Kabelgebundene InEar Kopfhörer – SoundMAGIC E80 -> Die gehen in Richtung HiFi!

In den letzten Monaten habe ich bereits einige InEars getestet und auch ein oder zwei ziemlich gute Modelle gefunden, die mir im Sommer als Ersatz zu meinen OverEars zum Musikhören im Freien geeignet erscheinen. Größter Vorteil, es wird so keine schweißtreibende Geschichte. Größter Nachteil, klanglich und in Sache Bühnendarstellung kommen sie jedoch noch nicht an meinen AKGK702, den Beoplay H6 oder den AKG K545 heran. Wer diese Kopfhörer kennt, kennt somit auch meine Vorliebe, was für mich guten Klang ausmacht.
Bereits schon Ende April erreichten mich die E80 InEar Kopfhörer des Herstellers SoundMAGIC. Ich habe diese nun einige Wochen fast täglich genutzt und wo ich diese nun einordne, das werde ich hier beschreiben.

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Verpackung & Design

Die Verpackung ist ansprechend und zweckmäßig gestaltet. Die Kopfhörer sind durch ein Sichtfenster der quaderförmigen Verpackung zu sehen. Die technischen Daten befinden sich gut ablesbar auf dem Außenkarton. Nach dem Öffnen musste ich ein wenig damit ‚kämpfen‘, die sehr gut gesicherten Kopfhörer aus der Packung zu ziehen. Das mitgelieferte Täschchen am unteren Ende des Kartons, war auch nur mit etwas Überzeugungsleistung entnehmbar. Natürlich ist das nur ein einmaliger Vorgang, den ich aber der Vollständigkeit halber hier aufführe. Hinsichtlich Design sind die E80 unaufgeregt dezent und überzeugen dann beim genauen Hinsehen durch die sehr gute Verarbeitung, der Materialwahl und kleinen ‚Innovationen‘. Auf den letzten Punkt gehe ich später etwas genauer ein. Das mattglänzende Aluminiumgehäuse ist bei meinen Kopfhörern komplett in einem Rosé gehalten (beim Hersteller läuft diese Farbe als gold), dennoch sind es keine ‚Mädchenkopfhörer‘. Gerade diese Farbe macht den E80 nicht zu unscheinbar und er steht auch meinem Männerohr ganz gut. 😉

 

Technik & Handhabung

Hinsichtlich der technischen Eigenschaften gibt es jetzt keine wirklichen Überraschungen. Da der Kopfhörer Kabelgebunden ist, entfallen alle Erklärungen zu Bluetooth Betrieb, Akkulaufzeit usw. Eine Kabelbedienung bringt der E80 ebenfalls nicht mit. Das ist ein klassischer InEar-Kopfhörer ohne Schnick-Schnack, der bei 64Ohm Impedanz mit 15-20kHz Frequenzbereich und maximal 102dB/mW (1kHz) Schalldruck angegeben wird.

Es gibt aus meiner Sicht immer genau drei mögliche Probleme bei kabelgebundenen Kopfhörern.

An erster Stelle nervt mich gerade bei InEars das Problem mit sich verheddernden Kabeln immer wieder. Viele Nutzer verweisen auf Kabelmanager, welche aber wieder andere Probleme mit sich bringen. Ein einfacher Kabelmanager mit umwickelten Kopfhörern macht sich in der Hosentasche oft nicht so gut. Beim E80 gibt es quasi gleich eine doppelte Abstellmaßnahme. Zum einen wird beim E80 eine kleine Aufbewahrungsbox mitgeliefert, in dem die Kopfhörer perfekt verstaut werden können und sie so immer gut geschützt sind, egal wo die Box selbst verstaut wird. Zum anderen sind die Kabel des E80 rund verdrillt und sind somit verhedderungsfrei. Selbst allein locker in der Hosentasche verstaut, hat für die spätere Entwirrung keinen negativen Effekt. Einfach am Stecker anfassen und den Rest nach unten hängen lassen, der E80 entwirrt sich weitestgehend quasi schon von selbst.

Im Lauf der Nutzungsdauer gibt es immer wieder Probleme mit Kabelbrüchen am Stecker. Das hängt oft mit zu empfindlichem Material des Kabels selbst zusammen oder aber damit, dass bei einem Stecker mit senkrechter Kabelausführung oft mechanische Belastungen entstehen, da das Kabel in irgendeiner Weise am Stecker abgeknickt wird. Das ist immer wieder gern der Fall, wenn der Zuspieler in der Hosen- oder Jackentasche getragen wird. Beim E80 hat SoundMAGIC ein Kabelabgang von 60° gewählt, was ich deutlich besser finde als die sonst üblichen 90°. Das mag zwar speziell sein, doch mit dem E80 komme ich unabhängig wo der Kabelabgang sich befindet an den Ein/Aus-Schalter meines Sony Smart Wireless Headset Pro, den ich gern für kabelgebundene Kopfhörer als einfachen MP3-Player oder Bluetooth Empfänger für das Abspielen von Musik vom Handy nutze.

An dritter Stelle stehen dann die ganz individuell zu bewertenden Eigenschaften Sitz und Passform, wobei ich finde, dass das Gewicht bei InEars eher zu vernachlässigen ist. Jeder InEar ist natürlich durch verschiedene Tips modifizierbar. Doch es kommt vor, dass der Klang sich mit der Nutzung verschiedener Tips verändert und bei dann gutem Sitz ein Kopfhörer dann leider nicht mehr gut klingt. Was sich bei mir bewährt hat, sinBild3d generell Tips vom Hersteller Comply. Es gibt natürlich auch viele andere günstigere Hersteller, doch die Comply-Foams sind lange nutzbar und verformen sich stets äußerst gleichmäßig. Im Ohr dichten diese dann zum einen super ab und zum anderen spürt man die InEars kaum mehr. Die Comply-Foams T400 sind für meine Ohren ideal und ich war erstaunt, dass genau diese mit dem E80 mitgeliefert werden, sogar ebenfalls wie die beiliegenden Silikon-Tips in den drei verschiedenen Größen S,M, und L, damit auch für jeden eine passende Größe dabei ist. 😉 SoundMAGIC legt hier kein Billigprodukt bei, was ich sehr begrüße. Auch beim aktuellen Preis (Stand Ende April 2016) von um 90€ ist eine solche Zugabe nicht selbstverständlich. Vorweggenommen ist allei schon der E80 diesen Preis wert. Also guter Sitz und optimale Passform sind mit den zusätzlichen Tips schon aus der Verpackung heraus garantiert.

Schon seit Jahrzehnten wird dieses Prinzip in Fertigungsstädten im Bereich des persönlichen Arbeitsschutzes benutzt, um schädlichen Lärm auszuschließen und das Hörorgan effektiv zu schützen. Angewendet auf den Bereich der InEar-Kopfhörer bedeutet das nun jedoch besten Hörgenuss schon bei geringsten Lautstärken und das ganz ohne ANC-Funktion (Active Noise Cancelling = aktive Geräuschunterdrückung).

Anmerkung zu Foam-Tips allgemein

Wer noch keine Foam-Tips benBild4utzt hat, sollte wissen, dass diese nicht wie Silikon-Tips einfach in das Ohr gedrückt werden, sondern das Material wird zuvor mit den Fingern kurz möglichst rundherum etwas zusammen gedrückt. Nach dem Loslassen sieht man, dass das Material sich nur langsam wieder ausdehnt. Dieser Effekt ist für ein einfaches Einführen in das Ohr gewünscht. Dort wird der Ohrstecker für einige Sekunden in der bevorzugten Position gehalten. Es ist gut spürbar, wann das Foam-Material sich ausgedehnt hat und der Ohrstecker von allein hält. Nach etwa einer weiteren Minute sollten auch Umgebungsgeräusche nur noch radikal gedämpft hörbar sein. Zumindest bei mir ist diese passive Geräuschunterdrückung um ein Vielfaches besser als mit Silikon-Tips. Achtung! Aus diesem Grund ist besondere Vorsicht auch schon ’nur‘ als Fußgänger im Straßenverkehr geboten.

Insgesamt sind alle drei kritischen Punkte, das Verwirren der Kabel, Kabeldefekte im Bereich des Steckers und ein schlechter Sitz mit dem SoundMAGIC E80 allesamt nicht gegeben. In Sachen Technik und Handhabung sind sie vorbildlich.

Klang

Beim ersten Hören mit den Standard-Silkon Tips ist mir sofort aufgefallen, dass SoundMAGIC kein Spaß-Kopfhörer ist und, wie eingangs erwähnt, vielleicht auch das Zeug dazu hat, im Sommer meine OverEars angemessen zu ersetzen. Mit dieser positiven Einstimmung habe ich mich dann an das Durchhören meiner verschiedenen derzeitigen Referenzstücke und meiner Lieblingsmusik gemacht. Bei meiner ‚ersten Runde‘ ist mir aufgefallen, dass doch stellenweise der Superhochton etwas zu scharf durchkommt. Gleichzeitig ist der Effekt aufgetreten, dass sich die Ohrstöpsel immer wieder etwas gelockert haben, was den Bass immer weiter gemindert hat und die Höhen so noch mehr zu Tage getreten sind. Also habe ich die Silikon-Tips durch die Complys ersetzt und siehe da, fester und langandauernder Halt. In diesem Fall hat die leichte Dämpfung im Hochtonbereich, die die Complys bei mir mit sich bringen, einen sehr positiven Effekt. Jegliche zu harschen Klänge hören sich nun an ‚wie gewollt‘ oder besser wie live gehört. Vielleicht geht es nur mir so und liegt an meinen krummen Hörkanälen, jedoch klingt der E80 mit den Complys wie für mich gemacht. Der Klang bleibt stets gleich, da die Tips nicht nur super abdichten sondern die Lautsprecher sich immer an einer fixen Position in meinem Ohr befinden. Eine Nachjustage ist nicht mehr erforderlich. Ein Hoch auf die Comply-Foams. 😉
Meine nun beschriebenen Klangeindrücke gelten auch nur für die Nutzung der SoundMAGIC E80 mit den Comply-Foams T400 in Größe L.

Meine erste Überprüfung galt dem Betrieb an meinem Galaxy S6 und im Vergleich an meinem Sony Wireless Headset Pro. Klingt der E80 bei beiden unterschiedlich? Hier darf ich sagen, dass in der Endlautstärke und in der Klarheit Vorteile beim Sony Player zu hören sind. Auch im Aufbau der Bühne empfinde ich den Sony leicht im Vorteil. Auch wenn der Sony MW1L schon etwas in die Jahre gekommen ist, macht der mit seinem Wolfson-DAC schon einiges her. Trotz der 64Ohm des E80 kann ich nicht lange auf maximaler Lautstärke hören, da es einfach zu laut ist und sich bei mir sonst Kopfschmerzen einstellen. Der E80 klingt mit dem Antrieb des Sony Players auch deutlich spritziger und die Bässe bekommen etwas mehr Punch. Selbst auf maximaler Lautstärke nehme ich kein Übersteuern oder Verzerren wahr. Mit dem Samsung Galaxy S6 ist der Klang schon sehr gut, doch im direkten Vergleich profitieren die E80 tatsächlich von dem kleinen Kopfhörerverstärker. Für das weitere Testhören hält also der MW1L her.

Bühne & Charakter

Der E80 vermittelt insgesamt ein recht offenes Bühnenbild, das jedoch nicht an das des Beoplay H6 oder das des AKG K545 herankommt. Nur zur Erinnerung, beides sind jedoch OverEar Modelle, die das 2- bis 4-fache kosten.
Generell vergleiche ich nicht gern, da es so immer Gewinner und Verlierer, doch in diesem Fall läßt sich der E80 so am besten beschreiben, denn leider ist mir eine Aufnahme im Rahmen eines Soundchecks nicht möglich. Die technischen Möglichkeiten stehen mir leider nicht zur Verfügung. Da ich nun schon am Vergleichen bin, komme ich direkt zum Charakter des abgebildeten Klangbildes. Der E80 spielt im Vergleich zum Beoplay H6 eher warm auf. Die Bässe werden. Sehr schön tief und ohne besondere Betonung, wohl aber mit dem nötigen Punch abgebildet. Oberbässe und der stimmliche Bereich werden vom E80 eine Nuance betonter als beim H6 wiedergegeben wobei der Hochtonbereich ein Hauch zurückhaltender ist. Mit den Silikon-Tips spielt der E80 sogar im Superhochton etwas spitzer als der H6. Was bedeutet das im Detail? Den Beoplay H6 möchte ich als HiFi und eher analytisch bezeichnen, wobei der mir richtig Spaß macht. Den E80 möchte ich ebenfalls HiFi-Qualitäten bescheinigen, jedoch geht die Abstimmung hier eher in den Bereich der ‚aufgeregten Entspannung‘. 😉

Diese doch allgemein Bewertung möchte ich nun anhand einiger Musikstücke im Detail beschreiben. Wenn ich Lautsprecher oder Kopfhörer teste, dann bin ich immer gespannt, wie die mir wichtigen Details wiedergegeben werden.

‚Bass oder was?‘ – Gefällt mir das Klangbild, oder nicht?

Zu aller erst zählt für mich auch der erste Eindruck, ob mir der Klang insgesamt zusagt. Der Bassbereich soll schön tief reichen und auch einen ansprechenden Körper mitbringen. Die Höhen müssen klar sein, jedoch nicht zu spitz. Und die Mitten sollen Stimmen und Instrumente möglichst unverfälscht und unbedeckt wiedergeben. Hier trennt sich schon die Spreu vom Weizen, wie man so schön sagt. Zur Zeit benutze ich für diesen Eindruck das Lied ‚The Journe‘ von Nick Colionne. Schon nach wenigen Sekunden setzt hier neben der Lead-Gitarre ein sehr schön akzentuierter Bass ein. Wird dieser zu zu stark wiedergegeben, übertönt er sofort unangenehm die Melodie und bleibt er zurück, dann fehlt dem Lied einfach der Kick. Neben der E-Gitarre bildet das Schlagzeug eine gute ‚Übersicht‘ wie Mitten und Höhen wiedergegeben werden. So werden die weichen Kicks der Bassdrum entsprechend wiedergegeben. Die Höhen der Becken und Hihats gefallen mir sehr gut. Insgesamt hört sich ‚The Journey‘ klar und beschwingt an.

Klangbrei oder gute Differenzierung?

Mit etwas Funk von Christian Winninghoff und dem Track ‚Lip Service‘ werden die E80 dann deutlich mehr gefordert. Ein großartiges Schlagzeug und aufgeregte Bläser wechseln zwischen Soli und Tuti. In dem Stück geht es schnell zur Sache und es ist viel los. Diese Dynamik abzubilden und dann noch alle Details sauber identifizierbar wiederzugeben gelingt nicht vielen Kopfhörern. Gleich zu Beginn zeigt sich ob das Intro, bei dem das gesamte Ensemble den Hörer aufweckt und auf das Kommende einstimmt, eher als Klangbrei empfunden wird oder Spaß auf mehr macht. Dieser Funk Track macht einfach nur Spaß und ich erwische mich, wie ich quasi Takt für Takt die Lautstärke immer weiter anhebe, denn auf maximaler Lautstärke fühlt sich ein wenig wie live dabei an.

Gesang

Im Prinzip bin ich hier schon überzeugt von den E80, doch was mir fehlt ist der Gesang. Hier möchte ich mich aber ganz darauf konzentrieren, ob stimmliche Verfärbungen auftreten oder nicht. Hier greife ich immer wieder auf Sara K. Zurück und dem Track ‚All your Love (Turned To Passion)‘ aus dem Album ‚Water Falls‘ mit Gesang und Gitarre pur. Da Sara K. stimmlich je nach Ausdruck auch tiefere Frequenzen anregt, die für bei Männerstimmen deren Klang ausmachen, klingt ihr Gesang bei übertriebener Oberbassbetonung eines Kopfhörers schnell eher nach einer irgendwie ‚komischen Männerstimme‘. Mit den E80 ist das aber nicht der Fall, was seine Ausgewogenheit und tolle Abstimmung unterstreicht.

Klangresumee

Ich könnte hier nun noch unzählige weitere Musikstücke aufzählen, doch bisher kann ich zu jedem einzelnen nur Positives berichten. An diese Stelle rate ich, den E80 selbst anzuhören. Allein das Album ‚From Soul To Soul‘ von Tok Tok Tok ist ein wahrer audiophiler Genuß mit den E80 im Gegnsatz zu den meisten anderen InEars. Bisher gibt es nur zwei Produkte von Mitbewerbern, die ich gehört habe, die bei mir einen ähnliche positiven Eindruck hinterlassen haben. Die E80 bieten einen weitestgehend linearen Klang mit einer leichten Betonung im Tiefbassbereich, straffer Dynamik, ehrlichen Mitten und präzise auflösendem Hochtonbereich.

Fazit allgemein

Der SoundMAGIC E80 hat mich bei Nutzung der Comply-Foams durchweg überzeugt. Sicherlich gibt es immer Nuancen, die noch besser sein könnten, doch das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Wer sich diese Rezension bis hierher aufmerksam durchgelesen hat und ebenfalls das von mir beschriebene Klangbild bevorzugt, dem kann ich nun abschließend ohne Einschränkungen diesen InEar Kopfhörer empfehlen.

Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s

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