IKKO OH10 Obsidian im Test – Pure Energie

Neben dem OH1, genannt “Meteor”, bietet IKKO als zweites Produkt den OH10 an, den “Obsidian”. Optisch und technisch sind sich beide Hybrid-InEars sehr ähnlich. Beim OH10 wurde jedoch statt Aluminium Kupfer verwendet und das Gehäuse technisch aufwändiger gestaltet. Wie sich diese Änderungen auswirken, das erfährst du in diesem Test.

fast wie echte schwarz glänzende Obsidian Steine


Vorwort


Bereits im letzten Jahr hatte ich in der Rubrik “Aus dem Reich der Mitte” das erste InEar-Modell von IKKO, den Meteor, getestet. Damals habe ich ihn aus China erhalten. Der OH1 beeindruckte mich mit seinem tiefen und bebendem Bass, jedoch waren dessen Mitten etwas zu zurückhaltend. Im Hochton spielte er sehr angenehm, schaffte es aber nicht im Bereich der Feinzeichnung zu brillieren. Der komplette Artikel zum IKKO OH1 ist hier nachzulesen.

Mittlerweile ist IKKO auch direkt hier in Deutschland erhältlich, was natürlich der Lieferzeit und der Gewährleistung für den Käufer zu Gute kommt. Diese Tatsache vereint mit den durchweg positiven Feedback im Netz zum IKKO OH10 hat mich nun auch auf ihn neugierig gemacht.


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Mein Dank geht an Carsten Hicking für die freundliche Unterstützung der Leihstellung des IKKO OH10 Obsidian.
Er hat mit AudioNext den Vertrieb von IKKO im deutschsprachigen Raum übernommen und somit sind sowohl der Meteor für 149€ als auch der Obsidian für 239€ quasi “lokal” über seinen Online-Shop Audiodomain.de bestellbar.


Design & Verpackung


Hinsichtlich der Gehäuseform gleichen sich IKKO OH1 und OH10 wie ein Ei dem anderen. Das ist hinsichtlich der Ergonomie im Ohr sehr gut, denn der Obsidian birgt somit keine Überraschungen. Für mich war bereits der Tragekomfort des Meteor sehr gut.
Beim OH10 ist allerdings die Oberfläche in einem spiegelndem Schwarz-Metallic lackiert, wodurch die Benennung “Obsidian” durchaus passend ist. Schon mit der Gestaltung der Verpackung, mit einem im fernöstlichen Manga-Stil bedruckte Umkarton, in welchen sich quer eingeschoben eine Klappbox befindet, wird ein besonderer Inhalt erwartet.

Neben der Präsentation der in dunkelgrauem Schaumstoff eingebetteten Gehäuse fällt der Blick weiter unten auf eine hellbraune Ledertasche. Sehr hübsch anzusehen. In der Tasche befindet sich das Anschlusskabel und in der zweiten Ebene der Verpackung sind die üblichen Dokumente und 6-Paar Silikon-Tipps zu finden.


Die Verarbeitung sowohl der Gehäuse des Obsidian als auch des Anschlusskabels ist insgesamt hervorragend. Der Obsidian fühlt sich schon beim Herausnehmen ob seines überraschend hohen Gewichts von je Gehäuse 33gr sehr hochwertig an.

Ein Obsidian ist für seinen Träger nicht nur ein Schmuckstein, sondern in der Heilkunde werden ihm besondere energetische Eigenschaften zugesprochen, die Blockaden im Energiefluss des Trägers lösen und das innere Sehvermögen erhöhen sollen.
Da bin ich gespannt, in wie weit hier die Brücke zur musikalischen Darbietung besteht. 🙂


Technik


Der IKKO OH10 Obsidian ist im Prinzip ein OH1 mit technischer Überarbeitung. Der Einsatz von massiven Kupfer als Material und einer Platinbeschichtung im Innenbereich sollen die Klangtreiber nun optimal unterstützen. Der präzise ausgearbeitete Innenraum soll ungute Reflexionen auf ein absolutes Minimum reduzeiren und somit eine perfekte Klangreinheit garantieren. Dieses Gehäusekonzept hat aber auch ein erhöhtes Gewicht zur Folge, denn Gehäuse aus massiven Kupfer sind deutlich schwerer als Aluminium-Gehäuse. Mit 33gr gehören die IKKO OH10 mit zu den schwersten InEar-Kopfhörern, die ich bislang in meinen Händen und in meinen Ohren hatte. Das wird der einen oder anderen Hörer*in sicherlich zu schwer sein, denn der IKKO OH10 ist stehts im Ohr zu spüren. Trotzdem kann ich aus meiner Sicht Entwarnung geben, denn der Obsidian sitzt dennoch sehr angenehm und gut fixiert im Ohr.

OH10 am Smartphone


Mit nur 18 Ohm Impedanz lassen sich diese Schwergewichte jedoch auch mit einem Smartphone problemlos antreiben. Das Kabel entspricht mit 1,2m Länge dem üblichen Standard und ist mit einem 3,5mm Stereo-Klinke-Stecker ausgestattet. Am OH10 wird das Kabel mittels 2-Pin-Stecker angesteckt.


Akustische Reproduktion


Wie auch der kleine Bruder spielt der IKKO OH10 weit weg von neutral. Er macht mir schon in den ersten Minuten einfach Spaß. Das werde ich natürlich noch konkreter beschreiben, doch zuvor möchte ich noch ein paar allgemeine Dinge abhaken.
Technisch spielt der OH10 einwandfrei. Ja, er ist gesoundet. Ja, er betont den Bassbereich. Er spielt gelassen und warm. Nein, er ist kein Basshead und nein, er ist kein detailverliebter Analytiker.


Klang Allgemein


· Bass


Bässe werden sehr tief und Tiefbässe auch etwas angehoben wiedergegeben. Dadurch bekommt er eine energisch, dunkle Note. Stimmen erscheinen dennoch sehr klar, wenn auch etwas satter dargestellt als mit eher neutral abgestimmten Kopfhörern. Trotzdem werden die Mitten vom Bass nicht überdeckt, allenfalls wirft er leichte Schatten.

· Mitten


Als Ausgleich schließen sich dann aber der obere Mittenbereich und der Hochton an, welche ein akustisches Gegengewicht darstellen und die dunkle Abstimmung auffrischen. Gesang und Instrumente werden ebenfalls kraftvoll präsentiert, drängen sich jedoch nicht in den Vordergrund.

· Hochton


Der OH10 schafft es trotz schwerem Unterbau leichtfüssig zu bleiben. Der Hochton setzt helle Akzente und verleiht dem Obsidian seinen Glanz, wobei jedoch je nach Titel der letzte Schuss Spritzigkeit fehlen kann.


· Darstellung


Eine Stärke des Obsidian ist es, dass er trotz seiner druckvollen Abstimmung stets kontrolliert und durchhörbar spielt. Die dabei aufgespannte Bühne ist nicht allzu breit. Die Tiefenstaffelung passt im Verhältnis und einzelne Instrumente und Stimmen lassen sich im so aufgespannten Raum gut orten.

· Klangfazit


Ganz im Sinne eines Obsidian-Steines mit dem ihm nachgesagten heilenden Kräften, löst auch der IKKO Obsidian positive Reize mit seiner energetisch musikalischen Darstellung aus. Man hört und spürt regelrecht seine Energie und trotzdem fokussiert er sehr schön auf Gesang und brillanten Akzenten. Allenfalls im direkten Vergleich zu neutral abgestimmten Kopfhörern klingt der OH10 gelgentlich etwas verhangen. Ich möchte das aber eher als relaxte Spielweise bezeichnen, denn der Obsidian lässt mich auch nach mehreren Stunden nicht ermüden. Er macht leise wie laut gespielt eine gute Figur.


Hörproben

· Lindsey Webster “Only you”


Der Obsidian spielt grundsätzlich sehr kraftvoll und kommt gut mit diesem Song zurecht. Gleich zu Beginn macht der druckvolle Bass klar, wo die Reise hingeht. Die Klaren Akzente im Hochton schaffen sofort ein Gleichgewicht. Der Gesang überrascht mich positiv, denn ich hatte ihn deutlich mehr im Hintergrund erwartet, stattdessen fügt er sich hervorragend ins Gesamtbild ein. Allerdings verleiht der Obsidian gerade Frauenstimmen eine gelegentlich auch zu unechte dunkle Färbung. Insgesamt wird der Song aber sehr lebhaft wiedergegeben.

· Daft Punk “Doin’ it right”


Der IKKO OH10 schreit geradezu nach Songs mit mächtigem Tiefbass. Den bekommt er bei “Doin’ it right” mehr als vielen Kopfhörern lieb ist. Doch kein Problem für den Obsidian. Die tiefen Bässe werden energetisch war und doch druckvoll wiedergegeben. Wo andere Kopfhörer ihre Schwachstellen entblößen, zieht der OH10 richtig durch. Die Bässe werden betont und doch präzise wiedergegeben. Auch überschatten sie nur unwesentlich in den Mittenbereich. Doch bei dieser Art Musik fällt die leich dunkle Färbung von Gesang nicht auf. Obere Mitten und Hochton werden erneut souverän wiedergegeben und ich kann nichts finden, was ich hier zu bemängeln hätte.

· Haywyre “Square One – Glacier Remix”


Electrobeats vom Feinsten, wie für den Obsidian gemacht. Hier geht der IKKO sofort nach vorne. Der komplette Song ist ein Feuerwerk von Energie und es macht einfach Spaß, den OH10 einfach deutlich über Zimmerlautstärke zu betrieben. Dabei bleibt er Kontrolliert und baut mächtig Druck auf. Am Ende verabschiedet sich der Song mit einem voluminösen Nachbeben, das ich so bisher nur selten gehört habe.

· Oscar Peterson Trio “You look good to me”


Wow… Spannend, was der OH10 mit diesem Stück macht. Auch wenn alle Instrumente etwas gepusht klingen, arbeitet der Obsidian alle Einzelheiten gut Heraus. Noch nie hat ein Kontrabass so kraftvoll und zugleich trotzdem authentisch gespielt. Hinzu kommen die Becken vom Schlagzeug, die klar und prägnant klingen, ohne zu scharf zu sein. Das Klavier spielt ebenfalls stets kontrolliert ohne den oftmals etwas metallischen Anstrich. Das macht der IKKO OH10 Obsidian insgesamt sehr gut. Wobei er immer sehr dynamisch und agil klingt. Daran muss man sich gewöhnen, denn jedes Lied wirkt mit ihm, als sei es irgendwie remastert.

· Sonstige

In der Tat habe ich noch deutlich mehr Lieder aus den unterschiedlichsten Genres mit dem IKKO OH10 gehört. In keiner Kategorie leistet er sich einen Totalausfall. Klassik ist allerdings der Bereich, den ich beim OH10 tatsächlich eher am Ende der Skala für authentische Reproduktion sehe. Alles was bereits kräftig gemastert ist, spielt dem Obsidian absolut in die Karten.


Fazit


Der IKKO OH10 ist ein technisch hervorragender und gleichermaßen spaßig abgestimmter InEar-Kopfhörer, der stundenlanges Musikhören zulässt und den Fuß mitwippen lässt. Bei sehr guter Isolierung eignet er sich auch für die Nutzung außerhalb von geschlossenen Räumen. Der Obsidian spielt mitreißend und energetisch, präsentiert Stimmen und Details sehr gut, wenn er auch kein Feingeist ist. Einzig klassische Musik sehe ich mit ihm nicht als bevorzugtes Genre. Für alle anderen Musikrichtungen ist er absolut zu gebrauchen, wobei mir Elektronik und Chillout noch vor Jazz am besten gefallen.

Unterm Strich: Der IKKO OH10 “Obsidian” ist Pure Energie!


Bewertung


  • 94%
    Tiefbass - 94%
  • 92%
    Bass - 92%
  • 92%
    Mitten / Stimmen - 92%
  • 92%
    Mitten / Instrumente - 92%
  • 92%
    Obere Mitten - 92%
  • 92%
    Brillanz / Hochton - 92%
  • 92%
    Auflösung / Transparenz - 92%
  • 92%
    Räumlichkeit / Separation - 92%
  • 96%
    Dynamik - 96%
  • 96%
    Design - 96%
  • 98%
    Verarbeitung - 98%
  • 98%
    Konstruktion - 98%
  • 94%
    Tragekomfort - 94%
  • 90%
    Preis / Leistung - 90%
93.6%

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Klangfreund"M"

Mark: gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Hifiman Ananda, Denon AH-D7200; Stax L700 Pro; InEars: Fiio FH07, Fiio FH01s; DAPs: iBasso DX220 Max, Fiio M15, Shanling M0