SPL Phonitor xe im Test – Flaggschiff Kopfhörerverstärker mit Voltair-Technik & Phonitor Matrix

Seit 1983 entwickelt SPL Audiogeräte für Musik, Film, Multimedia, HiFi und Rundfunk wie etwa den Phonitor xe als Flaggschiff im Bereich Kopfhörerverstärker, der selbst audiophile Ansprüche voll und ganz erfüllt. Was ihn so besonders macht und was er zu leisten vermag, das habe ich mir genauer angehört…



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Der Bericht zum SPL Phonitor xe ist mit Unterstützung von SPL entstanden. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!


Vorwort


Ich habe vor einiger Zeit bereits Berichte zum SPL Phonitor One D und zum SPL Phonitor se veröffentlicht. Letzter hat mich mit der “Voltair-Technologie” und Crossfeed sehr beeindruckt. Der Phonitor xe geht noch weiter und bietet eine in kleinen Schritten personalisierbare Crossfeed-Schaltung an, die Phonitor-Matrix, dazu später mehr.

Nachdem mich der Phonitor se “angefixt” hatte, musste ich unbedingt auch das Flaggschiff hören. Am Ende ist dieser Teil meines stationären Setups zu Hause geworden. Mit einem Preis von 2.999,-€ (UVP Stand 2022/10) ist der SPL Phonitor xe mit DAC bereits eine ordentliche Investition. Da ich das Glück hatte, diesen Kopfhörerverstärker in zweiter Hand zu ergattern, durfte er vor einigen Monaten meinen Audiovalve Solaris ersetzen.


Verpackung & Zubehör


Im Lieferumfang meines Phonitor xe befanden sich ein Netzkabel und die Bedienungsanleitung. Der Karton ist in schlichtem weiß gehalten. Lediglich ein Aufkleber zeigt, welche Gerätekonfiguration sich im Karton befindet. So ist von außen erkennbar, ob es sich um den silbernen oder schwarzen Phonitor xe handelt oder gar um die Ausführung mit schwarzem Gehäuse und roter Front und ob der DAC768 enthalten ist oder nicht.


Design & Verarbeitung


Die Gehäuseformen der SPL-Geräte mit den abgerundeten Kanten gefallen mir alle durchweg sehr gut. Wie schon die zuvor getesteten Geräte von SPL zeichnet sich der Phonitor xe ebenfalls durch seine optische Schlichtheit aus. Zudem fügt sich auch beim Flaggschiff sehr edel das Schildchen mit dem SPL-Logo plan die knapp 4mm massive Front ein.

Die gewählten Schalter und Drehknöpfe wurden sehr ästhetisch auf die Front verteilt angeordnet. Es ist eine wahre Freude, den großen Lautstärkeregler manuell zu drehen oder mit einer beliebigen Infrarot-Fernbedienung zu steuern. Der SPL Phonitor xe besitzt eine einfac anlernbare Empfängereinheit.

Passend zu den Retro-Kippschalter wurden dem Phonitor xe noch zwei analoge VU-Meter gegönnt, deren Ansteuerung durch das Eingangssignal geschieht. Der Maximalausschlag kann mit einem Schalter je nach Pegel des Eingangssignals angepasst werden. Neben der Funktionen sind das alles schon Design-Elemente. Ein Studio-Gerät, welches ebenfalls auch in der heimischen HiFi-Ecke hineinpasst.

Die Verarbeitung ist einwandfrei. Die Gehäuseteile haben kein Spiel und sind allesamt verschraubt. Auch die Anschlüsse auf der Rückseite sind ansprechend integriert. Die wichtigsten Beschriftungen sind doppelt vorhanden, so dass diese auch von oben kopfüber gelesen werden können.

Blick ins Innere – Bildquelle: SPL


Technische Daten


Hier einige Angaben zum Phonitor se des Herstellers.
Quelle: www.spl.audio

Analoge Eingänge:

  • XLR (symmetrisch): Eingangspegel: 32,5 dBu; Eingangsimpedanz: 20kΩ
  • Cinch: Eingangspegel: 32,5 dBu; Eingangsimpedanz: 20kΩ
  • Cinch -10dBV mit Anhebung zu 0dBu

Digitale Eingänge: DAC768 (optional)

  • Coaxial SPDIF (Cinch), PCM-Abtastraten: 44,1/48/88,2/96/176,4/192 kHz
  • Optisch SPDIF (Toslink F06), PCM-Abtastraten: 44,1/48/88,2/96/mit Glasfaser < 1m: 176,4/192 kHz
  • USB (B), PCM-Abtastraten: 44,1/48/88,2/96/176,4/192/352,8/384/705,6/768 kHz
  • USB (B), DSD over PCM (DoP), Abtastraten: 2,8 (DSD64), 5,6 (DSD128), 11,2 (DSD256) MHz
  • 15 dBu

Standard-Kopfhörerausgang: 6,35 mm-TRS-Klinkenbuchse

  • Pinbelegung: Spitze = links, Ring = rechts, Schaft = GND
  • Quellimpedanz: 0,18 Ω
  • Dämpfungsfaktor (40 Ω): 180
  • Frequenzgang (-3dB): 10 Hz – 300 kHz
  • Übersprechen (1 kHz): -90 dB
  • THD + N (10 Hz – 22 kHz, 0 dBu): 0,00082 %
  • Rauschen (A-bewertet): -103 dBu
  • Dynamikumfang: 135,5 dB
  • Ausgangsleistung (1 kHz, 1% Klirrfaktor, 600 Ω / 250Ω / 32Ω): 2 x 2.7 W / 2x 5W / 2 x 1W

Interne Stromversorgung; Linear-Netzteil mit geschirmtem Ringkerntransformator

  • Betriebsspannung für analoge Audio-Elektronik: +/- 60 V
  • Betriebsspannung für Relais und LEDs: +12 V

Netzteil

  • Netzspannung (wählbar, siehe Sicherungskammer: )230 V AC / 50; 115 V AC / 60 Hz
  • Sicherung für 230 V: T 500 mA
  • Sicherung für 115 V: T 1A
  • Leistungsaufnahme: max. 40 VA
  • Stand-By Stromaufnahme: < 0,3 W

Maße & Gewicht

  • W x H x T (Weite x Höhe inkl. Füße x Tiefe): 278 x 100 x 300 mm / 11 x 4 x 11,81 inch
  • Gewicht des Geräts: 4,9 kg / 10.8 lbs
  • Versandgewicht (inkl. Verpackung): 5,6 kg / 12.35 lbs

Referenz: 0 dBu = 0,775V. Technische Änderungen vorbehalten.


Leistung & Kopfhörerperformance


In den letzten Monaten habe ich alle von mir gehörten Kopfhörer natürlich auch dem Phonitor xe betrieben. Da ist nicht eine Kombination dabei gewesen, die nicht funktioniert hätte. Allerdings gibt es ein “aber”, denn da es dem Phonitor xe an einer direkt erreichbaren Gain-Umschaltung mangelt, bietet er sich nicht als universelles Testgerät von IEMs über einfach anzutreibende OverEar Kopfhörer und zugleich Boliden wie dem HEDDphone oder den Flaggschiffen von Dan Clark Audio an.

Ein leicht zugänglicher Gain-Schalter auf der Front würde Besitzern von Kopfhörern unterschiedlicher Wirkungsgrade etwas mehr Flexibilität geben. Das scheint allerdings im Studiobereich mit festen Setups wahrscheinlich eher weniger notwendig zu sein. Die +22dB Ausgangspegel lassen sich nur durch DIP-Schalter am Geräteboden schalten.

Ein Meze 109 Pro oder ein iBasso iT07 bei dieser Gain-Einstellung am unbalanced Kopfhörerausgang zu betreiben ist zwar möglich, doch der Regelbereich des Potis ist dann minimal. Somit ist auch die Lautstärkeänderung via Fernbedienung für mich stets zu grob.

Abhilfe für sehr empfindliche Kopfhörer würde vielleicht ein zweiter Kopfhörerverstärker bringen. Doch wenn ich mir noch einen Phonitor One auf den Phonitor xe stellen wollte, dann fehlt mir leider ein Line Out. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, auf der Rückseite einen Kopfhörer permanent angeschlossen zu haben und zwischen rückwärtigem und vorderem Ausgang umschalten zu können. Wer einen Line Out benötigt bekommt jedoch mit dem Phonitor x im Prinzip genau diese Variante.

Unterm Strich ist der Phonitor xe wie gemacht für Kopfhörer wie den HEDDphone oder den Dan Clark Audio Stealth oder Expanse, die deutlich mehr Leistung benötigt, um ihr Potential komplett zu entfalten. Mit HiRes-Material gefüttert habe ich das Gefühl, dass bei einigen Songs in diesen Kombinationen die Kopfhörer noch mehr Details zeichnen bzw. noch etwas brillanter und auch dynamischer performen. Das einzige Gerät, dem ich das in ähnlicher Weise zusprechen kann, ist mein Referenz-DAP, der großartige High-End Cayin N8ii. Für ein mobiles Gerät langt der schon kräftig zu und kitzelt ebenfalls das angesprochene Potential Dank seines “P+”-Modus heraus, doch der Phonitor xe hat dann immer noch Reserven und kann noch deutlich mehr Lautstärke nachlegen.

Hinweis:
An dieser Stelle der Hinweis zur Gefahr, sich beim Aussetzen zu hoher Lautstärke das Gehör nachhaltig schädigen zu können. Das gilt für die Benutzung von Kopfhörern im Allgemeinen.


VOLTAiR-Technologie


Voltair bedeutet nach SPL “120V DC Audio Rail”, was wiederum die Eigenentwicklung von SPL umschreibt. Werden für gewöhnlich für die Aufbereitung des analogen Signals Operationsverstärker eingesetzt, welche mit maximal +15V und -15V betrieben werden, so hat SPL den so auf 30V begrenzten Spannungsbereich auf 120V erweitert. Es kommen in den SPL Produkten mit der Voltair-Technologie also eigens entwickelte Operationsverstärker auf Platinen-Basis zum Einsatz. Diese werden bei -60 V und +60V betrieben und stellen somit ein deutlich erweiterten Dynamikbereich und Headroom zur Verfügung.

Die so entstehenden Vorteile kommen natürlich nur zum Tragen, wenn ein DAC mit Parametern auf Augenhöhe vorgeschaltet ist wie in diesem Fall der DAC768, der als optionales DAC-Modul zur Verfügung steht. Ohne aber einen entsprechend abbildungsfähigen Kopfhörer als letztes Glied in der Klangkette nützt das alles jedoch nichts. Doch daran wird es den Interessenten für den Phonitor xe mit Sicherheit nicht fehlen. 😎


Phonitor Matrix (Crossfeed)


Anders als der Phonitor One D und der Phonitor se bietet der Phonitor xe ein Crossfeed an, welches deutlich mehr Möglichkeiten bietet. Die Kombination aus Einstellungen der virtuellen Winkel von 22°, 30°, 40° und 55° mit einer in 6 Stufen wählbaren Intensität nennt sich die “Phonitor Matrix”.

Zum einen wird do mit der persönlich optimalen Einstellung ermüdungsfreies Hören über Stunden sicher gestellt, zum anderen können im Rahmen einer professionellen Nutzung unterschiedlichste Kopfhörer dem bestehenden Setup von Studio-Monitor-Lautsprechern nachempfunden werden.

Mir persönlich gefällt besonders für Live-Aufnahmen die Kombination aus Intensität 3 und Winkel 40° am besten, so hören sich weit gestaffelte Aufnahmen deutlich authentischer an.
Bei kerniger Musik wie Rock oder Heavy Metal mag ich es gern auch einmal direkt ins Gesicht, was mir bei 22° Winkel und Intensität 5, ja sogar gelegentlich auch Stufe 6, unheimlich Spaß macht. Neben der deutlich gerichteteren Bühne erhalten die Bässe noch einen zusätzlichen Punch.
Dann gibt es da noch die Super-Stereo-Aufnahmen der Anfänge, bei der Instrumente oder Gesang konsequent nur links oder rechts zu hören ist. Insbesondere bei Kopfhörern ist das oft kein Vergnügen. Auch da hilft Phonitor Matrix ungemein. Denn mit ihr ist es ja, als höre man mit Lautsprechern und die Schallwellen des linken und rechten Signals erreichen so zu entsprechenden Anteilen beide Ohren.

Davon abgesehen nutze ich jedoch das Signal zu 90% der von mir gehörten Musikdirekt aus der Quelle, also ohne Nutzung der Phonitor Matrix.

Für den Phonitor xe kein Problem – Dan Clark Audio Expanse (vorne) & Hifiman HE1000v2 (hinten)


Klangeigenschaften


Der Phonitor xe spielt nicht zuletzt aufgrund der Voltair-Technologie mit sehr hohem Dynamikumfang und bietet absolut scharfe Konturen egal in welchem Frequenzbereich. Es werden weder Bässe angedickt noch Stimmen oder Instrumente verfärbt. Und auch sonstige Betonungen überlässt der Phonitor xe den angeschlossenen Kopfhörern.

Im Vergleich zum meinem damaligen Audiovalve Solaris oder auch meinem aktuell genutzten Röhrenverstärke, dem Cayin HA-3A, ist der Phonitor xe als Profi-Gerät absolut auf der detailliert analytischen Seite.

Viel mehr gibt es in Richtung Klang eigentlich nicht zu berichten, denn der Phonitor xe bringt im besten Sinn keine eigene Klangsignatur mit, er wirkt nahezu transparent vom Quellsignal bis zum Kopfhörer.



Fazit


Wenn audiophile Kopfhörerliebhaber:innen sich nach einem Hifi-Gerät aus dem Profi-Lager umsehen, dann landen sie unweigerlich bei SPL und kommen dabei nicht am Phonitor xe vorbei. Im Profi-Bereich kommt es stets auf beste Qualität zum besten Preis an. Und SPL zeigt das eindrucksvoll mit dem Phonitor xe, der inklusive DAC für 2.999€ (Stand Oktober 2022) erhältlich ist.

Mit der hauseigenen Phonitor-Matrix, der VOLTAiR-Technologie und dem DAC768, erstklassiger Verarbeitung sowie absolut präzisem und authentischen Klang bleiben für das heimische Setup bis auf die umständliche Gain-Änderung und dem fehlenden Line-Out keine Wünsche offen.

Abgesehen von diesen zwei Schwächen fällt mir im Moment in der Kategorie Preis/Leistung kein anderer Transistor-Kopfhörerverstärker ein, der dem SPL Phonitor xe das Wasser reichen kann.


Bewertung

Referenzklasse - SPL Phonitor xe
Insgesamt
97.8%
97.8%
  • Klang - 100%
    100%
  • Leistung - 100%
    100%
  • Kopfhörereignung - 100%
    100%
  • Handhabung - 100%
    100%
  • Design - 96%
    96%
  • Verarbeitung - 96%
    96%
  • Konnektivität - 96%
    96%
  • Verpackung & Lieferumfang - 94%
    94%
  • Preis/Leistung - 98%
    98%

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Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Hifiman HE1000v2, HEDDphone, Meze Liric & 109 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Avantone Pro ; InEar-Lineup: Sennheiser IE900 & IE600, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Cayin N8ii, Astell & Kern SR25ii; Kopfhörerverstärker im Bestand: Cayin HA-3A, Jan Meier Corda Country, ifi Audio GO Bar, Topping DX5