InEar Kopfhörer Westone W40 im Test – Sensibler Ohrenschmeichler mit ehrlichem Klang

Auf der CanJam 2017 ist mir Westone bereits am Stand von KSDistribution.de aufgefallen, die den Deutschlandvertrieb von Westone inne haben. Da ich es dort auch aufgrund des Andranges und der parallelen Betreuung des Community-Bereichs nicht geschafft hatte, in die verschiedenen Modelle hineinzuhören, bin ich umso erfreuter, dass ich im Nachgang die Möglichkeit hatte, mir den W40 anhören zu können.

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Tragekomfort & Handhabung
  4. Preis und Technik
  5. Soundcheck & Hörproben
  6. Fazit
  7. Bewertung
  8. Galerie

 

 

1.Verpackung & Zubehör

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Der W40 stand mir leider nicht im Komplettpaket zur Verfügung, wie er für gewöhnlich an Kunden ausgeliefert wird. Daher werde ich den Punkte Verpackung und Zubehör nicht eingehender bewerten. Der Umfang in Sachen mitgelieferter Tipps und Wechselcover ist gut. Zudem sind offensichtlich ein Hifi-Kabel und ein mobiles Kabel mit Kabelfernbedienung enthalten. Bei dem von mir getestetem W40 stand mir nur das Hifi-Kabel zur Verfügung. Die Aufbewahrungsbox ist auch hier eine derzeit offensichtlich sehr angesagte kleine Kunststoffbox im Stile einer Schatztruhe. Ich mag diese Kistchen nicht sonderlich, denn aufgrund der Verschlussart und der integrierten Dichtung, gibt es beim Schließen immer einen zu überwindenden Widerstand, der im Zweifel auch unbemerkt das eingeklemmte Kabel sein kann. Als Aufbewahrung für Zubehör gut, doch für die Hörer selbst würde mir ein Stoffcase besser gefallen.

 

 

2. Design & Verarbeitung

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Im Wesentlichen setzt sich der W40 durch die farblichen Wechselcover im Design von anderen InEars ab. Hinsichtlich des Gehäuses ist er klein gehalten und auch weitestgehend bohnenförmig. Das Kabel wird über dem Ohr getragen. Das Gehäuse sowie die Wechselcover bestehen aus Kunststoff. Beim Anschrauben der Wechselcover sollte man vorsichtig sein, ein Cover hatte bereits einen Riss im Bereich der Verschraubung. Für die Funktion ist das allerdings uninteressant, zudem werden die Cover auch einzeln angeboten. Die Verarbeitung der Kopfhörer ist gut, bringt darüber hinaus jedoch keine Neuerungen oder Besonderheiten mit.

 

 

3. Tragekomfort & Handhabung

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In Sachen Tragekomfort gibt es ebenfalls keine Schwierigkeiten zu erwarten. Mit den unterschiedlichen Tipps ausgestattet, wird vermutlich jeder Nutzer einen sicheren und bequemen Sitz erreichen. Erst beim Hinhören zeigt sich, worauf man beim W40 sehr genau achten sollte; dazu später mehr. Das Einsetzen des W40 als Kopfhörer mit Überwurfkabel liegt im zu erwartendem Bereich. Durch die 360° Drehmöglichkeit ist es mitunter besser, den W40 mit zwei Händen je Seite einzusetzen, was sich dann wiederum sehr einfach gestaltet.

 

 

4. Preis & Technik

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Mit einem Preis zwischen 400 und 500 Euro liegt der W40 bereits im ambitioniertem Preisbereich. Gemessen an so manch anderem InEar im audiophilen Referenzbereich, ist das aber immer noch eine relativ geringe Investition. Vorausgesetzt natürlich,  dass alles andere passt.

 

Mit seinen 4 Balanced Armatur Treibern und einer 3-Wege-Frequenzweiche, die einen Treiber für die Bässe, einen für die Mitten und gleich zwei für die Höhen bedient, steckt zunächst einmal ordentlich Technik im W40. Mit 31 Ohm Impedanz ist er auch in einem Bereich, wo er weitestgehend in Sachen Klang unabhängig der Zuspieler mit ihren unterschiedlichen Ausgangsimpedanzen sein dürfte. Tonal höre ich zumindest keinen Unterschied, ob ich den W40 am Smartphone oder am Kopfhörerverstärker betreibe. Die Kabel sind via MMCX Stecker wechselbar. Die Anschlüsse verfügen über keinen Anschlag und somit sind sie zu 360° wechselbar. Das mir vorliegende Kabel mit dem Stereo 3,5mm Stecker ist durchweg verdrillt und so gefertigt, dass es sich kaum verheddert.

 

Wer über ein symmetrisches MMCX Kabel verfügt, kann das hier mit guter Wahrscheinlichkeit ebenfalls benutzen, wenngleich es sehr wahrscheinlich keine hörbaren Vorteile geben wird, ich zumindest höre keinen Unterschied mit meinem eigenen balanced Kabel.

 

 

 

5. Soundcheck & Hörproben

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An dieser Stelle muss ich etwas ausholen und  zunächst einen Teil des Produkttextes zur W-Serie von Westone zitieren:

Die „W“ Serie wurde speziell für ein optimales, persönliches Hörerlebnis entwickelt. Westone ist überzeugt davon, dass Musikliebhaber genau das hören sollten, was Künstler und Produzenten beabsichtigt haben.“

 

Mein erster Höreindruck war offen gesagt recht ernüchternd. Sehr bassarm, Mitten und Gesang dabei zu sehr nach vorne.

 

So hören also Künstler und Produzenten?

Dann bin ich wohl doch eher eine Ausnahme mit meiner Vorliebe, einen „vollen Klang“ als Grundlage für mein „optimales, persönliches Hörerlebnis“ haben zu wollen.

 

Doch was nun? Einpacken und gut ist?

Im Normalfall hätte ich sofort daran gedacht, dass der InEar sicherlich nicht richtig abdichtet, was durch kleine Bewegungen sich sofort gezeigt hätte. Beim Westone hingegen hat sich auch bei Bewegungen nichts verändert. Ich war schon kurz davor, ihn einzupacken und weiter nicht zu erwähnen, doch dann sind mir dessen Tipps aufgefallen.

 

Diese fallen sehr lang aus, ich möchte sagen, dass sie gut 50% länger sind als Standard Tipps. Dass ich es für Gewöhnlich auch immer etwas schwerer habe, einen dauerhaften Seal zu erreichen, das kannte ich schon. Beim W40 war es aber so, dass er schon gefühlt optimal im Ohr gesessen hat, die Abschirmung vorhanden war und auch Neu-Positionieren nicht zu einem anderen Klang führte.

 

Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass ich besser mal andere Tipps ausprobiere. Die einzigen Tipps mit einem so geringen Durchmesser wie beim W40 sind die Standard-Silikon-Tipps meines Brainwavz InEars. Da diese bei mir gut abdichten, wahrscheinlich keine schlechte Idee, also getan.

Links Original W4o, rechts mit Brainwavz Tipp.

Plötzlich hörte ich einen ganz anderen Kopfhörer. Ein überaus zufriedenstellender Klang im ersten Moment. Diese Erfahrung machte mich neugierig und ich habe weiter experimentiert. Also habe ich die W40 „Brainis“ nun so eingesetzt, dass sie leicht undicht waren. Sofort war wieder der äußerst dünne Klang zu hören. Wieder dezent im Gehörgang hin- und hergeruckelt, hat keine großartige Verbesserung des Klanges bewirkt. Auch das kenne ich anders. Normaler Weise kann ich mich an den optimalen Seal heranarbeiten, warum klappt das nicht?

 

Eben noch gedacht, „das ist aber komisch“, war dann mit einem Mal plötzlich der volle Klang wieder da. Da scheinen die W40 wohl sehr sensibel auf jedwede Undichtigkeit zu reagieren, warum auch immer.

 

Im zweiten Schritt habe ich dann die originalen Tipps aufgezogen, doch mit diesen hatte ich wieder keinen Erfolg. Der Sache wollte ich dann auf den Grund kommen und so habe ich mir die langen Tipps etwas näher betrachtet. Beim Versuch die W40 zu messen, konnte ich dann feststellen, dass bei ungünstiger Krafteinwirkung sich eine leichte, längliche Delle bildet. Die allein scheint schon dafür zu sorgen, dass irgendwo ein minimaler Luftspalt entsteht, der zu dieser Beeinträchtigung des Klanges führt.

 

Die „Small“ Tipps des W40 Lieferumfanges sitzen bei mir immer lose und die „Large“ bekommen ich nicht weit genug in mein Ohr, die falten sich dann direkt ein. Auch die mitgelieferten Schaumstoff Tipps funktionieren nicht, wie ich es benötige. Setze ich diese so ein, dass der W40 angenehm und sicher sitzt, dann verengen sich deren Spitzen so sehr, dass im oberen Mitten- und Hochtonbereich Klangveränderungen in Form von Dämpfung eintreten.

 

Der W40 ist mit den mitgelieferten Tipps für mich mit meiner anatomischen Ohr-Geometrie ein echtes Sensibelchen. Gut nur, dass ich über Tipps verfüge, die ich alternativ anbringen konnte. Mit den Brainwavz Tipps ausgestattet, klappt es auch mit dem W40 und nichts steht der Hörprobe im Weg.

 

 

Hörproben

 

Nach der allerersten klanglichen Enttäuschung bin ich froh, den W40 für mich doch noch trag- und hörbar hinbekommen zu haben.

 

„Your Song“ von Rita Ora

 

 

Als eines der kritischsten Stücke, wenn es um übertriebenen Hochton geht, habe ich mir Rita Ora mit „Your Song“ zuerst angehört. Alles gut. Der W40 kann im Ohr bleiben. Natürlich ist die grenzwertige Abmischung zu hören, doch keinesfalls schmerzen mir die Ohren bei diesem Lied. Der Hochton des W40 ist schon recht weich und dennoch sind Details gut heraushörbar. Hier wurde offensichtlich besonderen Wert auf die Abstimmung der zwei BAs für den Hochtonbereich gelegt. Ansprüche an deutlich betonte Akzente im Hochton erfüllt der W40 jedoch nicht.

 

„Dacoit Duel“ von A.R.Rahman

 

 

Der gesamte Mittenbereich bis hinunter in den Oberbass gefällt mir tonal auch sehr gut. Stimmen und Instrumente höre ich so, wie ich sie in Erinnerung habe, wenn ich sie live höre. Im Titel „Dacoit Duel“ von A.R.Rahman, ein rein instrumentales Stück, unter anderem mit orientalischen/fernöstlichen Instrumenten und großartigen Trommeln neben orchestraler Instrumentierung, klingt der W40 schon sehr „musikalisch“ und stellt alle Details sauber und einzeln hörbar dar. Lediglich im Bereich der Dynamik fehlt mir das letzte Quäntchen.

 

„Icarus“ von den Lovebirds

 

 

Der Bass wird bei allen von mir gehörten Stücken stets zu meiner vollsten Zufriedenheit wiedergegeben. Der W40 geht bis tief in den Keller. Eine besondere Betonung kann ich im Bass nicht feststellen. Allenfalls eine leichte Würze, die besonders Kickbässe zur Geltung kommen lassen. Nach anfänglichem kleinen Schock zur Bassarmut liegt mit den richtigen Tipps der W40 nun genau auf meiner Wellenlänge.

 

„The Fligh of Apollo“ von Angels & Airwaves

 

 

Bei diesem Stück überzeugt mich der W40 auch bis auf eine etwas flache Darstellung. Hier fehlt mir wieder etwas an Dynamik. Dennoch gibt der W40 dieses Stück ehrlich wieder und Dank des sanften Hochtons ist das Genre Metall insgesamt mit dem W40 für mich kein Problem. Da bin ich für gewöhnlich recht empfindlich, wenn sich alle Instrumente irgendwann überlagern und der Hochton mir zusetzt. Beim W40 ist das nicht der Fall und dennoch sind auch hier alle Details hervorragend heraus zu höre.

 

Der W40 gehört ganz klar zu der Kategorie musikalisch spielender und warm abgestimmter Kopfhörer. Er macht einfach dauerhaft Spaß beim unbeschwerten und ehrlichen Musikhören.

 

 

 

 

6. Fazit

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Ich empfinde den W40 als guten bis sehr guten InEar Kopfhörer. Bei der Dynamik wäre für meinen Geschmack jedoch noch etwas mehr möglich. Tonal trifft er nach meiner individuellen Tipp-Anpassung genau meinen Nerv. Hinsichtlich Tragekomfort ist er ohne Kritik. Besonders gefällt mir, dass der W40 sogar am Smartphone sehr laut gespielt werden kann und auch sehr gut dabei klingt. Das fehlende Quäntchen bei der Dynamik habe ich im Betrieb am Kopfhörerverstärker vermisst. Da skaliert der W40 nicht mehr, was aber umgekehrt auch wieder seine Qualität auch als universell mobil einsetzbarer InEar aufzeigt.

Unterm Strich handelt es sich beim W40 um einen Kopfhörer mit Potential im Bereich Handhabung, Haptik und Zubehör, jedoch auch um einen klanglich herausragenden, wenn auch sensiblen InEar nahe an der Referenzklasse.

 

 

PS:

Abzüge in Sachen Komfort oder Klang vergebe ich nicht, auch wenn ich mit den mitgelieferten Tipps den W40 nicht ordentlich hören konnte. Für meine speziellen Ohren kann ja nun niemand etwas. Umso wichtiger ist es, dass vielleicht der ein oder andere sich an meinen Bericht erinnert und  besonders dann, wenn er den W40 ebenfalls hört und ihm dieser anfänglich auch als etwas schwach im Bass vorkommt.

 

 

7. Bewertung

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Gut +

 

 

 

 

8. Galerie

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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s

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