Der KZ-ZS3 im Test – Was kann ein InEar Kopfhörer für knapp 13€ bieten?

Bei InEar Kopfhörer bin ich für gewöhnlich recht verhalten, da nur wenige meinen anatomischen Herausforderungen gewachsen sind, was den Seal und festen Halt in meinen Ohren angeht. Vor kurzem habe ich hier den recht preisgünstigen Vertreter VAVA Moov 12 als Dual-Treiber Kopfhörer vorgestellt. Daraufhin bin ich neugierig geworden, was noch günstigere Vertreter aus Fernost leisten können und bin auf den KZ-ZS3 aufmerksam geworden, da dieser bereits einige gute Kritiken bekommen hat.

 

Über Amazon in wenigen Tagen beziehbar, liegt der KZ-SZ3 bei knapp unter 20€. Beim Versand aus China schlägt er mit nur knapp 11€ zu Buche. Ab und an findet sich aber sogar bei manchen Händlern, für die Amazon die Lieferung in wenigen Tagen übernimmt, ein Preis von knapp 13€. Also auch hier ist sogar noch Sparpotential, wenn es nicht sofort sein muss. Geliefert wird eine einfache Schachtel, die den Kopfhörer und 3 Paar zusätzliche Tips beinhaltet. Bei meinem Versand aus China wurde die Schachtel noch mit Luftpolsterfolie umwickelt und das alles mit dem typisch grauen Kleid aus Kunststofffolie mit meiner Adresse darauf geliefert.

 

 

Design & Haptik

Auch der KZ-SZ3 folgt dem Gehäuseprinzip, sich mit seinem ganzen Körper bestmöglich in jedem Ohr anzuschmiegen. Dabei wird das Kabel um das Ohr herum geführt und fällt hinter dem Ohr über die Schulter nach vorn Richtung Brust. Damit das Kabel einigermassen stabil liegt, wurde es mit einem starren und doch biegsamen Material verstärkt. Das kennt man, hätte ich bei in der guten Ausführung jedoch von diesem Lowcost InEar nicht erwartet. Noch weniger hätte ich erwartet, dass die Kabel austauschbar sind. Die 2-Pin-Buchse-Stecker-Konstruktion ist auf Funktion ausgelegt. Es sollte unbedingt geprüft werden, ob die freistehenden Buchsenkontakte im InEar-Gehäuse senkrecht stehen. Damit Buchsen und Stecker überhaupt ineinander greifen können, musste ich bei einer Seite einen Buchsenkontakt vorsichtig mit eine Uhrmacherschraubendreher in Position biegen. Bei dem Einstecken der Kabel sollte unbedingt feinfühlig vorgegangen werden, ein Hochpräzisionsmechanismus liegt hier nicht vor. Hat das aber geklappt, halten die Kabel sehr gut und während meiner Nutzung habe ich auch keine Kontaktprobleme feststellen können. Das Material selbst ist glänzender Kunststoff mit jeweils geschwungener Aufschrift „left“ und „right“. Ich vermisse bei deutlich teureren Vertretern eine solch schnelle Identifizierungsmöglichkeit gelegentlich. Die Gehäuse sind sehr ordentlich verarbeitet, da gibt es keinerlei Kritik. Hinsichtlich der Haptik können sich die Kopfhörer nach dem erfolgreichem „Zusammenbau“ auch mit Kandidaten um 100€ und mehr messen.

 

Handhabung & Komfort

Mit dem Einsetzen geht es bei dieser Art InEars los. Die Erkennbarkeit ob links oder rechts ist bei dem KZ-ZS3 dank des plakativen Aufdruckes sehr gut. Die Kabel werden unverdrehbar vom Kopfhörer weggeführt, so dass sogar nach kurzer Zeit quasi blind schnell ertastbar ist, welches Ohr befüllt werden muss. Soweit so gut. Beim Einsetzen ist mir dann aber sofort aufgefallen, dass der Kunststoffkörper doch nicht so gut in mein Ohr passt. Bis der InEar bei mir zumindest gut sitzt, benötige ich je Ohr einige Sekunden und Fingerspitzengefühl, um die beste Position zu finden. Der Seal ist dann in Ordnung, doch zu Bewegung z.B. schnelles Gehen oder Laufen geht er auch gern wieder verloren. Auch bei den für mich sonst optimal abdichtenden Silikon-Tips ist kein dauerhafter Halt gegeben, denn das Eigengewicht des InEars zieht bei Erschütterungen stark genug, um diese im wahrsten Sinne des Wortes „schrittweise“ zu lockern. Optimal wird die Abdichtung mit dem KZ-ZS3 mit meinen Ohren also nicht. Testweise habe ich Memory-Foam-Tips aufgezogen. Diese halten deutlich besser den KZ-ZS3 in meinem Ohr fest, doch klanglich wird er mir dann einfach zu dumpf. Das ist nicht meine Lösung.

Durch den Vergleich mit dem Kunststoffkörper des iBasso iT03 beispilsweise, wirkt der des KZ-ZS3 als wäre er eher für Kinderohren ausgelegt. Das ist natürlich nicht so.

Kleiner Exkurs:

Mit fast 2m Körpergröße und recht großen Ohren entspreche ich keiner Durchschnittsgröße irgendeines Landes auf unserem Globus. Dennoch könnten auch schon normalgroße Träger in Europa ähnliche Probleme bekommen, denn nach Information aus dem Netz, liegt China im internationalen Ranking mit Platz 69 auf den hintersten Plätzen. Die dortigen Durschnittsgröße sind 1,65m bei Männern und 1,58m bei Frauen. Deutschland liegt auf Platz 6 der Körpergrößenstatistik mit 1,80m und 1,71m. Explizit zu Ohrgrößen habe ich keine Satistik gefunden. Ich vertraue meinen visuellen Erfahrungen, denn weder haben kleine Menschen übergroße Ohren angesichts Ihrer Körpergröße noch große Menschen im Mittel Schrumpfohren. Also werden sich die Ohrgrößen statistisch ähnlich proportional verhalten. Zurück zu den KZ-SZ3…

Ich gehe einfach davon aus, dass Menschen, die eher hinsichtlich der Proportionen des Körpers dem Durchschnitt aus Fernost entsprechen, mit diesen InEars kaum Problme haben werden. Ich unterstelle, dass die KZ-ZS3 primär für den eigenen fernöstlichen Markt konzipiert wurden und der Export nach Europa einfach nebenbei mit abfällt.

In Sachen Handhabung und Komfort kann ich für große Ohren ganz subjektiv ein ausreichend vergeben. Für kleinere Ohren steht stellvertretend mein Sohn mit 1,55m Körpergröße. Der wiederum findet die InEars hinsichtlich Tragekomfort super.

 

Technische Daten

Der KZ-ZS3 arbeitet nach dem dynamischen Prinzip und hat eine Impedanz von 18Ohm. Der Betrieb an jeglichem Zuspieler ist damit problemlos möglich, zudem ein Schalldruck von 106dB erreicht wird. Das Kabel ist 1,2m lang und austauschbar, was aber angesichts des Anschaffungspreises aus meiner Sicht zu vernachlässigen ist. Der abgebildete Frequenzgang wird angegeben mit 20-20kHz.

 

Klang

Der Klang hängt natürlich davon ab, wie mit welcher Dichtigkeit die InEars im Ohr sitzen. Meine Bewertung zum Klang bezieht sich natürlich ausschliesslich auf das Hören mit perfektem Sitz. Ist das der Fall, dann spielt der KZ-SZ3 für meine Begriffe ausgewogen. Grob gesagt, erkenne ich keine unguten Betonungen in den Bereichen Bass, Mitten und Hochton, die zu so oft benutzten Charakterisierungen wie dumpf, verhangen oder aber auch kreischend oder sibilant führen. Sitzen sie nicht perfekt, dann fehlt der Bass und sie klingen „dünn“. Dieses Schicksal ereilt aber alle Kopfhörer mehr oder weniger ausgeprägt. 😉

Bei „normaler“ Lautstärke entsprechend meiner Hörgewohnheiten, was etwa Zimmerlautstärke entspricht, wenn ich mich auf das im Raum offene Hören von Musik beziehen würde, klingen die KZ-ZS3 wirklich sehr gut. Es dürfte ein Tick mehr Bass unter 100Hz sein für meinen Geschmack. Ich mag es, wenn Tiefbass schön kräftig kommt in Stücken, die ihn auch mitbringen.

Natürlich kann man dem ZS3 durch etwas EQ-Einstellung auf die Sprünge helfen und die Regler für 60Hz und 30Hz ein paar dB (2-3) nach oben ziehen, das hilft. Allerdings zeigen sich dann auch die Grenzen des ZS3. Insbesondere bei Metall wird der Mittenbereich dann noch schnell unsauber. Mit mehr Bass nimmt nehemn im Mitten- und Hochtonbereich die Verzerrungen des dynamischen Treibers zu. Bei lautem Hören von Musik empfiehlt es sich je nach Stück sogar den Bass um 1 od er 2 dB zu reduzieren. Das gilt aber für eine Lautstärke, die ich persönlich für ein oder zwei Lieder aushalte. 

 

Hörproben

Zwei Hörproben möchte ich stellvertretend nennen, dich ich benutze, um festzustellen, ob mir ein Lautsprecher oder Kopfhörer schlicht gesagt gefällt oder nicht gefällt.

 

Mit „Englishman in New York“ gibt es von Sting ein Stück, dass mich immer wieder fasziniert wie transparent es schon gemastert ist.

Nur wenige Kopfhörer schaffen es – einmal negativ ausgedrückt – den Zauber dieses Musikstückes zu zerstören. Das gilt nicht für den KZ-ZS3. Im Gegenteil, so wie er von Werk aus abgestimmt ist kann ich alle Details gut heraushören, die gezeichnete Bühne ist sehr gut. Er klingt weder sibilant noch fehlen Mitten oder Bass. Rundherum eine gelungene Aufführung.

 

Im Bereich Metal höre ich mich für gewöhnlich in „Hail to the king“ von Anvenged Sevenfold ein.

Das Stück ist noch relativ gemässigt, dennoch gibt es einige Kopfhörer oder Ohrhörer, die bei Überlagerung von druckvollem Gesang, E-Gitarre und schnellem Schlagzeug eben diese Kombination in „einer Ebene“ abbilden und kaum mehr Differenzierbarkeit zu hören ist. Das geht mitunter schon bei geringen Lautstärken mit hörbaren Unsauberkeiten einher. Hier macht der KZ3 seine Sache insgesamt gut, wobei der Bassbereich für meine Ansprüche etwas druckvoller sein dürfte. Bei Mitten und Höhen nervt mich nichts.

 

Sozusagen als Bonus habe ich mir eine Hörprobe vom Kollegen Markus von www.kopfbox.de entliehen, der im Vergleich zu mir ein wahrer Metall-Experte ist. Um zu sehen, wie der ZS3 mit „seiner“ Musik umgeht, habe ich mir mal das Stück „Anodized“ von Fearfactory vorgenommen. Das hebt den Anspruch an einen Kopfhörer noch einmal auf ein ganz anderes Niveau. Das Stück ist energiegeladen ohne Ende!

Auch ein Nicht-Metaller sollte sich das unbedingt anhören. Schon die Instrumentierung zu Anfang deutet an, was da noch kommt. Insgesamt wird dort viel akustische Information zugleich „komprimiert“ dargestellt. Und genau das ist dann mit dem KZ-ZS3 auch zu hören, denn er bildet alles etwas zu „zweidimensional“ ab. Da ist es wichtig auch Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kopfhörern zu haben, die das besser machen. Denn das Lied nervt mich nach gut der Hälfte der Zeit, wenn ich mit dem ZS3 höre. Das klingt alles sehr „gepresst“ oder auch komprimiert. Auch wenn der Vergleich unfair ist, mit meinem Over Ear Focal Elear klingt „Anodized“ einfach grandios.

Hier sei mir der Hinweis in Richtung VAVA Moov 12 erlaubt, der das ein wenig besser hin bekommt, dafür aber insgesamt etwas dumpfer klingt.

 

Fazit

Der KZ-ZS3 ist in Sachen Preis/Leistung mit einer Schulnote von 2+ zu bewerten. Abzüge gebe ich aufgrund seiner Passform und der Tatsache, dass er aus meiner Sicht kein Kopfhörer für Musik ist, die in hohem Masse energiegeladen ist und auch im Mastering schon mit einer gewissen Kompression daher kommt. Für alles Andere klingt er mit minimalen Klanganpassungen im Bassbereich für den Preis unter 20€ außerordentlich gut un ist empfehlenswert.

Ob es noch bessere für einen ähnlichen Preis gibt?

Wer weiß…

Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s

3 Kommentare:

  1. Hallo, ich habe mir den ZS3 und den neuen ZS5 bestellt, der ZS5 ist ziemlich gut, hat einen sauberen Bass und tolle Höhen, die dem ZS3 nicht so gut gelungen sind.

    • Hallo, Danke für den Tipp. Den ZS5 setze ich auf meine Liste, wobei der preislich ja auch wieder nach oben geht. Kleiner Tipp von mir… höre dir mal den KZ ATR an… für 5€ ein Nobrainer.

  2. Der Zs5 bringt etwas mehr Bass und bessere Höhen mit als der Zs3. Allerdings hat der 5er eine eklatante Mitteltonschwäche und klingt im Superhochton schnell zu scharf und grell. Der 3er klingt hier alles in Allem wesentlich angenehmer. 4 Treiber in einem Gehäuse klingen nicht automatisch besser als ein Einzelner.

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