Cayin N3 Pro im Test – A Star is born!

Der Cayin N3 Pro wurde im zweiten Halbjahr 2020 veröffentlicht und befindet sich nun seit einiger Zeit bei mir, um auf Herz und Röhren getestet zu werden. Das wohl einzigartigste Merkmal sind die verbauten Röhren, was mich als Besitzer eines stationären Röhrenverstärker besonders neugierig gemacht hat. Ob die Röhren halten, was ich erwarte und was der N3 Pro noch zu bieten hat, dazu mehr hier im Testbericht…


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Der N3 Pro wurde mir leihweise vom deutschen Cayin-Vertrieb als Testgerät zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!



Danke

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen Leser*innen bedanken!

Immer wieder erreichen mich Feedback, Fragen oder Wünschen, die mir neue Impulse verschaffen.
So auch geschehen beim Cayin N3 Pro, auf den mich Markus G. Ende Dezember aufmerksam gemacht hat, der eine mobile Lösung für zu Hause und unterwegs suchte. Markus, falls du den N3 Pro noch nicht besitzen solltest, hilft dir dieser Artikel in deiner anstehenden Entscheidung vielleicht weiter. 😎


Vorwort


Neben Kopfhörer und Kopfhörerverstärker teste ich gern auch immer wieder DAPs. Doch nicht alle schaffen es, mich so zu überzeugen, dass ich über sie berichte. Der N3 Pro ist auf jeden Fall ein sehr interessanter DAP.

Schaut man sich das Angebot von Cayin einmal genauer an, stellt man schnell fest, dass der N3 Pro neben dem InEar-Kopfhörer YB04 mit 598€ den Einstieg in das audiophile Portfolio von Cayin markiert.

Somit ist klar, dass wir bei Cayin nicht über einen Anbieter von “Massenware” reden, sondern über einen Hersteller, der bereits seit 1993 Hifi-Geräte anbietet und Wert auf höchste Qualität legt. Seit 2013 ist Cayin auch im individual-audiophilen Bereich aktiv und liefert seitdem Lösungen für alles, was sich um Kopfhörer dreht.

Es ist sehr spannend wie Cayin seinen Einstiegs-DAP umgesetzt hat und und wie er sich im Vergleich zum Wettbewerb positioniert. Sonst werden Geräte der Einstiegsklasse mit diesem Formfaktor für maximal einem Drittel des Preises des N3 Pro angeboten. Cayin fängt also da an, wo sonst die Mittelklasse anderer Hersteller aufhört. Ob der N3 Pro mit eben diesen Geräten mithalten kann, das schaue ich mir genauer an.


Lieferumfang


Geliefert wird der N3 Pro in einer zweiteiligen, schwarzen Pappschachtel, welcher in einer ansprechend gestalteten Präsentationshülle eingeschoben ist. Auf der Vorderseite sind die Umrisse des N3 Pro eingeprägt und das orange-rote Glimmen der Röhren wird angedeutet. Darunter in einfacher Schrift zu lesen „Master Quality Digital Audio Player“. Insgesamt ein toller erster Eindruck, der Lust darauf macht, den N3 Pro zu entdecken.
Auf der Rückseite finden sich einige Piktogramme, welche die Merkmale des N3 Pro knapp auflisten sowie allgemeinen Angaben in verschiedenen Sprachen, darunter auch Englisch jedoch kein Deutsch. Auch die mitgelieferte Anleitung ist nicht auf Deutsch verfügbar.

Ich kann jedoch Entwarnung geben, denn zum einen ist die auf dem N3 Pro enthaltene Software auf Deutsch einstellbar und das Benutzerhandbuch lässt sich als PDF-Datei von der Produktseite auf cayin.com herunterladen.

Im Zubehör befindet sich neben der bereits angesprochenen Anleitung ein USB-Kabel zum Aufladen und zur Nutzung des N3 Pro als DAC, eine einfacher Schutz aus transparentem Silikon, sowie je zwei Display-Schutzfolien für die Vorder- und Rückseite. Der Lieferumfang ist somit übersichtlich und kommt ohne Gimmicks aus… wobei die zwei beigelegten „Hi-Res Audio“-Aufkleber nicht zu vergessen sind. 😉


Design & Verarbeitung


Im Design verfügt der N3 Pro über eine für mich optimale Barrenform im Verhältnis 1:3:6 mit nur 135 ml Volumen und mit dem “richtigen“ Gewicht von ca. 195gr und einer perfekten Balance in der Hand. Der Schwerpunkt befindet sich exakt in der Mitte der Unterseite. Alle Bedienelemente und Schnittstellen wurden sinnvoll auf die Seitenflächen platziert, wobei der DAP auf der Oberseite clean ist.
Das Display ist mit abgerundeten Kanten in den ALU-Rahmen hochgenau eingefasst. Auch die Glasrückseite ist nahtlos eingepasst. Die abgeschrägten und abgerundeten Gehäusekanten sorgen zudem für ein absolut angenehmes Gefühl in der Hand.
Die mattierte Oberfläche ist ohne jegliche Unregelmäßigkeit ausgeführt und Fingerabdrücke sind für den Alu-Rahmen somit ein Fremdwort. Die mitgelieferte Silikon-Hülle schützt zwar, doch ohne gefällt mir der N3 Pro deutlich besser.


Handhabung & Haptik


In Punkt Haptik darf ich direkt vorweg nehmen, dass der N3 Pro mich schon beim Herausnehmen absolut abgeholt hat und ich nicht wüsste, was da noch verbessert werden kann.

Das beginnt bereits mit der Anordnung der Bedienelemente auf der rechten Seite. Für Rechtshänder ist die komplette Bedienung inklusive Touch-Bedienung mit dem Daumen möglich, entsprechend große Hände vorausgesetzt. Doch auch mit der linken Hand lässt sich der N3 Pro problemlos einhändig bedienen. Der Daumen betätigt den Touch-Screen und der Zeigefinger dreht problemlos den Lautstärkeregler und drückt die Tasten. Dank der Breite von nur 60mm (63.5mm mit Hülle) verfügt der N3 Pro für viele Hände über eine ideale Umsetzung der Bedienung mit nur einer Hand und das unabhängig ob es sich um einen Links- oder Rechtshänder handelt.


• Bedienelemente


Der Lautstärkeregler ist erhaben aufgesetzt, wird aber seitlich durch Erhebungen im Alu-Rahmen geschützt. Er ist sowohl von vorne und hinten leicht bedienbar. Zugleich ist er als Taster ausgelegt, der für das Ein- und Ausschalten sowie das Aufwecken aus dem Standby zuständig ist. Der Regler mit integriertem Taster ist perfekt ausgelegt. So kam es zu keiner Zeit zu einer ungewollten Bedienung des Taster während das Steuerrad gedreht wurde noch zu versehentlichen Änderungen der Lautstärke beim Herunterdrücken des Knopfes. Auch die Taster für die Steuerung von Play/Pause sowie Vor und Zurück habe einen perfekten Druckpunkt, sind leicht erhaben und verrichten Ihren Dienst ohne jegliches Spiel.


• Touchbedienung


Das 3,2’‘ IPS-Touch-Display reagiert stets zuverlässig, ist sehr blickwinkelstabil und verfügt über eine gute Helligkeit. Mit nur 480×360 Bildpunkten und einer Größe von 3.2 Zoll ist es weder wirklich groß noch hoch auflösend. Der N3 Pro verfügt somit nicht über eine so scharfe Auflösung wie man sie mittlerweile von fast allen Smartphones gewohnt ist. Hier zeigt sich dann auch, dass es sich beim N3 Pro eher um ein Einsteigermodell handelt, zumindest augenscheinlich. Wenn ich etwas zu Meckern hätte, dann wäre das der einzige Punkt, den ich mir als Verbesserung für einen Nachfolger vorstellen könnte. In der nahezu täglichen Nutzung hat mich jedoch das Display kein bisschen gestört und ich weiß auch warum.

Der angebissene Apfel macht es vor. Ganz nach dem Motto „Entwickele ein Gerät mit klar definierten Leistungsmerkmalen und setze diese perfekt um, keine Halbheiten!“
Genau das trifft zumindest für den N3 Pro auch seitens zu, das unterstelle ich hiermit einfach. Das Display ist für alle Features des DAPs mehr als ausreichend. Eine Möglichkeit im Internet zu surfen gibt es nicht, ebenso wenig sind zusätzliche Apps wie Spotify, Tidal, Qobus, Amazon Musik usw. installierbar.
Demzufolge starre ich auch nicht permanent auf das Display und muss auch keine zu kleine Schriften in Dritt-Anwenungen entziffern. Alle implementierten Funktionen sind gut bedienbar, alle Informationen gut ablesbar. Es kann für die wichtigsten Anzeigen zwischen drei Schriftgrößen gewählt werden. Ich habe mich am Ende tatsächlich für die größte entschieden, denn auch mit dieser lässt es sich hervorragend navigieren und auch bei geringer eingestellte Helligkeit alles schnell ablesen. Ich habe schon viele DAPs bedient, welche mit großer Schriftart plötzlich in der Bedienung umständlich wurden, weil z.B. nur noch wenige Informationen auf einer Seite sichtbar waren und die Bedienung in Scroll-Orgien ausartete. Nicht so beim N3 Pro. Perfekt umgesetzt!

• Bedienoberfläche


Das bringt mich zum Thema Software. Ohne das Handbuch zu lesen, habe ich mir die Bedienung autodidakt innerhalb einer Stunde erarbeitet. Das zeugt zum einen von der logischen Umsetzung der Menüs und Funktionen und zum anderen von der Einfachheit, schnell zu den unterschiedlichen Menüs zu gelangen. Lediglich die Übersetzungen auf Deutsch sind gelegentlich etwas holprig oder wie im Bluetooth-Menü noch nicht zu 100% erfolgt. So wird im Dialog für Bestätigungen für da AUsführen wichtiger Funktion gefragt ob „Stornierung“ oder „OK“. Das hat mich anfangs etwas irritiert. Hier wäre ein „Abbruch“ eingängiger, da dieses dem sonst gewohnten Standard entspräche. Doch zurück zu den Menüs…

Oben vom Rand nach unten gestrichen öffnet sich ganz im Android-Style die Menü-Leiste. Kein Wunder, denn im N3 Pro läuft ein massiv angepasstes Android-System welches absolut zuverlässig und schnell läuft. Von unten nach oben über das Display gestrichen, öffnet sich eine weitere Auswahl mit der man zu den Einstellungen für Musik- oder Systemeinstellungen gelangt. Etwas versteckt ist die Touch-Funktion des LED-Rings am unteren Rand der Front. Im DAP-Betrieb ist dieses quasi die „Home-Taste“ zum Player-Screen, der einen immer wieder zur Cover-Ansicht zurück bringt. Auch da sehr schön als „Panik-Button“ gelöst.


• Datenspeicher & -übertragung


Der N3 Pro meldet sich über USB angeschlossen als echtes Laufwerk an, wird sofort eingebunden und ist somit direkt synchronisierbar. Auch Nutzer von iOS-Systemen wird es freuen, dass hier kein Herausnehmen der Micro-SD-Karte mehr für den Datenabgleich notwendig ist. Ich nutze im Test eine 400GB-Karte von Sandisk, welche Im Bereich der konstanten Schreibrate bei etwa 22MB liegt – ermittelt mit einem USB-Micro-USB-Kartenschreib/-lesegerät. Die Daten werden unter Windows 10 mit konstant 19 MB auf die Karte geschrieben, was für mich ein toller Wert ist. Für die Synchronisation brauche ich die Karte also nicht entfernen, wobei das beim N3 Pro sogar durch den einfachen Zugang zur Karte keine Hürde wäre.

Meine Karte mit über 350GB Daten liest der N3 Pro innerhalb einer knappen Viertelstunde ein, was eine ordentliche und schnelle Leistung ist. Auch hier hat Cayin optimal abgewogen, welche Daten für die intern aufzubauende Datenbank für das schnelle Navigieren durch diese notwendig sind und welche nachgeladen werden. So werde beispielsweise zu den Cover offensichtlich keine Thumbnails während dem Scannen erzeugt und gespeichert. Ruft man später die Musikdatenbank auf, dann werden sichtbar Cover nachgeladen, was jedoch nicht stört. Wenn ich hier wie durch eine Webseite butterweich scrollen würde, dann wäre diese Art des Nachladens ein NoGo. Doch hier scrolle ich schnell zu den Anfangsbuchstaben, lese, ob ich im Bereich bin, wo ich etwas langsamer scrolle und erst dann werden die Thumbnails der Cover oder Interpreten dargestellt. Aus meiner Sicht optimal durchdacht. Die Funktion im Vordergrund und das Design im nächsten Moment schnell „nachgezogen“. Passt.

Allerdings gibt es hier auch ein wenig Potential für weitere Updates. So vermisse ich ein wenig Statistik. Ich würde mich über eine Anzeige freuen, in der ich sehe, wie viele Tracks, Alben oder Interpreten erkannt wurden und an welcher Position ich mich befinde. Beim Einlesen der Micro-SD-Karte wird zumindest angezeigt, wie viele Dateien eingelesen wurde. Wenn man weiß, wie viele Dateien insgesamt auf der Karte vorhanden sind, ist das zumindest ein grober Anhaltspunkt, wie lange das Einlesen in etwa dauern wird.
Die einzige Info in Form von Zahlen habe ich ist im Menüpunkt „Über“ gefunden. Nur dort sehe, dass z.B. 4,8GB von 366GB frei sind. Allerdings gibt es auch dort keine weiteren Angaben wie eingelesene Dateien usw.


• Firmwarupdates


Seit Erscheinen des N3 Pro betreibt Cayin Produktpflege und liefert zum Zeitpunkt dieses Berichts bereits die Firmware -Version 2.1, welche via OTA in knapp 10 Minuten heruntergeladen wird. Dafür sichert sich Cayin vorab natürlich mit den üblichen Texten ab, dass die Installation auf eigene Gefahr geschieht usw…
Das Firmware-Update auf die v 2.0 hatte ich noch manuell vorgenommen und diese zunächst von der Webseite heruntergeladen, dann auf die Micro-SD-Karte gespielt und bin der Anleitung gefolgt. Die Wifi-Variante ist zwar nicht unbedingt schnelle, doch deutlich unkomplizierter.

Sobald die Firmware vollständig geladen ist, informiert der N3 Pro über den Download und fragt, ob die neue Firmware installiert werden soll. Nach dem Bestätigen dauert der gesamte Vorgang nicht einmal eine Minute, dann startet der N3 Pro neu und ist direkt wieder einsatzbereit.


• Energiemanagement


Was mir aufgefallen ist, ist es, dass ich zu keiner Zeit seit ich den N3 Pro benutze nur ansatzweise die Energie ausgegangen ist. Zum einen hält der Akku gefühlt ewig, selbst im Röhrenmodus. Hier scheint meine eher leise Hörgewonheit nebenbei und mit dem iBasso iT07 sehr sparsam zu sein. Ausprobiert habe ich es nicht, doch ich denke hier sind auch mehr als die angegebenen 8 Stunden drin. Was aber dazu führt, dass ich den N3 Pro bisher nur aktiv nach dessen Ankunft aufgeladen habe ist die Tatsache, dass ich ihn oft auch als DAC benutze.
Als DAC nutzt der Cayin den Zuspieler direkt auch als Ladegerät, wenn auch mit Bedacht. Klar, wer den als DAC am Smartphone nutzt kommt dann sicher ins Hintertreffen, denn neben der Leistung für den Verstärker wird zusätzlich Energie zum Aufladen des eigenen Akkus entnommen. Bisher ist das in den Einstellungen des N3 Pro noch nicht konfigurierbar. Ob das vielleicht einmal mittels Firmware eingestellt werden kann, darüber möchte ich nicht spekulieren.

Wer nun meint, das ständige Nachladen schade doch aber dem Akku, der sei auf das Energiemanagement (aktueller) Notebooks oder Tablets verwiesen. Schon seit etwa 7 Jahren nutze ich ein Notebook eines namenhaften Herstellers und es befindet sich täglich immer wieder an einer Docking-Station. Der Akku wird also immer stets zu 100% aufgeladen. Der Akku ist immer noch gut zurecht und hat locker noch 80-90 Prozent seiner ursprünglichen Leistung. Da Management ist keine Rakentenwissenschaft und ich bin guter Dinge, dass Cayin hier ähnlich gut unterwegs ist. Zumindest habe ich Zuversicht, schaue ich mir das Gesamtpaket an. Warum sollten gerade in dem Bereich Anfängerfehler gemacht werden?


• Täglicher Anwendungsfall


Also am Ende des Tages ist es mit dem N3 Pro so, dass der immer Einsatzbereit ist und ich es noch nicht ein einziges Mal geschafft habe, ihn unbedacht leer zu spielen. Bei einem DX220 Max oder einem M15 ist das ganz anders. Diese beiden habe ich nicht stets zur Hand und nutze sie auch eher selten als DACs wenn ich am iPad oder am Notebook arbeite. In solchen Fällen kamen dann eher ein ifi Audio Zen DAC oder nun auch gelegentlich ein Khadas Tone2 Pro und nun häufiger der N3 Pro zum Einsatz. Insbesondere begleitet mich der N3 Pro nun auch immer wenn ich unterwegs bin und statt Home-Office auch wieder vereinzelt im Büro arbeite. Dafür hab ich sonst immer den Fiio M6 genutzt, doch der Cayin N3 Pro ist da nicht so viel größer, bietet mir aber deutlich mehr.



Technische Daten


Hier gebe ich einen Auszug der aus meiner Sicht wichtigsten, technischen Eckdaten an. Ausführliche Informationen sind auf der Produktseite des N3 Pro auf www.cayin.com zu finden.

Modellbezeichnung:Cayin N3 Pro
Wandler & Amp:Dual AKM 4493EQ & Dual JAN 6418 Röhren
Schnittstellen:USB-C , Bluetooth, WiFi, 3,5 mm & 4,4 mm Klinke-Buchsen
Codecs:Duplex Bluetooth 5.0 mit SBC/AAC/aptX/LDAC/UAT
USB:USB-DAC mit 32 Bit/768 kHz und DSD512, USB-Audio Class 2.0
Speicher:kein interner Speicher, 1x Micro-SD (1TB)
Firmware:updatefähig via OTA & Micro-SD
Farbe:Schwarz & Gold
Gewicht:190 +-10 Gramm
Abmessungen:B x H x T: 115,2mm x 63,5mm x 18,5mm
Ausgangsimpedanz:Stereo 0,6 Ω, symmetrisch 1,0 Ω
Frequenzbereich:50 Hz – 80 kHz (+-3 dB)
Frequenzgang:5 Hz – 50 kHz(-3 dB am Modul AM3E)
SNR:> 118 dB
Display:IPS 3,2‘‘ (480 x 360 Pixel)
Akku:4.300 mAh 3,7V (Aufladung in ca. 3,5h)
Akkulaufzeit:8,5 – 11 Stunden (abhängig von Lautstärke und genutztem Signalweg)
Akkuladezeit:ca. 3,5 Stunden (mit 5V 2A)



Klangreproduktion


Nun aber zum Wichtigsten, dem Klang. Normaler Weise würde ich diesen Punkt bei einem DAP oder Kopfhörerverstärker recht knapp fassen. Mittlerweile spielen auch DAPs des mittleren Preissegments namenhafter Hersteller irgendwo in der Referenzklasse. Durch verschieden Einstellungen für digitale Filter ändert sich die klangliche Wahrnehmung insbesondere in den Punkten Schnelligkeit, Transparenz und/oder Detailabbildung.Von solchen Filtern bietet der Cayin N3 Pro für den PCM-Modus sechs unterschiedliche und bei DSD immerhin noch zwei – aktuell ist mir kein DAP bekannt, der auch für DSD speziell Filter anbietet. Zudem bringt jeder DAP in irgendeiner Art und Weise einen Equalizer mit, so auch der N3 Pro. Wem die angestammte Klangkurve nicht zusagt, kann so immer nachjustieren. Auch wenn idealerweise ein Verstärker linear verstärken sollte, so sind zwischen verschiedenen Produkten durchaus leichte Unterschiede hörbar.

Etwa das Flaggschiff von Fiio, der M15, klingt im direkten Vergleich zu einem iBasso DX220 Max einfach etwas wärmer. Eine leichte Betonung im Bassbereich und im Hochton eine dezente Zurückhaltung lassen einen kleinen aber feinen Unterschied im Direktvergleich erkennen. Mit dem iBasso klingt alles, ohne per EQ oder Filter nachzuhelfen, einfach etwas separierter und auch etwas zackiger. Also ist der eher analytisch unterwegs im Vergleich zum musikalischeren M15, der genauso alle Details darstellt, doch einfach etwas satter im Klangbild daher kommt. Ohne direkten Vergleich fällt das aber nur sehr geschulten Ohren auf, die schon viel Erfahrung mit unterschiedlichen Hörkombinationen haben.


• Verstärkertechnik


Der Cayin N3 Pro ist aus dem Blickwinkel nun absolut interessant. Denn abgesehen von Filter und Equalizer verfügt er über drei unterschiedliche Grundabstimmungen wie ma es sonst nur bei drei verschiedenen Geräten erlebt. Das liegt daran, dass neben dem Betrieb im Transistor-Modus, der eine Leistung bis 800 mW im symmetrischen Betrieb zur Verfügung stellt, auch zwei Betriebsmöglichkeiten der integrierten Röhren ansteht. Der N3 Pro verfügt über zwei Röhren, welche sowohl im Trioden-Betrieb als auch als Ultra-Linear-Modus angesteuert werden können. Allein dadurch verändert sich der Klang des N3 Pro in drei unterschiedlichen „Farben“. Der Transistor-Betrieb gewährleistet die möglichst linearste Klangreproduktion. Der „Röhrenklang“ ändert das in Richtung Betonungen, die gering und trotzdem deutlich sind.

Die JAN6418 Röhren, also „echte“ zylindrische, militärische Vakuum-Röhren im Mini-Format, geben dem Klang eine gewisse zusätzliche Lebendigkeit. Der Trioden-Modus bringt den Bassbereich leicht nach vorne und lässt den Klang in den oberen Mitten und Hochton etwas detaillierter Wirken. Stimmen werden in beiden Röhren-Modi etwas klarer, jedoch geht der Ultra-Linear-Modus einen Schritt weiter. Höre ich im Trioden-Modus einen leichten Hang zu einer beschaulich relaxten Badewannenkurve so geht es im Ultra-Linear Modus insgesamt etwas nach vorne. Im Bass deutlich mehr Punch, der Oberbass kickt mehr und ist insgesamt etwas schneller unterwegs. Instrumente und Stimmen bekommen ein etwas Mehr an Präsenz und im Hochton wird es noch einmal etwas crisper. Oft kann ich mich zwichen beiden Modi kaum entscheiden. Doch mir fällt auf, das insbesondere Jazz und Chillout im Trioden-Modus phänomenal klingt und bei Electronic, Rock & Po sowie Mainstream und alles etwas Schneller der Ultra-Linear-Modus mich absolut überzeugt.

Die Röhren benötigen 5 Sekunden Aufwärmzeit bevor sie starten

Klangpaarungen – N3 Pro &


Zugegeben, wenn mir die Lautstärke mit einem Kopfhörer und dem N3 Pro im Single-Röhren-Modus ausreicht, dann bevorzuge ich diesen immer. Es gibt aber auch Kopfhörer, die brauchen einfach mehr Leistung, damit die einfach richtig gut klingen. Da ich über genug Kandidaten verfüge hier ein paar Beobachtungen, die ich gemacht habe. Um möglichst viele Paarungen zu nennen, halte ich mich kurz. Es geht mir hier auch wenige, welche Paarung wie und warum vielleicht besonder gut klingt, sondern eher darum, welche Modi mir am besten gefallen und warum. Denn nicht immer ist die Röhre die beste Option mit dem N3 Pro.


• IEM iBasso iT07


Der iT07 ist mit dem N3 Pro ein absolut heißes Gespann. Besser geht es fast nicht. Insbesondere im Modus Ultra-Linear klingt Musik mit dem iT07 absolut traumhaft. Der sowieso schon hervorragende Bass des iT07 wird hier unglaublich gut, das muss man einfach hören. Stimmen klingen sehr schön kräftig und warm. Im Hochton bekommt der iT07 mit der Röhre einen milden und betörenden Glanz. Das ist absolut Referenz. Selbst am iBasso DX220 Max klingen die iT07 absolut traumhaft, doch am N3 Pro gib es noch das gewisse Etwas dazu. Allerdings ist der N3 Pro im Transistor-Modus mit den iT07 nicht so spannend, da würd ich ihn auf Niveau mit dem iBasso DX160 sehen.


• Bowers & Wilkins P7


Der B&W P7 Kopfhörer ist ein ehemaliges Spitzenmodell aus dem Jahr 2014 und erlebt bei mir sozusagen eine gewisse Wiederentdeckung. Damals war ich dem Thema Kopfhörer noch nicht so zugeneigt wie heute und der war mir mit 400€ als Smartphone-Kopfhörer einfach etwas zu teuer.
Heute ist der in sehr gutem Zustand oft für unter halben Preis zu haben und spielt aus meiner Sicht in der heutigen Preisklasse bis 1.000€ mit. Damals wie heute sehr leicht anzutreiben, spielt auch der am N3 Pro im Röhrenmodus absolut leidenschaftlich und musikalisch. Viel Bass, kräftige mitten und ein seidiger Hochton. Ein Kopfhörer bei dem ich je nach Genre gern hin und her schalte und jeden der beiden Röhren-Modi geniesse. Im Transistor Modus spielt er mir zu uninspiriert und irgendwie einfach zu bassig. Mit Röhre am N3 Pro ganz großes Kino.


• Focal Clear Pro


Der Focal Clear Pro ist der einzige Kopfhörer, der in allen drei Modi am N3 Pro punktet, denn möchte ich kompromisslose Studioqualität, dann ist der Transistor-Modus erste Wahl. Für Live-Aufnahmen und etwas mehr Spaß gern der Ultra-Linear-Modus und geht es wieder eher in Richtung Entspannung, dann ist der Clear Pro mit dem Trioden-Modus auf Niveau des iT07, jedoch nun mit absolut authentisch räumlicher Darstellung und natürlich allen Vor- und Nachteilen eines offenen OverEar-Kopfhörers

Cayin N3 Pro & Focal Clear Pro – Dream Team

• Hifiman Ananda


Die Kombination mit dem Hifiman Ananda ist von allen hier aufgeführten Paarungen die uninteressanteste. Der Ananda für sich ist schon recht stark gesoundet und entweder man mag sein Tuning oder nicht. Di Unterschiede mit dem N3 Pro fallen hier einfach zu wenig ins Gewicht. Sprich der Ananda maskiert hier ein wenig die Fähigkeiten des N3 Pro, was wiederum im Umkehrschluss den Ananda zu einem nahezu an jedem Kopfhörerverstärker gut betreibbaren Kopfhörer macht. Mit mehr Leistung skaliert er besser, doch klanglich ist er immer der Hifiman Ananda.


• DT880 BE, AEON FLOW2 Closed & Open, Ether2 & HEDDphone


Selbst schwer anzutreibende Kopfhörer lassen sich am N3 Pro gut betreiben. Stellvertretend habe ich verschiedene Modelle getestet, welche allesamt Leistung benötigen. Der DT880BE mit 250 Ohm, die Dan Clark Audio jeweils mit geringer Impedanz dafür aber geringem Wirkungsgrad und der HEDDphone mit den AMT-Treibern, die erst bei ordentlicher Energiezufuhr aufblühen. Die meisten DAPs schaffen es nicht, ihn entsprechend zu fordern. Was alle Kopfhörer hier gemeinsam haben ist, dass ich für diese den symmetrischen Ausgang als verpflichtend halte, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Eine kleine Ausnahme bildet der Beyerdynamic DT880 BE, der recht leise gespielt in den Röhrenmodi genauso gut klingt wie lauter gespielt am symmetrischen Ausgang im Transistor-Modus. Schaltet man von Röhre auf Transistor klingt der DT880 BE etwas lasch und uninspiriert, erst ab etwa Lautstärke 95 spielt er dann wieder „freier“. Dabei ist mir noch ein Detail aufgefallen.


• Lautstärke & -regelung


Der N3 Pro bringt je nach Nutzung drei maximale Leistungsstufen mit, so schaffen die Röhren es mit 130mW Kopfhörer anzutreiben, der Transistor-Modus im Stereo-Betrieb liegt bei ordentlichen 250mW und symmetrisch liefert er dann kraftvolle 800mW.

Bei einfach anzutreibenden Kopfhörern reichen die 130mW aus und man kann problemlos auch zwischen allen Verstärkermodi hin und her schalten. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei z.B. Lautstärke 60 es keinen Unterschied macht, ob ich im Transistor-Modus oder per Röhre höre. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungswerte hätte ich aber mit einer deutlichen Änderung der Lautstärke beim Umschalten gerechnet.
Offensichtlich haben die Ingenieure von Cayin sich aber etwas gedacht, um genau das zu vermeiden. Der Beyerdynamik DT880 BE hat mir geholfen, das Umschaltveralten einmal hinsichtlich der Lautstärke genau zu ergründen, denn mit 250 Ohm Impedanz kann ich den locker bei High-Gain auf Lautstärke 100 am Stereo-Ausgang hören. Dabei zeigt sich dann auch der Lautstärkeunterschied, denn schalte ich bei maximaler Lautstärke von Transistor auf Röhren um, verringert sich die Lautstärke deutlich. Ich würd das so auf 20-25% geringere Lautstärke schätzen.

Ich habe also in Schritten die Lautstärke verringert und immer umgeschaltet. Ziemlich genau bei der Einstellung 90 der Lautstärke höre ich keinen Unterschied mehr. Genauer hingehört stellt es sich mir im Ergebnis so dar, dass Cayin bis zum Wert 90 die Lautstärken von Transistor- und Röhrenschaltung deckungsgleich aufeinander gebracht hat. Ab diesem Wert hat die Röhre einfach ihr Maximum erreicht und der Transistor-Betrieb hat dort noch seine Reserven schlummern. Das ist gut reproduzierbar, wenn in den Einstellungen die maximale Lautstärke auf 90 gestellt wird. Dann gibt es auch im High-Gain keine keine Reserve für die Lautstärke mehr im Transistor-Modus.

Absolut toll nachgedacht von den Cayin-Ingenieur*innen. Tolle Sache.
Ohne den Beyerdnamik wäre mir da so gar nicht aufgefallen, trotzdem wollte ich das erwähnen, denn so ist die Nutzung der Betriebsmodi für 95% aller Nutzer absolut unauffällig, was die Unterschiede in der maximalen Leistungsfähigkeit angeht.


Fazit


Was soll ich am Ende zum Cayin N3 Pro sagen? Kaufen!

Eine tolle Haptik, echter Röhrenbetrieb mit all den hier genannten Vorteilen, eine absolut performante Symbiose von Hard- und Software mit kompromissloser Benutzerfreundlichkeit und dazu ein hervorragendes Energiemanagement mit sehr guter Laufzeit.

Jeder, der sich nach einen DAP in diesem Preisbereich umsieht und jeder, der kein hochauflösendes Display benötigt und auch mit der Nutzung seiner Streaming-Dienste über Bluetooth & LDAC zufrieden ist, der sollte sich unbedingt den Cayin N3 Pro ansehen. Kein Slowdown durch Überfrachtung an Apps oder unkontrollierter Individualisierung. Der DAP mach jetzt und auch in den nächsten Jahren das was er soll und das genauso wie heute zum Zeitpunkt dieses Berichtes.

Der N3 Pro ist ein DAP, den gibt man einfach nicht mehr ab. Dieser DAP ist in Sachen Qualität & Nachhaltigkeit und darüber dann auch im Bereich Preis/Leistung vielleicht das Beste, was derzeit auf dem Markt zu finden ist.

Bewertung

  • 98%
    Klang - 98%
  • 96%
    Leistung - 96%
  • 92%
    Technik & Features - 92%
  • 100%
    Kopfhörer Neutralität - 100%
  • 96%
    Design - 96%
  • 100%
    Verarbeitung - 100%
  • 98%
    Haptik & Bedienbarkeit - 98%
  • 96%
    Preis - 96%
97%

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Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Focal Clear Pro, Sennheiser HD800s, DCA Ether2, DCA AEON Flow 2 Open, Stax L500 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Focal Celestee, DCA AEON2 Noiré; Im Bestand sind folgende InEars: Sennheiser IE900, iBasso iT07, Fiio FD1, IMR Ozar; Dauerhaft eingesetzte DAPs: iBasso DX300 Max, DX300 & AMP12, Cayin N3Pro; Kopfhörerverstärker im Bestand: Audiovalve Solaris, SPL Phonitor XE & Phonitor One D, ifi Audio ZEN DAC & CAN, micro iDSD Signature