RME Audio ADI-2 DAC im Test – Kompakter und kraftvoller Klangkünstler

Nach dem Erfolg des ADI-2 Pro hat RME Audio mit dem ADI-2 DAC einen reinen DAC-Kopfhörerverstärker im wichtigen Preissegment unter 1.000 € platziert, der es in sich hat. Dieser bringt nicht nur einen hervorragenden DAC und ordentliche Verstärkerleistung, sondern auch etliche Zusatzfunktionen mit, die ihn zum audiophilen High-End-Schweizer Taschenmesser in Sachen Klangreproduktion machen.

 

An dieser Stelle geht mein herzlicher Dank an die Audio AG, die mir den ADI-2 DAC leihweise zur Verfügung gestellt hat. Selbst nach geraumer Zeit habe ich noch gar nicht alle Möglichkeiten des Kopfhörerverstärkers ausschöpfen können.

 

Inhalt

  1. Verpackung & Lieferumfang
  2. Technische Daten
  3. Haptik & Handhabung
  4. Produktsupport
  5. Nur für Tech-Nerds oder auch für audiophile Geniesser?
  6. Vom ADI-2 Effekt – alternativ audiophiles High-End
  7. Was macht den ADI-2 DAC so besonders?
  8. Die Leistungsfähigkeit des ADI-2 DAC
  9. Die klanglichen Eigenschaften des ADI-2 DAC
  10. Fazit & Bewertung
  11. Galerie

 

1. Verpackung und Lieferumfang

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Der ADI-2 DAC wird in einem recht schlichten Karton geliefert. Im Lieferumfang befindet sich neben dem Gerät selbst eine Bedienungsanleitung, eine Infrarot Fernbedienung, das Netzteil und ein USB-Kabel, um den ADI-2 DAC direkt am Computer betreiben zu können. Der ADI-2 DAC wird durch Schutzfolie und aufgeschäumte Seitenschalen geschützt. Ein Upgrade auf die aktuelle Firmware lohnt sich, denn es werden teilweise noch Geräte ausgeliefert, die sonst zumindest unter Windows 10 noch die manuelle Installation eines Treibers benötigen.

 

2. Technische Daten

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An dieser Stelle nenne ich nur ein paar Eckdaten zum ADI2-DAC. Das Auflisten der vollständigen Liste erspare ich mir an dieser Stelle und verweise direkt auf die Seite der Audio AG.

Eingänge: USB, SPDIF Coax & Optisch

Ausgänge: 2x Kopfhörer unbalanced, Line Out unbalanced, XLR symmetrisch

Ausgangsimpedanz Kopfhörer: 0,1 Ohm

Leistung: max. 1,5 Watt je Kanal (IEM 40mW bei 32 Ohm)

Rauschabstand: mind. 115 dB

Leistungsaufnahme: max. 18W, Leerlauf 7W, Standby 120mW

Abmessungen: 215 x 52 x 150 mm

Gewicht: 1kg

 

3. Haptik & Handhabung

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Auch wenn mir die technischen Daten klar waren, bevor ich das Gerät überhaupt in der Hand hatte, hat mich nach dem Auspacken die Größe des ADI-2 DAC doch ziemlich überrascht. Er ist nicht größer als eine Zigarrenkiste und wiegt gerade einmal knapp 1 kg. Schon deswegen möchte ich ihn sogar als mobil bezeichnen. Im Urlaub hat er problemlos in einen für Hotelzimmer üblichen Schranksafe Platz gefunden. Selbst sein Netzteil und andere hochwertige und wichtige Dinge lassen sich noch mit im Safe verstauen. Soviel als Info, um plastisch die geringe Größe des ADI-2 DAC darzustellen.

ADI-2 DAC im Größenvergleich von unten nach oben: Questyle CMA400i, Objective 2 AMP, ifi xDSD

Insgesamt ist der ADI-2 DAC sehr gut verarbeitet. Als Designerstück würde ich ihn nicht unbedingt bezeichnen, dennoch gefällt er mir mit seinem eher technisch ausgerichtetem Design im dunklen Gewand sehr gut.

Insbesondere die Möglichkeit, alle Licht emittierenden Elemente, LEDs sowie Display, während des Betriebs nach einigen Sekunden ausschalten lassen zu können, ist eine tolle Funktion. Das würde ich mir grundsätzlich bei jedem Gerät wünschen. Ist er im Standby, so leuchtet um den Einschalt-Taster ein dezent roter Ring.

Alle Tasten und Drehregler lassen sich sehr gut bedienen. Die zugleich als Taster ausgelegten Drehregler sind frei von Spiel und verfügen über einen angenehmen Drehwiderstand mit feiner Rasterung ebenso wie über einen klar definierten Druckpunkt. Auch die Stecker-Buchsen sowohl an der Front als auch die rückwärtigen Anschlüsse bieten jeweils einen ordentlichen Widerstand beim Einstecken und haken mit keinem von mir benutztem Stecker. Beim ADI-2 DAC werden alle Einstellmöglichkeiten durch ein ordentliches Matrix-Display dargestellt, welches auch im Winkel betrachtet gut ablesbar ist. Die Reaktion auf Betätigung der Bedienelemente geschieht unverzüglich und die Visualisierung ist sehr gut gelungen. Die Haptik des ADI-2 DAC ist auf sehr hohem Niveau.

In Sachen der Handhabung gilt es allerdings hinsichtlich der Nutzung der verschiedenen Menüs sich das Bedienkonzept von RME anzueignen. Wir haben hier natürlich kein Smartphone mit Touch-Funktion und so fällt im ersten Moment das Navigieren nicht ganz so leicht. Mit etwas Übung und Dank der mittlerweile von RME erhältlichen und hier verlinkten offiziellen Beispielvideos, geht die Bedienung jedoch schnell und einfach von der Hand.

Menüführung DAC

Menüführung EQ

Hat man die zugrunde gelegte Logik erkannt, dann ist die Handhabung insgesamt einfach. Die Bereitstellung dieser Videos führt mich auch direkt zum…

 

4. Produktsupport

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Der Produktsupport von RME ist sehr gut! So werden nicht nur Firmwareupdates und Treiber sowie auch Videos zur Handhabung online bereitgestellt, welche unter anderem das Ergebnis von Anfragen von Anwendern sind, sondern RME betreibt ein aktives Forum zu allen Produkten. Nutzer stellen ihre Fragen dort direkt an Entwickler und Wünsche werden dort aktiv andiskutiert. Daraus ergibt sich dann neben einer Fehlerbereinigung auch die Integration von Kundenwünschen, soweit das die Hardware und das Konzept zulassen. Es lohnt sich also immer mal wieder nach neuer Firmware für den ADI-2 DAC zu schauen und im Forum nachzulesen, was bereits alles in Diskussion ist. In meiner Testphase habe ich selbst festgestellt, dass selbst kleinste Kundenwünsche, die letztlich „nur“ das Handling optimieren, berücksichtigt werden. RME Mitarbeiter gehen recht kurzfristig auf Ideen ein und geben Rückmeldung, ob diese realisierbar sind oder nicht. Das alles nenne ich Sicherstellung von Kundenzufriedenheit. Toll!

 

5. Nur für Tech-Nerds oder auch für audiophile Geniesser?

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Ich muss gestehen, ich habe den ADI-2 DAC bzw. auch den PRO bis vor kurzer Zeit nicht so ganz ernst genommen, denn bisher stand ich stationären Geräten mit Klangregelung eher skeptisch gegenüber, habe ich in der Vergangenheit doch eher schlechte als gute Erfahrungen gemacht. So sollte ein ordentlicher Kopfhörerverstärker für mich möglichst puristisch sein und einfach einen hervorragenden Klang und eine ordentliche Verstärkung liefern können. Nicht mehr und nicht weniger.

Ob nun individuelle Einflussmöglichkeiten in 2018 audiophiles High-End ausschließen? Dazu muss ich ein wenig ausholen:

Zu Beginn meiner ernsthaften Kopfhörer-Karriere habe ich mit meinem 17 Zoll ASUS Notebook mit integriertem Soundsystem oft mit einfachen Kopfhörern Musik gehört und diese mit den nativen Möglichkeiten klanglich auch an meine Vorlieben so gut wie möglich angepasst. Irgendwann – mit Zunahme meines Bestandes an Kopfhörern – ist mir aber aufgefallen, dass der schon als bis dahin von mir gut bewertete Verstärker im Notebook bei weitem nicht perfekt war. Auch Software-Equalizer konnten meine Klangkette nicht weiter verbessern. Also habe ich mich auf die Suche gemacht, einen möglichst präzisen, kraftvollen und sehr gut klingenden externen Kopfhörerverstärker zu finden. Schon mit einem einfachen USB-DAC-KHV wurde der Klang bereits „transparenter“ und auch das zuvor hörbare Grundrauschen deutlich geringer. Doch in Verbindung mit neu hinzugekommenen IEMs, besonders InEars mit Balanced Armature Treiber sind oft recht sensibel, konnte auch diese Lösung nicht überzeugen. Über die Zeit hinweg habe ich dann einige Kopfhörerverstärker getestet. Nach Wochen und Monaten der Nutzung hat dann aber jeweils das nächst „bessere“ Gerät bei mir Einzug gehalten. So wurde aus dem anfangs kleinen, mobilen Gerät mit diversen Upgrades ein ordentlicher stationärer Kopfhörerverstärker. In diesem Punkt markiert bis heute der Questyle CMA400i als außergewöhnlicher Klangpurist mit reichlich Leistung und exklusiven Design meine persönliche Endstation.

Aber…

Mittlerweile gibt es für mich auch andere Gründe zum Wechseln. Immer mehr Hersteller integrieren zumindest für mich oft sinnvolle Funktionen und somit steht nicht mehr nur allein die Kernaufgabe des Verstärkers im Vordergrund, das Gesamtpaket muss stimmen. Im Bereich der akkubetriebenen mobilen Kopfhörerverstärker gibt es mittlerweile Geräte mit Bluetooth-Unterstützung genauso wie Geräte mit Möglichkeiten zur immer individuelleren Klangregelung. Aufgrund der immer besser werdenden Technik bin ich mittlerweile wieder an dem Punkt angelangt, meine Klangkette in Bezug auf Anpassung des Klanges selbst beeinflussen können zu wollen. Das jedoch ohne Kompromisse hinsichtlich Qualität der Klangreproduktion in jeglicher Art und Weise eingehen zu wollen. Und so hat der ADI-2 DAC erst über einem halben Jahr nach seinem Erscheinen mein Interesse auf den zweiten Blick geweckt.

 

6. Vom ADI-2 Effekt – alternativ audiophiles High-End

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Trotz meines elektrotechnischen Hintergrundes bin ich ein Verfechter von symmetrischen Endstufen. Nicht wegen des oft messtechnisch höheren Rauschabstandes, wohl aber wegen der strikten Kanaltrennung. Es gibt Verstärker, bei denen zwischen dem symmetrischen und unsymmetrischen Ausgang neben den oft um 3dB höher erreichbaren Lautstärkepegel auch bei bestimmten Musikstücken Unterschiede in Auflösung und Räumlichkeit zu hören sind. Ob das in diesen Fällen an unterschiedlichen Aufbereitungen für die Signalwege liegt und vielleicht auch gewollt ist, dass vermag ich nicht zu sagen. Verstärker mit symmetrischen Kopfhörerausgang überzeugt mich dennoch stets aufs Neue.

RME geht mit dem ADI-2 DAC einen anderen Weg. Es wird auf einen symmetrischen Ausgang für Kopfhörer verzichtet, stattdessen verfügt der ADI-2 DAC sowohl über einen zweiten Kopfhörerausgang, einen zusätzlich dedizierten IEM Ausgang mit 3,5mm Klinke Anschluss, als auch über diverse DSP Funktionen, mit denen nahezu alle Parameter der akustischen Ausgabe angepasst werden können, bis hin zu Veränderung der wahrgenommenen räumlichen Darstellung. Dazu kommt eine Hardware, die über alle Zweifel erhaben ist. Allein für die „normale“ Stereo-Aufbereitung gibt RME Messwerte an, die andere Hersteller nur im symmetrischen Betrieb erreichen.

 

Der separate IEM-Kopfhörerausgang macht zudem enorm Sinn, denn fast alle IEMs benötigen prinzipbedingt deutlich weniger Leistung als ein On- oder OverEar Kopfhörer. Dazu kommt, dass es einige InEar Kopfhörer gibt, die sehr sensibel auf die Ausgangsimpedanz von Verstärker reagieren oder bei höheren Lautstärken auch das Eigenrauschen eines Verstärkers hörbar machen. Selbst mit sehr sensible IEMs ist auf maximaler Lautstärke und einem zugespielten Null-Signal ist mit dem ADI-2 DAC kein Rauschen zu hören, zudem wird durch die absolut niedrige Ausgangsimpedanz des ADI-2 DAC kein IEM in seinem vom Hersteller vorgesehenen Frequenzgang beeinflusst. Lässt man den Kopfhörerverstärker flat ohne irgendwelche eingeschaltete Sonderfunktion spielen, werden sowohl am 6,3mm als auch am 3,5mm Kopfhörerausgang alle mit ihm betreibbaren Kopfhörer klanglich unverfärbt und absolut natürlich bedient. Schon an dieser Stelle bedient der ADI-2 DAC erstklassig alle Ansprüche, die generell an einen Kopfhörerverstärker der Referenzklasse gestellt werden.

Doch der ADI-2 DAC geht weit über dieses Ziel hinaus. Die bereits angesprochene Möglichkeit, als Anwender selbst in hohem Maße Einfluss auf das „Klangtuning“ nehmen zu können, wird sicherlich polarisieren.

 

7. Was macht den ADI-2 DAC so besonders?

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Natürlich ist der ADI-2 DAC „nur“ der „kleine Bruder“ des Pro. Er bringt im Prinzip dennoch alle Möglichkeiten des Pro mit, nur mit der Einschränkung keine analogen Signale zuspielen zu können. Der DAC bringt jedoch eine Fernbedienung mit und das alles zu einem Preis von 999 €. Allein das macht ihn schon besonders.

Im Vergleich zu Produkten anderer Hersteller sind die Besonderheiten der RME ADIs jedoch einige technische Features. Auf einige gehe ich im Folgenden konkret ein, mit denen ich mich in der Testphase intensiv beschäftigt habe bzw. beschäftigen konnte. Ich habe längst nicht alle Möglichkeiten des ADI-2 DAC erschöpfend testen können. Die Funktionen, die mich besonders beeindruckt haben, sind auch erst einmal die vermeintlich einfachen wie Loudness, Bass- und Höhenregelung, Crosstalk oder auch Anpassung der Räumlichkeit. Diese Funktionen werden nicht einfach nur ein oder ausgeschaltet, sie lassen individuelles Feintuning zu. Allein der optimale Abgleich der Loudness-Funktion dauert schon eine Weile, denn während dieses eigentlich rein technischen Vorganges ertappte ich mich immer wieder der Genussfalle des Probehörens immer wieder stundenlang zu erliegen.

Auch wenn ich bereits viele unterschiedlich abgestimmte Kopfhörer besitze, möchte ich hinsichtlich des Musikgenusses keine Kompromisse eingehen und je nach Stimmung darf es beispielsweise auch mal etwas mehr oder weniger Bass, prägnanterer Gesang oder auch ausgeprägter Hochton sein. Das möchte ich nun nicht mehr nur beeinflussen können, indem ich andere Kopfhörer benutze oder indem ich das Notebook als Zuspieler mit EQ nutze. Dem Wunsch, Klang nach meinem Gusto immer in gleicher Qualität unabhängig des Zuspielers verändern zu können, trägt der ADI-2 DAC Rechnung. Selbst per USB-2-Go Kabel am Android Smartphone ist er nutzbar.

Natürlich hätte ich das auch schon mit dem ADI-2 Pro haben können, doch a) bei seinem Erscheinen war ICH noch nicht so weit und b) meine selbst festgelegte Investitionsgrenze wird mit dem ADI-2 DAC nun nicht mehr überschritten.

 

8. Die Leistungsfähigkeit des ADI-2 DAC

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In diesem Bereich kann ich den technischen Daten meine Erfahrungen mit meinen eigenen Kopfhörern gegenüberstellen. Bei mir treibt der ADI-2 DAC alle meine vorhandenen Kopfhörer mit mehr als ausreichender Lautstärke an, was für mich konkret Discolautstärke und darüber bedeutet. Wenn noch viel höhere Lautstärken benötigt werden, muss sowieso nach anderen Boliden geschaut werden, denn weder der ADI-2 DAC noch der CMA400i sind nicht auf schwerst anzutreibende Kopfhörer ala HE560 getrimmt, sondern auf eine möglichst einwandfreie Klangreproduktion. Für Sonderfälle bedarf es immer noch Sonderlösungen. 😉

 

Dennoch, vom sehr einfach anzutreibenden Takstar 82 Pro, der sogar am IEM Ausgang genug Leistung erhält, über den Fostex TH-X00 und die Sennheiser Kopfhörer der 6er Reihe, egal ob 150 Ohm oder 300 Ohm Impedanz, bis hin zum schon relativ leistungshungrigen Magnetostaten AEON Flow Open oder dem Klassiker K240 von AKG schafft es der RME ADI-2 DAC alle bis über Discolautstärke über den 6,3mm Klinke-Ausgang anzutreiben.

 

Der extra für IEMs vorgesehene 3,5mmm Ausgang kommt auch mit meinem magnetostatischen iSine 10 sehr gut klar. Ebenso ohne Probleme lassen sich beispielsweise iBasso iT03 & iT01, Brainwavz B400 oder auch ein Fiio FH5 antreiben. Ungeachtet der unterschiedlichen Wirkprinzipien wie magnetostatisch, dynamisch oder Balanced Armatures macht der ADI-2 DAC keine Unterschiede was die möglich zu erreichende Endlautstärke angeht. Allein der Wirkungsgrad der Kopfhörer selbst wirkt hier limitierend.

 

9. Die klanglichen Eigenschaften des ADI-2 DAC

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Bis hierher dürfte dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein, dass ich auf den Klang des ADI-2 DAC im Prinzip noch nicht eingegangen bin. Spätestens jetzt sollte jedoch klar sein, dass er die Möglichkeit bietet, den Klang individuell beeinflussen zu können. Um das noch zu präzisieren: Es gibt sprichwörtlich unendlich viele Möglichkeiten das zu tun!

Eingangs hatte ich geschrieben, dass die integrierte Signalaufbereitung auf so hohem Niveau liegt, dass man von einem Kopfhörerverstärker nicht mehr erwarten kann. Auf die messtechnisch erfasste Präzision des DACs möchte ich nicht weiter eingehen, denn ob Nano oder Pico, hörbar sind diese Unterschiede nicht mehr. Eventuell gibt es dadurch Vorteile für die weitere Verarbeitung der Signale im schaltungstechnischen Sinn, das kann ich nicht bewerten.

Jedoch mit genau dieser Weiterverarbeitung bietet RME die Möglichkeit, den Nutzer nahezu überall Einflussnehmen zu lassen. Es gibt verschiedene digitale Filter, die bereits bei der Wandlung von Digital zu Analog auch in Nuancen hörbar wirken. Zudem gibt es einen parametrischen Equalizer mit der Möglichkeit, an 5 Punkten einzugreifen. Das ist dann schon für Fortgeschrittene gedacht, denn neben Frequenzbereich, Bandbreite, und Güte, ist auch die Wirkungsweise, ob z.B. Shelf oder Notch-Filter definierbar. Wer es einfacher mag, für den stehen eine Bass- und Höhenregelung zur Verfügung, welche allerdings auch noch nach obigen Prinzip individuell eingestellt werden können. Und für Leisehörer ist eine Loudnessfunktion integriert, die – wie soll es auch anders sein – ebenfalls komplett individuell abgestimmt werden kann, selbst die Grenzen ab und bis zu welcher Verstärkung sie wirken soll. Die Möglichkeiten zur Klangveränderung sind vom Nutzer bei Bedarf komplex definierbar. Daraus ergeben sich nahezu unendlich viele Möglichkeiten.

Hier ein Beispiele…

Ich nutze bisher nur die Loudnessfunktion, die ich mir nach meinen Geschmack eingerichtet habe, und die Bass- und Höhenregelung. Hier als Beispiel die Auswirkungen hinsichtlich der Klangkurven bei unterschiedlichen Lautstärken mit dem Focal Elex gemessen.

 

Der Parametrsiche EQ hat sich bei mir noch gar nicht beweisen müssen, dazu war dann auch einfach die Leihzeit zu knapp.

Wem es um eine intensivere Räumlichkeit oder mehr Transparenz geht, auch dafür hat RME Sorge getragen. Es gibt Einstellungsmöglichkeiten, die einen mitten im Kopf spielenden InEar klangtechnisch zu einem offenen OverEar Kopfhörer verwandeln. Noch nie habe ich meinen Focal Elex so räumlich gehört wie ich es mit einem AKG K701 erlebt habe.

Nutzt man alle diese Möglichkeiten, sollte tatsächlich nicht vergessen werden, die unterschiedlichen Settings für die Kopfhörer oder Abhörsituationen zu speichern, immerhin bietet der ADI-2 DAC dafür 20 Speicherplätze, um die Abstimmungen jederzeit schnell wieder laden zu können.

Es gibt noch deutlich mehr Optionen und Verwendungsweisen mit dem ADI-2 DAC. Diese alle zu beschreiben würde hier einfach den Rahmen sprengen. Schon jetzt ist mein Bericht ordentlich lang geworden und es wird Zeit mir wieder Zeit für das Hören mit dem ADI-2 DAC zu gönnen. 😉

 

10. Fazit & Bewertung

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Der ADI-2 DAC hat sich für mich sowohl als Allrounder als auch als Spezialist gleichermaßen dargestellt. Dadurch, dass er alle meine Kopfhörer inklusive meiner IEM perfekt bedienen kann, er klein, leicht und somit auf seine Art mobil ist und er zahlreiche professionelle Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Klangreproduktion mitbringt, lässt der ADI-2 DAC aktuell für mich keine Wünsche offen. Er hat während meiner Testphase bei mir sogar Begehrlichkeiten geweckt, die ich zuvor als solche gar nicht hatte. Am Ende des Testzeitraumes fällt mir auf, was mir fehlen wird. So mag ich an erster Stelle die geniale Loudness-Funktion gar nicht mehr hergeben. Die Einstellung der Räumlichkeit kommt gleich danach, die mich schon nach wenigen Tagen den symmetrischen Ausgang nicht mehr vermissen ließ. Die Fernbedienung rundet dann die Punkte ab, von denen ich gar nicht dachte, dass sie mir wichtig sein oder werden würden. 🙂

Und dennoch, trotz der nahezu unendlichen Möglichkeiten, den Klang individuell beeinflussen zu können, steht bei RME die bedingungslos optimale Klangreproduktion an erster Stelle. Ohne viel Aufwand lässt sich die zugespielte Musik auch „flat“, also ohne jede Einflussnahme geniessen.

Für wen der ADI-2 DAC im Design nicht zu technisch oder als stationärer Kopfhörerverstärker in Sachen Formfaktor nicht zu klein ist, wer besten Klang und individuelle Einstellmöglichkeiten sucht und selbst in der Ü-1.000 € Klasse Ausschau hält, der sollte unbedingt auch den ADI-2 DAC in die engere Wahl ziehen. Ich jedenfalls bin begeistert und denke sehr intensiv darüber nach, ihn mir im Nachgang dieses Tests selbst anzuschaffen.

 

Bewertung

11. Galerie

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0