Fiio FD1 im Test – umd das ist erst der Einstieg in die rein dynamische IEM Reihe

Selten kommt es vor, dass mich ein Produkt absolut unvermittelt richtig überrascht. Oft habe ich schon andere Meinungen gelesen oder Empfehlungen erhalten. Doch der FD1 erreichte mich sprichwörtlich unangekündigt. Nichts ahnend habe ich mir den dann an einem Abend einfach mal zum schnellen Reinhören in meine Ohren gesteckt. Herausgekommen ist eine mehrstündige Hörsession und die Vorlage für diesen Bericht…



Vorwort


Schon ab dem ersten Ton war ich vom FD1 total geflasht von dem Potential, was ich da sofort gehört habe. Während ich einige Stunden die Miniklangwunder-Playliste auf Spotify querbeet gehört und mich an die für mich optimalen Tips herangearbeitet hatte, habe ich zugleich meine Eindrücke notiert. Nun, einige Wochen später, kann ich immer noch bestätigen, was ich während des New-Toy-Syndroms damals gehört hatte. So ist nun wie schon einige Male ein eher ungewöhnlicher Bericht entstanden, den ich euch aber nicht vorenthalten möchte.


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Das hier vorgestellte Produkt wurde mir leihweise von Fiio-Deutschland für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!


Die Vorgeschichte


Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich diese Art Bericht zum Blon BL03 raushauen würde. Schließlich haben diese einfachen, dynamischen Single-Treiber-IEMs mich schon im diesjährigen Urlaub an der Ostsee klanglich absolut beeindruckt. Ich habe mir sogar einen weiteren BL03 als Backup bestellt. Der Blon ist im Prinzip absolut rekordverdächtig… …ABER… 

Auch wenn dieser ChiFi- Kopfhörer regelmäßig für unter 30€ zu haben ist, kommt man meiner Ansicht nach nicht um weitere 20€ für ein anständiges Kabel und bessere Tips umhin. Die Gehäuse des BL03 sind sehr klein und die Tip-Aufnahmen, die Nozzles, sehr kurz. Damit ich ihn überhaupt benutzen kann, muss ich ihn mir nach unten hängend und somit verkehrt herum ins Ohr setzen, dann lässt sich damit auch eine gewisse Zeit schmerzfrei hören. Nur sitzen die Blon dann nicht mehr fest genug und rutschen bei jeder Bewegungen schnell heraus wie etwa beim normalen Gehen. 

Vom Tragekomfort und Zubehör ist der Blon also eine absolute Katastrophe für mich. Und genau deswegen habe ich genau deren Review immer etwas vor mir hergeschoben. Zum Glück, denn nun kam der Fiio FD1 und so konnte ich bis hierher meine Blon-Erfahrungen in diesem Artikel unterbringen.

Denn das ist nun genau mein Punkt, von dem ich aus in den FD1-Bericht durchstarte. Denn der Fiio FD1 toppt den Blon BL03 nicht nur in Sachen Klang und Zubehör sondern spielt hinsichtlich Tragekomfort mindestens drei Klassen höher.



Das Drumherum



· Preis – billig vs. preiswert


Mit knapp 65€ ist der Fiio FD1 sehr preiswert und doch deutlich teurer als ein billig importierter BL03. Doch wer billig kauft, kauft zwei Mal. Rechnet man also wie bereits erwähnt die Kosten für ordentliches Zubehör für den Blon dazu, wird auch der schnell teurer. Auch wenn der Blon mit besseren Tips und Kabeln ausgestattet wird, bleibt trotzdem das Problem mit dem Tragekomfort. Davon ist der Fiio FD1 nicht betroffen, was somit quasi unbezahlbar ist.


· Verpackung & Lieferumfang


Beim FD1 sind neben einem richtig guten Kabel 5 Paar Tips dabei sowie ein Hardcase von Fiio in der bekannten, durchsichtigen Truhenform. 


· Tragekomfort

Tja, kurz und knapp. Die passenden Tips drauf, ab in die Ohren und Spaß haben. Ein hoch auf das dünne und leichte Plastikgehäuse. Kaum ein IEM hat bei mir so genial gut und unmerklich von Anfang gesessen. Chapeau!


· Verarbeitung

Preiswert und gut trifft es. Einfache Plastikgehäuse beherbergen einen mit Beryllium beschichteten 10mm Treiber mit einem 1 Tesla Doppelmagneten. Die Gehäuse sind super leicht und passgenau verarbeitet. Auch das Anschlusskabel isr hervorragend verarbeitet, mehr braucht es nicht.



Klang


Das ist die wichtigste Disziplin und diese meistert der FD1 sensationell.

Ich möchte es so beschreiben…

Vielleicht kennt das noch der ein oder andere: Damals auf dem Rummel gab es ein Fahrgeschäft, bei dem wir uns in der Clique stundenlang aufgehalten und einfach nur abgehangen haben.

Ich spreche von der Raupe. Da haben wir stets an erhöhter Position im oberen Tunnel gestanden. Dort knallte die Musik immer besser als in jeder Disko. Schnelle, tiefe, trockene und punchige Bässe, deutliche Mitten und ein crisper und energischer Hochton. Jugenderinnerung at its best. Genau diese Erinnerung brachte förderte der Blon BL03 wieder zu Tage und jetzt genauso der Fiio FD1.

Sozusagen “unfucking unfassbar”. Egal was ich mit dem FD1 höre, es ist richtig. Selbst wenn der Bass dominant ist, klingt mit ihm jede Art von Musik fesselnd. Stimmen gefallen mir sehr gut, Instrumente werden gut voneinander abgegrenzt und der Hchton ist klar und trotzdem leicht zurückhaltend. Zugleich fehlt es aber nicht an Brillanz. Der FD1 spielt absolut souverän auf. Ein Auflösungsmonster ist er damit natürlich nicht und wird er sehr laut gespielt, verliert er ein wenig an Kontrolle, doch das passiert alles weit über das zu erwartende Niveau eines Einsteiger IEMs für um 65€.



Hörproben


Natürlich hätte ich auch Hörproben hier aufführen können, doch das macht angesichts meiner Beschreibung kaum Sinn. Denn der FD1 flasht mich so sehr, es gibt einfach keine Songs, wo ich wirklich Kritik üben könnte.

Am besten Ihr hört euch selbst durch meine Playlisten. Da gibt es wie gewohnt die Miniklangwunder-Spotify-Playliste und neuerdings auch die Miniklangwunder-Qobuz-Playlist, welche sogar von Qobuz direkt unterstütz wird und unter der Qobuz-Rubrik “Events & Medien” entdeckt werden kann.

Wer es also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.


Vergleiche – FD1 vs.


· iBasso iT00

Auch der Markenhersteller iBasso schickt mit dem iT00 – zum Bericht hierentlang… – einen reinen Dynamiker ins Rennen, der mit knapp 75€ noch etwas teurer ist. Der ist im Vergleich zum FD1 im Bass etwas zahmer und spielt im Mittenbereich etwas energischer auf. Obere Mitten und den Hochtonbereich präsentieren beide ähnlich souverän. Keiner der beiden hinterlässt Nadelstiche und keiner lässt Details oder Brillanz vermissen. Der iT00 ist der weniger spaßig abgestimmte von beiden, kann aber nicht die nötige Akuratesse bieten, die ich bei einem eher in Richtung “neutral” abgestimmten Kopfhörer erwarte. Der FD1 ist da im Gesamtpaket deutlich spaßiger abgestimmt. Er dürfte sogar bei der Abbildungsqualität etwas “daneben” liegen, was jedoch nicht der Fall ist. Umso mehr macht mir das Hören mit dem FD1 Spaß und somit bleibt der iT00, auch wenn er ein sehr guter IEM ist, hinter dem FD1.


· Blon BL03


Auch wenn ich dem Blon BL03 einen erheblich Teil dieses Artiekl für den Einstieg gewidmet habe, möchte ich ihn klanglich noch einmal genauer mit dem FD1 vergleichen.
Do steht er im Bass dem Fiio in nichts nach, jedoch ist der Oberbass des FD1 “passender” der Blon erzeugt da einen zusätzlichen Extra-Punch, der mich an das Raupen-Fahrgeschäft nach Jahrzehnten wieder hat zurückerinnern lassen. Der Fiio hat seinerseits dafür eine weitere Bühne und klingt trotz spaßiger Abstimmung noch authentischer und vor allem spielt er exakter als der BL03. Komplexe Musik beherrscht der Fiio besser und liefert noch dort ganz gelassen und souverän ab, wo der Blon gelegentlich in Straucheln kommt und bisweilen auch Verzerrungen hören lässt. Insbesondere Klavier etwas lauter gespielt meistert der Fiio FD1 problemslos während der BL03 anfängt leicht zu “kratzen”. Eine Lautstärkestufe darunter fängt sich der BL03 wieder. In den Mitten ist der Blon insgesamt ein wenig zu präsent.Die Abstimmung des Hochton ist mit dem FD1 auf AUgenhöhe, wobei der Blon auch dort nicht ganz so akurat spielt und es ein wenig an Kontur vermissen lässt. Wenn ich den BL03 so nehme wie er geliefert wird und ich den Tragekomfort außen vor lasse, ist er klanglich nur knapp unter dem FD1 und mit weniger als der Hälfte des Preises sind die genannten Kritikpunkte alle quasi gegenstandslos.



Fazit



Der Fiio FD1 ist ein absolut perfekt spaßig gesoundeter IEM, dem ich nur die obligatorische letzte Prozentpünktchen nicht geben kann, um schlicht einfach noch etwas Luft nach oben zu haben. Denn ich muss ja noch den Fall abdecken, sollte es vielleicht noch einen FD5, 7 oder 9 geben und diese dann – hoffentlich – noch besser performen.
Bis Fiio also weitere FDs herausbringt ist der FD1 mein absoluter (Geheim-)Tipp, wenn es um einen preiswerten Dynamiker ohne Schnickschnack geht. Dieser InEar ist für mich ein absoluter Hammer.


Bewertung

  • 98%
    Tiefbass - 98%
  • 98%
    Bass - 98%
  • 98%
    Mitten / Stimmen - 98%
  • 98%
    Mitten / Instrumente - 98%
  • 98%
    Obere Mitten - 98%
  • 96%
    Brillanz / Hochton - 96%
  • 96%
    Auflösung / Transparenz - 96%
  • 96%
    Räumlichkeit / Separation - 96%
  • 96%
    Dynamik - 96%
  • 98%
    Design - 98%
  • 98%
    Verarbeitung - 98%
  • 98%
    Konstruktion - 98%
  • 100%
    Tragekomfort - 100%
  • 100%
    Preis / Leistung - 100%
97.7%

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Klangfreund"M"

Mark: gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Hifiman Ananda, Denon AH-D7200; Stax L700 Pro; InEars: Fiio FH07, Fiio FH01s; DAPs: iBasso DX220 Max, Fiio M15, Shanling M0