Brainwavz InEar B100, B150 und B200 im Test – Was kann die B-Serie?

Geplant hatte ich, jeden der drei Kopfhörer einzeln vorzustellen. Doch anders als es bei anderen Herstellern oft anzutreffen ist, hat Brainwavz mit der B-Serie eine Kopfhörerfamilie im Portfolio, deren Mitglieder sich lediglich in Details unterscheiden statt klanglich komplett unterschiedliche Wege zu gehen. Also hat sich ein direkter Vergleich geradezu angeboten.

Ohne, dass Brainwavz sich mittels Badewannenabstimmung an Bassheads richtet oder die Analyse von Musik mittels Mitten- und Höhenboost realisiert, bedienen die Kopfhörer dennoch diese unterschiedlichen Vorlieben. Brainwavz schafft hier einen eleganten Spagat, der jedoch gar nicht wie ein solcher wirkt.

 

November 2017

Vorab möchte ich mich für die Unterstützung von www.headsound.de für die Leihgabe der Brainwavz Kopfhörer bedanken, ohne die dieser direkte Vergleich nicht hätte stattfinden können.

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Handhabung & Technik
  4. Klang & Lautstärke
  5. Fazit
  6. Galerie

1. Verpackung & Zubehör

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Die Verpackung der B-Serie ist bis auf den Typen-Aufdruck identisch. Auch die Inhalte unterscheiden sich bis hin zu den Kopfhörern nicht voneinander. Mitgeliefert werden ein Beiblatt, drei zusätzliche Silikon Tipps und ein Paar rote Comply Foam T-Tipps sowie eine Befestigungsklammer, welche sich in einem kleinen schwarzroten Hartschalencase befinden.

 

 

Damit ich beim Hören nicht durcheinander komme, habe ich die InEars selbst mit Klebezetteln beschriftet, denn auch bei genauer Untersuchung habe ich keine Typenkennzeichnungen an den Kopfhörern selbst finden können. Alle drei Kopfhörer gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Nur beim B200 ist mir später aufgefallen, dass das kleine Geflecht in der Tipp-Röhre roséfarben ist. 

Theoretisch ist diese Gleichheit ja nicht schlimm, denn im Normalfall kauft man sich einen Kopfhörer und gut ist. Dennoch wäre ein Erkennungsmerkmal am Kopfhörer selbst sicherlich sinnvoll, insbesondere bei einem Test wie diesem, wo nach dem Test auch alle drei wieder in die richtige Verpackung wollen. 😉

 

2. Design & Verarbeitung

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Die Gehäuse der B-Serie sind sehr klein und recht geometrisch ausgelegt. Ich würde sagen,“form follows function“. Das ist erstmal gut. Lustig ist, dass die reliefartige Schrift BRAINWAVZ an einer Kante der InEars mich nach dem Einsetzen bisweilen tatsächlich am Ohr kratzt. Persönliches Pech würde ich sagen.

 

Die Verarbeitung ist einwandfrei. Auch wenn Druck auf die Gehäuse ausgeübt wird, bewegt sich oder knackt nichts. Die Kabel sind frei von Mikrofonie und auch das Material sorgt für eine gute Handhabung, da sie sich nicht verheddern. Der gewinkelte 3,5mm Klinke-Stecker gefällt mir ebenfalls sehr gut. Perfekt wäre ein austauschbares Kabel, was so beim B200 ab v2 oder dem B400 gegeben sein wird. Diese InEars lassen sich somit auch balanced betreiben. Der Nachteil, das nicht zu können, verbleibt beim B100 und B150 künftig.

 

3. Komfort & Technik

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Das Einsetzen der InEars funktioniert Dank des dünnen und flexiblen Kabels super einfach. Selbst mit einer Hand läßt sich der InEar einsetzen und mit einer Handbewegung das Kabek übers Ohr streichen. Die mittleren Tipps sitzen bei mir ausreichend dicht im Ohr, ohne dass ich großartig die InEars hin- und herpositionieren muss. Zudem sind die Gehäuse so klein und ergonomisch geformt, dass sie sich hervorragend in meine Ohrhöhlen einschmiegen. Besser geht es kaum.

 

Bei den vorliegenden Modellen sind alle Kabel unablösbar im Gehäuse angebracht. Der B200 wird in der überarbeiteten Version nach Vorbild des B400 bald mit auswechselbaren Kabeln verfügbar sein. Die Besonderheit bei Brainwavz ist, dass es sich bei den B-Serie InEars um reine Balanced Armature Kopfhörer handelt. Die Modelle B100 und B150 enthalten jeweils einen Treiber und der B200 verfügt über zwei aufeinander abgestimmte Treiber.

 

Weitere technische Spezifikationen laut Hersteller wie folgt (ohne Gewähr)

B100: 50 Ohm, 15Hz-22kHz, 110dB/mW

B150: 30 Ohm, 16Hz-22kHz, 105dB/mW

B200: 30 Ohm, 12Hz-22kHz, 110dB/mW

 

und als Ausblick

B400: 30 Ohm, 10Hz-40kHz, 116dB/mW

 

4. Klang & Lautstärke

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Der Wirkungsgrad aller drei InEars ist sehr hoch und somit spielen Die Kopfhörer der B-Serie selbst an einem Smartphone akkurat und auch bei Bedarf sehr laut. Die Balanced Armature Treiber klingen hervorragend singalgetreu, auch wenn sie sich in ihrer Abstimmung je Kopfhörer leicht unterscheiden. Dennoch ähneln sich alle drei Kopfhörer und unterstreichen ihre Zugehörigkeit zur B-Familie. Erst nachdem ich alle drei InEars parallel an meinem 4-fach Kopfhörerverstärker angeschlossen hatte und einen direkten Vergleich mit nur minimaler Hörunterbrechung durchführen konnte, war es mir möglich die Unterschiede genauer heraus zu arbeiten.

 

 

Als erster InEar erreichte mich vor einiger Zeit der B150. Als ich in diesen hinein hörte, gefiel er mir sehr gut. Nachdem ich gelesen hatte, dass der B100 im Bass etwas betonter sein soll, was mir persönlich mehr entgegen kommt, habe ich bei www.Headsound.de angefragt, ob ich auch den B100 leihweise erhalten kann. Überraschender Weise habe ich zusätzlich auch den B200 erhalten. Zum Glück, denn der rundet meinen Vergleich ab.

An dieser Stelle möchte ich mich für die Leihstellung der Geräte bedanken! 

 


Anmerkung:

Auf www.headsound.de können viele Kopfhörer ganz offiziell als Leihgeräte angefordert werden, welche nach dem Rücksenden einer speziellen Reinigung unterzogen werden, so dass die Kopfhörer hygienisch stets einwandfrei sind. Als Pfand dient dabei der Preis, der bei möglicher Übernahme anfallen würde.


 

Als der B100 und der B200 ankamen, wollte ich natürlich sofort den Bass des B100 hören und stellte voller Verwunderung fest, dass er sich vom B150 aus meiner Erinnerung heraus irgendwie nicht unterscheidet. Also habe ich mir beide hergenommen und am iPhone immer wieder umgesteckt. Dabei meinte ich Unterschiede zu hören, doch bei mehreren Sekunden Unterbrechung ist es schwierig, genau Unterschiede zu benennen. Also habe ich meinen Art Headamp 4 hergenommen und gleich alle drei Kandidaten angeschlossen. Das Umstecken der InEars klappte so in nur knapp 2-3 Sekunden. Das ist kurz genug, um sofort Unterschiede gensau feststellen zu können, die Klangerinnerung ist da noch frisch. Nachdem ich mich später in die speziellen Abstimmungen der unterschiedlichen InEars eingehört hatte, fiel es mir einfacher, auf entsprechende Details zu achten und Unterschiede genau zuordnen zu können.

 

Ein derartiger direkter Vergleich war für mich auch ein Novum und so musste ich mir überlegen, wie ich diese Nuancen zueinander bewerten kann. Also habe ich mir ein Bewertungssystem überleget Für gewöhnlich vergleiche ich verschiedene Kopfhörer nicht so direkt miteinander, doch bei der B-Serie macht das durchaus Sinn. Nach einigen Iterationen und Anpassungen bin ich nun mit dem Ergebnis zufrieden. Vor dieser Veröffentlichung habe ich die Ergebnisse immer wieder Bekannten vorgelegt, die mir auch als Laien bestätigt haben, dass Sie damit sogar ganz konkret etwas anfangen können. Dabei herausgekommen ist mein „Vergleich Kompakt“, der am Ende des Artikels im Fazit zu finden.

 

Alle drei InEars spielen auf hohem Niveau. Was ich hier beschreibe sind die direkten Unterschiede dieser drei InEars zueinander und liest sich vielleicht so, als wäre der ein oder andre „schlecht“. Das ist nicht der Fall, alle drei Kopfhörer befinden sich im guten und sehr guten Bereich. Dennoch sind die Unterschiede im Vergleich deutlich zu erkennen. Wie ich anfänglich angedeutet habe, klingen sie ohne den direkten Vergleich sehr ähnlich.

 

Um alle Unterschiede möglichst genau herausarbeiten zu können, habe ich mir folgende Musikstücke vorgenommen. Ich werde zu jedem Stück den Spotify-Link angeben und kurz und knapp beschreiben, worauf ich besonders geachtet habe und wie jeder InEar damit zurecht gekommen ist. So erhalte ich zumindest für mich ein klares Bild, welcher der drei Kopfhörer mir in meiner alltäglichen Nutzung am meisten zusagt.

 

Train Song“ von Holly Cole

 

Hier wird der Tiefbass ordentlich gefordert. Federt der zuviel oder ist zu sehr zurückgenommen, verliert dieser Song das gewisse Etwas.

 

B100: Hier passt alles, der Bass wird mit klarer Kontur und gut dosierter Präsenz wiedergegeben.

 

B150: Deutlich zurückgenommener Bassbereich mit zugleich zu vordergründigen Stimmen, dadurch wird das Lied für mich etwas langweilig und anstrengend zugleich.

 

B200: Basslinie und Gesang sind hier gut, jedoch sind die oberen Mitten und der Hochton bei den Akzenten etwas kräftig.

 

Gewinner ist hier eindeutig der B100.

 

 

Fat Roller“ von Boris Blank

 

Dieser Song ist bereits sehr hell und dynamisch abgestimmt, was einige Kopfhörer vor unlösbare Herausforderungen stellt.

 

B100: Eine nicht nervende klare und detailreiche Wiedergabe, der im Mix nur angedeutete „wabernde“ Tiefbass wird gut hörbar dargestellt. Eine lebendige Präsentation.

 

B150: Deutlich zu helle Wiedergabe der Instrumente, der Tiefbass ist quasi nicht zu hören, Becken und Schlagzeug gehen aber mitten auf die Zwölf. Präsentation des Schlagzeugs mit dem B150 hier hauchdünn am besten, sonst aber zu hell.

 

B200: Wow… Dynamik und Räumlichkeit pur! Da verzeihe ich auch, dass der Tiefbass nur angedeutet an mein Ohr dringt. Im Hochton hingegen mit jedem Schlag auf die Snare oder das Becken unwillkürliches Augenzucken. Das ist dann doch etwas viel. Hier kann auch leiser gehört werden, der umwerfenden Dynamik sei Dank.

 

Dennoch geht der Punkt hier hauchdünn an den B200.

 

 

The Saga of Harrison Crabfeatrhers“ von The Colorado Jazz Trio

 

Kontrabass, Schlagzeug und Klavier… mehr nicht.

 

B100: Hört sich einfach sehr gut an, das passt. Wäre da nur etwas mehr Raum.

 

B150: Tonal sehr ähnlich dem B100. Der geringere Bass stört hier kaum. Die betonten Mitten heben das Klavier in den Vordergrund, tut dem Stück sogar ganz gut. Erzeugt einen gewisses Mehr an Räumlichkeit.

 

B200: Auch hier weiß der B200 im Prinzip zu überzeugen und brilliert mit einer unglaublich tollen Bühne und wäre auch ganz vorne, wenn da nicht die zu harsche Betonung des Klaviers bei einigen Tönen wäre. Das wird mit dem B200 schon teilweise unangenehm.

 

Unterm Strich ein knapper Sieg dieses Mal für den B150.

 

 

I got your love“ von Soulpersona

 

Elektronische Musik perfekt abgemischt mit ordentlichem Punch, brillanten Höhen und prägnanter Frauenstimme.

 

B100: Der Beat geht sofort in den Fuß, die Lautstärke wird direkt bis maximale Hörbarkeit gestellt. Brillante Höhen nerven dabei nicht. Der Punch ist auf den Punkt und mitreissend. Genial.

 

B150: Weniger Punch, zu vordergründiger Gesang.

 

B200: Das thema Dynamik ist bereits bekannt. Bestnote. Auch der Punch ist gut. Allerdings sind es die oberen Mitten und der Hochton, die mir hier zu schaffen machen. Das ist zu viel. Leider.

 

Gewinner ist auch hier der B100 trotz einer etwas flacheren Auflösung.

 

 

Klangfazit

 

Der B200 wird für viele als absoluter Gewinner aus dem Vergleich herausgehen, denn stets beeindruckt er mit der räumlichen Darstellung und der grandiosen Dynamik. Auch der Bassbereich und die Mitten passen gut zueinander. Allerdings ist er oben oft etwas zu gut dabei und wird dadurch auch schnell etwas anstrengend.

 

Der B150 betont den Mittenbereich für mich etwas zu viel, so dass er nicht durchgänig bei jedem Musikstück bei mir Zufriedenheit auslöst. Zudem fehlt ihm auch etwas das Fundament. Der B150 liefert eine gute Vorstellung, fälllt aber klanglich im direkten Vergleich dieser drei Kopfhörer ab.

 

Der B100 ist sozusagen der beste Allrounder. Die Abstimmung des nur einen Balanced Armature ist Brainwavz mit dem B100 für mich am universellsten gelungen. Langes und auch lautes Hören ist kein Problem. Leider fehlen ihm die dnymischen Vorteile der zwei Treiber des B200. Trotzdem spielt er lebendig und auch mitreissend sowohl leise gehört als auch bei hohen Lautstärken.

 

Um meine Höreindrücke etwas bildlicher zu fassen, habe ich die InEars vermessen. Insgesamt wird mein gewonnener Eindruck mit den Messkurven auch qualitativ bestätigt. 

 

5. Fazit

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Grundsätzlich möchte ich den Charakter der B-Serie als ausgewogen bezeichnen. Grob gesagt bietet der B100 dabei den betonteren Bassbereich dieser Dreiergruppe, während der B150 ganz klar Mitten und Gesang in den Vordergrund stellt und der B200 für mich eher die „neutralste“ Tonalität abbildet und zugleich Gewinner in Sachen Dynamik und Räumlichkeit ist.

 

Wer wie ich eher sanfte obere Mitten/Hochton bevorzugt und auch im Bass einen ordentlichen Tiefbass dem betonten Oberbass vorzieht, der wird im B100 den besten dieser drei InEars finden. Eine Bekannte, die selbst Sängerin ist, steht unheimlich auf den betonten Gesang beim B150. Beide müssen aber in die zweite Reihe treten, wenn jemand unglaublich detailtreue Transparenz erwartet und bei der Dynamik und Räumlichkeit hohe Anforderungen stellt.

 

Mit knappen Vorsprung, trotz schwächerer Dynamik, ist für mich der B100 noch vor dem B200, gefolgt vom B150, der Gewinner dieses klanglichen Familien-Wettbewerbs.

 

Positiv kommt hinzu, dass der B100 mit unter 50€auch noch der preiswerteste B-Serie-InEar von Brainwavz ist.

 

 

PS:

Mittlerweile ist zwar auch der B400 auf der Herstellerseite bestellbar, doch das dürfte noch etwas dauern, bis auch der leihweise erhältlich ist. Im Netzt aufgetauchte Messungen im Vergleich zum B200 zeigen aber, dass der B400 noch etwas heller abgestimmt zu seinen scheint.

 

6. Galerie

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0