Cayin N8ii im Test – absoluter High-End Referenz-DAP mit doppelten Korg Nutube-Röhren

Cayin adressiert mit seinem neuen Flaggschiff-Produkt, der Cayin N8ii, ganz klar an den High-End-Markt und richtet sich an audiophile Musikfreunde. Der N8ii ist der neue DAP des Herstellers und verspricht mit Class A Verstärkung und gleich doppelt ausgelegten Korg-NuTube-Röhren beste Klangeigenschaften bei satter Leistung und langer Spieldauer.
Welchen Eindruck hinterlässt der Cayin N8ii bei mir angesichts all dieser vielversprechender Eigenschaften?




Achtung


Um es direkt vorweg zu nehmen:
Ein nachträgliches Einkürzen dieses Berichts hat mich nicht glücklich gemacht und so ist am Ende dieser Artikel sehr, sehr, sehr lang geworden… und los geht’s!



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Der Cayin N8ii wurde mir für diesen Test freundlicher Weise von Cayin.com leihweise zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank dafür!



Vorwort


Von Anfang an möchte ich klarstellen, der Preis ist heiß!
Mit 3.680,-€ ist der Cayin N8ii im Bereich der Digitalen Audio Player ein Produkt, für das die entsprechende Investitionsbereitschaft vorhanden sein muss.

Beim N8ii geht es nicht um die Suche nach bestem Preis-Leistungs-Verhältnis. Offen gesagt, liegt er in diesem Bereich eher auf den hinteren Plätzen. Ich werde in diesem Artikel erst gar nicht versuchen, technische Details oder sonstige Merkmale dem aufgerufenen Preis gegenüber zu stellen, um diesen damit irgendwie “objektiv” zu rechtfertigen.

Mir geht es vielmehr darum, Interessierte Leser mit einen Blick auf High-End-Geräte und entsprechender Investitionsbereitschaft den Cayin N8ii vorzustellen. Natürlich nimmt bei aller objektiven Betrachtung meine subjektive Sicht Einfluss, anders geht es aber auch nicht. Das Mindeste, was ich liefern kann, sind meine ehrlichen und persönlichen Eindrücke, egal ob Enttäuschung oder Freude.

Damit mir meine Vorstellung jedoch bestmöglich gelingt, muss ich folgende Punkte, quasi als Basis zu allem, was ich hier ausführen werde, konkret vorab ansprechen:

  • Erstens, ich selbst habe in den letzten Jahren meine Investitionsbereitschaft in Bezug auf DAPs auch nach oben korrigiert, doch alles über 2.000,-€ liegt für gewöhnlich oberhalb meines persönlichen Interesses. Auf den N8ii war ich dennoch sehr gespannt.
  • Zweitens, Unabhängig vom Preis, interessiere ich mich immer für die neusten Produkte. Ich bin niemand, der diese stets in einen Wettbewerb zueinander bringt. Primär erfreue mich an dem, was ich in der Hand halte. Im Idealfall kann ich dann sehr wohl Vergleiche ziehen und aufzeigen, wo ich besondere Merkmale sehe, die für das eine und das andere Produkt sprechen.
  • Und drittens sehe ich es ganz einfach so, dass ein Produkt zu jemandem passen muss wie ein guter Anzug. Der spiegelt unter anderem auch den Status wider, den man sich ganz individuell erarbeitet hat und leisten möchte. Das läßt sich analog auch auf technische Geräte übertragen. In der audiophilen Welt gehört der Cayin N8ii für mich ganz klar dazu.



Verpackung & Zubehör


Wer jetzt aufgrund des Preises erwartet, dass Karton und Zubehör zwingend vergoldet sein müssen, den muss ich leider enttäuschen. Lediglich der Lautstärkeregler wurde mit dem edlen Metall überzogen.
Der Karton selbst ist einfach und dennoch ansprechend gehalten. Im oberen Bereich liegt der N8ii sicher eingebettet und in der Schublade darunter sind neben dem Leder-Case ein USB-C-Kabel, zwei Adapter-Stecker sowie das Handbuch zu finden. Mehr braucht es aus meiner Sicht auch nicht an Zubehör.

Wenn ich etwas moniere, dann der Umstand, dass das proprietäre USB-C-Cinch-Kabel für die SPDIF-Funktion als optionales Zubehör separat gekauft werden muss. Für mich stellt das kein Problem dar, da ich bisher nie SPDIF genutzt habe. Dennoch ist es für mich verständlicher, dass das ebenfalls proprietäre HDMI i2s-Kabel nicht enthalten ist, denn dessen Nutzung dürfte noch seltener stattfinden, da diese auf die Cayin-Welt beschränkt ist.

Cayin N8ii Unboxing



Design & Verarbeitung


Der Cayin N8ii mit einem Hauch von “Industrial-Design” liegt mit seinen Abmessungen von 147mm x 77,5mm x 25mm und etwa 440g überraschend gut in der Hand. Nicht ganz so ausgeprägt wie der Fiio M17 – hier entlang zu dessen Testbericht – sind die Längsseiten des N8ii leicht angeschrägt und optisch zudem etwas verschlankt. Wo beim Fiio M17 das Case sehr locker sitzt, schmiegt sich das Case des N8ii enger an den CNC-gefräßten Alu-Body an. Die seitlichen Tasten lassen sich durch das Case sehr angenehm betätigen, wenngleich das Case nicht unmittelbar an den Tasten anliegt.

Mit dem goldenen Drehregler, der auf der Oberseite des N8ii in eine Gehäusevertiefung eingebettet wurde, nach oben mit Sicht auf das Display gehalten, befinden sich der Slot für die MicroSD-Karte und die Bedienelemente allesamt auf der rechten Seite und alle Anschlussmöglichkeiten auf der Unterseite des N8ii. Das ist von Vorteil, wenn der N8ii als DAC am Notebook betrieben wird und dabei auf dem Tisch liegt. So stören die Kabelabgänge nicht bei Bedienung der Lautstärke, wie es bei den iBasso MAX-Geräten der Fall ist. Dort liegt die Kopfhörerbuchsen direkt neben dem Drehregler. Nachteilig ist die Anordnung mit den Buchsen unten allerdings, wenn der N8ii zum Beispiel senkrecht auf einen Ständer platziert werden soll. Alles Gute ist leider nie beieinander. 😉


Die linke Geräteseite wurde in Teilen unauffällig halbtransparent gestaltet, so dass im Röhrenbetrieb die grünen Indikatoren der vier Korg-NuTube-Röhren zu sehen sind. Die Korg Module sind laut Cayin speziell gelagert, um möglichst alle Erschütterungen und Körperschall bei der mobilen Nutzung zu vermeiden.

Insgesamt ist die Verarbeitung des Cayin N8ii sehr gut. Ich sehe keine Auffälligkeiten was die Spaltmasse angeht. Es gibt weder unschöne Oberflächenfehler oder gar Ecken oder Kanten. Selbst der aufwändig verzierte Lautstärkeregler ist fehlerlos.

Sicherlich ist auch der N8ii nicht perfekt. Wer etwas finden möchte, findet auch etwas. Unterm Strich gibt es im Design und der Verarbeitung zumindest bei meinem Testgerät keine Mängel.

Längsseitig durch die Sichtfenster gut zu sehen die Korg NuTube-Röhren bei der Arbeit




Technische Daten


Die folgenden technischen Daten* habe ich von der offiziellen Cayin-Webseite eingebunden.
Auch wenn es sich um Bilder handelt, besser sind diese Informationen insgesamt nicht darstellbar.

*Alle Angaben ohne Gewähr.

Technische Parameter siehe Cayin...

Quelle: Cayin official – https://en.cayin.cn/parameter/7/15/560.html


Handhabung & Features


Technisches…


Der N8ii wirkt zunächst einmal schlicht und konservativ. Angesichts des Android-9-Systems könnte man ihn sogar systemtechnisch im Vergleich zu Mitbewerbern als “altbacken” ansehen. Auch wenn andere DAPs zum Teil mit Android-11 aufwarten, merke ich im täglichen Umgang keinen negativen Effekt, ob ich nun den Cayin N8ii bediene oder einen iBasso DX320. Erstmals setzt Cayin auf Android und somit vergleichsweise auf ein recht offenes System. Schnell ist dennoch dabei zu merken, dass dort ordentlich Hand angelegt wurde, was die Optimierung und Anpassung angeht. Kein unnötiger Ballast. Sogar einige Darstellungen wurden drastisch angepasst, was während meines Tests auch bei der aktualisierten Firmware-Version anhand noch fehlender Übersetzungen zu sehen war, beispielsweise auf der Seite “Über das Gerät”. Das System mag zwar mit Android-9 nicht in der aktuellsten Android-Version vorliegen, doch mit den auf den Player und den Nutzer zielenden Anpassungen wirkt der N8ii mitnichten veraltet.

… Performance


Insgesamt ist der N8ii sehr flink und reagiert auch auf Eingaben sehr schnell. Schliesse ich den N8ii an mein MacBook Pro M1 an, dann kann ich aussuchen, ob ich Daten übertragen möchte, nur aufladen oder ihn als DAC mit oder ohne Ladefunktion nutzen möchte.

Mit einem USB3-Kabel sind zudem je nach MicroSD-Karte Schreibgeschwindigkeiten von gut 70MB/s, also gut 4,2GB pro Minute, und 84MB/s, also gut 5GB pro Minute, beim lesen möglich. Da braucht es dann keine Entnahme der MicroSD-Karte mehr aus dem DAP, wenn zügig die Musik um neue Alben erweitert werden soll. Der N8ii wird zwar nicht als eigenständiges Laufwerk eingebunden, doch mit dem Android-Transfer-Tool funktioniert die Dateiübertragung zügig.
Das anschließende Scannen und Sortieren der Datenbank meiner 512GB Karte ist mit etwa 43.000 Titeln innerhalb von unter 3 Minuten erledigt. Hut ab!


…Geräte- & Nutzersicherheit


Auch was die Geräte- und Nutzersicherheit angeht macht Cayin keine halben Sachen. Als ich mit dem N8ii im DAC-Betrieb beim gleichzeitigen Aufladen Musik hörte, hat mich ein Info-Fenster positiv überrascht, dass aufgrund der Wärmeentwicklung beim Hören – ich hatte den HE1000v2 via Röhre am Start – ein gleichzeitiges Aufladen nicht mehr möglich sei. Erst nach Abkühlung könne weiter geladen werden.

Zudem wurde ich bei einer typischen Fehlbedienung des DAP informiert, dass die Musikwiedergabe angehalten wurde, weil ich durch Einstecken eines Kopfhörers, in dem Fall ein IEM in den falschen Ausgang (Line Out!), möglicherweise mein Gehör beschädigt werden könnte. Das hat mich ebenfalls sehr erfreut und vor einer mindestens unangenehmen Erfahrung bewahrt.

Nicht weniger Umsichtig ist es, dass nach jedem neuen Einstecken eines Kopfhörers und dem ersten Wiedergabestart die Lautstärke langsam hochgefahren wird. So habe ich schon mehr als einmal bemerkt, dass die Lautstärke für einen anderen Kopfhörer nun doch schon sehr hoch eingestellt zu sein scheint und konnte ohne Stress direkt entgegen wirken.


Software & Nutzererfahrung…


Noch mehr als die technischen Aspekten, ist natürlich die allgemeine Handhabung interessant. Der N8ii liegt sehr gut in der Hand, die Bedienung ist weitestgehend intuitiv. Cayin erfindet hier nichts Neues, betritt aber mit der Öffnung zu Android und der Integration des Google Play Store selbst Neuland. So ist es problemlos möglich, Streamingdienste wie Qobuz zu installieren. Spotify und Amazon habe ich auch auf dem N8ii getestet, doch bei einem High-End-DAP macht tatsächlich nur die beste Streaming-Qualität Sinn und da ist Qobuz einfach ganz weit vorne. Ergänzend habe ich noch einen Browser und eine alternative Player-Software hinterher installiert und mein N8ii SW-Setup war fertig.

…Bedienbarkeit


Der Snapdragon 660 mit 6GB Arbeitsspeicher und dem “nur” HD-Display machen es möglich, dass der N8ii super schnell in der Bedienung ist, egal was im Hintergrund alles läuft. Auch wenn nicht Full-HD ist das Display scharf, bietet tolle Farben und eine gute Helligkeit. Für die Kernaufgaben des N8ii braucht es einfach nicht mehr.

Die wichtigsten Funkionen für die Anpassung des Gain und der verschiedenen Klangmodi sind über die Statusleistung direkt erreichbar. Wie vom Smartphone gewohnt, lassen sich Reihenfolge und Befehle des Schnellzugriffes natürlich einfach anpassen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass auch der DAC-Betrieb direkt im Menü zu finden ist. Sobald der N8ii eine Verbindung über USB erkennt, bietet er als Informationsmeldung die Möglichkeit an, den USB-Betrieb zu konfigurieren. Auch das funktioniert problemlos, ist nur nicht ganz so elegant.

Das Softwareupdate via OTA sowie Einstellungen zum Verhalten im Ruhezustand oder zur Akkupflege sind genauso enthalten wie Konfigurationsmöglichkeiten von Tastenbelegungen oder Wifi- und USB-Verhalten. Auch hierbei ist das System auf das Nötigste sinnvoll angepasst, so dass ich mich nach wenigen Minuten gut zurecht finde. Eine tolle Möglichkeit ist zudem gegeben, das Display um 180° drehen und fixieren zu können. Somit ist der N8ii hervorragend als DAC/KHV auch am Notebook nutzbar. Mit dem Lautstärkeregler zum Anwender gerichtet steht das Bild nun sprichwörtlich Kopf, passt aber zur Geräteausrichtung zum Benutzer.


Die von Android gewohnten Gesten, wie z.B. mit drei Fingern nach unten wischen für einen Screenshot, kennt der N8ii auch. Der hinterleuchtete Kreis außerhalb des Bildschirmbereiches funktioniert zum einen als farblich kodierte Anzeige für die Samplingfrequenz und zum anderen zugleich als Back-/Home-Taste, um stets bei der Bedienung aus der aktuellen Funktion zurück zu gehen.


…Cayin-App


Die Cayin App ist sehr stark an die Hiby-App angelehnt und nutzt Hiby-Connect. Das ermöglicht bei Nutzung der Hiby-App auf dem Smartphone und bei Bluetooth-Verbindung zwischen den Geräten die Fernbedienbarkeit der Musik-App auf dem N8ii vom Smartphone aus. Besodners interessant ist das, wenn der N8ii als Zuspieler an einer Hifi-Anlage genutzt wird und von beliebiger Position im Raum die Musik auf dem N8ii ausgewählt werden kann.

Die Cayin App ist optisch angepasst und mit etwas weniger Funktionen ausgestattet. Ich bin schon lange ein Freund der Hiby App, allein schon aufgrund der Möglichkeit “MSEB” zu nutzen. Neben dem Standard-Equalizer lässt sich mittels “MSEB” Einfluß auf den Klang nehmen, wobei Bereiche wie “Basserweiterung”, Temperatur”, Weibliche Obertöne” uvm. adressiert werden. Was da im Hintergrund genau passiert ist unklar, doch mit Verschieben der Regler nimmt man genau Einfluß im Sinnes des entsprechenden Oberbegriffes. Aber nicht wundern, DSD-Dateien werden stets “flat” wiedergegeben, das ist unabhängig davon, ob der Equalizer oder MSEB genutzt wird.


…3rd-Party Apps


Wie bereits angeklungen ist, lassen sich diverse Apps auf dem N8ii installieren. So funktionieren nicht nur die Hiby-Music App oder Google Chrome einwandfrei, auch Streaming Apps für Musik und Video besitzen den vollen Funktionsumfang. Das Offline-Laden der Dateien stellt mit dem N8ii kein Problem dar, so dass auch ohne Internetverbindung Filme und Serien angesehen oder die neusten wöchentlichen Playlists mit dem N8ii gehört werden können. Auch Live-Apps, um Radio zu hören oder lineares Fernsehen zu nutzen, laufen anstandslos.

Das können natürlich auch DAPs anderer Mitbewerber, also eigentlich nichts Besonderes. Doch wie ich bereits erwähnte, ist das alles Neuland für Cayin und angesichts dessen sehr gut und stabil schon im ersten Wurf umgesetzt.




Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.


Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik “Events & Medien” veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201





Wie klingt der Cayin N8ii?


Nach den vielen Informationen zur Technik und Handhabung nun aber zu dem absolut wichtigsten Aspekt meines Berichtes, nämlich zum Musikhören mit dem Cayin N8ii. Wie klingt dieser auch preisliche High-End-DAP eigentlich? Was macht ihn so besonders?


Kleine Vorgeschichte


Auch wenn ich zu Anfang etwas zum Preis und zur Erwartungshaltung zum N8ii geschrieben habe, kann ich mich nicht ganz davon frei machen, mindestens eine gute Handhabung, eine sehr gute Verarbeitung und nicht weniger als einen umwerfenden Klang zu erwarten.

Bevor ich also meine Hände nach dem N8ii ausgestreckt habe, hatte ich mich mittels der recht wenigen Quellen im Netz informiert, ob der DAP in Bezug auf die klangliche Performance überzeugen kann oder nicht. Ich konnte nichts Negatives heraushören oder -lesen. Er soll klar noch einmal ein Upgrade zum Vorgänger darstellen. Neben des Qualcom 660-SoC, 6GB Speicher und angepassten Android-9-System mit integriertem Google Play Store galt mein Ohrenmerk natürlich den klanglichen Eigenschaften, insbesondere mit den Korg NuTube-Röhren. Der N8ii soll sehr gut auflösen und eine besondere räumlich Darstellung besitzen.

Also habe ich den N8ii bei der deutschen Cayin Distribution angefragt und nun ist er seit einigen Wochen bei mir. Eigentlich wollte ich mich nur absichern, dass mir der N8ii gefallen würde und mir ein Test angesichts der Investitionssumme und angesichts eventueller Kompromisse – technisch oder klanglich – nicht zu schwer fallen würde. Denn klar ist für mich, egal in welchem Preisbereich angesiedelt, möchte ich nur Zeit in einen Test investieren und über Produkte berichten, welche mir auch gefallen. Was mir dann aber mit dem N8ii passierte und immer noch passiert, hatte ich jedoch auf keinen Fall erwartet… 😳


…NTS (New-Toy-Syndrom)


Bei neuen Produkten geht es mir oft so, dass ein New-Toy-Syndrom einsetzt und ich eine gewisse Zeit benötige, bis dieser erste Eindruck durch die tägliche Nutzung “korrigiert” wird. Dabei kann es vorkommen, dass durch Firmware-Updates unglückliche Themen behoben werden, die mich zuerst genervt haben. Genauso kann es aber auch passieren, dass interessante neue Ansätze sich im täglichen Gebrauch als nervig herausstellen. Da ist die ganze Bandbreite möglich.

Beim N8ii ist der erste Eindruck sehr bemerkenswert positiv ausgefallen. Entweder dauert das positive NTS mit dem N8ii nun einfach schon sehr lange an oder aber der positive Eindruck hat sich dauerhaft bestätigt. Ich darf verraten, das letzte ist der Fall. 😎

Erster Höreindruck – Beeindruckend oder nur NTS?


Was hat an diesem hochpreisigen DAP denn aber von Anfang ein so positives NTS ausgelöst? Das war eigentlich ganz einfach…

Da der N8ii mit einem Android System inklusive Google Play Store geliefert wird, habe ich zunächst einmal Qobuz installiert, kein Problem. Anschliessend habe ich meine Hi-Res-Playliste hergenommen. Bei der Wahl des Kopfhörers wurde es etwas schwieriger. Sollte ich den Klassiker, den Sennheiser HD800s, den Hifiman Edition XS mit den Dekoni Elite Sheepskin Polstern oder gleich den Hifiman HE1000v2 benutzen oder vielleicht doch lieber den geschlossenen Meze Liric für die ersten Töne nehmen?

Aufgrund dessen, was ich zum N8ii bereits in Hinsicht auf den “P+”-Modus erfahren habe, entschied ich mich für den Hifiman HE1000v2. Der kann sowohl den tiefsten Bass-Keller abbilden und in Sachen offener Präsentation und Detaildarstellung spielt er mindestens in der Liga des Sennheiser HD800s.

Statt mich stufenweise durch die verschiedenen Klangkombinationen hochzuarbeiten, habe ich direkt das Maximum des N8ii abgerufen. So habe ich die NuTube-Röhren und direkt “P+” auf mittlerem Gain ausgewählt, den ersten Song meiner Playlist angetippt und den ersten Tönen Brian Brombergs “The Wind Cries Mary” gelauscht. Ich hab die ersten 23 Sekunden direkt drei oder vier Mal hintereinander gehört. Auch ohne irgendeinen Vergleich war mir direkt klar, dass ich das so noch nicht gehört habe. Ich musste mich direkt vergewissern, dass ich mich da nicht “verhöre”. Mit den Vorschusslorbeeren zum N8ii wollte ich nicht ausschliessen, dass ich vielleicht nur hören wollte, was angesichts meiner hohen Erwartungshaltung einfach “sein muss”.

Tatsächlich ist mein Empfinden auch Tage später, wie ich es sehr ähnlich mit dem Sennheiser IE900 & Sennheiser IE600 erlebt habe. Kurz zur Erinnerung… beide IEMs erzeugen bei mir mit den ersten Songs stets Gänsehaut, auch noch heute nach vielen Monaten der Nutzung. Und nun tritt der gleiche Effekt mit dem Hifiman HE1000v2 und dem N8ii in den ersten Minuten meines Tests ein. Wie wird das erst mit den Sennheiser IEMs am N8ii werden? Mehr dazu später… 😉

Auf jeden Fall hat mich der N8ii beim ersten Hören mit dem Hifiman 2 Stunden, 10 Minuten und 11 Sekunden gefesselt, so lange spielt meine “Hi-Res only”-Playlist auf Qobuz. Ohne Einstellungen zu ändern, nur mit etwas Lautstärkeanpassung ist mir bei so manchem Song der Mund offen gestanden. Ob nun die Stimmen von Diana Krall, Lindsey Webster, Gregory Porter – um nur einige zu nennen – oder die Instrumentierung mit sanften Tönen bei “Barley”, “Come together” oder “Skies on Fire” mit derben Hard Rock Schlagzeug und E-Gitarren, ein solche Klangreproduktion habe ich niemals erwartet!
Ich kenne die Songs meiner Playlist bestens und freue mich immer, in diese hinein zu hören. Mit dem N8ii ist das ein ganz neues Erlebnis gewesen.

Und ja, das klingt absolut nach NTS, ist es auch. Allerdings legt sich das nicht. Als Referenz habe ich mir parallel den iBasso DX320 mit dem Amp13-Modul hergenommen und natürlich auch meinen Astell & Kern Acro CA1000. Mit diesen Geräten ist es schon ein Genuss, in der Musik zu versinken. Mit dem N8ii passiert das allerdings noch intensiver. Nicht zuletzt zeichnet der “P+”-Modus dafür verantwortlich, in einen nicht gekannten Klangtraum zu versinken.



Quelle: Screenshot von der offiziellen Cayin-Homepage




Der “P+”-Modus


Die Magie des Cayin N8ii liegt nicht allein an den NuTube-Röhren. Was den Klang insgesamt räumlicher, in allen Bereichen dynamischer und druckvoller, ja präsenter erscheinen lässt, das stellt sich ein, wenn der “P+”-Modus eingeschaltet wird. Dieser lässt sich im Transistor-Modus ebenfalls nutzen. Allein in diesem Betriebsmodus setzt sich für mich der N8ii klanglich von allen anderen bis jetzt von mir gehörten DAPs ab, auch wenn der Abstand zu einem Astell & Kern Acro CA1000 sehr gering ausfällt. Ohne diesen besonderen Power-Modus des Cayin, spielen diese beiden absolut auf Augenhöhe. Doch der “P+”-Modus bringt einfach eine gewisse Magie mit sich. Wenn ich dann zusätzlich noch auf die NuTube-Röhren wechsle, setzt sich der N8ii dann doch noch deutlicher ab.


…vs. A&K Acro CA1000


Ich hätte zuvor nicht erwartet, dass der Astell & Kern Acro CA1000, der für mich auch weiterhin ein Endgame-Kandidat als mobiler Kopfhörerverstärker ist, noch einmal übertroffen werden kann. Zugegeben, der Vergleich mit dem Röhren-Modus mag da etwas unfair sein, andererseits trennen diese beiden Geräte preislich immerhin noch gut 1.400,-€. Also keine wirkliche Niederlage für den Astell & Kern. 😉


…Besonderheit von P+


Um noch einmal auf den “P+”-Modus zurück zu kommen. Was dieser “Power-Plus”-Modus genau macht, wird seitens Cayin nicht wirklich beschrieben. Es heißt wie auf dem Screenshot zu lesen lediglich “P+ will increase output and handling power with a more saturated sound signature.”

Was ich beim Umschalten feststelle, hat nicht einfach nur mit einem noch höheren Gain oder einfach nur mehr Lautstärke und Headroom zu tun. Cayin deutet vorsichtig an, dass da noch mehr passiert. Ich unterstelle, dass Cayin absolut gekonnt einige Variablen für die Klangreproduktion verändert, die dafür sorgen, dass insgesamt alles irgendwie präsenter, klarer, kraftvoller, räumlicher und zugleich angenehmer, feinsinniger und entspannter klingt.

Ein vergleichbarer Beauty-Filter für Instagram würde bei den Nutzern durch die Decke gehen, der nicht übertrieben und doch sofort deutlich individuelle Eigenschaften positiv heraus stellt, ohne den persönlichen Charakter zu verlieren.
Analog bewirkt genau das der “P+”-Modus. Dieser wirkt wie ein perfekter Schönzeichner, der selbst Fehler und Unzulänglichkeiten in eine selbstverständliche, ganzheitlich intensive Klangerfahrung bettet.
Der N8ii bietet so ein ultimatives Klangerlebnis, das man einfach erlebt haben muss, um es wirklich zu “begreifen”.
Zugegeben, es hängt etwas von der Hörpräferenz ab sowie des Quellmaterials hinsichtlich Genre und Qualität ab. In meiner Kombination passt das alles aber ganz wunderbar!


…es gibt Grenzen


Nach so viel Lobhudelei gibt es jedoch auch Situationen bzw. Aufnahmen, bei denen ich den “P+”-Modus nicht benutze. Es gibt einige Live-Aufnahmen, bei welchen mir dann das “Mehr” von allem etwas zu viel ist. Dann “explodiert” buchstäblich ein Sennheiser HD800s klanglich in unendliche Weiten. Das ist dann doch etwas viel. Auch Patricia Barber mit “Companion” im kleinen Pub-Konzert ist mir dann nicht mehr “intim” genug. Die durch die enge Bestuhlung sonst nahen Hintergrungeräusche erhalten dann in gewisser Weise einen unnatürlichen Abstand. Wie ich schon geschrieben habe, mit dem N8ii und dem “P+”-Modus lernt man die über Jahre wohlbekannte Musik neu kennen. Da gehört dann natürlich auch dazu, dass nicht alles unbedingt “besser” klingt. Manches soll dann am Ende einfach so bleiben, wie es war. Kein Problem, das bietet der N8ii auch. 😉



Größenverhältnisse im Vergleich: oben A&K SR25ii, mitte Cayin N8ii, unten iBasso DX320



Spiel-Paarungen im Langzeitcheck


Ich habe mir mehrere Wochen und auch ganz bewußt in meinem Urlaub Zeit genommen, den Cayin N8ii mit unterschiedlichen Kopfhörern mit der Fragestellung “Wie macht sich welcher Kopfhlörer mit dem N8ii?” zu testen.
Mit den mir verfügbaren Kopfhörern gab es nicht eine “schlechte” Kombination. Darunter dynamische sowie magnetostatische OverEar-Kopfhörer wie auch rein dynamische und hybride IEMs.

Immer wieder entdecke ich im Internet insbesondere zu stationären Kopfhörerverstärkern, dass zum Beispiel magnetostatische Kopfhörer nicht so gut mit Röhrenverstärker klingen sollen oder es gar bestimmte Kombinationen aus Kopfhörerverstärker und dynamischen Kopfhörern geben soll, mit denen das Hören erst Spaß macht. Und bei DAPs sieht das nicht anders aus.

Von solchen Theorien und Eindrücken bin ich kein Freund wenn es um aktuelle Geräte geht, deren Ausgangsimpedanzen mit 1-2Ω stets kopfhörerneutral ausgelegt sind. Zudem habe ich bereits mehrere HighEnd-DAPs getestet, mit denen ich bisher immer Spaß beim Hören hatte und die mittlerweile genug Leistung haben, um selbst schwer anzutreibende Kopfhörer in einer mehr als nur ausreichenden Lautstärke anzutreiben.

Ganz konkret ist meine Meinung zum Cayin N8ii, dass er sowohl mit Röhre als auch Transistor-Endstufe mit magnetostatischen Kopfhörern genauso hervorragend klingt wie mit dynamischen Treibern oder einer hybriden InEar-Konstruktion. Die Korg-NuTubes und planarmagnetische Kopfhörer klingen mitnichten einfach nur akzeptabel. Ich kann mir kaum eine besere Kombinaion vorstellen als den N8ii m Zusammenspiel mit dem HE1000v2.



Hifiman HE1000v2


Ein für sich schon nahezu perfekter HE1000v2 klingt noch etwas “samtiger” und im Bass “runder” wenn er mit den Korg-NuTubes betrieben wird. Im Transistorbetrieb bringt er hingegen einen Hauch mehr Punch und im Hochton etwas mehr Brillanz in die Musik. Was den Antrieb angeht, sind beide Betriebsmodi mit der selben Leistung und Ausgangsimpedanz unterwegs.

Der Hifiman HE1000v2 ist zwar mit einem Wirkungsgrad von nur 90dB sehr leistungshungrig, doch im “P+”-Modus und Class AB reichen 70/100 der symmetrischen Zuspielung, um weit über Zimmerlautstärke und somit sehr laut zu hören. Bei 80% der maximalen Leistung walkt der HE1000v2 bereits meine Ohren durch, lauter höre ich mit ihm nicht. Für gewöhnlich reichen mir aber für dauerhaftes Hören 45-50/100. Der N8ii kann den HE1000v2 sehr wohl laut genug befeuern und zudem Dank des “P+”-Modus auch dessen komplettes Potential freisetzen.

Größenverhältnisse im Vergleich: links A&K SR25ii, mitte Cayin N8ii, rechts iBasso DX320



HEDDphone


Mit dem HEDDphone verhält es sich ganz ähnlich, nur dass mein persönliches Maximum in der Hörlautstärke mit ihm bei 90% liegt. Selbst klassische Musik stellt in der Kombination keine Probleme dar. Nur bei sehr leise gepegelten Aufnahmen könnten es mit dem HEDDphone etwas mehr an Headroom sein. Klanglich gesehen klingt auch der HEDDphone im “P+”-Modus einfach etwas voller und dynamischer. Allerdings höre ich ihn lieber im Transistor-Modus, denn insbesondere im Hochton gefällt er mir dann etwas besser, da ihm das etwas Mehr an Brillanz entgegen kommt.

Hifiman Edition XS mit Dekoni-Polster


Wer es insgesamt etwas angeregter mag, der ist mit dem Hifiman Edition XS & den Dekoni Elite Sheepskin Polstern sehr gut bedient. Mit seinen Stealth-Treibern und diesem Polster-Mod spielt er deutlich über Ananda-Niveau. Und auch mit dem N8ii skaliert der Edition XS weiter. Er benötigt nicht besonders viel Leistung und trotzdem spielt er im “P+”-Modus noch einmal involvierender. Hinsichtlich der Lautstärke reicht mir dann sogar 50/100 als Maximum aus. Hier sind selbst für gering gepegelte Aufnahmen mehr als genug Reserven hinsichtlich der abrufbaren Leistung vorhanden.

Im Vergleich zum HE1000v2 ist der Edition XS-Dekoni der spaßiger abgestimmte Kopfhörer mit einer etwas geringeren Bühne und Auflösung. Er spielt er nicht so präzise und klar abgegrenzt wie der HE1000v2 und mit punktuell etwas mehr Energie im Hochton. In den Mitten und somit stimmlichen Bereich ist er etwas zurückhaltender während er vor allem im Bassbereich kräftiger zu Werke geht. Im direkten Vergleich ist das sofort hörbar. Wer diesen Vergleich nicht hat, wird beim Edition XS-Dekoni aber kaum auf die Idee kommen, dass da noch ein Upgrade nötig wäre. Soll es einfach etwas mehr “fetzen”, dann sollte der Edition XS-Dekoni am N8ii mit der Transistor-Endstufe betrieben werden. Das bringt dann noch den letzten Kick sowohl im Hochton als auch so schon fetten Bass. 😎




v.l.n.r. iBasso iT07, Cayin N8ii, Sennheiser IE900 & IE600


iBasso iT07


Auch wenn schon etwas älter, ist der iBasso iT07 immer noch mein Favorit, wenn es um hybride IEM geht. Dank der BA-Treiber präzise in den oberen Mitten und Hochton und tiefgreifend und wuchtig im Bass durch den dynamischen Treiber.
Am N8ii höre ich ihn bei Low-Gain und Röhren-Modus am liebsten im “P+”-Modus, wie kann es auch anders sein. Der iBasso iT07 setzt wunderbar die zusätzliche Betonung von Gesang um. Insbesondere im Hochton erhalten die BA-Treiber eine samtige Note, ohne dass Details verloren gehen. Weder bei unsymmetrischer noch bei symmetrischer Zuspielung kann ich irgendein Grundrauschen oder sonstige Störungen feststellen. Das gilt für alle IEMs, welche ich am N8ii getestet habe. Egal wie laut ich die InEars aufdrehe, digital Null bleibt auch analog Null.


Sennheiser IE900 & IE600


Warum ich beide IEMs hier zusammen betrachte? Weil beide gleichermaßen großartig in Kombination mit dem N8ii abliefern. Es gibt kleine Unterschiede, zu den komme ich dann. Insgesamt schaffen es aber beide IEMs mit dem N8ii, dass ich direkt Gänsehaut bekomme.

Vielleicht kennst Du das Gefühl, wenn Du nur etwas in einer Sendung siehst und allein das schon eine körperliche Reaktion auslöst!? Wer Höhenangst hat, bei dem kribbeln die Beine und Arme, wenn von einem Felsvorsprung tief in das Tal gefilmt wird oder jemand auf einem Gerüst mit dem Blick nach unten umher klettert. Auch der Anblick von bestimmten Tieren, oftmals von Spinnen oder sonstigen Insekten, führen zu nicht steuerbaren Impulsen. So spontan ergeht es mir immer wieder aufs Neue mit diesen beiden Ausnahme-IEMs von Sennheiser.

Ich habe viel mit den beiden Sennheiser IEMs gehört. Mit beiden bietet der N8ii und den vielen Möglichkeiten zur Anpassung eine Hörerfahrung, welche noch ein Level höher ist, als ich sie mit anderen DAPs bisher erreicht habe.
Wie in meinen Berichten zu beiden schon beschrieben, klingt der IE600 etwas ausgeglichener mit prägnanterem Tiefbass. Der IE900 hingegen ist hinsichtlich Hochton eher analytisch unterwegs, bietet aber im Bass etwas mehr Punch und schafft somit ein spaßiges Gleichgewicht.


IE600


Bein IE600 bin ich am Ende klar bei folgender Einstellung für meine beste Allround-Hörerfahrung mit dem N8ii verblieben. Mit seinem Bass mit Subwoofer-Feeling, braucht er schlichtweg den “P+”-Modus nicht. Bei mittleren Gain-Stufe und dem Class A Betrieb im Transistor-Modus erhält der IE600 hier und da noch kleine Änderungen, welche mir unabhängig von der Musik absolut entgegen kommen. Ich habe das Gefühl, der IE600 zeigt mit dem N8ii und dessen Konfigurationsmöglichkeiten seine beste Performance.


IE900


Und tatsächlich kann das noch übertroffen werden. Klanglich zwar anders abgestimmt, gelingt es mir mit dem N8ii auch beim IE900 die für mich optimale Einstellung auszumachen. Auch wenn es zunächst merkwürdig erscheint, hier gefällt mir der Low-Gain in Kombination mit Röhre und Class AB im “P+”-Modus am besten.

Ohne dass feine Mikrodetails durch seine analytische Betonung verloren gehen, “poliert” die Röhre zu scharfe Spitzen glatt. Im Transistor-Modus hingegen spielt der IE900 messerscharf.
Da er im Tiefbass etwas schwächer abgestimmt ist als der IE600, vollbringt der “P+”-Modus hier auch noch eine wohldosiertes “Upgrade”. Der Punch im Bass des IE900 wird noch etwas aufgewertet. Instrumente und Stimmen bekommen zudem etwas mehr an Fülle und Sänger:innen treten einfach einen Schritt näher zum Mikrofon.
Mit dem Low-Gain werden diese Änderung sehr sanft mit zunehmender Lautstärke skaliert. Ich habe den Eindruck, dass bei geringen Lautstärken diese “P+”-Magie im Low-Gain mit dem IE900 natürlicher wirkt. Laut gehört geht dann aber wieder die Post ab.

Nebenbei bemerkt:
In diesem Test mit dem N8ii zeigt sich mir die Stellung des IE900 als Sennheisers IEM-Flaggschiff, da reicht der IE600 nicht heran. Der IE600 ist zwar der bessere Allrounder, doch mitreißender und involvierender ist in jedem Fall der IE900. Das lässt sich mit dem N8ii mehr heraus kitzeln, als es mir mit allen anderen bisher von mir genutzten DAPs und KHVs möglich war.





Genre-Empfehlung


Allerdings muss ich auch anmerken, dass alle von mir genannten Unterschiede egal mit welchem Kopfhörer wahrgenommen mir weniger bei Musik auffällt, bei der sehr viel los ist. Bei Hard Rock und Heavy Metal tendiere ich eher dazu, dass tatsächlich die erhöhte Lautstärke und Dynamik vordergründig wirkt.

Wer vorwiegend in dem Metal-Bereich zu Hause ist, kann auch mit anderen DAPs wie etwa dem iBasso DX320 glücklich werden. Auch er bietet mit optionalem Amp13-Modul Röhrenbetrieb und ist deutlich preiswerter zu haben. In diesen Disziplinen setzt sich für meinen Geschmack der N8ii nüchtern betrachtet nicht deutlich genug ab, um auch unabhängig vom Preis von besonderen Vorteilen sprechen zu können.

Wechsle ich allerdings zu Jazz, Funk, Minimal, Chillout, Electronic, Klassik… und andere instrumental schlanker besetzte Genres, dann verhält es sich, wie ich es bereits mehr als ausführlich beschrieben habe. Die Reproduktion wirkt je nach Einstellungen mit dem N8ii noch einmal differenzierter, weiträumiger und insgesamt involvierender.



Cayin N8ii & Hifiman HE1000v2; 180° Display gedreht und fixiert



Fazit


Angesichts der Investitionssumme von 3.680,-€ sehe ich den Cayin N8ii heute und in Zukunft mit einer gewissen Ehrfurcht. Allerdings ist meine anfängliche Skepsis verflogen und mein erster Eindruck hat sich bestätigt, dass dieser DAP klanglich einfach großartig ist und jedem Kopfhörer individuell eingestellt optimal bespielen kann. Dazu kommt selbst bei Nutzung mit hoher Leistung im Röhrenbetrieb und “P+”-Modus eine lange Laufzeit von fast 7 Stunden. Hinzu kommt die tolle Haptik und die intuitive Nutzung. In Sachen Design und Verarbeitung sehe ich nichts, was ich kritisieren könnte.

Trotz des sehr guten Displays, das mich mit Farben, Kontrast und Helligkeit überzeugt, hätte es als i-Tüpfelchen vielleicht noch die Full-HD-Auflösung sein dürfen. Bei sonstigen Kleinigkeiten wird es durch künftige Firmware-Updates sicherlich noch die ein oder andere Optimierung geben, da bin ich mir sicher. Bei Übertragungsraten von mindestens 70MB/s Schreiben, insofern das auch die MicroSD-Karte schafft, ist das Befüllen mit Musik schnell erledigt. Mit 180° gedrehtem Bildschirm ist er zudem optimal auch am Notebook als DAC/KHV oder in anderer Richtung als Zuspieler via USB am stationären KVH oder der Hifi-Anlage nutzbar.

Unterm Strich hat es Cayin geschafft, mit dem N8ii ein neues und nur auf den ersten Blick konservatives Flaggschiff zu platzieren.
Mit den doppelt ausgelegten Korg-NuTube-Röhren für kraftvollen, symmetrischen Röhrenbetrieb und dem klanglich hochbeeindruckenden “P+”- Modus sucht dieser DAP schlicht seinesgleichen. Im High-End-Bereich ist der Cayin N8ii aktuell wahrscheinlich einfach das Nonplusultra!



Bewertung

Insgesamt
97.5%
97.5%
  • Klang - 100%
    100%
  • Leistung - 98%
    98%
  • Kopfhörereignung - 98%
    98%
  • Handhabung - 98%
    98%
  • Design - 100%
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  • Verarbeitung - 100%
    100%
  • Konnektivität - 90%
    90%
  • Verpackung & Lieferumfang - 96%
    96%

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Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Hifiman HE1000v2 & Edition XS, HEDDphone, Meze Liric, Austrian Audio Hi-X65 & 60, Avantone Pro ; InEar-Lineup: Sennheiser IE900 & IE600, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Cayin N8ii, Astell & Kern SR25ii; Kopfhörerverstärker im Bestand: SPL Phonitor XE, Jan Meier Corda Country, ifi Audio GO Bar, Topping DX5, SMSL DO100 & HO100