ifi Audio xDSD im Test – mobiler DAC/Bluetooth-Kopfhörerverstärker im Hemdtaschenformat

Wenn es um hochwertige und portable Kopfhörerverstärker geht, kommt man um das britische Unternehmen ifi Audio nicht herum. Mit dem neuen xDSD gibt es neben neuem Design auch die Fähigkeit, Bluetooth-Signale verlustfrei zu zu empfangen und mit hoher Qualität über kabelgebundene Kopfhörer wiederzugeben. Was sonst noch in dem kleinem Gehäuse steckt, das erfährst du in diesem Bericht.


An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an WOD-Audio richten, die mich unterstützt haben und mir den xDSD für einige Wochen zum Testen zur Verfügung gestellt haben.


Inhalt

1. Verpackung & Zubehör
2. Design & Verarbeitung
3. Technik / Innere Werte
4. Konnektivität & Handhabung
5. Kopfhörerkombinationen & Klang
6. Fazit & Bewertung
7. Galerie


1. Verpackung & Zubehör
Zurück zum Inhalt

Der ifi xDSD Kopfhörerverstärker wird in einer länglichen, weißen Schachtel geliefert, welche per Aufdruck auf der umgebenden Hülle des Pappschubers Auskunft über den xDSD mittels Fotos und technischen Daten gibt. Der aus zwei Teilen  bestehende Karton gibt nach dem Abziehen der oberen Hälfte zunächst den Blick auf das Informationsmaterial frei. In einer schützenden Folie ist dann darunter der xDSD zu finden und ein weiterer kleiner Pappkarton, in dem das restliche Zubehör zu finden ist. Dieses besteht aus zwei Stacking-Gummis, selbstklebenden Klettstreifen und Gummifüsschen, einem Adapter für optische TOS-Link-Kabel auf 3,5mm Buchse, zwei Adapter von USB-B Stecker auf USB-A Buchse und zwar als vergossener Stecker und als etwa 20cm langes Kabel, sowie ein knapp 15cm langes MicroUSB Kabel, ein blaues USB-Verlängerungskabel von etwa 1m und einem Täschchen mit ifi Prägung.



2. Design & Verarbeitung
Zurück zum Inhalt

Ifi-Audio hat es gewagt!

Was sofort am xDSD auffällt, ist das Outfit. Weg vom planflächigen Gehäuse hin zur Welle. Das wird nicht jeder mögen. Ich freue mich immer über unkonventionelle Neuerungen. Ob diese dann am Ende zu überzeugen wissen, das ist ein anderer Aspekt. Das Design des xDSD ist speziell und wird sicherlich polarisieren. Nach meiner anfänglich kritischen Haltung bin ich jedoch schon nach wenigen Stunden mehr und mehr angetan von diesem exklusiven Designvorstoß.

Das Design ist nicht nur eine optische Änderung. Ich nutze den xDSD nahezu täglich und trage ihn auch des Öfteren mit mir umher. Da kommt das Gehäuse ins Spiel, denn der xDSD ist aufgrund der welligen und dennoch glatter Oberfläche sehr griffig. Bei ähnlich kleinen Geräten mit planen Flächen ist es mir schon passiert, dass sie mir aus der Hand gerutscht sind. Zugleich ist der xDSD sogar sehr klein und leicht, dass ich ihn selbst in meiner Hemdtasche gut verstauen könnte.

Das Gehäuse ist zweigeteilt und der schmalere Teil an der Unterseite besteht aus einer mattschwarzen Oberfläche während der Rest des Aluminium-Magnesium Gehäuses dank des spiegelnden Hochglanz-Finish je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel immer etwas anders erscheint. Die Bedienelemente und Buchsen wurden harmonisch integriert und befinden sich alle gut erreichbar auf der Vorder- und Rückseite des xDSD.

Die Verarbeitung des xDSD ist insgesamt von hoher Qualität.


3. Innere Werte / Technik
Zurück zum Inhalt

Der xDSD ist klein, leicht und dennoch gespickt mit Hardware, deren technischen Daten es in sich haben. Ich liste die aus meiner Sicht interessantesten Punkte hier auf. Die Details können am einfachsten direkt hier entlang auf der Hersteller Seite nachgelesen werden…

Wichtige technische Daten sind aus meiner Sicht die Unterstützung von Kopfhörern bis 600Ohm mit symmetrischen Betrieb von 500mW bei 16Ohm je Kanal. Unterstützung von DSD bis 512x, DXD und DXD2 bis 384kHz bzw. 768kHz, PCM 192kHz und MQA fähig. Die Ausgangsimpedanz von <1Ohm macht ihn InEar tauglich, so dass auch bei Balanced Armature InEars keine klanglichen Einbußen zu befürchten sind. Der 2.200mAh Akku hält im Blutooth-Betrieb bei „Zimmerlautstärke“ mit einem 150Ohm Sennheiser HD58X Jubilee nicht ganz 6 Stunden. Für eine voleee Aufladung an einem Standard-USB Netzteil, welches max. 2A Strom liefert, benötigt der xDSD gute 2 Stunden für eine volle Aufladung. Dabei wird das Gehäuse merklich warm. Vorwegnehmen darf ich, dass die 3D+ und xBass+ Funktion die besten einfach zuschaltbaren Klangveränderungsoptionen sind, die mir bisher untergekommen sind. Darauf gehe ich später noch im Detail an.


4. Konnektivität & Handhabung
Zurück zum Inhalt

Dank der mitgelieferten unterschiedlichen USB Kabel ist der xDSD einfach an Computer, Android-Smartphones oder vielen DAPs anschliessbar. Der xDSD verfügt über einen USB-A Anschluß, über den das Signal eingespeist wird. Die Idee das USB-To-Go Kabel des Smartphones so direkt ohne Verlängerung nutzen zu können ist gut durchdacht. Andererseits steht jedoch auch Bluetooth als Übertragungsmöglichkeit zur Verfügung.

Für den Betrieb am Computer benötigt man lediglich das mitgelieferte USB-Verlängerungskabel, was im „halbstationären“ Betrieb nicht weiter stört. Mit der integrierten MicroUSB-Buchse wird ausschließlich der interne Akku aufgeladen.

Je nach Sichtweise ist das von Vor- oder Nachteil. So belastet der xDSD den Akku eines Smartphones oder Notebooks während der Wiedergabe nicht, auf der anderen Seite benötigt man am Notebook immer einen zweiten USB-Port, wenn der xDSD gleichzeitig aufgeladen werden soll. Wer ein Notebook mit nur einer USB-Schnittstelle hat, was derzeit nicht ungewöhnlich ist, kann jedoch auch via Bluetooth zuspielen. Dabei ist aber leider nicht gewährleistet, dass Filme lippensynchron wiedergegeben werden. 

Das mitgelieferte USB Kabel, um den xDSD als DAC per USB am Notebook zu betreiben, fällt aufgrund der hellblauen Farbe sofort ins Auge. Da ist es nicht schlimm, dass es sich nicht um ein Standard MicroUSB-Kabel handelt, denn dass das Kabel zwischen all den anderen angesammelten Kabeln „untergeht“, ist damit so gut wie ausgeschlossen. 

Ist also das Anschließen des xDSD erledigt, geht es einfach weiter, vorausgesetzt man hat die Kurzunterweisung einmal durchgelesen. Das empfehle ich unbedingt, das dauert keine zwei Minuten. Trotzdem die Funktionsweise hier in Kürze. Das Einschalten erfolgt durch den hinterleuchteten Einschaltknopf mit der ifi Beschriftung an der Front. Wird er länger gedrückt, wechselt die „Input“-LED die Farbe zwischen Grün und Blau hin und her. Lässt man den Knopf bei blau leuchtender LED los, dann ist Bluetooth aktiv, bei grün er Farbe fungiert der xDSD als kabelgebundener DAC. Ein Wechsel zwischen den Betriebsmodi ist im Betrieb selbst nicht möglich. Dazu muss der xDSD zunächst mittels langem Tastendruck ausgeschaltet werden und zwar wenn die „kHz“ und „Input“ LEDs weiß leuchten. Dann wie bereits beschrieben wieder einschalten und den Betriebsmodus auswählen. Ein kurzer Tastendruck sorgt im Bluetooth-Modus für das Pausieren und Fortsetzen des Streams.



Die Lautstärke wird feinstufig mittels des drehbaren Einschalters geregelt. Neben dem Einstecken eines Kopfhörers in die 3,5mm Klinke-Buchse sind das die Grundvoraussetzungen, um Musik mit dem ifi xDSD hören zu können. Die Taste rechts vom Lautstärkerad dient dann noch dazu, den Klang und die Räumlichkeit beeinflussen zu können. Mikrotaster halten mittlerweile hunderttausend Betätigungen und mehr und so ist es kein Problem die möglichen vier Zustände der Klangoptionen schnell durchzuschalten. Ausgehend davon, dass keine Option aktiviert ist, funktioniert das wie folgt. Die erste Betätigung aktiviert den xBass+-Modus, die zweite den 3D+ Klang, die dritte beide genannten Funktionen und die vierte schaltet alle Funktionen wieder ab.

Als Anschluss für den Kopfhörer beherbergt der xDSD eine 4 polige 3,5mm Klinke-Buchse, welcher sowohl das symmetrische als auch unsymmetrisch Signal durch automatische Erkennung des jeweils eingesteckten Steckers bedient. Ein Adapter, um auch einen 2,5mm 4 poligen Klinke-Stecker nutzen zu können, wäre durchaus wünschenswert.

Für den Betrieb am Smartphone stört mich das eigentlich nicht, denn in dem Betriebsmodus nutze ich sowieso nur die integriert Bluetooth-Schnittstelle, die mit AAC und aptX das Signal nahezu verlustfrei überträgt


Am Ende gibt es nur Kleinigkeiten, die sicherlich verbessert werden können. Neben einer mit dem Gehäuse verbundenen Silikonabdeckung auf der Rückseite wäre der bereits angesprochene symmetrische 2,5mm Adapter toll. Wird der xDSD parallel mit einfachen 5V-USB-Netzteilen aufgeladen, sind ab und an im Leerlauf leichte Störgeräusche zu hören. Auch wenn der Übeltäter das schlecht entstörte Netzteil ist, wäre eine generelle Maßnahme im xDSD wünschenswert. Andere mobile Kopfhörerverstärker stören sich nicht am selben, zugegeben schlechtem USB-Netzteil. Klanglich spielt der ifi xDSD bereits auf sehr hohem Niveau und kratzt an so manchem stationären und deutlich teurerem Kopfhörerverstärker. 


5. Kopfhörerkombinationen & Klang
Zurück zum Inhalt

Der xDSD bietet als mobiler Kopfhörerverstärker viel Leistung und schafft es, alle meine Kopfhörer ordentlich laut anzutreiben. Selbst der AEON Flow Open mit nur 92dB/mW Schalldruckpegel kann damit richtig laut werden. Allerdings Höre ich mit dem Focal Elex im Bluetooth-Modus gute 6 Stunden bei „Zimmerlautstärke“ Musik während ich mit dem AEON Flow nur auf gute 4,5 Stunden komme. Hier ist deutlich zu merken, was das Mehr an Leistung für die gleiche Lautstärke im Akkubetrieb bedeutet.



In Bezug auf den Klang wirkt sich das Alles jedoch nicht aus. Der xDSD leistet hervorragende Arbeit. Auf der Rückseite befindet sich ein Schiebeschalter, der für den digitalen Filter verantwortlich ist. Ifi Audio spricht hier von der Einstellung zum Messen und zum Hören. Die Änderung ist durchaus wahrnehmbar, wenn auch nur in Nuancen. Der xDSD klingt im „Listen“ Modus etwas musikalischer, um wenige Nuancen wärmer. Im Hochton wird minimal die Brillanz etwas zurückgenommen und der Mittenbereich kommt so einen Hauch mehr zur Geltung. Im „Measurement“ Modus spielt der xDSD technisch korrekt, was beispielsweise den Focal Elex zu einem regelrechten Analysewerkzeug werden lässt. Tatsächlich höre ich den Unterschied, den dieser Schiebeschalter ausmacht, mit  dem Focal Elex deutlicher heraus als mit meinem Sennheiser HD58X. Auch der AEON Flow Open, der ebenfalls hervorragend Details reproduziert, stellt diese feine Änderung gut dar.

Wie sich diese Änderungen messtechnisch darstellen, das ist weiter unten zu sehen. Die Funktionen der Klangänderung xBASS lässt sich sehr schön darstellen. Im Normalfall benutze ich die üblichen Extra-Bass-Funktionen nicht, da sie sehr oft den Oberbass deutlich zuviel mit aufblähen und manchmal bis 1kHz hoch einfärben. Beim xDSD gefällt mir der xBass+ jedoch außerordentlich gut, auch wenn er fest eingestellt ist. Der Low-Shelf beginnt unter 10Hz und endet bei etwa 150Hz und somit wird tatsächlich nur der untere Bassbereich angehoben. Mit dem Elex lässt sich sehr schön hören und auch messtechnisch zeigen, dass die Anhebung linear bis zu mindestens 10Hz hinab ansteigt und somit der Tiefbass anstelle des Oberbass angehoben wird. Das ist auch zu hören.

So sind beispielsweise Genres wie Klassik, Klassik Rock, Heavy Metall usw. weitestgehend unbeeinflusst vom xBass+, sie klingen nicht künstlich, da der Bass dort selten abgrundtief in den Keller geht. Dennoch sorgt die xBass+ Funktion besonder im Jazz, Funk, Blues für eine satte Fülle und bei Electronic, Minimal usw. geht dann ordentlich die Post ab. Mit dem Elex wird das dann richtig „körperlich“.
Aber Achtung! Mir ist es passiert, dass dann auch bei zu hoher Lautstärke die Treiber des Elex an ihre Grenzen kommen und mechanisch anschlagen, was dann zu deutlich hörbaren Verzerrungen und Knacken führt. Achtet man da nicht drauf und wird es zu laut, kann das die Treiber nachhaltig schädigen!
Mit dem AEON Flow Open und dem Sennheiser HD58X kann ich das nicht provozieren, was aber auch daran liegt, dass diese den Bereich bis 10Hz nicht auf einem so hohen Niveau wie der Focal Elex wiedergeben können. Da wirkt sich die Erhöhung des xDSD bei diesen absolut ultra niedrigen Frequenzen kaum aus.

Der 3D Effekt lässt sich tonal nicht darstellen. Offensichtlich werden hier geringe Änderungen der Phasen in bestimmten Frequenzbereichen vorgenommen. Gerade so viel, dass der 3D Effekt sich durch eine erweiterte Räumlichkeit bemerkbar macht. Egal ob bei offenen oder geschlossenen Kopfhörern gefällt mir diese Funktion sehr gut. Mit jeder Musik und jedem Kopfhörer, klingt diese „getunte“ Räumlichkeit sehr authentisch.


6. Fazit
Zurück zum Inhalt

Ersetzt der xDSD einen stationären Kopfhörerverstärker?
Es kommt darauf an, womit er sich messen muss. Mit stationären Geräten der Referenzklasse kann er nicht mithalten, deklassiert aber die meisten Kopfhörerausgänge gängiger Smartphones, von Computern, Notebooks und sogar Hifi-Komponenten und bietet Lösungen für modernste Geräte, die auf kabellose Klanganbindung setzen. Mit dem xDSD ist ifi Audio ein hervorragender mobiler Kopfhörerverstärker im Hemdtaschenformat gelungen, der perfekt als DAC oder Bluetooth-Empfänger arbeitet. Der 3D+ Effekt ist subtil und gerade deswegen beeindruckend. Der xBass+ setzt endlich einmal im Tiefbass an und kümmert sich auch nur um den Bassbereich.  Mit dem symmetrischen Betrieb und der verlustfreien Übertragung via aptX ist der ifi Audio xDSD im wahrsten Sinne des Wortes ein Miniklangwunder, dass zudem über enorme Leistung und absolut gelungenen Klangoptionen verfügt. Und wäre das nicht schon genug, bietet ifi Audio optimierte Firmware Versionen an jeweils für die perfekte Unterstützung von DSD oder MQA. Chapeau!


Bewertung

  • 94%
    Design & haptik - 94%
  • 94%
    Verarbeitung - 94%
  • 94%
    Handhabung - 94%
  • 97%
    Klangreproduktion - 97%
  • 97%
    Dynamik, Transparenz, räumliche Abbildung,... - 97%
  • 97%
    Leistung - 97%
  • 92%
    Konnektivität - 92%
  • 92%
    Preis / Leistung - 92%
94.6%

7. Galerie
Zurück zum Inhalt

Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0