SiVGA Phoenix im Test – kräftige und druckvoll musikalische Abstimmung

Ich hatte schon des öfteren die Kopfhörer von SiVGA bei Amazon gesehen. Diese lagen bisher alle preislich grob um einhundert Euro und haben Bezeichnungen wie SV003, SV004, SV005 usw. Doch vor einigen Tagen ist mir dann der SiVGA Phoenix aufgefallen, der nicht nur beim Namen sondern auch beim Preis mit 265€ aus der Reihe fällt. Mal sehen, was vom Phoenix zu erwarten ist und ob er dem Preis gerecht wird.



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Der SiVGA Phoenix wurde mir kostenfrei direkt vom Hersteller für diesen Test zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank dafür!

Erhältlich ist der Kopfhörer direkt über Amazon. – kein Affiliate Link –


Vorwort


Zwei Dinge gleich vorab:

  1. Ein Feingeist sollte sich eher bei anderen Kopfhörern umschauen. Beim SiVGA Phoenix geht es im besten Sinne eher handfest und kernig zu.
  2. Der SiVGA Phoenix benötigt Einspielzeit. Direkt aus dem Karton hat er deutlich schlechter gespielt als nach guten 10 Stunden “Burn-In” mit recht lauter Musikzuspielung – Der 50mm Treiber entfaltet sich regelrecht – Der Bass wird präziser und die Höhen Transparenter – also Einspielen ist hier ganz wichtig!



1. Verpackung & Zubehör


Der SiVGA Phoenix wird in einer schwarzen und edlen Verpackung und einem sehr ansprechendem Hardcase geliefert, welches ich bisher nur beim SendyAudio Aiva und in ähnlicher Art bei den AEON Flow Kopfhörern von Dan Clark Audio gesehen habe, die jedoch einige hundert Euro mehr kosten. Als Zubehör wird ein 1,8m langes, stoffummanteltes Kabel mitgeliefert, welches von 3,5mm auf jeweils links und recht 2,5mm Klinke-Stecker verzweigt.



2. Design & Tragekomfort


Nach Rosenholz und Nussbaum der bisherigen SiVGA-Kopfhörer bestehen die runden Treibergehäuse aus kontraststarkem Zebranoholz, welches einwandfrei verarbeitet ist. Mit nicht ganz 10cm Durchmesser sind die Polster auch für normal große Ohren eher knapp bemessen. Auch wenn die Polster insgesamt recht dünn sind, sind sie herrlich weich und erinnern stark an die Polster des schon genannten SendyAudio Aiva. Selbst wenn die Polster immer irgendwo teils auf dem Ohr liegen, stört mich das nicht. Der Phoenix ist ein Mittelding zwischen Over- und On-Ear-Kopfhörer, für mich jedoch eher On-Ear, was mich in seinem Fall nicht stört. Die Polster sind ergonomisch geschnitten, so dass in Richtung Hals die Polster etwas kräftiger ausgearbeitet sind und der Druck somit sehr gut über die gesamte Auflagefläche verteilt wird.


sehr bequeme, ergonomisch geformte Polster



Das Kopfband ist passend zu den Cups nicht sehr groß und mein erstes Gefühl bestätigt sich. Der Phoenix ist nichts für große und breite Köpfe. Mein Kopf stellt das maximal Machbare für den Phoenix dar. Ich muss das Kopfband auf Maximum weiten, damit die Polster die Ohren ordentlich umschließen. Auch wenn der Phoenix hinsichtlich seiner Größe eher klein ausfällt, bietet er einen guten Tragekomfort gut. Die Konstruktion insgesamt ist gut durchdacht, wirkt stabil und nimmt kaum Körperschall auf. Die Verarbeitung ist sehr gut.

Der SiVGA Phoenix ist als Kopfhörer für kleine, normale und nur bedingt für große Köpfe geeignet.



3. Klang


Wer beim SiVGA Phoenix aufgrund seiner Ähnlichkeit zum SendyAudio Aiva auf einen ähnlichen Klang zu einem günstigeren Preis hofft, dem darf ich sagen, das ist nicht so. Beide sind unterschiedlich abgestimmt. Der Phoenix ist mit seinen dynamischen treibern deutlich wärmer abgestimmt und in Sachen Räumlichkeit, Auflösung und Transparenz nicht im Bereich des Aiva. Der Phoenix spielt direkter und zugleich auch relaxter und verzeiht schlechten Aufnahmen auch etwas mehr. Auch wenn eher ungewöhnlich, wollte ich auch den mir sofort auf der Hand liegenden Vergleich zum Aiva ziehen und kurz darstellen, damit keine falschen Erwartungen an den Phoenix gestellt werden. Das bedeutet nicht, dass der der schlechter ist als der Aiva, sehr wohl aber, dass er komplett anders ist, sowohl bei der Treiber-Technik als auch bei der klanglichen Abstimmung. Und trotzdem macht der Phoenix mir genau so viel Spaß.

der Phoenix ist im Vergleich zum Aiva wärmer abgestimmt



Hinweis:
An dieser Stelle der Hinweis zur Gefahr, sich beim Aussetzen zu hoher Lautstärke das Gehör nachhaltig schädigen zu können. Das gilt für die Benutzung von Kopfhörern im Allgemeinen.


· Bass


Mit seinen kräftigen Bässen und recht warmen Klangtuning kann er aber durchweg überzeugen. Er gibt sich selbst bei bereits fett abgemischten Songs keine Blöße und gibt diese technisch einwandfrei wieder. Ob so viel Bass dann noch gefällt, ist eine Frage des Geschmacks. Mit den richtigen Songs und beim Ansehen von Filmen glänzt der Phoenix geradezu. Den Anspruch einer neutralen Wiedergabe kann er nicht gerecht werden, muss er aber auch nicht. Die deutsche Übersetzung des Herstellers zu seinen Eigenschaften spricht von “der Bass-Tauchgang ist flexibel”. Ich interpretiere das so: Der SiVGA Phoenix geht bis tief in den Keller hinab und lässt das auch gut hören.


· Mitten


Im Mittenbereich ist der Phoenix eher neutral unterwegs, wobei Stimmen und Instrumente etwas zurückgesetzt sind. In den oberen Mitten fehlt es als “Gegenspieler” zum opulenten Bassbereich etwas an Betonung, so dass Stimmen und Instrumente gelegentlich etwas verhangen klingen können.


· Hochton


Im Hochton ist der Phoenix tatsächlich frisch. Der Phoenix setzt feine und klare Akzente, welche jedoch im Vergleich zu Bassintensität etwas weniger energiereich sind. Dennoch fehlt es dem Phoenix nicht an Details. Er spielt musikalisch relaxed und macht einfach nur Spaß. Mitunter tendiert er ein wenig zum “metallischen” hin, was mir besonders bei Classik Rock aufgefallen ist, ihm aber Charakter verleiht.


· Dynamik und Räumlichkeit


In Sachen Dynamik und Lautstärke spielt er bereits mit einen nur 32 Ohm am Smartphone und einfachen DAPs Dank seines Wirkungsgrades von 103dB/mW sehr gut auf und gewinnt mit einem DAP wie einem Fiio M11 oder iBasso DX160 noch etwas an Plastizität. Die räumliche Abbildung ist beim Phoenix nicht ganz so ausgeprägt, wie ich sie mit einem offenem Kopfhörer erwarte. Das ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass der Phoenix tatsächlich auf mich eher einen halboffenen Eindruck hinterlässt, denn was die Schallabgabe nach außen angeht, ist er ein absoluter Leisetreter und kommt da schon ein einen geschlossenen Kopfhörer heran. Der Phoenix kann also auch im Freien unterwegs gut genutzt werden.



· Klangfazit


Unterm Strich gefällt mir der SiVGA Phoenix mit elektronischer Musik, Chill-Out und Instrumental sehr gut, da spielt er sehr intensiv. Mit Musik aus meiner Jugendzeit gefällt er mir sogar noch einen Hauch besser, denn das damals gängige Mixing erhält mit dem Phoenix eine Auffrischung. Da ist es ähnlich wie beim Ansehen von Filmen oder beim Zocken am Computer, da geht dann die Post ab.
Klassik würde ich mit dem Phoenix nicht unbedingt hören, dafür ist er tatsächlich nicht authentisch genug abgestimmt. Da ist er mir im Mittenbereich nicht präsent genug.
Alle anderen Genres sind jedoch gut hörbar. Sind Songs bereits spaßig abgestimmt, verstärkt das der SiVGA Phoenix weiter, was dann bei Stimmen und Instrumenten zu einem leicht verhangenem Eindruck führen kann.

Ich tendiere dazu, zu sagen, dass der SiVGA Phoenix ein musikalischer Schönfärber ist, der mit Musik aus den 70er, 80er und 90er Jahren gut zu kombinieren ist.



4. Hörproben


Beim Hören Querbeet durch die Miniklangwunder-Playliste auf Spotify hat mich dessen Wiedergabe alter Rock-Songs aus meiner Jugend am meisten beeindruckt. So habe ich am Stück die Bon Jovi “Crossroads” nach Jahren das erste Mal wieder komplett durchgehört. Ich kann mich nicht erinnern, “Prayer94” jemals so zufriedenstellend abgestimmt gehört zu haben.

Auch bei Pink Cream 69 “One Size Fits All” liefert der SiVGA gut ab. Tatsächlich dürfte es auch hier ein wenig mehr Energie im Gesang und bei den E-Gitarren sein, damit speziell diese Songs noch etwas mehr nach vorne gehen. Aufgrund der warmen Abstimmung sind Details in den Mitten nicht unmittelbar zu erhören, was aber auf er anderen Seite den Phoenix zu einem Kopfhörer macht der über Stunden gehört werden kann, ohne dass er mich akustisch überfordert.

Mit Haywyre und “Panorama: Discover Remixes” zeigt der Phoenix eine weitere Stärke im elektronischen Bereich. Diese Musik ist defintiv der komplexeren Gattung zuzuordnen, was nicht alle Kopfhörer anstandslos in der Lage sind zu reproduzieren. Der SiVGA Phoenix meistert das wunderbar und sowohl Dynamik als auch Trennschärfe passen sehr gut.



5. Fazit


Wie ich schon schrieb, ist der SiVGA Phoenix ein Kopfhörer, der eher für kleine und mittlere Kopfgrößen geeignet ist. Trotzdem gefällt er mir hinsichtlich Design und Konstruktion sehr gut und verfügt über einen guten Tragekomfort.

Klanglich ist der Phoenix kein Allrounder, das sollte jeder Interessent bedenken. Wer entspannt Musik mit einem ordentlichen Schub Bass und scheinenden Höhen hören möchte und im Mittenbereich keine besondere Betonung erwartet und das auch sucht, bekommt mit dem Phoenix einen Kopfhörer der passen könnte, ohne dass er aber ein Überflieger ist.

Für 265€ liefert SiVGA einen tollen, warm abgestimmten und gut konstruierten Kopfhörer ab.


6. Bewertung


  • 92%
    Tiefbass - 92%
  • 92%
    Bass - 92%
  • 86%
    Mitten / Stimmen - 86%
  • 86%
    Mitten / Instrumente - 86%
  • 86%
    Obere Mitten - 86%
  • 90%
    Brillanz / Hochton - 90%
  • 88%
    Auflösung / Transparenz / Separation - 88%
  • 92%
    Dynamik - 92%
  • 86%
    Räumlichkeit - 86%
  • 94%
    Design / Konstruktion / Verarbeitung - 94%
  • 92%
    Tragekomfort - 92%
  • 94%
    Preis / Leistung - 94%
89.8%

7. Video & Galerie

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Klangfreund"M"

Mark: gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Hifiman Ananda, Denon AH-D7200; Stax L700 Pro; InEars: Fiio FH07, Fiio FH01s; DAPs: iBasso DX220 Max, Fiio M15, Shanling M0