Hifiman Sundara im Test – Audiophiler Einstieg in das offene OverEar-Segment

Hifiman stellt seit Jahren Kopfhörer mit magnetostatischen Flächentreibern her. Der Hifiman Sundara markiert den Einstieg in den Hifi-Bereich des bekannten Herstellers. Was vom Sundara aus meiner Sicht zu erwarten ist, das erfährst du in diesem Bericht…

hochwertige Verpackung des Hifiman Sundara
geliefert wird in einer hochwertigen Box



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Mein Dank geht an Justhifi, die mir beim Kauf des Sundara preislich einen Schritt entgegen gekommen sind.

Vorwort


Um den Hifiman Sundara bin ich tatsächlich einige Zeit herum geschlichen, denn ich konnte ihn unmittelbar nach seiner Veröffentlichung testen und er konnte mich dabei zunächst nicht überzeugen. Anfänglich wurde er für 499€ verkauft und hinsichtlich der Verarbeitungsqualität war ich damals mit diesem Testgerät nicht zufrieden. Auch klanglich war er mit deutlich zu hell im Ohr. Gegen meinen direkten Vergleichshörer, dem Hifiman HE-4XX von Massdrop für damals einem Drittel des Preises, konnte er nicht bestehen.
Etwas über zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung habe ich ihn jedoch noch einmal in einem Ladenlokal angehört – zugegeben, Grund war der nun offensichtlich auf 349€ dauerhaft reduzierte Preis – und mit der oben genannten Erfahrung war ich dann doch so überrascht, dass ich entschlossen habe, ihn zu kaufen. Da ich keinen Aussteller kaufen wollte, habe ich dann etwas später online “zugeschlagen” etwas später. Somit konnte ich ihn nun einige Monate intensiver testen, um jetzt meinen gefestigten Eindruck zu vermitteln.

Inhalt


1. Verpackung und Zubehör
2. Design & Verarbeitung
3. Konstruktion & Handhabung
4. Spielpartner & Spielfreude
5. Klang & Klangvergleich
6. Fazit & Bewertung


1. Verpackung & Zubehör


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Der Kopfhörer wird in einer zweiteiligen Schachtel aus dicker Pappe geliefert, welche mit bebildertem Druck rundherum versehen ist. In einer mit Stoff überzogenen Form liegen der Hörer selbst sowie ein etwa 1,5m langes 3,5mm-Klinke-Kabel. Die obligatorischen Dokumente dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Innenansicht der Verpackung



2. Design & Verarbeitung


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Die Optik des überwiegend dunkel gestalteten Kopfhörers empfinde ich durchweg als gelungen. Hinzu kommt das grobmaschige Gitter, das dem Sundara einen edlen Akzent verleiht. Die Cups mit den flachen Polstern und das schlanke Kopfband lassen den Kopfhörer noch leichter wirken, als er mit 372gr sowieso schon ist. Die Verarbeitung insgesamt ist (fast) frei von Kritik. Ich entdecke direkt aus dem Karton genommen an keiner Stelle irgendwelche Auffälligkeiten.
Jedoch zeichnet die Kopfbandverstellung leider typisch für Hifiman nach den ersten Verstellvorgängen auf der Oberfläche der Cuphalter-Elemente durch die Arretierungsfunktion Streifen, genauer gesagt entstehen Oberflächenkratzer. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt.

gut zu sehen: Oberflächenkratzer am Weitenmechanismus
gut zu sehen: Oberflächenkratzer am Weitenmechanismus



3. Konstruktion & Handhabung


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Hinsichtlich der technischen Umsetzung bin ich nicht so ganz überzeugt, denn die Cups selbst sind nur in der senkrechten Ausrichtung beweglich, die horizontale Anpassung muss über die starre Kopfbandkonstruktion erfolgen. Wer den Kopfhörer individuell bestmöglich einstellen möchte, der kommt nicht darum herum, die Y-Halter vorsichtig zu tordieren. Nur so konnte ich eine gleichmäßige Druckverteilung am Kopf erreichen. Ohne dem würden die Polster bei mir vor den Ohren schon nach kurzer Zeit massiv drücken und ein langes Hören verhindern. Wer vorsichtig das Material entsprechend verbiegt und anpasst, hat damit dann kein Problem mehr. Ideal ist das hinsichtlich der Anpassung allerdings, was sich auch in der Bewertung zeigt.

Leider gibt es somit in diesem Bereich die größten Punktabzüge. Wer jedoch damit leben kann und sich zutraut, den Hörer mechanisch anzupassen, darf am Ende zur Endnote 3 Prozent hinzuzählen, denn das entspricht der Endnote, hätte ich die Punkte “Konstruktion” und “Tragekomfort” mit 90% bewerten können. Das ist mir jedoch out-of-the-box nicht möglich.

4. Spielpartner & Spielfreude


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Der Hifiman Sundara wartet mit einem Wirkungsgrad von 94dB/mW auf, was trotz Impedanz von 37 Ohm einen potenten Zuspieler notwendig macht, um ihn auch kraftvoll antreiben zu können. An einem schwachbrüstigen Zuspieler wie ein Smartphone etwa, klingt der Sundara etwas dünn und kraftlos. Mit meinem Mi 9T Pro macht der Sundara jedenfalls keinen Spaß.. Der Sundara skaliert aber sofort mit einem Verstärker, der über das gesamte Frequenzspektrum hinweg eine konstant hohe Energie liefern kann. Die angegebene Frequenzwiedergabe im Bereich von 6Hz bis 75kHz kann ich natürlich mit meinen Ohren nicht nachvollziehen, da ist zumindest im Hochton bei knapp 16kHz mittlerweile bei mir Schluss. Auch messtechnisch steht mir keine Messtechnik zur Verfügung, die über 20kHz hinaus verlässlich abbildet. Bereits bei 10Hz ist ein sehr starker Roll off, so dass wahrscheinlich bei 6Hz der Treiber überhaupt erst beginnt zu arbeiten. Hören würde ich allerdings beides nicht können. 🙂
Schon am ifi Audio xCAN spielt der Hifiman Sundara ganz groß auf und profitiert zusätzlich bei Bedarf auch vom verfügbaren xBass.

ifi Audio xCAN, Hifiman Sundara & MrSpeakers Ether2
links Hifiman Sundara, rechts MrSpeakers Ether2



Hinweis:
An dieser Stelle der Hinweis zur Gefahr, sich beim Aussetzen zu hoher Lautstärke das Gehör nachhaltig schädigen zu können. Das gilt für die Benutzung von Kopfhörern im Allgemeinen.




5. Klang & Klangvergleich


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Bass

Je nach Genre ist gelegentlich jedoch für meinen Geschmack etwas mehr Tiefbass notwendig. Insbesondere Aufnahmen, die nicht wie derzeit üblich schon “fett” abgemischt sind, wirken bisweilen etwas anämisch. Mit einer Anhebung im Bereich bis 50Hz blüht der Sundara ordentlich auf.


Mitten

Der Sundara ist im Stimmlichen und bei Instrumenten weiter vorne, was mir persönlich immer nicht ganz so gut gefällt. Dennoch muss ich gestehen, dass mir insbesondere Gesang mit dem Sundara richtig Spaß macht. Denn die oberen Mitten passen trotz leichter, heller Einfärbung gut zum Grundton.


Hochton

Im Bereich des Hochtons spart der Sundara jedenfalls nicht und trotzdem besteht eine Art Balance in seiner musikalischen Darbietung, bei der jedoch Details hörbar herausgearbeitet werden.


Hifiman Sundara vs.


Mr Speakers Ether2

Insgesamt ist der Hochton ab 3 kHz recht ausgeprägt und bietet sehr viele Details. Gelegentlich gibt es auch scharfe Laute, die jedoch nicht überspitzt klingen. Das liegt eher daran, dass Stimmen im Bereich 200 Hz – 1,5 kHz etwas prägnanter und lauter wiedergegeben werden und so der Hochton nicht vordergründig wahrgenommen wird. Somit höre ich den Hifiman Sundara tendenziell eher insgesamt etwas leiser als den Sennheiser, da ich mich in der Lautstärke mehr am Gesang orientiere.
Im Vergleich zum fast siebenfach teureren MrSpeaker Ether2 kann der Sundara zwar optisch gut mithalten, jedoch sind da die technische Ausführung und die klanglichen Eigenschaften des Ether2 auf Referenz-Level. Der Unterschied des Ether2 als Referenz-Kopfhörer zum Hifiman Sundara sind sofort offensichtlich und hörbar, jedoch würde ich ihn nicht als einen der preiswertesten Kopfhörer einordnen, wenn ich nach dem Hören auf den Preis tippen müsste. Der Sundara gibt einen sehr schönen Vorgeschmack, was mit planarmagnetischen Kopfhörern in Sachen Separation, Details und Räumlichkeit möglich ist.


Sennheiser HD58X

Ein Vergleich zum Sennheiser HD58X – meiner Meinung nach sogar der bessere HD660S – im selben Preissegment zeigt auf, wie unterschiedlich Grundabstimmungen von Kopfhörern sein können. Der Sundara spielt eher hell abgestimmt und deutlich “klarer” und detaillierter. Der Sennheiser klingt dagegen im direkten Wechsel schon fast muffig. Gewöhnt man sich aber nach ein paar Minuten an die unterschiedlichen Signaturen, so ist der Sennheiser der Allrounder und “musikalischere” Kopfhörer mit entspannterem Klangbild, der jedoch nicht alle Details offen legt.

Frequenzmessung
Sundara (rot) vs. HD58X (blau)


Genres

So nutze ich bei Classic Rock oder Heavy Metall gern den xBass des ifi Audio xCAN, denn der macht genau das. Aktuelle Titel im Jazz benötigen das beispielsweise nicht. Schön zu hören ist das im Musikmix der Miniklangwunder-Playlist auf Spotify. Das ist auch der Grund, warum ich den Sundara eben nicht uneingeschränkt über alle Genres empfehlen kann, denn er benötigt je nach Musik etwas Aufmerksamkeit und klangliche Nachführung.


6. Fazit


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Wer im magnetostatischen Bereich einsteigen möchte und eher einen hellen Klang und einen hohe Detaillierung wünscht, sollte sich unbedingt den Hifiman Sundara anhören. Zudem spricht der Hifiman Sundara im Bedarfsfall sehr gut auf die Nutzung eines Equalizers zur persönlichen Klangoptimierung an.
Besitzer eines ifi Audio xCAN können im Prinzip sofort zum Sundara greifen, denn mit der xBass-Funktion wandelt er sich vom analytischen Werkzeug hin zum beinahe spaßig abgestimmten Dauerbeschaller.
Unterm Strich ist der Hifiman Sundara für den sehr guten Preis von 349,-€ ein guter Einstieg in die audiophile Welt, jedoch ist er trotz hoher Wiedergabequalität aufgrund seiner Abstimmung ab Werk kein Allrounder.


Bewertung


  • 88%
    Tiefbass - 88%
  • 92%
    Bass - 92%
  • 94%
    Mitten / Stimmen - 94%
  • 94%
    Mitten / Instrumente - 94%
  • 92%
    Obere Mitten - 92%
  • 92%
    Brillanz / Hochton - 92%
  • 96%
    Auflösung / Transparenz - 96%
  • 96%
    Räumlichkeit / Separation - 96%
  • 94%
    Dynamik - 94%
  • 94%
    Design - 94%
  • 94%
    Verarbeitung - 94%
  • 70%
    Konstruktion - 70%
  • 70%
    Tragekomfort - 70%
  • 96%
    Preis / Leistung - 96%
90.1%

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0