindrischeren Gehäusen findet sich das klassische Beyerdynamic-Design im T1 der 3. Generation wieder.

Der T1 wurde jedoch hinsichtlich Einfachheit und Kosten optimiert. Die mit der Pad-Aufnahme erweiterten Klemmringe sind ebenso verbaut wie die schlanken Gehäuse-Gabeln und das rundum vernähte und mit Alcantara abgesetzte Kopfband. Die Anbindung der Gabeln am Gehäuse erfolgt durch Kunststoffblöcke wie sie auch bei den einfachen Modellen zum Einsatz kommen. Die Gabeln selbst sind schlicht gehalten und ohne Gravur, Stanzungen oder Laserschnitt.

Man könnte sagen, das ist für einen Flaggschiff-Kopfhörer ein Rückschritt, doch ich sehe es anders. Beyerdynamic nutzt viele Einzelteile aus dem vorhandenen Bestand. Diese haben sich über Jahre bewährt und sind von hoher Qualität. So wird trotz hochwertiger Teile eine in jeglicher Hinsicht optimierte Produktion gewährleistet und das Flaggschiff weiter für 999€ angeboten. Dazu kommt, dass im Bereich der Instandhaltung jeder Kunde damit auch Aussicht auf kostengünstige und hochwertige Ersatzteile hat, sollten diese einmal notwendig werden. Für eines ist Beyerdynamic seit jeher bekannt, nämlich für “Made in Germany” und der damit verbundenen, absoluten Nachhaltigkeit über Jahrzehnte hinweg!



Technische Daten

Akustische Bauweiseoffen
Übertragungsartkabelgebunden
BauformOver Ear
Gewicht360 gr
Nennimpedanz32 Ohm
Kennschalldruckpegel100 dB/mW
Übertragungsbereich5 – 50.000 Hz
Quelle: Beyerdynamic



Tragekomfort & Handhabung


Gleich vorweg, Brillenträger dürfen sich freuen, denn durch das offene Prinzip macht es keinen Unterschied, ob der T1 mit oder ohne Brille gehört wird. Der T1 benötigt keinen Dichtheit, wie es allgemein bei geschlossenen Kopfhörern unabdingbar ist, damit der Bassbereich im Tiefbass nicht zusammenfällt.

Der Beyerdynamic T1 ist mit 360gr ein angenehm leichter Kopfhörer mit sehr gutem Tragekomfort. Auch wenn die Polster rund sind und sie nicht ansatzweise so viel Platz für die Ohren bieten wie die eines Hifiman Ananda – hier mein Bericht zum nachlesen – , sitzt der T1 über meinen großen Ohren doch sehr angenehm. Typisch für Beyerdynamic sind die weichen Ohrpolster mit der absolut angenehmen und anschmiegsamen Oberfläche, wobei nicht stört, dass meine Ohren im Innern stellenweise anliegen.

Der Anpressdruck des T1 ist ausreichend hoch, um sicher an Ort und Stelle auch bei schnellen Kopfbewegungen zu bleiben. Auch das Kopfband ist gut gepolstert und liegt angenehm auf dm Kopf auf. Der T1 wird auch bei langem Tragen nicht unangenehm. Während des Tests hatte ich ihn häufig oft länger als drei Stunden auf dem Kopf.

Die Weitenverstellung ist gewohnt einfach gehalten und ist so lange mit zwei Händen leicht verstellbar bis der Kopfhörer aufgesetzt wird. Auf dem Kopf sitzt er durch die auf die Mechanik wirkenden Kräfte bombenfest. Auch beim einhändigen Nachrücken verändert man nichts versehentlich an der Einstellung.


rote Ringe zur Markierung am Stecker für rechts – hier klassisch falsch gesteckt 😉


Die Bügel sind innen mit R und L für die Seiten markiert. Noch schneller erkennt man die seitenkorrekte Trageweise, wenn man darauf achtet, dass die Stecker immer in Richtung schräg nach vorne abgehen. Der Stecker für das linke Gehäuse weist weiße Trennringe zwischen den Kontakten auf und der rechte Stecker rote.

Da ein Stereo-Kabel mitgeliefert wird, kann prinzipiell der T1 an jedem Gerät betrieben werden, das eine 3,5mm oder 6,3mm Kopfhörerbuchse hat. Dank des recht hohen Wirkungsgrades bei geringer Impedanz ist ein Betrieb am Smartphone genauso möglich wie an einen dedizierten Kopfhörerverstärker. Lautstärke reduzieren, einstecken und Spaß haben.

Wer dem T1 symmetrisch zuspielen möchte, der kann im Shop von Beyerdynamic sowohl entsprechendes Zubehör erwerben. So werden derzeit ein XLR-Kabel und ein Kabel mit 4-poligem 2,5mm-Klinke-Stecker angeboten.



Exkursion gefällig?

Da die neuen Beyerdynamic T1 und T5 im Netz kontrovers diskutiert werden und ihnen zum Teil audiophile Qualitäten abgesprochen werden, biete ich an dieser Stelle einen Exkurs an, der das Thema aufgreift.
Der Exkurs ist zwar für diesen Artikel nicht zwingend erforderlich, vermittelt aber meine Sichtweise zu dem Thema “Audiophil oder nicht?”, zu der ich auch gelegentlich befragt werde. Den Exkurs öffnen…


Soundcheck & Hörproben


Damit der T1 zeigen kann, was wirklich in ihm steckt, befürworte ich den Betrieb an einen Kopfhörerverstärker. Auch wenn er einfach anzutreiben ist und auch mühelos am Smartphone oder Notebook sehr laut befeuert werden kann, ist jedoch der klangliche Qualitätsunterschied in Verbindung mit einem Kopfhörerverstärker sofort zu hören.

Natürlich habe ich den Beyerdynamic T1 an unterschiedlichen Verstärkern und DAPs gehört. Angefangen beim High-End Audiovalve Solaris über den brandneuen SPL Phonitor One D und auch dem Fiio K5 Pro bis hin zum ifi Audio xCAN und Fiio BTR5, liefert jeder dieser Verstärker zusammen mit dem T1 jeweils ein hervorragendes Ergebnis. Im Bereich der DAPs entlocken der iBasso DX220 Max, der Fiio M15 sowie der iBasso DX160 und sogar Shanling Q1 und M0 dem T1 besten Klang.

Es war spannend zu hören, wie es gerade der T1 schafft, die unterschiedlichen Klangfarben der Zuspieler darzustellen, auch wenn es sich dabei nur um Nuancen handelt.

klanglich und optisch ein tolles Gespann – Beyerdynamic T1 am SPL Phonitor One D (Crossfeed war während der Klangbewertung ausgeschaltet)


Achtung
An dieser Stelle der Hinweis zur Gefahr, sich beim Aussetzen zu hoher Lautstärke das Gehör nachhaltig schädigen zu können. Das gilt für die Benutzung von Kopfhörern im Allgemeinen.



Hörproben


Wer meine Hörproben nachvollziehen möchte, der kann gern maximal audiophiles Streaming mittels Qobuz und den dort hinterlegten Playlisten von Miniklangwunder nutzen. Auch ohne Anmeldung werden 30 Sekunden eines Songs angespielt.
Hier stellvertretend “Jazz, Blues, Funk” und “High-Res only”, die unter Qobuz auch in der Rubrik “Events & Medien” zu finden sind.


· Playlisten

Hier geht es zur Spotify-Playlist


Klang


Was mir schon bei den ersten Liedern sofort auffällt ist, dass mir die Klangsignatur des neuen Beyerdynamic T1 sofort zusagt. Zugleich stelle ich aber auch fest, dass auch der T1 für mich eher in die Richtung halboffen geht, denn mit dem Aufsetzen tritt die Wahrnehmung der Umgebung schon merklich in den Hintergrund. Mit meinem Stax Lambda L700 Pro ist das so nicht der Fall. In Hinblick auf die räumliche Abbildung hat das den Einfluss, dass der T1 nicht das Gefühl vermittelt immer im Konzertsaal zu sitzen, was ich beim Sennheiser HD800s als kritisch empfunden hatte. Der T1 übertreibt es nicht, mit ihm ist die räumliche Wiedergbe sehr authentisch, was ich als sehr angenehm empfinde. Elektronische Musik kommt ebenso von weit aus dem Raum ans Ohr wie Patricia Barber im kleinen Pub (“Album “Companion”) ganz intim direkt vor mir singt und unmittelbar neben ihr die Instrumente platziert sind. Beim HD800s hörte sich das eher an, als spiele sich alles im Freien ab. Doch 1999 war Corona noch kein Thema, also eher unrealistisch. 😉



· Bass

Der Bassbereich des T1 gefällt mir und bringt etwas mit, was ich als sehr dynamisch bezeichnen möchte. Dadurch, dass der tiefste Bass etwas weniger Energie bekommt als der Bereich zwischen 70 und 200 Hz – siehe Messung unten – , wirkt der Bass antreibend ohne überbetont zu sein. Zugleich fehlt im jedoch kein Tiefbass. Der T1 mit seinen Tesla-Treibern ist schnell. Das ist auch bei kräftigen Anschlägen sofort hörbar. Mitunter gibt es einige Lieder in meiner Playlist, bei welchen ich so einen Punch bisher so prägnant nur selten gehört habe. Und das gilt nicht nur für die Reproduktion von Schlagzeugen.

Bei “In the winelight” von Kurt Elling (Qobuz / Spotify) wirkt jeder Anschlag des Kontrabasses ab einer gewissen Lautstärke stets kräftig angeschlagen. Das fällt mir ab knapp unter “Zimmerlautstärke” auf. Sehr leise gehört wirkt das wie ein wenig Loudness. Erst dachte ich, ich mag das nicht. Doch schon nach wenigen Liedern merke ich, dass es gerade so viel ist, dass mich das nicht stört, ja sogar die Musik frischer wirken lässt. Mir ist nicht bewusst, dass ich das schon mit einem anderen Kopfhörer – auch keinem von Beyerdynamic – so positiv wahrgenommen habe. Möglicherweise genau ein wichtiger Teil des neuen Fingerabdruckes des T1 der 3. Generation.


· Mitten

Wenn es um Gesang und Instrumente geht, ist für mich wichtig, dass neben einer guten Sprach- bzw. Gesangverständlichkeit insbesondere Instrumente “echt” klingen müssen. So möchte ich nicht, dass eine Konzertgitarre plötzlich als metallbesaitete Westerngitarre daher kommt. Oder gar ein Steinberg-Flügel zu einem Spelunken-Piano mutiert.

Keine Angst, all das passiert mit dem T1 nicht im Ansatz. Irgendwie hat es Beyerdynamic geschafft, Gesang und Instrumente unbetont in den Vordergrund zu bringen. Ob ich Patricia Barber, Kasia Lins oder Jeff Cascaro höre, da kommt nichts zu kurz. Ungute Verfärbungen kann ich nicht ausmachen. Auch das Klavier bei “Siciliana in G-Minor” von Jacques Loussier (Qobuz / Spotify) lässt meine Augen auch bei höheren Lautstärken nicht unwillkürlich blinzeln. Das passiert mir etwas lauter gehört mit einigen Kopfhörern oft bei Betonungen im Mittenbereich bei diesem Lied, denn der Anschlag hämmert dann regelrecht auf den Hörnerv. Der T1 meistert das absolut hervorragend. Da kann ich direkt mit dem Focal Clear vergleichen, der das ebenso hervorragend präsentiert trotz seiner ebenfalls imposanten dynamischen Wiedergabe.

Interessant ist beim Beyerdynamic T1, dass ich im ersten Impuls gesagt hätte, die Mitten werden etwas betont, um den beschriebenen Eindruck zu erreichen, doch das stimmt nicht. Im Vergleich zu anderen Kopfhörern wie dem iBasso SR2 würde ich die Mitten sogar als etwas zurückhaltend einstufen, eben weil es keine unguten Schärfen bei Stimmen, Klavier oder Geige gibt. Für gewöhnlich klingen jedoch Stimmen und Instrumente aber oft weniger “klar” wenn der Mittenbereich etwas zurückgenommen ist. Das ist mit dem T1 nicht der Fall. Die “Auflösung”, warum ich das beim T1 positiver empfinde, liegt in dem leicht reduzierten, abgegrenzten Bereich zwischen 2 und 3 kHz – siehe Messung unten.


· Hochton

In unterschiedlichen Foren wird immer wieder von einem “Beyerpeak” gesprochen, der im Hochton für die einen das besondere Etwas in Sachen Auflösung zaubert und andere ihn wiederum als unhörbare Nadelstiche empfinden. Natürlich setzen viele Hersteller gelegentlich auch auf schmalbandige Betonungen, um psychoakustische Eindrücke herauszuarbeiten. Möglicherweise hat Beyerdynamic das in der Vergangenheit bei bestimmten Modellen gezielter und ohrenscheinlicher eingesetzt.

Beim T1 habe ich also von Anfang an genau und kritisch hingehört, ob ich diesen “Beyerpeak” ausmachen kann. Ich mache es kurz.
Nein.

Ich gehe sogar so weit, dass Beyerdynamic mit dem T1 eine für mich absolut gelungene Abstimmung im Bereich des Hochtons realisiert hat. Es gibt Lieder, welche bereits ab Studio smooth abgemischt sind und auch mit dem T1 ebenso smooth reproduziert werden. Ein Klassiker ist “Big Love” von Small Village (Qobuz / Spotify). Der gesamte Song ist sehr gefühlvoll abgestimmt. Der Gesang, der Bass, das Schlagzeug, alles ist warm abgemischt und ein wohliger Unterbau trägt das Lied. Es gibt jedoch auch ein “Gegengewicht”, nämlich die Betonung der metallisch klingenden Snare-Drum, der deutliche Klang der Stahlsaiten der Gitarre und der einzelnen Schläge auf die Crash-Becken. Das alles stellt der T1 hervorragend im Kontrast zu dem insgesamt warmen Song heraus, ohne dass es zusätzlich noch betonter wirkt. Dort, wo der Refrain Fahrt aufnimmt und im Hochton auch mehr los ist, kippt der Song mit dem T1 nicht.

Mit dem Stax L700 Pro ist das hingegen schon hart an der Grenze. Denn der gibt den Song insgesamt etwas “heller” und auch nicht mehr ganz so voller Gefühl wieder. Die eher analytische Spielweise des Stax macht den Song etwas “kühler”. Im Vergleich gefällt mir die gelassenere Spielweise des T1 sogar etwas besser.


· Klangfazit

Die Abstimmung des Beyerdynamic T1 ist aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Je länger ich ihn höre, möchte ich das sogar als perfekt für einen Allrounder bezeichnen. Neben einer hohen Dynamik spielt der T1 räumlich sehr realistisch auf und macht mit einem gewissen Punch im Bass und einem toll gesoundetem Bereich von oberen Mitten bis Hochton einfach nur Spaß. Mit dem T1 kann man auf Details der Musik genauso achten wie einfach nur entspannt genießen. Der T1 spielt absolut souverän auf und bringt eine tolle Auflösung mit. Klangtechnisch hat Beyerdynamicso viel aus den Treibern herausgeholt, dass ich nicht umhin komme, den T1 in einem Zuge mit dem Focal Clear zu nennen, wenn es um die dynamische Präsentation geht. Beide sind absolut unterschiedlich abgestimmt und doch würde ich keinen der beiden als besser oder schlechter einstufen.



Fazit


Wer bereit ist 999€ zu investieren und einen Kopfhörer sucht, der kein Spezialist für bestimmte Musikrichtungen ist, sollte sich unbedingt den Beyerdynamic T1 der 3. Generation anhören. Dabei sollten allerdings alle vielleicht schon zugetragenen Vorurteile beiseite gelegt werden. Wer mit einer bestimmten Erwartungshaltung an den T1.3 herangeht, wird wahrscheinlich nicht zufrieden sein. Mit dem Beyerdynamic T1 der 3. Generation haben zumindest mir alle Genres, die sich in meiner Playliste finden lassen, sehr gut gefallen.

Und übrigens: Natürlich bin ich in diesen Test auch mit einer bestimmten Erwartung hinein gegangen, nämlich zu hören wie der T1.3 nun wirklich klingt. Angesichts der polarisierenden Aussagen, die ich im Vorfeld gehört und gelesen habe, ein absolut spannender Test.

Am Ende finde ich, genauso darf in meinen Ohren ein absolut audiophiles Flaggschiff auch klingen. Der neue T1 macht alles richtig und ist ein absolut genialer Allrounder!


Bewertung


  • 92%
    Tiefbass - 92%
  • 96%
    Bass - 96%
  • 96%
    Mitten / Stimmen - 96%
  • 96%
    Mitten / Instrumente - 96%
  • 96%
    Obere Mitten - 96%
  • 94%
    Brillanz / Hochton - 94%
  • 94%
    Auflösung / Transparenz - 94%
  • 96%
    Räumlichkeit / Separation - 96%
  • 98%
    Dynamik - 98%
  • 96%
    Design - 96%
  • 96%
    Verarbeitung - 96%
  • 96%
    Konstruktion - 96%
  • 96%
    Tragekomfort - 96%
  • 80%
    Preis / Leistung - 80%
94.4%


Exkurs – Audiophil oder nicht?


Am Anfang dieses Artikels hatte ich angedeutet, dass die neuen Flaggschiff-Kopfhörer von Beyerdynamic polarisieren. Und ja, das kann ich absolut bestätigen! Nur warum?

Bisher waren Kopfhörer von Beyerdynamic populär dafür, in den oberen Mitten und im Hochton besonders zu zeigen, was in ihnen steckt. Der Begriff “Beyerpeak” dürfte Einigen bekannt sein. Oft werden sie auch “Alt-Herren-Kopfhörer” genannt, also für Menschen geeignet, die im Hochton sowieso kaum mehr über 10 kHz hinaus hören.

Tatsache ist, dass ich selbst auch einige Modelle gehört und vermessen habe, die sehr viel Energie im Hochton mitbringen und man kann diesen “Beyerpeak” nun mögen oder auch nicht. Zumindest wird der pauschal bei einem Kopfhörer von Beyerdynamic irgendwie auch erwartet, ob nun stärker oder schwächer ausgeprägt vertreten, ist eigentlich egal.
Es gibt und gab aber schon immer Modelle, die eher entspannt aufspielen. Hier möchte ich stellvertretend die Aventho und die Edition Modelle anbringen. Nun gesellen sich völlig unerwartet die Flaggschiffe T1 und T5 in der 3. Generation zu diesen entspannt spielenden Kandidaten. Und da liegt auch der Hase im Pfeffer.

Messungen verschiedener Kopfhörer
T1.3 und Edition Modelle im Vergleich sowie DT990 Pro mit kräftigem Bass und Beyerpeak



Bei einem Flaggschiff so eine klangliche Veränderung einzuführen, ist insbesondere im audiophilen Bereich ein Wagnis. Viele Besitzer der Vorgängermodelle und potentielle Käufer erwarten da oft eher eine Evolution statt einer Revolution. In gewisser Weise sind möglicherweise einige Menschen so durch Ihre Erfahrung konditioniert, dass sie schlichtweg mit einer so klaren und ohrenscheinlichen Änderung schlicht überfordert sind und sie gar nicht anders können, als diese Änderung einfach als schlecht zu bewerten.

Ich werde immer wieder von Followern und Lesern im Kern gefragt, ob es im audiophilen Bereich “normal” so ist, dass dort nur Auflösung und Präzision zählt und wenn jemand Bass oder “anders abgestimmten” Klang mag, dass das dann verpönt ist?

Ich halte mich da an den Duden, denn der spricht bei audiophil von “großen Wert auf hohe Klangqualität legend” und von “mit sehr hoher Wiedergabequalität (von Musikanlagen, Tonträgern)” . Genauso sehe ich es auch. Oft wird aber audiophil analog zu klangtreu verwendet und das halte ich für falsch.

Nehme ich als Beispiel einen Kopfhörer, ist es schwierig diesen losgelöst von der gesamten Reproduktionskette als klangtreu zu bezeichnen. Ich zumindest traue mir nicht zu festzustellen, ob eine von mir mit einem beliebigen Kopfhörer abgehörte Aufnahme auch klangtreu zu dem war, was sich im Studio zum Zeitpunkt der Aufnahme tatsächlich abgespielt hat oder zumindest, was der Tontechniker mit seinem Equipment als Resultat daraus für die späteren Zuhörer abgemischt hat.
Allerdings traue ich mir zu zu beurteilen, ob ein Kopfhörer audiophile Eigenschaften mitbringt und somit eine hohe Klangqualität aufgrund seiner technischen Beschaffenheit und Abstimmung bietet oder nicht.

Auch wenn sie tonal nun anders als die Vorgänger abgestimmt sind, sind sowohl der T1 und der T5 in der 3. Generation weiterhin höchst audiophile Produkte!


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Klangfreund"M"

Mark: gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Hifiman Ananda, Denon AH-D7200; Stax L700 Pro; InEars: Fiio FH07, Fiio FH01s; DAPs: iBasso DX220 Max, Fiio M15, Shanling M0