Focal Bathys Bluetooth ANC Kopfhörer im Test – hochaudiophiler Kopfhörer mit Kompromissen

Focal als Anbieter bester kabelgebundener Kopfhörer kommt nun mit dem Focal Bathys Bluetooth ANC Kopfhörer auf den Markt. Schon der Name verpflichtet und natürlich auch der aufgerufene Preis. In Hinblick auf die aufgerufenen 799,-€ haben sich die Franzosen die Messlatte selbst sehr hoch gelegt. Ich habe mir mal genauer angesehen und angehört, in welchen Kategorien der Bathys auf dem Treppchen zu finden ist…



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Der Focal Bathys wurde mir leihweise von HiFi im Hinterhof zur Verfügung gestellt.


Werbung: Hifi-im-Hinterhof – Heimkino-Tage 4.-5. November 2022


Die Adresse in Berlin-Kreuzberg in der Großbeerenstr. 65/66, wenn es um Produkte rund um HiFi, Kopfhörer TV und Heimkino geht. Neben generell kompetenter Beratung werden mehrmals im Jahr besondere Veranstaltungen angeboten, wie am 4. & 5. November 2022 die “Heimkino-Tage” mit interessantem Workshop- Programm in den Geschäftsräumen.
Details zu den Heimkino-Tagen im eigenen Blogartikel von Hifi-im-Hinterhof…



Vorwort


Wenn neue Kopfhörer von Focal angekündigt werden, dann bin ich jedes Mal gespannt wie ein kleines Kind, das auf Weihnachten wartet. Der Focal Elear – hier mein damaliger Bericht – war es, der mein Interesse für hochwertige, audiophile und zugegeben auch hochpreisige Kopfhörer geweckt hat.

Ich konnte nicht alle Modelle selbst testen, doch es folgten der Focal Elex, der Focal Clear, der Focal Clear Pro sowie der Focal Elegia und der Focal Celestee. Zudem habe ich mich um einige einfache Modifikationen via Pad-Wechsel gekümmert, die sich in der Community herumgesprochen und viele Nachahmer gefunden haben. Zu Focal habe ich also rückblickend betrachtet irgendwie schon eine besondere Beziehung aufgebaut.

Als nun der Focal Bathys als Bluetooth ANC Kopfhörer im Design der oben genannten Kopfhörer mit aktueller, dem Celestee angelehnt Treiberechnik angekündigt wurde, war klar, das sollte mein neuer Begleiter werden, wenn ich auf Dienstreisen gehe. So mein Plan…



Verpackung & Zubehör


Der Kopfhörer wird in einer weißen Verpackung geliefert, auf deren Front der Focal Bathys stilisiert und auf der Rückseite mitsamt Case als Foto abgebildet ist. Auf den Seiten sind die Features und technische Daten zu finden. Der Karton lässt sich von der Unterseite aus aufklappen. Zum Vorschein kommt das mit einer Art Canvas-Stoff überzogene, recht kleine Case und das obligatorische Benutzerhandbuch.Im Case sind neben dem Kopfhörer noch jeweils 1m lange Kabel USB-C auf USB-C sowie 3,5mm auf 3,5mm Stereo-Klinke zu finden.



Technisches & Tragekomfort


Hier zunächst aus meiner Sicht die wichtigsten technischen Daten in Kurzform.
Stets aktuelle Daten sind hier auf der Focal Produktseite zu finden…

  • Gewicht: 350g
  • Akkulaufzeit: 30h (BT & ANC), 35h (Klinke-Modus), 42h (USB DAC)
  • Bluetooth: 5.1 Multi Point, SBC, AAC, aptX, aptX Adaptiv
  • Frequenzgang: 15-22kHz
  • Verzerrung: <0,2% bei 1kHz
  • Treiber: 40mm M-Dome, Aluminium-Magnesium, dynamisch (made in France)
  • 8 Mikrofone integriert
  • ANC & Transparent-Modus
  • APP Unterstürzung “Focal & naim”, iOS & Android, EQ Einstellung im Kopfhörer gespeichert
  • *alle Angaben ohne Gewähr

Design


Nach dem Öffnen des Case fühle ich mich sofort wieder bei Focal heimisch. Die Cups mit den typischen Design-Elementen und dem Focal-Symbol sprechen ihre eigene Sprache. Was sofort auffällt, ist die deutlich geringere Größe und so bin ich im ersten Moment skeptisch, wie viel Platz für meine Ohren ist. Doch aus dem Case genommen und umgedreht zeigen sich die eher filigran ausgefallenen aber weichen Leder-Polster, welche für die Ohren ovalen Platz von etwa 6,2cm x 5cm bieten. Das reicht sogar für meine großen Ohren aus, um bequem Platz zu haben.


Material & Verarbeitung


Wo die kabelgebundenen Kopfhörer zu mindestens 80% aus Arten von Metall bestehen, sieht das beim Focal Bathys anders aus. Wie Focal selbst wirbt, mussten auch Kompromisse bei der Materialzusammenstellung eingegangen werden, um das Gewicht von nur 350g zu erreichen. So findet sich überwiegend Kunststoff wieder und nur prägnante Teile weisen Metall auf. Da sind offensichtlich die Verstärkung im Kopfband, die Y-Halterung und die Designabdeckung der Gehäuse sowie kleinere Teile wie Schrauben oder Designelemente.

Die Verarbeitung des Kopfhörers ist frei von jeglicher Kritik. Alle Einzelteile sind in der CAD-Anwendung perfekt aufeinander abgestimmt. Es scheint fast so, als wenn selbst der Übergang des Ohrpolster zur anliegenden Mantelfläche des Gehäuses nicht dem Zufall überlassen wurde. Der Überstand des Ohrpolsters ist umlaufend überall identisch und wirkt sehr harmonisch. Das gilt auch für deren Nähte und die des Kopfbandes. Absolute 1a-Fertigungsqualität ohne jegliche Abweichung.

Die Bedienelemente in Tastenausführung ist hinsichtlich Design eher altbacken, doch sehr gut implementiert. Die Taster und der Schiebeschalter haben keinen Spiel und bei der Betätigung prellt und klappert nichts.


Tragekomfort


Was nützt beispielsweise ein technisch toller Kopfhörer, wenn er sich nicht tragen lässt?
Keine Angst, mit dem Focal Bathys passt der Tragekomfort, wenn auch hier sicherlich das Tragegefühl von Person zu Person unterschiedlich ist. Ich nehme an, dass mindestens 80% der Nutzer überaus zufrieden sein werden, denn die ledernen Ohrpolster sind angenehm weich, was deren recht geringe Auflagefläche ausgleicht.

Kommt es zum Anpressdruck, so ist dieser seitlich für meinen großen Kopf auf Dauer dennoch etwas anstrengend. Würde geringerer Druck ausgeübt werden, dürfte der Focal Bathys Menschen mit kleineren Köpfen tendenziell etwas locker sitzen. Möglicherweise liegt das auch daran, dass ich beide Seiten komplett ausziehen muss, damit der Kopfhörer bei mir insgesamt gut sitzt. Leider fehlen mir etwa 1-2cm an Auszuglänge, so dass ich den Kopfhörer noch besser um meine Ohren platzieren kann. Maximal ausgezogen, liegen beide Polster unten an meinen Ohrläppchen an, während oben noch etwas Platz zum Ohr ist.

Da das Kopfband für mich etwas knapp ist, liegt dieses auf meinem Kopf nicht an optimaler Position auf. Umso mehr erstaunt es mich, zudem das Kopfband recht schmal und nur wenig gepolstert ist, das ich den Druck auf den Kopf als unauffällig empfinde. Nach einigen Minuten fällt er mir nicht einmal mehr auf.

Trotz der bei mir eingeschränkten Weitenverstellung ist unterm Strich der Tragekomfort auch für jemanden mit meiner Kopfgeometrie durchaus als gut zu bezeichnen. Mit etwas mehr Spielraum, wäre würde er perfekt sitzen.

Alle Bedienelemente auf einen Blick



Spielpartner & Spielfreude


Da es sich um einen Bluetooth-Kopfhörer handelt, der zudem nicht analog passiv betrieben werden kann, ist jede koppelbare Quelle gleich gut für den Focal Bathys geeignet. Die Leistungsfähigkeit des Zuspielers ist in diesem Fall nicht von Belang, denn der Bathys nutzt in allen Fällen die interne Elektronik und auch den internen Verstärker. Focal ist hier ganz konsequent unterwegs, was die Aufbereitung des Signals angeht.

Via USB wird der im Kopfhörer integrierte DAC genutzt und auch wenn analoges Signal via Klinke-Kabel zugespielt wird. Für die verschiednen Modi gibt es den On-DAC-Off-Schalter. Entsprechend der Schalterstellung wird das Eingangssignal über den internen Verstärker und EQ für den die Treiber passend aufbereitet. Für die Nutzung via USB-Kabel gibt es den DAC-Modus während beim Einstecken eines Klinke-Kabels dieses im Bluetooth-Modus automatisch erkannt wird und Vorrang hat. Die Bluetooth-Verbindung wird bei einstecken des Klinke-Kabels automatisch getrennt.

Insoweit der Kopfhörer über Bluetooth genutzt und auch zuvor am Smartphone gekoppelt wurde, ist die “Focal & naim”-App mit dem Kopfhörer nutzbar, selbst wenn er am Notebook oder am DAP via Blutooth benutzt wird. Ermöglicht wird das durch die Multipoint-Funktion des Focal Bathys. Werden das USB- oder das Klinke-Kabel benutzt, dann ist die App Nutzung nicht möglich, sie verbindet sich nicht mit dem Kopfhörer.

Egal ob ich via DAC, Bluetooth oder Kabel zugespielt habe, konnte ich keine Unterschiede im Klangbild feststellen. Der Klang war immer so, wie ich ihn via App eingestellt hatte und auch in der Endlautstärke hat der der Bathys quasi immer gleich laut gespielt. Auch hier achtet Focal peinlich darauf, dass die Treiber nicht überlastet werden, was zu Verzerrungen führen würde. Somit ist ein stets optimaler Klang gewährleistet. Einzige Ausnahme ist natürlich, wenn das analoge Signal über Klinke zuvor bereits per EQ verbogen wurde. Das kann der Focal Bathys natürlich nicht erkennen. Es ist also wichtig, ihm stets das unbearbeitete Ausgangssignal zur Verfügung zu stellen.

Hinsichtlich der Spielfreude empfinde ich es als absolut egal, ob er “nur” per AAC am iPhone, per aptX, via DAC oder Klinke-Kabel benutzt wird. Einzig bei der Nutzung als DAC kommt mir der Klang eine minimale Nuance “frischer” und “einen Hauch dynamischer vor. Unabhängig davon, spielt sich das Klangerleben mit dem Focal Bathys immer auf höchsten Niveau ab. Hier hat Focal ganze Arbeit geleistet. Das habe ich bei noch keinem Bluetooth-Kopfhörer so perfekt umgesetzt erlebt.


Hinweis:

An dieser Stelle der Hinweis zur Gefahr, sich beim Aussetzen zu hoher Lautstärke das Gehör nachhaltig schädigen zu können. Das gilt besonders für die Benutzung von Kopfhörern im Allgemeinen.





Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.


Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik “Events & Medien” veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201



Klang & -vergleich


Klanglich bedient der Focal Bathys umfassend audiophile Anforderungen. Direkt aus der Verpackung ohne App-Einsatz ist er mir jedoch im Bassbereich etwas zu “boomy” abgestimmt, während Mitten und insbesondere der Hochton im Verhältnis zum Bass etwas zu zurückhaltend sind. Das ist nicht gravierend, doch mit einigen Songs aus meinen Playlisten fehlt mir das gewisse Etwas. Stimmen und Instrumente klingen gelegentlich etwas “bedämpft”. Für mich ist diese Grundabstimmung einfach etwas zu uninspiriert. Technisch gesehen reproduziert der Focal Bathys auch ohne individuelle Klanganpassung bereits auf höchstem Niveau.


Equalizer – individuelle Klanganpassung


Mit der “Focal & naim”-App gibt es die Möglichkeit, einen 5-Band-Equalizer zu nutzen. Hier lassen sich von plus bis minus 6dB Frequenzbereiche um 62Hz, 250Hz, 1kHz, 4kHz und 16kHz justieren. Mir fehlt hier noch die Möglichkeit den Tiefbass um 30Hz separat anpassen zu können. Denn egal wie ich den Equalizer einstelle, den für mich optimalen Klang, schaffe ich nicht einzustellen. So habe ich den Focal Bathys an die für mich beste tonale Abstimmung genähert und mit ihr meine konkreten Klangtests durchgeführt.

Was ich mir wünschen würde, wäre ein 10-Band-Equalizer quasi als Expertenmodus. Doch ich vermute dazu wird es nicht kommen, denn Focal achtet peinlich darauf, dass der Kopfhörer technisch stets ohne Verzerrungen arbeitet, egal wie der EQ eingestellt wurde. Je mehr hier dem Nutzer an die Hand gegeben wird, umso größer auch die Gefahr, dass es Einstellungen geben würde, welche die hervorragend präzise Klangerfahrung beeinträchtigen könnte.



Bass


Im Bassbereich spielt der Focal Bathys absolut souverän auf. Sowohl bei hohen und niedrigen Lautstärken überzeugen Kick-Drums genauso wie eher weich schwingende Kontrabässe. Unabhängig des Genres weiß die Bassreproduktion zu überzeugen. Lediglich im Tiefbass würde ich mir manchmal etwas mehr Druck wünschen. Stelle ich dazu den 62Hz-Regler im EQ etwas höher, dann wird der Focal Bathys gleich auch wieder etwas zu “boomy”. Das stört bei Pop und Mainstream eher weniger, doch wenn ich Chillout oder Jazz hören möchte, dann ist es genau das, wo mir die Möglichkeit der Differenzierung fehlt.



Mitten


Wie schon bei allen anderen von mir empfohlenen Focal Kopfhörer liegt hier die Paradedisziplin des Bathys. Die M-Dome Treiber aus Aluminium-Magnesium lassen Stimmen außerordentlich sauber erklingen. Kritische Instrumente wie das Klavier oder eine Geige klingen sehr authentisch und technisch einwandfrei. Selbst wenn im 1kHz-Bereich die Präsenz mittels EQ verstärkt wird, passiert es zu keiner Zeit, die authentische Reproduktion zum Kippen zu bringen. Und auch im Bereich der oberen Mitten lässt sich der Klang involvierender anpassen, so dass die Gesamttonalität einfach etwas luftiger und spritziger wird. Nach meinem Gusto eingestellt liefert der Focal Bathys im Bereich der Mitten nahezu perfekt ab.


Hochton


Im Bereich um 16kHz stelle ich gut 4dB plus ein, um eine schillernde Brillanz zu erhalten. In der App sieht das nach viel aus, ist es aber nicht. Jedoch reicht es aus, um dem Focal Bathys die für mich nötige Brillanz zu verleihen, die mir als gewisses Gegengewicht zum druckvollen Bass bedarf. Selbst Nuancen im Hochton lassen sich so präzise heraushören, ohne dass sie spitz klingen oder zu dick aufgetragen werden. Hier zeigt sich dann ganz genau, wie gut Focal die Treiber und die ansteuernde Elektronik aufeinander abgestimmt hat. Der Focal Bathys wird so für mich zu einem sehr involvierenden Kopfhörer.

Ausgeglichener und etwas mehr in Richtung Harman geht er mit unverändertem EQ bei 16kHz. Für ruhige Hörumgebungen und um zu Entschleunigen bevorzuge ich hier die Nullstellung. Schon in dieser Grundeinstellung bietet er mehr als die Harman-Referenz zeigt, was ich jedoch unbedingt als Pluspunkt sehe. Ein streng nach Harman abgestimmter Kopfhörer klingt für mich stets langweilig.


Messungen

EQ-Miniklangwunder: 62Hz -1.5dB, 250Hz -1.5dB, 1kHz +4dB, 4kHz -1.5dB, 16kHz 0dB

Dynamik & Räumlichkeit


Wenn es um die Dynamik geht, zeigt er das hohe Potential der Treiber. Das Impulsverhalten steht dem der kabelgebundenen Geschwister in nichts nach, wenn diese auch an entsprechend potenten und hochwertigen Kopfhörerverstärkern betrieben werden. Ein Nachteil ist allerdings die recht geringe Maximallautstärke, welche bei leise gemasterten Aufnahmen mir nicht genug Endlautstärke bietet. Somit sehe ich als klanglich einziges Manko schlicht und ergreifend den fehlenden Headroom.

Wenn es um die räumliche Abbildung geht, ist der Focal Bathys ganz vorne mit dabei. Auch hier nutzt Focal die Klangelektronik voll aus, um in einen geschlossenen Kopfhörer die Klangerfahrung zu integrieren, die sonst von offenen Kopfhörern erwartet wird. In der Größe nicht übertrieben, klingen Live-Aufnahmen stets authentisch. Eine schöne Ortbarkeit von Instrumenten nicht nur in der Breite sondern auch die Tiefenstaffelung passt zum aufgespannten Raum. Sein Optimum sehe ich bei Live-Aufnahmen von geschlossenen Bühnen oder Clubs. Bei allem was deutlich größer und weiter ist, stellt sich mir das Mittendrin-Gefühl nicht ein, da bleibe ich eher nur Zuhörer. Hingegen darf ich sagen, es geht auch andersherum so, dass ein Sennheiser HD800s mir gern auch ein Zuviel an Räumlichkeit bietet. Dann lieber so, wie es Focal mit dem Bathys erreicht. Unterm Strich ist hier alles richtig. Super!


ANC & Transparent-Modus


Eins vorweg, egal ob im Transparent-, ANC-Sanft- oder ANC-Ruhig-Modus betrieben, der Focal Bathys liefert stets die exakt selbe Klangsignatur ab. So präzise habe ich das bisher bei noch keinem ANC-BT-Kopfhörer erlebt. Das ist es auch unter anderem, worauf Focal immer wieder hinweist, dass der Klang bei der Entwicklung kompromisslos im Vordergrund gestanden hat. Das kann ich nur unterschreiben.

Das bedeutet aber auch, dass im Bereich ANC- und Transparent-Modus Kompromisse gemacht wurden. Im Transparent-Modus gibt es ein deutlich wahrnehmbares Grundrauschen. Mit geringer Lautstärke Musik gehört, ist auch das Grundrauschen wahrnehmbar. Nutze ich den Bathys während ich am Computer arbeite, nutze ich den Transparent-Modus bei leiser Muisk, um ansprechbar zu bleiben und meine Umwelt noch wahrnehmen zu können. Dann nervt mich dieses Rauschen nach einiger Zeit.
Für ein Telefonat eignet sich dieser Modus wiederum sehr gut, da ich meine eigene Stimme höre und das Gespräch nahezu wie eine Unterhaltung ohne Kopfhörer klingt.

Das ANC nutze ich während ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin und regelmäßig auf Dienstreise während langer Bahnfahrten oder Flüge. Der Focal Bathys reduziert die Geräusche, wobei er hier mit meiner Erfahrung eher im Durchschnittlichen Bereich unterwegs ist. Monotone Frequenzgemische wie Flugzeugturbinen werden angenehm abgeschwächt, doch im Vergleich sind für meine Ohren Sony und Apple im ANC klar überlegen, denn mit denen ist es nahezu still.
Geht es um Gespräche und sonstige zufälligen Geräusche in der Umgebung dämpft der Bathys nich etwas weniger. Auch hier sind andere Markenhersteller in Sachen BT-ANC-Kopfhörer deutlich fortschrittlicher.

Wo der Focal Bathys wiederum deutlich punkten kann, ist schlicht den besten Klang mit ANC zu bieten. Der Vorteil ist die rauschfreie und absolut klangneutrale ANC-Impolementierung. Das angesprochene Grundrauschen des Transparenz-Modus tritt ebenfalls nicht auf. Bei den Mitbewerbern kommt es vor, dass der ANC-Modus etwas Rauschen mitbringt bzw. dieses sich dieses mit Eingriff des ANC verändert. Auch färbt das ANC gern den Klang etwas ein oder greift bei adaptiven ANC sogar temporäre kurzzeitig massiv in den Klang ein. All das hat Focal zugunsten der optimalen Klangreproduktion verhindert. So kommt es dann auch zu Kompromissen. Oder anders ausgedrückt:
Oberste Priorität hat stets die HighEnd-Klangreproduktion!

Sanft illuminiertes Focal-Symbol



Fazit & Bewertung


Ich schrieb zu Anfang im Vorwort, der Focal Bathys sollte mein audiophiler Begleiter auf Dienstreisen werden. Wie Focal selbst bewirbt, mussten Kompromisse eingegangen werden, um mit dem Bathys den besten High-End-Klang liefern zu können. Doch für meine Anforderungen der Behandlung von Außengeräusche an einen BT-ANC-Kopfhörer macht er mir zu viele Kompromisse und kann meine Erwartungen nicht abdecken.


Lasse ich meine Priorisierung außen vor und setze die Priorität einmal anders, nämlich den klanglichen besten BT-Kopfhörer mit möglichst guten Zusatzfunktionen haben zu wollen, lautet mein Fazit wie folgt:

Der Tragekomfort ist gut, Menschen mit großen Köpfen sollten ihn unbedingt Probetragen. Die Laufzeit mit bis zu 42h halte ich auch für angemessen. Seine kompakte Aufbewahrung ist ebenso ein Pluspunkt wie auch das Design, die Materialwahl und die Verarbeitungsqualität.

Klangtechnisch gibt es Dank der App-Unterstützung und dem im Kopfhörer integrierten unabhängigen Equalizer nichts zu meckern. Wem die die Focal-Signatur grundsätzlich nicht gefällt, braucht sich auch den Bathys nicht anhören. Auch wenn er klanglich anpassbar ist, verfolgt Focal konsequent das Ziel, besten Klang abzuliefern, und gibt dabei natürlich auch Grenzen vor.

Unterm Strich wird der Focal Bathys leider nicht bei mir bleiben, denn dafür habe ich bereits zu viele Spezialisten für alle möglichen Anwendungsszenarien in meinem Kopfhörer-LineUp. Würde ich allerdings in die audiophile Welt der Kopfhörer einsteigen wollen oder zu einem vorhandenen, hochpreisigen, offen Kopfhörer noch eine adäquate, geschlossene Ergänzung suchen, ohne zu viel Anforderungen an ANC zu haben, bietet sich der Focal Bathys geradezu an.

Egal ob zu Hause, im Büro oder im Hotel ist bester Klang mit dem Focal Bathy sichergestellt. In Hinblick darauf, mit ihm überall und in allen Situationen den nur einen audiophilen Kopfhörer stets dabei zu haben, passt auch der aufgerufene Preis von 799,-€.


Bewertung


  • 98%
    Tiefbass - 98%
  • 98%
    Bass - 98%
  • 96%
    Mitten / Stimmen - 96%
  • 94%
    Mitten / Instrumente - 94%
  • 94%
    Obere Mitten - 94%
  • 98%
    Brillanz / Hochton - 98%
  • 98%
    Auflösung / Transparenz / Separation - 98%
  • 92%
    Dynamik - 92%
  • 94%
    Räumlichkeit - 94%
  • 100%
    Design / Konstruktion / Verarbeitung - 100%
  • 100%
    Tragekomfort - 100%
  • 80%
    Bluetooth - Grundrauschen - 80%
  • 94%
    Bluetooth - App Unterstützung - 94%
  • 100%
    Bluetooth - Konnektivität - 100%
  • 75%
    Preis/Leistung - 75%
94.1%

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Klangfreund"M"

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Hifiman HE1000v2, HEDDphone, Meze Liric & 109 Pro, Austrian Audio Hi-X65, Avantone Pro ; InEar-Lineup: Sennheiser IE900 & IE600, iBasso iT07, Fiio FD1; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Cayin N8ii, Astell & Kern SR25ii; Kopfhörerverstärker im Bestand: Cayin HA-3A, Jan Meier Corda Country, ifi Audio GO Bar, Topping DX5