Focal Pad-Wechsel 2021 – Elegia, Celestee, und Clear (Pro) – Interessante Eindrücke

Das Klangdesign eines Kopfhörers hängt von vielen Einlußfaktoren ab. Ganz erheblich tragen auch die Pads dazu bei. In Den letzten Jahren habe ich mir einen kleinen Fundus an Pads angeschafft, mit denen ich grob feststellen kann, ob und wie ein Kopfhörer auf andere Pads anspricht. Zeigt sich Potential, dann gilt es dafür zu sorgen, sich die passenden Pads für den jeweiligen Kopfhörer zu besorgen, um die konkretenÄnderungen bewerten zu können.


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Mein Dank geht insbesondere an zwei Foren-Mitgliedern von Prof-X.

Da sind der der Cris „Cris“, der mir seine „Dekoni Limited Sheepskin Stellia“ ausgeliehen hat
und der Frank „nonaim“, der mir gar seinen Elegia für ein paar Wochen leihweise überlassen hat.

Vielen Dank an euch beide, denn ohne eure Unterstützung wäre ich um einige Erkenntnisse ärmer und es gäbe diesen Artikel nicht.



Vorgeschichte


Es begann damit, dass mir Gregor „Nomax“ via Facebook vorgeschwärmt hat, wie genial der Focal Elegia mit den Pads des neuen Focal Celestee klingt. Weder den Elegia habe ich zu dem Zeitpunkt besessen noch den Celestee. Erst mit dieser „Ansage“ hat mich der Celestee neugierig gemacht und konnte ihn mir für ein Review ausleihen.
Hier geht es zum Artiekl zum Focal Celestee.

Ich hatte den Focal Elegia vor einiger Zeit besessen und kann auch auf dessen Messungen zurückgreifen. Auch ohne ihn für den direkten Vergleich zu haben, konnte ich sofort feststellen, dass der Celestee anders abgestimmt ist, nämlich deutlich mehr nach vorne gehend und präsenter bei Stimmen und Instrumente. Darüber berichtete ich natürlich im Forum und wie es der Zufall so will, hat mir Frank angeboten, mir seinen Elegia zu leihen, um die Behauptung zu überprüfen, dass der Elegia mit den Celestee-Pads der beste geschlossene Kopfhörer derzeit auf dem Markt sein soll. Parallel hat sich ergeben, dass Cris mir auch die Dekoni Limited Sheepskin Stellia Polster ebenfalls für Messungen für einige Zeit zukommen lassen hat.

Und einige Tage später lagen nun der Focal Elegia, der Focal Celestee und der Focal Clear Pro vor mir auf dem Tisch. Dazu noch zwei Paar Dekoni Polster. Da war es dann einfach zu schade, nur die Celestee Polster auf den Elegia zu packen und beide miteinander zu vergleichen. Und gut, dass es dabei nicht geblieben ist.

Aber alles der Reihe nach…


Focal Elegia


Insgesamt konnte ich 5 Pads am Focal Elegia testen, wobei die Brainwavz Leder-Pads bereits aufgezogen bzw. angeklebt waren. Als ich die Pads entfernte, stellete ich fest, dass es sich um meinen alten Elegia handelte, den ich mit eben diesen Pads ausgestattet hatte und vor über einem Jahr verkauft hatte. So klein ist die Welt. 😀

Die Pads vom Clear sowie die Dekoni Velours Pads waren nichts für den Elegia, kompletter Bassverlust, was aber bei einem geschlossenen Kopfhörer fast klar war. Damit ist der Elegia definitiv keine Empfehlung, weswegen ich auch nicht weiter darauf eingehe.

Die Brainwavz-Pads machen aus dem Elegia einen im Bass kräftig und druckvollen Kopfhörer mit einer guten Senke im Mittenbereich und eine gute Portion Energie in den oberen Mitten und im Hochton, also eine durchaus spaßige Abstimmung. So schon ist der Elegia besser als out-of-the-box.

Nun sollten ja die Celestee-Pads am Elegia wahre Wunder bewirken. Und tatsächlich wird der Elegia mit den Pads im Bass etwas schlanker und trockener mit einem nicht mehr ganz so kräftigen Oberbass. Dafür werden die Mitten präsenter und der Hochton etwas entschärft. Insgesamt nicht unbedingt besser vom Klang jedoch anders. Technisch wird er auf jeden Fall besser, denn mit den Brainwavz-Polstern verliert er zu viel an Genauheit und spielt etwas „schwammiger“. Allerdings würde ich jetzt nicht sagen, dass der Elegia somit zum besten geschlossenen Kopfhörer auf dem Planeten wird. Sowieso für mich nicht, da seine Bass-Abstimmung für mich so nicht passt. Der Tiefbass ist für mein Klangempfinden einfach etwas zu zurückhaltend. Ja, der Elegia mit den Celestee-Polstern wirkt sogar Streckenweise etwas „boomy“ auf mich aufgrund des betonten Oberbasses.

Also dachte ich mir, mal sehen, was die Dekoni Limited Sheepskin Stellia am Elegia bringen. Interessant dabei ist, schaut man sich die Polster im Vergleich zu den Celestee-Polstern an, dass sie durchaus ähnlich sind. Ein sofort sichtbarer Unterschied ist, dass das Oval als Platz für die Ohren mit den Dekoni-Polstern etwas kleiner ausfällt. Bei genauerem Hinsehen ist auch zu sehen, dass der Innenbereich der Polster nicht vollständig aus Leder gearbeitet ist. Beim Celestee-Polster besteht die Hälfte der inneren Matelfläche aus durchlässigem Stoff, welches sich aus sicht des Kopfhörers außen befindet. Die Dekoni-Polster verfügen ebenfalls über einen Stoffteil, welche jedoch etwa nur 40% ausmacht und sich aus Sicht des Hörers nahe am Treiber befindet. Hochinteressant!

So klingen auch beide Polster am Elegia durchaus unterschiedlich. Und zwar auf eine Art und Weise, dass tatsächlich die Dekoni-Polster aus meiner Sicht den Focal Elegia das Potential verleihen, vielleicht der beste geschlossene, dynamische Kopfhörer in dieser Konfiguration zu sein… fast zumindest.

Pad Kombinationen


Hier zunächst einmal eine Galerie mit den Messungen des Focal Elegia in verschiedenen Kombinationen. Da kann sich jetzt jeder die Zeit nehmen, alle Kombinationen zu studieren.

Was ich erwähnen möchte ist, dass ich alle Messungen auf das Bass-Maximum im Bereich 30-100Hz abgeglichen habe. Das hat den einfachen Hintergrund, dass beispielsweise ich bei Lieder, welche Bassdruck mitbringen, meine Abhörlautstärke daraufhin anpasse. Das bedeutet konkret, dass mit den Celestee-Polstern der Bass 50-90Hz deutlich ausgeprägter ist, ja sogar ein regelrechter „Basshügel“ entsteht. Da regele ich direkt die Lautstärke herab. Die Folge ist, dass Mitten und Höhen deutlich weniger Energie im Verhältnis aufweisen und mir mit den Celestee-Polstern der Elegia sogar am zurückhaltesten insgesamt vorkommt. Dabei aber einen ordentlichen Bass-Punch mitbringt ohne jedoch den passenden Tiefbass mitzubringen und das für mich wichtige Ausgleichsmoment in den oberen Mitten & Hochton.

Ich habe in die Messungen einmal manuell vereinfachte Ausgleichsgeraden eingezeichnet. Die für die Celestee-Polster am Elegia hat irgendwie unerwartet das größte Gefälle, aber schau selbst…

Messungen


Nicht, dass die Geraden so zu deuten sind, heller bis dunkler Klang. Die Tendenz ist schon in etwa so gegeben, doch schaue ich mir die schwarze Gerade an, erhält sie einen gewissen Auftrieb durch die Energie zwischen 200 und 700 Hz und dem Peak bei 6.500Hz. Klanglich klingt der Elegia mit Stock-Polstern jedoch nicht unbedingt sehr hell, dafür hat er einfach zu wenig Energie insgesamt im Hochton. Das Plateau im stimmlichen Bereich macht ihn eher etwas „dosig“klingend im Vergleich mit den Celestee-, Brainwavz- oder Dekoni-Polstern.

Bei den Celestee-Polstern sorgt der große Unterschied zwischen Bass- zum Mitten-Niveau für das Gefälle. Zugleich fehlt es an entsprechenden Hochton, der die Gerade noch einmal etwas nach oben pusht. Zugleich klingen Stimmen aber deutlich angenehmer, da sie ohne zusätzliche Betonung reproduziert werden.

Mit den Brainwavz-Polstern ist das nicht so ausgeprägt, jedoch bringen sie auch noch eine leichte Betonung zwischen 200-500 Hz mit, was auch noch bei einigen Songs Stimmen nicht optimal klingen lässt. Besser machen sie es aber in Hinsicht auf das passende Gegengewicht im Präsenzbereich. Leider rutscht der ausgeprägte Peak auf die 5.200Hz, was für viele ganz dicht an eine der natürlichen Ohr-Resonanzfrequenzen liegt. Das kann ab und an dann auch zu viel sein. Schön ist dennoch der Peak im Superhochton, wobei der Bereich zwischen den beiden Peaks tatsächlich etwas zu zurückhaltend ist.

Am ausgeglichensten klingen für mich die Dekoni Limited Sheepskin Stellia am Elegia. Leicht reduzierter Oberbass, eine leichte Senke zwischen 180-300Hz trennt Bässe von Stimmen, ein nahezu horizontaler Verlauf bis etwa 1.800Hz für eine tolle Stimmenwiedergabe. Der erste Peak bei etwa 5.800Hz und der zweite bei etwa 12.500Hz und dazwischen mit einem guten Energie-Niveau für den Hochton, was für ordentlich hörbare Details sorgt. Für mich wird der Elgia so zu einem der besten geschlossenen Kopfhörer, die ich bisher gehört habe.

Die Kurve der Dekoni Velour-Pads spricht für sich selbst. Das geht schon sehr in die „analythische“ Richtung bei der mir einfach der Bass im Gesamtpaket fehlt.

Fazit Elegia

Wer noch einen Elegia besitzt und eventuell mit dem Gedanken spielt auf einen anderen geschlossenen Kopfhörer zu wechseln, um z.B. eine andere Signatur zu erhalten… STOPP!
Der erste Schritt muss sein, die Dekoni Limited Sheepskin Stellia auf den Elegia zu packen. Besser geht es dann kaum. So lässt sich einiges an Geld sparen.

Allerdings…





Focal Celestee


…wenn es den neuen Geschlossenen im Hause Focal nicht gäbe. Dem Focal Celestee wird nachgesagt, dass er nur ein aufgehübschter Elegia sei und lediglich die Polster den klanglichen Unterschied ausmachen. Dem ist nicht so. Die Messungen beider Kopfhörer mit den Celesttee-Pads zeigen, dass beide, wenn auch nur leicht unterschiedlich abgestimmt sind. Hier habe ich die Kurven bei 1kHz aufeinander gelegt.


Celestee Pads: Celestee vs. Elegia


Insgesamt klingt der Celestee einen Hauch klarer und auch im Bass konsistenter als der Elegia. Für mich ist klar, der Celestee klingt einfach besser als der Elegia mit den Celestee-Pads.


Messungen

Es ist gut sichtbar, dass der Elegia mit den Celestee-Polstern unter 1.000Hz stets 2dB über dem Frequenzverlauf des Celestee liegt. Über 1.000 Hz sieht es dagegen genau anders aus, da liegt der Elegia fast überall unter dem Celestee. Der Elegia spielt so etwas extremer als der Celestee, erhält aber auch diesen aus meiner Sicht unnötigen Punch im Bassbereich bei um 85 Hz, was ihn etwas boomy klingen lässt.


Dekoni: Celesestee vs. Elegia

Etwas anders sieht es aus, wenn die Dekoni Limited Sheepskin Stellia Pads ins Spiel kommen. Nicht nur, dass diese aus dem Elegia einen der besten geschlossenen Kopfhörer machen, mit ihnen schiebt sich der Focal Celestee für meine Ohren sogar am Elegia vorbei.

Messungen


Auch hier zeigt sich, dass die Dekoni Pads an beiden Kopfhörern sehr ähnlich performen und auch am Ceelstee der Oberbass etwas reduziert wird. Beim Celestee ist die Trennung von Bass zur Stimme noch etwas konsequenter umgesetzt und im Bereich 1.200-1.800 Hz erhalten Frauenstimmen noch etwas mehr Durchsetzung. Das ist es, was mich am Celestee von Anfang an so gefesselt hat, schon mit den Stock-Polstern. Der Peak des Stock-Celestee im Hochton wandert in den Präsenzbereich auf etwa 5.800 Hz, was ich als angenehm empfinde. Das und die zusätzliche Betonung bei 12.500 Hz sorgen für ein Plus an Klarheit und Transparenz. Nebenbei gewinnt der Celestee so auch an räumlicher Darstellung. Die Bühne wird breiter und auch die Ortung einzelner Instrumente gelingt präziser.

Fazit Celestee


Tja, was soll ich sagen. Bevor nun jemand einen gebrauchten Elegia sucht und sich die Dekoni-Pads bestellt… STOPP!

Möglicherweise ist da der Focal Celestee mit seinem Aufpreis doch die bessere Wahl, da er ab Werk schon sehr gut abgestimmt ist und sich auf Referenz-Niveau befindet. Mit den Dekoni-Pads wird er nahezu perfekt!

Zwei großartige Focal-Hörer: der Elegia mit den Dekoni-Pads auf Augenhöhe mit dem Celestee (rechts)






Intermezzo


Eigentlich reicht das ja schon an Offenbarungen durch die Dekoni-Pads. Doch wenn ich schon dabei bin, dann wollte ich mir auch den Spaß machen, die Pads am offenen Focal Clear Pro zu testen. Aus meiner Erfahrung sollte sich da nicht ganz so viel ändern wie bei den geschlossenen Kandidaten. Doch weit gefehlt…





Focal Clear Pro

Der Focal Clear Pro ist einer meiner Favoriten im Bereich der offenen Kopfhörer. Klanglich ist er angeregt ausgewogen unterwegs und bietet Bass tief hinab auf einem sehr zufriedenstellendem Niveau. Gesang klingt in jeder Tonlage und Timbre hervorragend. Der Clear Pro klingt klar und stellst alle Details transparent und brillant dar.
Für eine genaue Beschreibung empfehle ich meinen Artikel über den silbernen Clear zu lesen.


Dekoni Magie beim Clear Pro


Im Prinzip kann der kaum besser gemacht werden. Mit dem Ergebnis in Verbidnung mit den Dekoni Limites Sheepskin Stellia Pads hatte ich daher nicht gerechnet. Die Messung zeigt klar im Detail, was ich sofort gehört hatte. Der Focal Clear Pro klingt „runder“.


Messungen


Nahezu linear mit einem leichten Gefälle von 20 Hz bis zu 1.000 Hz. Bei 50 Hz befindet sich der Hochpunkt mit gerade 2 dB über 1.000 Hz. Traumhaft. Bis auf 2kHz sinkt das Niveau um gut 4 dB, um dann erneut in eine leichte Betonung bis 4.000 Hz zu wechseln. Dadurch bekommen besonders Instrumente einen gewissen Vortrieb. Mit dem Peak bei 5.800 Hz erhalten Instrumente zudem einen zusätzlichen „Glanz“. Im Bereich 8.000 bis 11.000 Hz erhält der Clear Pro mit den Dekoni-Polstern deutlich mehr Energie. Die bis zu 5 dB lassen den Kopfhörer noch offener und räumlicher klingen. Es werden deutlich mehr Informationen dargestellt. Bisher ist mir das nicht zu viel geworden, im Gegenteil. Der Clear Pro erinnert mich so sehr stark an die Auflösungsfähigkeit eines Sennheiser HD800S oder meines Stax SR-L500 Pro. Im Vergleich zum Sennheiser klingt der Focal Clear Pro mit den Dekonis jedoch nicht mit jedem Studio Album, als stünde ich mitten im Stadion. Dafür gibt es aber einen deutlich kräftigeren Bass als es der Sennheiser oder auch der Stax liefern.

Fazit Clear Pro


Ich hätte es nicht gedacht, doch auch der Focal Clear Pro wird so zu einem absoluten Referenz-Kopfhörer. Derzeit bekommt er mit diesen Pads bei mir die meiste Spielzeit aller offenen Kopfhörer, weil er mir zum unangestrengten Musikgenuss und seinem Betrieb an nahezu jedem Zuspieler am unkompliziertesten ist. Einfach nehmen und gut. Da passiert ein wenig Magie mit diesen Dekoni Limited Sheepskin Stellia Pads.


Hallelujah!






Fazit Pad-Wechsel 2021


Einmal mehr zeigt sich, dass auch High-End-Kopfhörer von einem Pad-Wechsel profitieren können und es sich auch für deren Besitzer lohnen kann, andere Pads zu probieren statt gleich auf ein neues Modell zu setzen.

Was mich nun aber wiederum persönlich interessiert ist:
a) Ob da der neue Clear (Pro) MG ab Werk nun klanglich mithalten kann?
b) Könnte auch er vielleicht noch von den Dekoni-Polstern profitieren?

Mal sehen, ob sich demnächst vielleicht doch noch eine Möglichkeit auftut, die neuen MG-Varianten zu testen.
Aktuell sind meine offiziellen Anfragen bei Focal direkt leider ins Leere gelaufen.


Stand heute und insbesondere mit den Dekoni Limited Sheepskin Stellia sind
der Focal Celestee und der Focal Clear Pro
ganz vorne mit dabei, wenn es um die Beantwortung der Frage geht:

Welches sind eigentlich die besten offenen und geschlossenen OverEar-Kopfhörer?


Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Dan Clar Audio Expanse, Meze Empyrean 2, Hifiman HE1000SE, HEDDphone 2, Hifiman Audivina, Dan Clar Audio E3; InEar-Lineup: Headphone Company Zeitgeist Blue, Sennheiser IE600, iBasso iT07; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Cayin N8ii, iBasso DX320 Max TI; Kopfhörerverstärker im Bestand: Cayin HA-3A, RME ADI 2/4 Pro SE, ifi Audio GO Bar