Cambridge Audio Melomania 1 im Test – TWS mit sehr gutem Klang und langer Laufzeit

Nach einiger Zeit habe ich wieder einmal TWS InEars im Test. Einer von diesen besitzt eine eher eigenwillige Form und kommt mit sehr interessanten Technischen Daten daher. Nun ist Cambridge Audio als Hersteller von Audio-Equipment nicht unbekannt und präsentiert mit den Melomania 1 den ersten eigenen True Wireless InEar Kopfhörer.

Wie der sich in den letzten Wochen geschlagen hat, das erfährst du hier…




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Die Melomania 1 wurden mir von Cambridge Audio als Testgeräte zur Verfügung gestellt.

Lieferumfang


Diesen Punkt kann ich recht knapp halten, denn neben dem Ladecase und den TWS InEars selbst befinden sich das obligatorische Ladekabel, 3 Paar Silikon sowie 1 Paar Memory-Foam Tips und die übliche Papierdokumentation im Lieferumfang.

Optional erhältlich: Silikon Cases in 6 verschiedenen Farben



Design & Verarbeitung


Die InEar Kopfhörer sowie das Gehäuse sind sehr gut verarbeitet. Die Tasten haben einen gut gewählten Druckpunkt, dessen Widerstand jedoch leicht genug ist, so dass der Druck im Ohr nicht zu stark weitergegeben wird. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Detail. Die Gehäuse der Melomania 1 sind als Zylinder ausgeführt und werden ohne Auflage in der Ohrmuschel senkrecht in den Hörkanal eingesetzt. Was das hinsichtlich des Tragekomforts auch bei der Bedienung bedeutet, dazu komme ich noch.
Die Kunststoffgehäuse sind frei von Oberflächenfehler oder irgendwelchen Bearbeitungsrückständen.
Das Case besteht ebenfalls aus Kunststoff und ist im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern sehr klein. Das Scharnier des Deckels funktioniert sehr gut und bietet eine ordentliche Spannung. Angst, dass es irgendwann klappert oder sich in der Hosentasche öffnen könnte, ist aus meiner Sicht unbegründet. Der Akkustand wird beim Öffnen des Deckel mittels 5 weiß leuchtender LEDs angezeigt.


Technik


Trotz der kompakten Bauart des Gehäuses und der InEars selbst gibt Cambridge Audio eine Spielzeit von bis zu 9 Stunden an, welche in Kombination durch Nachladen im Case auf 36 Stunden erhöht werden kann. Nachgeladen wird via Micro-USB. Das Case ist innerhalb von knapp 3 Stunden komplett aufgeladen, die InEars selbst benötigen dazu etwas über eine Stunde.
Als Bluetooth Verbindung kommt Bluetooth 5.0 zum Einsatz. Die Verbindung geschieht in höchster Qualität entweder via aptX oder AAC und als Rückfallebene wird SBC (in sehr hoher Qualität) angeboten. Bei Telefonaten kommt eine sehr gut funktionierende Geräuschunterdrückung zum Einsatz sowie eine Technik zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit. Auch dazu später mehr.
Für den Schallwandler kommt Graphene zum Einsatz. Mit diesem extrem dünnem, stabilem und leichtem Material sind beste Ergebnisse bei der dynamischen Klangerzeugung möglich. Schnelle und tiefe Bässe werden ebenso präzise erzeugt wie ein brillanter Hochton.
Technisch ist der Cambridge Audio absolut auf dem Stand der Technik.

Die Steuerung wurde durch Tasten realisiert, was aufgrund der kleinen Gehäuse sicherlich besser ist als eine Touch-Bedienung. Fehlbedienungen beim Einsetzen gibt es jedenfalls durch die mechanischen Tasten nicht.
So ist es egal, welche der Tasten gedrückt wird, das ist immer Play/Pause. Rechts einzeln gedrückt wird ein Lied vorangeschaltet und lange gedrückt erhöht sich die Lautstärke des Melomania 1. Links ist es dann genau umgekehrt.



Tragekomfort


Im unten verlinkten Video bin ich im Detail auf den Tragekomfort eingegangen, der allein durch seine Gehäuseform für viele Nutzer*innen optimal sein dürfte, da kein Material im Ohr zusätzlich anliegt. Durch dein Einführwinkel bedingt drückt jedoch ein Gehäuse bei mir latent an einer Stelle, was nach etwa einer halben Stunde anfängt, sich bemerkbar zu machen. Eine angenehmere Position lässt sich dann jedoch mit einem kleinen Dreh herstellen. Manchmal reicht auch schon ein leichter Druck am Gehäuse. Apropos Druck; wie bereits angedeutet stellt das Bedienen der Tasten kein Problem dar. Da die Melomania 1 nicht innerhalb der Ohrmuschel anliegen, stellt der Sitz im Hörkanal den einzigen Widerstand dar, der jedoch im Einklang mit der Kraft ist, die für einen Tastendruck benötigt wird. Zumindest ist das bei mir der Fall.

Trotz eines Gefühlt perfekten Sitzes ist es manchmal nötig, die Melomania 1 während Musik läuft leicht zu korrigieren. Das macht sich dann bemerkbar, indem der Bassbereich voller wird. Mit optimalen Sitz klingt der InEar recht betont im Bass, was aber gerade draußen im Freien kein Problem ja sogar gewünscht ist. Wenn ich drinnen Musik höre, dann ist der Seal beim einfachen einsetzen absolut zu empfehlen. WEr sich um das Detail des situationsbedingten Sitzes keine Gedanken machen möchte, nutzt einfach die mitgelieferten Memory-Foam Tips, denn die sitzen immer gleich. Durch ihre Materialbeschaffenheit ist der Bass immer gleich kontrolliert, wird aber nie so betont wiedergegeben wie bei der Nutzung mit Silikonen.

Unterm Strich ist der Tragekomfort egal mit welchem Tip gut bis sehr gut, je nach individueller Geometrie der Ohren, in denen er genutzt wird.


Klang



Musikwiedergabe

Klanglich ordne ich den Melomania 1 über den von mir bisher getesteten TWS unter 100€ ein. Ich habe mich entschieden, die Nutzung mit den Memory-Foam für die Klangbeschreibung zu wählen, da mit ihnen die Abdichtung am unkritischsten ist.

Der Bassbereich wird ab 30Hz wiedergegeben und hat einen leicht betonten Oberbass bei etwa 130Hz, was die Musik etwas nach vorne Treibt. Bei Jazz ist mir das jedoch manchmal etwas zu viel bzw. erhalten eigentlich insgesamt gleichlaute Notenläufe bei Kontrabässen oder Klavier eine unnötige Lautstärkebetonung. Schlagzeuge profitieren aber oft davon, so klingt Rock oder Metall sehr schön energetisch mit den Melomania 1.
Stimmen und Instrumente werden gut präsentiert, wobei das Highlight die sehr schöne Trennung der Details ist. Das wird bis in die obersten Höhen fortgesetzt. In den oberen Mitten fehlt ein Hauch Betonung, durch die der Melomania 1 noch etwas an Frische gewinnen würde. Bei sowieso schon sehr relaxt abgemischten Liedern hat er eine leichte Tendenz verhangen zu klingen.
Bei Alben, die sehr gut gemastert sind, wie beispielsweise “Tool – Fear Inoculum” kommen die Melomania auf den Punkt. Dabei ist zu hören, dass die Trennschärfe, die Detailwiedergabe und die tonale Balance auf einem sehr guten Oberklasse-Level sind. Für ein Referenz-Level reicht es allerdings nicht.


Telefonie

Im Bereich der Telefonie zählen die Melomania 1 hingegen absolut zur Referenzklasse. Denn ich habe während meiner gesamten Testdauer nicht einmal die Frage gehört, ob ich nicht mal auf das Telefon wechseln könne. Auch die Verständlichkeit der Gesprächpartner*innen ist absolut klar gegeben. Hinzu kommt die Laufzeit der Melomania 1, die für mich beim Telefonieren deutlich wichtiger ist als beim Hören von Musik. So konnte ich bereits mehrstündige Telefongespräche führen, ohne nachladen zu müssen. Ein weiterer Vorteil der Melomania ist, dass beide Seiten Master sein können und für ein Telefonat problemlos auch der linke oder rechte Hörer einzeln benutzt werden kann. Selbst ein Wechsel von links zu rechts ist während des aktiven Telefonats jederzeit möglich. Hier liegen die Melomania 1 definitiv auf dem Niveau der AirPods, die bisher für mich in dem Bereich die Referenz markieren.



Kurzvergleich – Melomania 1 vs. AirPods 1


Mit einem aktuellen Preis von 99€ zu knapp 129€ lassen sich beide Kandidaten gut miteinander vergleichen.
Die AirPods werden ohne besondere Abdichtung einfach in das Ohr eingehängt. Klanglich spielen die ausgeglichen und es mangelt ihnen an energischem Tiefbass. Sie bieten eine gute Auflösung sowie transparente Mitten und Höhen. Der Bassbereich ist bei ruhiger Umgebung angemessen.
Die Melomania 1 sind insgesamt, durch den deutlich energischeren Bass und auch die für InEars typische Abdichtung und der damit verbundenen Geräuschisolierung, gefühlt dunkler abgestimmt. Sie spielen deutlich relaxter, bringen aber ebenfalls eine gute Auflösung mit. Im Bereich was “offenem Klang” und Transparenz angeht, haben die AirPods die Nase vorn. Dafür machen die Melomania 1 insbesondere in belebteren Umgebungen einen deutlich besseren Job, ohne dass diese bis zur Maximallautstärke gebracht werden müssen. Diese ist nebenbei erwähnt auf Höhe der AirPods, wirkt durch die bessere Abdichtung jedoch deutlich lauter. Die Melomania 1 machen auch dadurch bedingt etwas mehr Druck und spielen gefühlt dynamischer.



Fazit & Bewertung


Für gut 99€ macht der Melomania 1 von Cambridge Audio einen absolut empfehlenswerten Job. Insbesondere wer viel telefoniert und sich keine Gedanken um den Akku machen möchte, wird nicht enttäuscht. Klanglich erhält man gute bis sehr gute Oberklasse und ist damit insbesondere unterwegs absolut bestens bedient. Der Melomania 1 spielt eher relaxt und warm auf als er Musik in Scheiben zerlegen würde. Dennoch bietet er eine sehr schöne Detaillierung und Transparenz.
Was Cambridge Audio an Leistung, Spieldauer und Klang in diese kleinen Gehäuse hineingepackt hat, das ist absolut bemerkenswert.

Wenn es um BT InEars geht, gibt es von mir gibt es einen dicken Daumen nach oben!

Bewertung

  • 90%
    Tiefbass - 90%
  • 90%
    Bass - 90%
  • 92%
    Mitten - 92%
  • 94%
    Brillanz / Hochton - 94%
  • 90%
    Dynamik - 90%
  • 88%
    Räumlichkeit - 88%
  • 98%
    Design / Verarbeitung - 98%
  • 98%
    TWS-Funktion / Bedienung - 98%
  • 90%
    Tragekomfort - 90%
  • 90%
    Preis - 90%
92%

Video & Galerie

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0