iBasso DX220 Max im Test – Mein erster Eindruck nach 24h

Der iBasso DX220 Max ist völlig unerwartet deutlich früher eingetroffen als ich angenommen hatte. Gefühlt war erst Halbzeit der Wartezeit und daher auch die freudige Aufregung noch gar nicht richtig aufgebaut. Genau das ist aber auch der Grund, warum ich nach erst wenigen Stunden doch recht gefasst berichten kann.




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Den iBasso DX220 Max habe ich mit Unterstützung von Markus Nagler von NT-Global direkt von iBasso als Sonderedition bezogen. Vielen Dank dafür!

Der iBasso DX220 Max ist bei Hifi-Passion für 1.888€ erhältlich.


Vorwort


Im Normalfall bin ich kein Freund von zu schnellen Berichten oder Einschätzungen. Oft weicht der im Vorfeld entstehenden, freudigen Erwartung und dem völlig natürlich damit einhergehendem New-Toy-Syndrom eine gewisse Ernüchterung.
Allerdings ist das beim iBasso DX220 Max komplett anders gelaufen, als es bisher immer der Fall war.


Und plötzlich war er da


Erst am 27. Mai gab es die Ankündigung von Markus, dass “demnächst” der iBasso DX220 Max auch in Deutschland verfügbar sein wird. Weder Preis noch Termin standen fest. Als mich Markus dann fragte, ob ich vielleicht Interesse habe, einen personalisierten DX220 Max für mich zu bestellen, zögerte ich. Ich bin kein Fanboy von iBasso oder irgendeiner einer anderen Marke. Zudem hat mich iBasso in Bezug auf das Design der Flaggschiffe DX2x0 nicht überzeugen können. Ich empfand sie stets als etwas klobig, kantig, schwerfällig für DAPs, die ich auch mal in meiner Hosentasche umhertragen möchte. Andererseits würden nur 999 Exemplare produziert werden und von denen würde es nur eine Handvoll mit Gravur geben.




Auch war mir beim DX220 Max von Anfang an klar, dass er kein DAP im bisher bekanntem Sinn sein würde. Schon die im Netz zu findenden Bilder der ersten Hands-On-Fotos von Messebesucher sprechen eine eindeutige Sprache. Genau deswegen konnte ich dem Reiz nicht widerstehen, in ein Gerät zu investieren, das sehr wahrscheinlich das erste einer neuen Geräteklasse sein würde. Mit iBasso als Hersteller war die Chancen-Risiken-Abwägung zudem schnell erledigt und es folgte der digitale Handschlag. Wann allerdings mit der Lieferung zu rechnen war, stand zu dem Zeitpunkt noch komplett in den Sternen.

Heute ist der 20. Juni 2020 und erst Anfang der Woche hatte ich Markus gefragt, ob er schon von einem konkreten Termin weiß. Die letzte Information war, dass ich vorsichtig mit Ende Juni rechnen sollte. Und egal, ober Markus es wusste oder nicht, die Überraschung war absolut gelungen, als mich gestern zu Hause ein NT-Global Karton erwartete und ich in ihm den DX220 Max fand statt der von mir angefragten Leihgeräte. Allein aufgrund des Gewichts und der Größe des Kartons hätte ich nie an den DX220 Max gedacht, denn ein einzelner DAP hatte bisher noch nie solche Dimensionen. Also habe ich den Karton ohne besondere Erwartungen geöffnet. Zu meiner Überraschung war der iBasso 220 Max dann einfach so da.


Unboxing


Natürlich war das Öffnen des absolut schlicht gehaltenen, schwarzen Kartons mit Unglaube verknüpft. Das wandelte sich aber schnell und wich der Verblüffung wie schwer der Karton tatsächlich ist. Ich realisierte erst dann, dass ich gerade den Karton des iBasso DX220 Max öffnete. Den Deckel klappte ich mit Ehrfurcht zurück.
In etwa so wie im Film “Goonies”. Auch wenn man weiß, was in den Schatzkisten des Einäugigen Willi verborgen ist, möchte man den ersten Blick ganz bewusst erleben.

Trotz des Wissens, dass dieser DAP groß sein würde, hatte ich nicht mit solch einem Eindruck gerechnet. Der DX220 Max hat alle meine Erwartungen in Größe und Erscheinung übertroffen. Klar waren mir die Eckdaten schon bekannt und 15cm sind 15cm genauso wie 756gr (mit Hülle) gut 1,5 Pfund sind. Doch so in der Hand gehalten ist der iBasso DX220 Max eine wahre Urgewalt unter den DAPs. Mein erster Gedanke war: “Wahnsinn, was für ein Trümmer, wenn der nur halb so viel Power hat, wie er auf mich wirkt… Alter Schwede!”



Im Fach unter diesem Technik-Quader – ich suche tatsächlich immer noch nach einer besseren Bezeichnung für den DX220 Max – finden sich dann Stoffbeutel, in denen das Zubehör verstaut ist. Kabel, Adapter, Lederhülle und Netzteil. Ja, richtig ein Netzteil mit 18V lädt den analogen Verstärker auf, der sich im DX220 Max befindet. Der DAC-Teil wird mittels USB-C geladen. iBasso hat im Prinzip zwei autarke Geräte in einem Gehäuse untergebracht und jedem auch gleich seine eigene Spannungsversorgung spendiert. Statt mit schaltungstechnischem Aufwand Störungen zu entfernen, hat iBasso von Anfang konsequent an auf die Einfachheit des Gesamtsystems gesetzt. Es ist besser, erst gar keine Störungen zu erzeugen und anschließend wieder zu reduzieren, die beispielsweise mit Step-Up-Wandlern entstehen könnten. Die integrierte Endstufe wird mit einer Amplitude von 8,4V betrieben und somit wurde eine klassischer, analoger Class-A-Betrieb realisiert. Die Regelung der Lautstärke geschieht mit einem analogen Potentiometer. Als Elektroniker der alten Schule stehe ich ja auf sowas. 🙂

Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht auf die Technik und inneren Werte eingehen. Doch das war notwendig und jetzt der wichtigste Teil, sozusagen das Grundkonzept, aus dem der DX220 Max heraus entstanden ist. Mit ihm wird klangliche Reinheit vom Ursprung beginnend realisiert.

Zugleich machen ihn sein Gewicht, seine Größe und seine Massivität vorwiegend zu einem stationär zu nutzendem System mit Mobilitätsoption.

Diese Erkenntnis führt mich dann auch zu einem treffenden Oberbegriff für den iBasso DX220 Max. Er ist zweifelsfrei Begründer einer ganz neuen Geräteklasse. Der DX220 Max ist nicht nur DAP sondern tatsächlich ein Digitales Audio System.

Jetzt gibt’s was auf die Ohren


Da ich bereits einige Erfahrungen mit iBasso-DAPs gesammelt habe, ist das System und die Handhabung keine Überraschung für mich. Ob der MAX etwas anders macht und wie seine Bedienung genau aussieht, darauf werde ich demnächst im Erfahrungsbericht eingehen.

Jetzt hat mich natürlich sofort interessiert, was der DX220 Max zu leisten vermag. iBasso spricht davon, ihm eine Einspielzeit von mindestens 50 Stunden zu gewähren, besser 150 bis 200. Dass das klanglich viel bringen soll, daran glaube ich nicht so recht. Ich werde aber die Vorgaben einhalten und im Detail auch erst nach dieser Zeit genau hinhören und ihn anhand von Testsongs bewerten.


Hinsichtlich seiner Verstärkerleistung kann ich aber jetzt schon sagen, dass der DX220 Max auf dem Papier nicht nur Power hat, sondern auch einen MrSpeakers Ether2, einen AEON Flow2 und insbesondere auch den HEDDphone absolut dynamisch antreiben kann und das bereits mit dem einfachen, unsymmetrischen Ausgang. Benutze ich den 4.4mm symmetrischen Ausgang, kann ich übern Daumen die Kopfhörer eine Gain-Stufe niedriger betreiben. Darüber hinaus kann der DX220 Max aber auch mit empfindlichen IEMs sehr gut umgehen, denn er verfügt über drei Gain-Stufen sowie über eine stufenlos einstellbare DAC-Lautstärke. Die integrierte Endstufe wird also stets bestens mit dem passenden Eingangssignal versorgt, so dass immer ein maximaler Regelbereich bei individuell maximaler Lautstärke verfügbar ist.

Auch ohne Musik konnte ich nicht einmal bei High-Gain und mit maximaler Lautstärke irgendein Grundrauschen oder andere Störgeräusche ausmachen. Hier hat iBasso nicht zu viel versprochen.

Die Verstärkerspannung mit einer Amplitude von 8,4 V tut besonders dem HEDDphone und dem Ether2 gut. Beide werden so absolut bemerkenswert angesteuert und klingen deutlich dynamischer und auch frischer als an den üblichen DAPs betrieben. Neben dem Fiio M15 ist nun auch der DX220 Max das zweite DAS , welches mit stationären Lösungen mithalten kann. Der iBasso legt allerdings im Formfaktor und der Haptik noch ein Pfund drauf. Ein Gerät für immer dabei ist der DX220 Max natürlich nicht. Wer aber konkret genau das sucht, der kann natürlich auch beim DX160, DX2x0 und auch dem Fiio M15 vorbei schauen.

Bei “Eigenklang” von Verstärkern halte ich mich zurück, denn sie sollen möglicht linear verstärken. Und das mach der iBasso hervorragend. Allerdings hat er reichlich Equalizer-Möglichkeiten zu bieten, unter anderem einen parametrischen EQ. Damit klingt er dan sowieso, wie es der Nutzer möchte.


Akkulaufzeit


Nach den ersten 24 Stunden habe ich es geschafft zumindest den Akku des DACs leer zu spielen und aufzuladen. Das hat an einem 2A-Netzteil fast 3 Stunden gedauert, was etwa 0,5 Stunden länger war, als iBasso angibt. Der Verstärker ist innerhalb einer Stunde von 45% wieder auf 100% geladen, was mit den Angaben von iBasso korrespondiert. Das Thema Akku behalte ich weiter im Auge.

Der Akku des Verstärkers benötigt die Hälfte der Energie des Akkus bei durchschnittlich mittleren Lautstärke im Mid-Gain. Somit hält der Akku des Verstärkers bei mir gute 13-14 Stunden aus. Man kann also den DX220 Max auch am Notebook als DAC nutzen, wodurch er nachgeladen wird, ohne dass man sich sofort um den Verstärkerteil kümmern muss. Grob ist das Verhältnis also 2:1, so muss der DAC etwa nach 6-7 Stunden neu aufgeladen werden. Auch hier beobachte ich weiter, wie sich das entwickelt, wenn sich die Nutzung auf ein normales Maß einpendelt.

Meine ersten Beobachtungen hinsichtlich des Standby-Betriebs zeigen, dass das Digitale Audio System knapp 1% Akkukapazität innerhalb von 2 Stunden verliert. Das können andere Player deutlich besser. Andererseits hat der DX220 Max ein anderes Nutzungsszenario als ein Hosentaschen-DAP, so dass ich nicht vergesse, ihn nach dem Musikhören ordentlich auszuschalten. Sollte er doch eingeschaltet bleiben, ist er auch erst nach etwa einer Woche entladen. Das gilt allerdings nur für den DAC-Teil. Wenn der Verstärker nicht gefordert wird, bleibt der bei seinem Akkustand. Ob und wie langsam der sich entlädt, das werde ich künftig genauer beobachten. Ein Langzeittest steht hierfür ebenfalls aus. Details gibt es dann in dem später erscheinenden Erfahrungsbericht.


Kritik?


Zum Schluss ist mir noch eine Kleinigkeit am DX220 Max aufgefallen, von der ich noch nicht genau weiß, ob sie mich wirklich stört.
Neben dem Lautstärkeregler befindet sich der 3,5mm unbalanced Kopfhörerausgang, der sicherlich sehr oft benutzt wird. Bei meinen dicken Fingern behindert der Stecker des Kopfhörer bisweilen etwas die Zwei-Finger-Bedienung des Reglers. Der Line-Out an eben dieser Stelle würde zu weniger “Kollisionen” beitragen, da in den wenigsten Fällen bei Benutzung von Line-Out eine Einstellung der Lautstärke notwendig ist.



Nach den ersten 24 Stunden mit dem iBasso DX220 Max ist das aber zunächst die einzige kleine aber auch verschmerzbare Auffälligkeit.

Erstes Fazit


In den ersten 24 Stunden weiß der DX220 Max absolut zu überzeugen und ich merke, wie das New-Toy-Syndrom allmählich einsetzt. Somit habe ich meinen ersten Eindruck genau rechtzeitig erfasst.
Jetzt werde ich weiter testen und zwei bis drei Wochen in mich hinein horchen, wann ich objektiv über den DX220 Max berichte kann. Doch was ich jetzt schon sagen kann ist, dass der Kauf des DX220 Max, auch wenn ich ihn blind getätigt habe, keine Fehlinvestition ist.

Bleibt mir nach gut 24 Stunden zu sagen, dass der iBasso DX220 Max im Ersteindruck einen dicken Daumen hoch von mir bekommt.

Erste Bewertung nach 24 Stunden

Achtung! NTS möglich 🙂

DX220 Max - Referenzklasse
Insgesamt
95.8%
95.8%
  • Klang - 100%
    100%
  • Leistung - 98%
    98%
  • Kopfhörer Neutralität - 100%
    100%
  • Design - 98%
    98%
  • Verarbeitung - 100%
    100%
  • Haptik - 98%
    98%
  • Akku - 94%
    94%
  • Konnektivität - 94%
    94%
  • Mobilität - 80%
    80%

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Klangfreund"M"

Mark: gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Hifiman Ananda, Denon AH-D7200; Stax L700 Pro; InEars: Fiio FH07, Fiio FH01s; DAPs: iBasso DX220 Max, Fiio M15, Shanling M0