SPL Phonitor One D – Kopfhörerverstärker mit Studioqualität in edlem Gewand

Der SPL Phonitor One D gehört zu den im Jahr 2020 veröffentlichten Geräten der Serie One von SPL. Mit der neuen One-Serie gibt es bewährte Technik aus dem professionellen Studiobereich so zusammengestellt und präsentiert, dass diese auch für den privaten Bereich äußerst attraktiv sind. SPL verspricht beste Technik in edlem Gewand. Das schaue ich mir doch gern einmal an…



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Der SPL Phonitor One D wurde mir für diesen Bericht leihweise direkt von SPL zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!


Vorwort


Natürlich habe ich auf Messen bereits Geräte von SPL gesehen und wollte mir diese auch immer einmal genauer ansehen. Da mein Fokus auf die private, persönliche Nutzung von Kopfhörerverstärkern liegt, sind insbesondere bei den SPL Phonitor Pro-Geräten viele Funktionen enthalten, die ich für den Betrieb im Wohnzimmer oder am Arbeitsplatz nicht nutzen würde, so dass ich von Tests bisher Abstand genommen habe.

Als ich nun aber vor ein paar Monaten den Teaser zu den neuen SPL Produkten sah, habe ich den direkten Kontakt gesucht. Obwohl noch keine Details der Öffentlichkeit zur Verfügung standen, war ich mir sicher, dass die schlicht gehaltenen Geräte sicherlich einen etwas anderen Weg gehen würden. Ganz Profis hat mir SPL natürlich keine Details verraten, dafür mir aber angeboten, den SPL Phonitor D doch selbst einfach unter die Lupe zu nehmen. Ein Angebot, bei dem ich natürlich nicht nein sagen konnte.


Verpackung & Zubehör


Der SPL Phonitor One D wird in einem festen Karton geliefert, auf dem das Gerät selbst abgebildet ist und von einem edlen dunkelgrünen Farbhintergrund in Szene gesetzt wird. Im Karton sind das Gerät selbst und das Zubehör absolut in einem aufgeschäumten Material gebettet. Mitgeliefert werden neben der Bedienungsanleitung ein Netzteil sowie ein USB-Kabel, womit die Inbetriebnahme am Notebook sofort erfolgen kann.


Design & Verarbeitung


Die One-Serie zeichnet sich optisch durch ihre Kompakt- und Schlichtheit gleichermaßen aus. Die an den Seiten abgerundeten Gehäuse sehe in ihrem matt-schwarzen Finish sehr edel aus. Fingerabdrücke sind zu sehen, fallen dennoch kaum auf. Die Front ist mit dem Notwendigsten beschriftet und erscheint sehr aufgeräumt. Noch besser würde es mir gefallen, wenn das SPL-Logo nicht so präsent platziert wäre. Mit der recht dicken Plakette erscheint das schon fast ein wenig aufdringlich. Was im Studiobereich ein Eye-Catcher sein muss würde mir persönlich als Understatement ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“ besser gefallen. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt am sonst optimal entworfenen und in höchster Qualität verarbeiteten Gehäuse.

Hier zeigt sich die Herkunft aus der Studio-Technik: Ausgestattet mit 6,3mm Klinke-Buchsen


Technik


Hier die Angaben der Technischen Daten des Hersteller (Stand Dezember 2020).
Quelle: www.spl.audio

Analoge Ein- & Ausgänge; 6,35mm Stereoklinkenbuchsen
  • Eingangspegel (max.) : +22,5 dBu
  • Eingangsimpedanz Line Input 1 (symmetrisch) : 20 kΩ
  • Gleichtaktunterdrückung : < 60 dB
  • Line Input 2 (unsymmetrisch) : 47 kΩ
  • Ausgangspegel (max.) : +22 dBu
  • Ausgangsimpedanz Line Output (symmetrisch) : 150Ω
  • Frequenzgang (-3 dB) : 10 Hz – 200 kHz
  • Rauschen (A-bewertet, 0 dBu, 600 Ω Last) : – 99 dB
  • dBTHD + N (0 dBu, 10 Hz – 22 kHz, 600 Ω) : 0,002 %
  • THD + N (0 dBu, 10 Hz – 22 kHz, 32 Ω) : 0,013 %
  • Übersprechen (1 kHz) : < 75 dB
  • Dynamikumfang : 121,5 dB
USB(B), 32-Bit AD/DA
  • PCM-Abtastraten : 44,1/48/88,2/96/176,4/192/352,8/384/705,6/768 kHz
  • DSD over PCM (DoP), Abtastraten (nur Wiedergabe) : 2,8 (DSD64), 5,6 (DSD128), 11,2 (DSD256) MHz
  • 0 dBfs kalibriert auf : 15 dBu
  • Rauschen (A-bewertet, 44,1/48 kHz Abtastraten) : -113 dBFS
  • THD + N (-1 dBFS, 10 Hz – 22 kHz) : 0,0012 %
  • Dynamikumfang (44,1/48 kHz Abtastraten) : 113 dB
Kopfhörerausgang
  • 6,35mm Stereoklinkenbuchse : Spitze = links, Ring = rechts, Schaft = GND
  • Quellwiderstand : 20 Ω
  • Frequenzgang (- 3 dB) : 10 Hz – 200 kHz
  • Rauschen (A-bewertet, 600 Ω) : -97 dBu
  • THD + N (0 dBu, 10 Hz – 22 kHz, 600 Ω) : 0,002 %
  • THD + N (0 dBu, 10 Hz – 22 kHz, 32 Ω) : 0,013 %
  • Max. Ausgangsleistung (600 Ω) : 2 x 190 mW
  • Max. Ausgangsleistung (250 Ω) : 2 x 330 mW
  • Max. Ausgangsleistung (47 Ω) : 2 x 400 mW
  • Ausblenddämpfung (600 Ω) : -99 dB
  • Übersprechen (1 kHz, 600 Ω) : -75 dB
Interne Stromversorgung; Schaltnetzteil mit Sekundärtraformator
  • Betriebsspannung für…
  • analoge Audio-Elektronik : +/- 17 V
  • Kopfhörerendstufe : +/- 19 V
  • Relais : +12 V
  • Digitalsektion : +3,3 V, +5 V
Netzteil extern
  • AC/DC Switching Adapter : Mean Well GE18/12-SC
  • DC-Stecker : Innen-Pin 2,1mm (+); Außen-Ring 5,5mm (-) 
  • Eingang : 100 – 240 V AC; 50 – 60 Hz; 0.7 A
  • Ausgang : 12 V DC; 1.5 A
Maße & Gewicht
  • W x H x T (Weite x Höhe inkl. Füße x Tiefe) : 210 x 49,6 x 220 mm (8,23 x 1,95 x 8,66 inch)
  • Gewicht des Geräts : 1,45 kg (3,2 lbs)
  • Versandgewicht (inkl. Verpackung) : 2 kg (4,4 lbs)



Persönlicher Anwendungsfall


Da ich über keinen festen Arbeitsplatz verfüge, freue ich mich immer über Geräte, welche entweder direkt nur über USB oder aber über Akku betrieben werden können. Je weniger 230V-Steckdosen ich nutzen muss, desto besser. Es gibt einige Geräte wie auch den SPL Phonitor One D, welche von extern mit Gleichspannungen im Bereich 9 – 24V betrieben werden. Natürlich sind immer entsprechende 230V Netzteile im Lieferumfang.

Jedoch habe ich mir in den letzten Jahren einige Adapter und DC/DC-Wandler zugelegt, welche mit 5V betrieben werden und am Ende höhere Ausgangsspannungen zur Verfügung stellen. Wenn dann die Anforderungen des Verbrauchers mit den Leistungsdaten des Wandlers und der 5V-Quelle in Einklang zu bringen sind, probiere ich stets aus, ob ich ein vom 230V-Stromnetz unaghängiges Setup eingerichtet bekomme.

Netzunabhängiger Betrieb


Der SPL Phonitor One D möchte mit 12V versorgt werden. Das mitgelieferte Netzteil bietet bei 12V maximal 1.5A Strom. Mein DC/DC-Wandler liefert bei 12V maximal 2A, das passt also. Mein Akku mit Power-Delivery liefert bei 5V Spannung 3A Strom bzw. 1.5A bei USB-Geräten, welche auch 12V-Schnellladung nutzen. Auch wenn bei der Wandlung von 5V auf 12V Verluste vorhanden sind, passt das Setup prinzipiell. Zudem darf davon ausgegangen werden, dass der SPL Phonitor One D nicht stets maximal Strom zieht und sein (Dauer-)Maximum unter dem des beigelegten Netzteiles liegt. Der Betrieb sollte also im grünen Bereich möglich sein, wenn… ja, wenn der One D überhaupt mit diesem Konstrukt startet. Oft habe ich schon erlebt, dass Hersteller dafür sorgen, dass Geräte mit Stromquellen von Drittherstellern nicht starten. Ich mache es kurz, der SPL Phonitor One D funktioniert in diesem Aufbau hervorragend.

So spare ich mir die Nutzung des Netzteiles und benötige keinen zusätzlichen 230V-Mehrfachverteiler. Hinzu kommt, dass für meine Nutzung das Kabel des Netzteiles einfach mit knapp 1,2m zu kurz bemessen ist. Zufällig verfüge ich über ein Verlängerungskabel für den 12V-Stecker, doch das ist ja kein Standard in jedem Haushalt. Mein Hinweis dazu habe ich bereits an SPL gerichtet. Als Idee habe ich weiter gegeben, ein solches Verlängerungskabel eventuell dem Lieferumfang zu ergänzen, Platz genug wäre in den Kartons. Das ist auch schon die einzige Kritik, die ich am Zubehör des SPL Phonitor One D habe.

Studio-Technik von SPL mit Studio-Kopfhörer Ollo Audio S4X


Klang


Ich habe den SPL Phonitor One D mit vielen verschiedenen Kopfhörern gehört. Was mir auffällt ist, dass die automatische Anpassung an die verschiedenen Kopfhörern nicht immer perfekt funkitoniert. Bei meinem Focal Clear Pro ist der Regelbereich nicht vollständig nutzbar, da er ab ca. 11-Uhr-Stellung bereits mächtig laut wird. Hier würde mir noch eine manuelle Gain-Einstellung gefallen, damit einfach der maximale Regelbereich genutzt werden kann. Das hat nur indirekt mit dem Klang zu tun, eher etwas mit der Feineinstellung für die Hörlautstärke.


· Bass – Mitten – Hochton


Beim Klang zeigt sich die Profi-Qualität aus dem Studio-Bereich. Der Phonitor One D bildet sehr linear und mit einer ordentlichen Leistung auch bei hochohmigen Kopfhörern ab. Neben meinem Focal Clear befeuert er auch den HEDDphone zuverlässig mit einer guten maximalen Lautstärke und vor allem mit so viel „Schub“, dass auch der HEDDphone sein Potential etnfaltet. Der SPL spielt im Bass beispielsweise ein wenig kräftiger als ein ifi Audio Zen CAN und hält sich im Hochton dafür etwas im direkten Vergleich zurück. Im Vergleich zum Zen DAC ist er jedoch etwas schlanker im Bass und leicht energetischer im Hochton unterwegs. Egal wie laut ich mit dem Phonitor One D höre, schon nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, es darf noch etwas lauter. Unabhängig von der Lautstärke klingt mit dem SPL Kopfhörerverstärker stets alles „richtig“.


· Räumliche Darstellung


Trotzdem bietet der SPL Phonitor One D noch ein kleines Schmankerl. Mit dem stufenlos regelbaren 30°-Crossfeed lassen sich auch sehr räumlich darstellende Kopfhörer bändigen und auf ein realistisches Niveau bringen. Je nach Bedarf lässt sich so eine Position im Stereo-Dreieck analog zu im Raum platzierte Lautsprecher simulieren. Das klappt hervorragend. Mit dem richtigen Kopfhörer wird das zu ganz großem Kino. Mit dem HEDDphone als Ultranahfeldmonitor wird dieser sogar zu einem regelrechten HEDDspeaker. Ohne Crosfeed ist der schon genial, doch am Phonitor One D mit dem Crossfeed auf ca. 11-Uhr-Stellung der absolute Hammer. Da vergisst man so einiges um sich herum. Insbesondere Live-Aufnahmen geraten damit nahezu realistisch.

Einziger Wermutstropfen ist lediglich der, dass der Phonitor One D keine symmetrischen Anschlüsse bietet, was insbesondere im audiophilen Bereich heute irgendwie zur Grundausstattung des guten Tons gehört. Gefehlt hat mir trotzdem nichts.


Phonitor One D vs. ADI2-DAC


Ähnliches leistet auch der RME ADI2-DAC, der noch erheblich mehr Funktionen als nur Crossfeed zu bieten hat, jedoch nicht so einfach zu bedienen ist und hinsichtlich Design und Verarbeitungsqualität mit der One-Serie von SPL meiner Meinung nach nicht mithalten kann. Der ADI2-DAC kann Kopfhörer ebenfalls nur single-ended antreiben, hat jedoch für einfach anzutreibende Kopfhörer wie IEMs eine eigene 3,5mm Buchse mit verminderter Leistung. Einen ausführlichen Artikel zum RME ADI2-DAC habe ich hier verlinkt.

Ein nicht unerheblicher Unterschied liegt auch im Preis. So schlägt der RME mit 939€ zu Buche während der SPL nur 589€ kostet. Ist der Aufpreis des ADI2-DAC gerechtfertigt?
Ja, insofern die vielen Funktionen wie z.B. Loudness, Bass & Treble Einstellung, parmaetrischer EQ usw. tatsächlich genutzt werden. Die Fernbedienbarkeit des RME möchte ich an dieser Stelle ebenfalls nicht unterschlagen.
Nein, möchte man hingegen einen Kopfhörerverstärker mit besten Klangeigenschaften ohne viel Schnick-Schnack, dann kommt man um SPL nicht drum herum und kann zudem gute 350€ sparen.

Geschenkefinder Kopfhörerverstärker 2020: nach Start wird der Teil zum Phonitor One D direkt abgespielt



Fazit


Mit dem Phonitor One D hat SPL ein ganz heißes Eisen im Feuer wenn es darum geht, die Qualität der Studio-Technik zu einem erschwinglichen Preis auch in den privaten Bereich eines jeden Musikliebhabers zu bringen. Die absolut edle Optik und die hohe Verabeitungsqualität machen die Entscheidung für den Phonitor One D leicht. Dazu kommt die Möglichkeit, wenn auch mit Umweg, den Kopfhörerverstärker mit einem externen 5V-Akku nutzen zu können. Absolut klasse für jeden, der wie ich nach der Nutzung sein Setup jedes Mal wieder abbaut. So ist man selbst mit dem stationären Phonitor One D nicht direkt abhängig vom 230V-Netz. Das Wichtigste ist jedoch die absolut grandiose Antriebsfähigkeit von leicht anzutreibenden Kopfhörern wie den von mir genutzen Focal Clear Pro bis hin zum energiefressenden HEDDphone, der mit der Nutzung des Crossfeed des Phonitor One D auch die letzten Prozentpunkte an realistischer Klangreproduktion erreicht.

Im Preisbereich bis 600€ ist der Phonitor One D ganz oben auf dem Treppchen zu sehen. Mir ist derzeit kein besserer single-ended Kopfhörerverstärker mit integriertem DAC bekannt.


Bewertung

  • 96%
    Klang - 96%
  • 94%
    Leistung - 94%
  • 96%
    Technik & Features - 96%
  • 96%
    Kopfhörer Neutralität - 96%
  • 98%
    Design - 98%
  • 98%
    Verarbeitung - 98%
  • 96%
    Preis - 96%
96.3%

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Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Focal Clear Pro, Sennheiser HD800s, DCA Ether2, DCA AEON Flow 2 Open, Stax L500 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Focal Celestee, DCA AEON2 Noiré; Im Bestand sind folgende InEars: Sennheiser IE 900, IE300, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: iBasso DX220 Max, DX300, Cayin N3Pro; Kopfhörerverstärker im Bestand: Audiovalve Solaris, SPL Phonitor One D, ifi Audio ZEN DAC & CAN, micro iDSD Signature