IEM iBasso iT04 im Test – Hybrid In Ear Kopfhörer mit 4 Treibern und Flaggschiff-Anspruch

Jeder namhafte Hersteller im Bereich Kopfhörer bietet mit der Zeit immer neue Flaggschiffe zu immer höheren Preisen an. Spätestens diesem Prinzip folgend, bewegt sich iBasso mit dem iT04 und einem Verkaufspreis in Deutschland von 599,-€ nun auch in diese Richtung. Allerdings muss im gleichen Zug auch ein überzeugendes Flaggschiff abgeliefert werden. Ob iBasso das gelungen ist?

 

 


An dieser Stelle vielen Dank an iBasso.de für die freundliche Leihgabe des iT04.


Vorwort

Als ich von iBasso Deutschland gefragt wurde, ob ich Lust hätte, den neuen iBasso IEM zu testen, sagte ich natürlich spontan ja. Zu dem Zeitpunkt war mir aber noch nicht bewusst, welches Preisschild an ihm hängen würde. Ich war aber sehr gespannt, was da Neues von iBasso kommen wird.
Ich wäre persönlich schon sehr enttäuscht gewesen, wenn iBasso die bisher sehr guten InEar Kopfhörer iT01 und iT03 einfach nur zusammen geschüttelt und für Änderungen Bereich von Nuancen einen kräftigen Aufpreis kalkuliert hätte. Ich darf vorwegnehmen, das ist nicht passiert. Der iT04 ist ein völlig eigenständiger IEM und darf völlig zurecht als Flaggschiff bezeichnet werden.

Erfahrungsbericht in drei Akten

Dieser Artikel hat Zeit gebraucht, viel Zeit. Beim iT04 fiel es mir schwer, die nötige Neutralität zum Produkt herzustellen. Bisher hatte ich bei keinem anderen Produkt im Vorfeld abwechselnd mit Euphorie und Misstrauen zu tun. Schuld daran war ganz offen gesagt meine persönliche Erwartungshaltung und Hoffnung zum iT04 und zugleich auch meine Bedenken, was passiert, wenn er meine absolut subjektiven Erwartungen nicht erfüllt. Im Ergebnis nur einen einfachen Bericht zu schreiben, würde dieser Entstehungsgeschichte nicht gerecht werden.
So gibt es nun drei Akte. Der erste Akt beschreibt, wie mich der iT04 bereits im Vorfeld beschäftigt hat und für Hoffnungen und zugleich Bedenken gesorgt hat. Der zweite Akt beschreibt den iT04 wirklich in der Hand zu halten, ihn auszupacken und die ersten Hörproben mit ihm zu absolvieren. Der dritte Akt stellt gewissermaßen die Auflösung dar, er ist der eigentliche Produkttest des iT04 und beschäftigt sich wie sonst üblich mit der Technik, dem Klang, Hörproben und so weiter.

1 Akt – Vorfreude & Bedenken

Als ich von dem iT04 vor einigen Wochen zum ersten Mal hörte und er mir für einen Test in Aussicht gestellt wurde, habe ich vor lauter Entzückung einen groben Fehler begangen und bin von meinem üblichen Vorgehen abgewichen. Ich habe es vermieden, mir Informationen vorab aus anderen Tests zu holen, um möglichst unvoreingenommen für meinen Ersteindruck zu sein.
Das hielt ich für eine super Idee. Genau das war aber auch der Fehler. Da ich schon einige Zeit vorher wusste, dass ich den iT04 erhalten werde, war ich auch eine recht lange Zeit vorab schon sehr gespannt auf den iBasso iT04. Allein angesichts des Verkaufspreises war meine Erwartungshaltung bereits sehr hoch. Meine persönliche Schallgrenze liegt – eigentlich – bei der Hälfte der 599,-€, die für den iT04 aufgerufen werden, und so halte ich prinzipiell den Verkaufspreis für ein paar Gramm Hardware für sehr ambitioniert.
Auf der anderen Seite, wenn alles stimmt, sind 599,-€ aber lange auch keine 999,-€, was für eine Fidue A91 Sirius fällig wird. Unter dem Aspekt erscheinen mir dann plötzlich auch die 599,-€ wiederum „machbar“.
Seit ich den Fidue hören durfte, der schon nahe an mein persönliches Optimum herangekommen ist, gibt es eben auch Ausnahmekandidaten. Ob der iBasso ein Ausnahmekandidat sein würde, war meine Hoffnung. Zugleich war ich aber auch wieder sehr skeptisch, da der iBasso offensichtlich kein Gehäuse aus vermeintlich „hochwertigerem“ Aluminium mitbringt. Trotzdem hatte ich meinen Entschluss durchgezogen, mir keine anderen Testberichte zum iT04 anzusehen. Mit der Sicht in den Rückspiegel wäre ich mit etwas mehr Vorabinformation und Eindrücke anderer Tester sicherlich deutlich entspannter an den iT04 herangegangen.

2 Akt – Unboxing & Ersteindruck

Am Ende meiner Wartezeit war es dann endlich soweit und ich hielt dass Paket von iBasso in der Hand und beim Auspacken war ich dann sehr gespannt. Zugleich habe ich einen gedanklichen „Reset“ durchgeführt, als ich die weiß gehaltene Produktverpackung in den Händen hielt und sie von ihrer Zelofan-Folie befreite und den eigentlichen Karton aus der ummantelnden Pappe herauszog.


Nach dem Aufschlagen des Kartons sind die Aufbewahrungsdose und die Pappschachteln mit Zubehör und Dokumente zu sehen. Die elegante Aufbewahrungsdose aus Aluminium ist verschraubbar. Nach dem Öffnen der Dose, fällt der Blick sofort auf die silbern schimmernden Faceplates mit dem InTune-Schriftzug. Die Metalldose erinnert sofort an die des Fidue Sirius A91, der für 999,-€ über den Ladentisch geht. Den hatte ich bereits getestet und nur der Preis hielt mich ab, ihn mir als mein persönliches IEM Highlight anzuschaffen. Schon an dieser Stelle drängt sich mir der Fidue als unbedingter Vergleichskandidat auf. Mein Eindruck zum Fidue kurz zusammengefasst. Er verfügt über Metallgehäuse, nahezu perfekten Klang und sehr guten Sitz, ist aber kein Schnäppchen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf nahm ich die iT04 Gehäuse in die Hand, um das mitgelieferte CB12 Kabel an ihnen zu befestigen und die erste Klangprobe zu machen. Mit den Gehäusen zwischen meinen Fingern, dachte ich sofort wieder „KEIN Metallgehäuse! Auweia… und das bei einem Flaggschiff“. Die Gehäuse wirken nicht nur im Vergleich zu den flachen Metallgehäusen des Sirius sehr klobig. Ich erinnere mich nicht, bisher einen InEar mit so einem großvolumigen Gehäuse benutzt zu haben. Spannend.

Beim ersten Einsetzen fällt mir sofort der sehr gute Tragekomfort und deren akustische Abschottung auf. Ein erster Pluspunkt. Das Kabel sammelt auch sofort zwei Pluspunkte. Zum einen, dass es durch den Adapter balanced und unbalanced nutzbar ist, und zum anderen, dass es keine Versteifungen hinter den MMCX Steckern gibt und das Kabel natürlich über die Ohren fällt. Ich bin kein Freund von den formbaren und oft trotzdem steifen Überohrbügeln.

Auch wenn das iPhone keine audiophiler DAP ist und via Spotify Musik in komprimierter Form abgespielt wird, so beeindruckt mich der Klang schon in diesem Szenario. Der iBasso iT04 hat meinen Eröffnungszug hervorragend gemeistert und so habe ich direkt gute zwei Stunden damit zugebracht, mich querbeet durch mein Musik zu hören, um am Ende festzustellen, dass ich bildlich weder akustisch noch beim Tragekomfort irgendein Haar in der Suppe finden konnte. In dem Moment hatten sich meine bis dahin bestehenden Bedenken in Luft aufgelöst. Um aber nicht direkt entfacht vom New-Toy-Syndrom ins Schwärmen zu verfallen, habe ich den iT04 einige Tage mit verschiedenen Zuspielern genutzt, um dann etwas abgeklärter zu berichten.

3 Akt – Test & Vergleich

Technische Daten

Die Technischen Details sind schnell genannt. Ein Gehäuse des iT04 wiegt 13 Gramm und besteht aus hochwertigem Kunststoff mit eingearbeiteten Faceplates aus Carbon. Die Gehäuse fallen groß aus und besitzen eine ausgeprägte 3D Form, die der Ohrmuschel nachempfunden ist.
Mit nur 19 Ohm und 110dB/mW Wirkungsgrad ist der iT04 sehr leicht anzutreiben und auch an leistungsschwächeren Geräten gut zu betreiben. An meinem iPhone 6S+ spielt er jedenfalls sehr, sehr laut.
Eine symmetrische Nutzung ist dank des mitgelieferten etwa 1,4m langen, geflochtenem Kabel mit 4-poligem 2,5mm Klinke-Stecker möglich, welches von iBasso auch einzeln als Upgrade-Artikel mit der Bezeichnung CB12 erhältlich ist. Auch die Nutzung am 3,5mm Stereo-Klinke Anschluss ist mittels enthaltenem Adapter gewährleistet. Dieses Kabel ist etwa 10cm lang und in der Optik des Hauptkabels ausgeführt.

 

Verarbeitung & Tragekomfort

Aluminium ist zuerst immer sehr kühl. Der iT04 hat den Vorteil, dass er beim Einsetzen unmittelbar als angenehm warm empfunden wird. Trotz oder gerade aufgrund der Gehäusegröße gefällt mir dessen 3D Form und die glatte Oberfläche sehr gut, besser als die oft leicht rauen Oberflächen von Aluminiumgehäusen. Die von iBasso gewählte und im Vergleich zum iT03 deutlich größere 3D Form sorgt für mich schon beim ersten Einsetzen für einen optimalen Tragkomfort. Der iT04 sitzt bei mir quasi wie im Ohr eingegossen und ist auch nach Stunden des Tragens absolut unauffällig. Die Verarbeitung der Gehäuse ist einwandfrei. Auch auf Druck geben sie nicht nach, ebenso knackt oder knarrt nichts. Die MMCX Anschlüsse sind schön eingearbeitet und auch sonst gibt es keine Kanten, Grate, Spalte oder sonstige Fehlstellen an den Gehäusen. Das ist definitiv Flaggschiff-Niveau.

Klang & Hörproben

Der iT04 spielt im ersten Moment unauffällig, sprich ich kann ihm innerhalb der ersten Minuten keine besondere tonale Eigenschaft zusprechen. Beispielsweise war beim iT01 seine spaßige Abstimmung von der ersten Sekunde an zu hören. Der iT03 hingegen war für mich direkt eher analytisch unterwegs. Der iT04 klingt voll, präzise und klar ohne betont oder zurückgenommen zu wirken, also einfach „rund“.
Weitläufig würde hier sicher das Adjektiv neutral verwendet werden. Da aber jeder Klang anders wahrnimmt, möchte ich eher von authentisch sprechen, denn für mich klingt er fast so, als höre ich live mit meinen eigenen Ohren. Aus diesem Impuls entstand die spontane Idee mit dem iT04 einmal ein Monitoring einer Atmo-Aufnahmen mit meinem TASCAM DR-40 durchzuführen. Dieser zeichnet quasi linear auf, ohne selbst den Klang zu beeinflussen. Der iBasso iT04 klingt dabei genauso, als höre ich alles um mich herum live. Ziehe ich beim Monitoring nur den rechten oder linken InEar aus meinem Ohr, ändert sich für mich der Klangeindruck nicht. Bei korrekt eingestellter Abhörlautstärke kann ich tonal keinen Unterschied ausmachen. Das stellt sich für mich als der ultimative Test heraus, um festzustellen, ob ein Kopfhörer für mich authentisch klingt oder nicht. Zum Vergleich habe ich das mit ein paar meiner anderen Kopfhörern auch getestet, doch nicht mit dem Erfolg des iT04. Ich besitze einige Kopfhörer, die da zu 80-90 Prozent herankommen, jedoch „passen“ insbesondere OverEar Kopfhörer oft im Bassbereich nicht so recht. Das Ohr adaptiert das Ohr zwar schnell, doch beim iT04 ist keine Adaption bei mir notwendig. Konkret bedeutet das, dass sich der iT04 für mich einfach auf den Punkt authentisch anhört. Für mich aktuell in Sachen authentisch spielender Kopfhörer das Beste, was ich kenne. Endspielpotential.



Hörproben

Es ist nun klar, dass der iT04 hinsichtlich authentischem Klang für mich zum Zeitpunkt dieses Artikels als IEM das Non-Plus-Ultra darstellt. Damit habe ich allerdings noch nicht beleuchtet, wie es um ihn steht, wenn ich ihn unter dem Aspekt meiner Vorliebe für gesoundetes Musikhören geht. Da gefallen mit für gewöhnlich eher Kopfhörer, die etwas mehr Tiefbass liefern, in den Mitten leicht zurückgesetzt sind und im Hochton klar und brillant klingen, mir also meine geliebte TP-Signatur liefern – was die TP-Signatur ist, kann hier nachgelesen werden. Stellvertretend möchte ich als Beispiel den Focal Elex und auch den AEON Flow Closed anbringen, beides allerdings OverEar Kopfhörer. Wie der iT04 meine Teststücke meistert, das nun endlich in den Hörproben…

Sting „Englishman in New York“

Schon in den ersten 10 Sekunden zeigt sich hier, in welchem Bereich ein Kopfhörer zurückgenommen oder betonter zu Werke geht. Schon in der ersten Sekunde leiten Bass und Hochton mit dem iT04 den Song gleichberechtigt ein. Sehr oft überwiegt entweder der Bass oder der Hochton oder beides ist gleichberechtigt geboostet, so dass entweder der Hochton „klirrt“ oder der Bass übersteuert. Beim iT04 ist auch bei hoher Lautstärke das „Opening“ schön kontrolliert. Die einzelnen schnellen Schläge auf die Becken sind präzise und jeweils einzeln zu hören, und zwar ohne dass sie im Vordergrund stehen. Der Bass reicht tief und ist dabei unauffällig. Er trägt das gesamte Stück ohne mit der Zeit zu viel zu werden. Auch das Break, welches etwas vehementer und druckvoller spielt, bleibt kontrolliert. Die Tiefe der Instrumentierung stellt der iT04 sehr gut dar, lediglich ist die Räumlichkeit typisch für In Ear Kopfhörer eher intim. Sehr positiv ist, das insgesamt der feine Song „Englishman in New York“ nicht zu einer Art Dance-Track mutiert.


Petra Magoni „Eleanor Rigby“

Zu Anfang klingt der Bass ausgesprochen voluminös. Bis der Gesang von Petra Magoni einsetzt, habe ich das Gefühl, das könnte zu viel sein. Ist es aber nicht, denn sofort rückt die instrumentale Begleitung in den Hintergrund obgleich jede Note sehr präzise hörbar ist. Gesang und instrumentale Begleitung ergänzen sich hervorragen. Die Stimmenwiedergabe ist absolut hervorragend.


Jeff Cascaro „When she sings to me“

Immer der erste Song, den ich mit einem neuen Kopfhörer komplett durchhöre. Wenn am Ende der 5 Miunten 55 Sekunden ein entspannter Eindruck bleibt, weiß ich, dass der Proband in meiner persönlichen Referenzklasse spielt. In dem ruhigen Song gibt es so viele eingearbeitete Details, die bei zu viel Betonung sich nicht einfügen und statt Akzente zu setzen das Stück gewissermaßen unterbrechen, dass mit diesem einen Song bereits die Spreu vom Weizen getrennt wird. Beim iT04 passt alles. Daher hier kurz die Fallen, in die Kopfhörer oft tapsen. Ein Überbetonter Bass mit zu viel Punch sorgt dafür, dass das der Song laut gehört zu ungewollt zwinkernden Augen führt. Akzente durch kurze Klänge ala Holzklangstäbe, Triangeln oder seidige Läufe von Metallwindspielen klingen gern unnatürlich. Das liegt dann oft weniger an einer einzelnen Betonung sondern vielmehr an der Unausgewogenheit der Darstellung des notwendigen Frequenzbereiches. All das meistert der iT04 erstaunlich entspannt. Auch in diesem Song ist die Wiedergabe des Gesangs einwandfrei.


Alpha Blondie „Sankara

Hier reichen die ersten Sekunden, um zu merken, dass der iT04 auch mit bereits extrem gemasterten Songs zurecht kommt. Bass und Hochton sind hier schon extrem gesoundet, so ist der Hochton schon sehr klar und fast schon schneidend angelegt. Beim iT01 ist mir das persönlich schon deutlich zu viel des Guten. Auch im Bass langt der Song schon an sich kräftig zu. Mit dem iT01 ist dieser Song einer von wenigen, die ich mit ihm wenn überhaupt nur leise hlren kann. Mit dem iT04 hingegen klingt der Song sehr spaßig abgestimmt, ohne dass ich auch laut Ohrenschmerzen bekomme. Das spricht einmal mehr für die ausgewogene Klangreproduktion des iT04.


Boris Blank „Fat Roller“

Auch dieses Musikstück zeigt für mich sofort, ob ein Kopfhörer Potential hat oder nicht. Wenn ein Kopfhörer mit zu wenig Tiefbass ausgestattet ist, klingt dieses Stück einfach zu hell. Es lebt gewissermaßen von dem federnden Tiefbass als Gegenpol zum klar betontem Bereich der oberen Mitten und des Hochtons. Mit dem iT04 passt alles perfekt.


Caliban „Paralyzed“

Diese Art der Musik, wo ganz viel los ist und eben es eben nicht darauf ankommt, nur einzeln spielende Instrumente sauber abzubilden, meistert der iT04 ebenfalls erstaunlich gut. Schlagzeug, Gesang, E-Gitarren, choraler Hintergrundgesang… alles wird so dargestellt, dass es nicht zu einem Brei verschwimmt. Auch wenn ich diese Art der Musik nicht favorisiere, fällt es mir mit dem iT04 nicht schwer, den Song durch zu hören und auch ein wenig Gefallen an ihm zu finden. Allerdings kann auch der iT04 hier keine Wunder vollbringen. 😉


Finnebassen „If you only knew“

So… hier geht die Luzi so richtig ab. Dieser Elctronic Dance Track haut rein und irgendwie habe ich das Gefühl, den immer lauter zu drehen wollen. Fette Bässe schöne klare Akzente, Instrumente druckvoll. Disco-Feeling pur. Der iT04 macht das alles klaglos mit, meine Ohren irgendwann nicht mehr.


Michael Jackson „Billie Jean“

Nun noch ein Klassiker und Meilenstein im Bereich des Pop. Billie Jean ist ebenfalls sehr hell und zugleich mit ordentlich Punch abgemischt. Wenn es ein Kopfhörer mit der Betonung im Hochton nur etwas zu gut meint, dann macht mir der Song keinen Spaß, da schnell jeder Anschlag in meinen Ohren piksende Schmerzen verursacht. Auch hier zeigt der iT04 wie genial der abgestimmt ist. Mit Punch im Bass und zugleich klaren und kräftigen Höhen schafft er den Spagat auch bei hoher Lautstärke.


Playlist Miniklangwunder

Im Prinzip könnte ich nahezu endlos so weiter machen und zu allen Songs meiner Miniklangwunder Playlist auf Spotify etwas schreiben, am Ende würde sich aber eines immer wiederholen, nämlich wie außerordentlich gut mir das Anhören mit dem iT04 gefällt. Selbst beim x-ten Mal Hören und auch während ich diesen Bericht schreibe, versetzt mich der iT04 ins Staunen, wie gut er alle diese Songs und unterschiedlichen Genres wie selbstverständlich wiedergibt und ich einfach nichts zu meckern finde.
Chapeau iBasso!


 

Klangfazit & Vergleich

Zusammenfassend möchte ich den iT04 so beschreiben. Im Bass spielt er tief und gleichbleibend energetisch hinunter, ohne dass er irgendeinen Bereich besonders betont. Das gilt gleichermaßen für die Mitten, Gesang und Instrumente als auch für die Brillanz und den Hochton. Die Abstimmung der vier Treiber zueinander ist iBasso hervorragend gelungen. Der dynamische Treiber reproduziert sanfte Bässe weich und federnd genauso wie er Kicks schnell und hart abbildet. Gesang und Instrumente stellt er gleichberechtigt dar und auch im Hochton übertreibt er zu keiner Zeit, lässt es aber auch nicht an Details mangeln. Die Separation von Instrumenten erledigt er spielend. So erinnert mich der iT04 mit seinen Balanced Armatur Treibern was die oberen Mitten und den Hochton angeht im positiven Sinn an den AEON Flow Closed. Dieser separiert Instrumente ebenfalls sehr genau und spielt äußerst klar, ohne zu übertreiben. Für einen IEM hat der iT04 eine überdurchschnittliche Bühne und kommt auch fast an die des AEON heran. Dennoch punkten hier die offenen OverEar Kollegen im direkten Vergleich. Trotzdem spielen mit dem iT04 alle Instrumente exakt differenzierbar an unterschiedlichen Stellen um Raum platziert, auch wenn dieser etwas kleiner, intimer abgebildet wird. Mit der Dynamik hat der iT04 keinerlei Probleme und steht dem Focal Elex im Prinzip in Nichts nach. Der iT04 ist im Tiefbass sogar noch etwas „echter“ als der Focal, dieser hat wiederum aufgrund seiner Bauweise noch leichte Vorteile in der Schnelligkeit.

Vergleich der IEMs iT01, iT04 und A91

 

Fazit & Bewertung

Die Vergleiche zwischen den hier genannten OverEars und dem iT04 erscheinen vielleicht etwas unfair, doch von der Darstellung der Bühne abgesehen, liegt er mit beiden auf Augenhöhe und vereint sogar die Vorteile dieser gekonnt miteinander. Mit Blick auf den Bereich der IEM ist mir derzeit bis auf den deutlich teureren Fidue Sirius A91 kein anderer bekannt, der mich klanglich so abholt wie der iT04. Mit dem für mich nahezu perfekten Tragekomfort ist der iBasso iT04 als IEM derzeit unschlagbar.
Wer ähnliche Vorlieben in Richtung Klangreproduktion hat und wer sich hinsichtlich Formfaktor ebenfalls in meinen Beschreibungen wiederfindet und wer die Investition von 599,-€ nicht scheut, sollte sich den iT04 unbedingt anhören. Von mir jedenfalls erhält der iT04 meine uneingeschränkte Empfehlung!

PS:
Der iT04 wird auf der Audiovista am 24. & 25. November 2018 zu hören sein!
Details dazu hier…


  • 100%
    Tiefbass - 100%
  • 99%
    Bass - 99%
  • 99%
    Mitten / Stimmen - 99%
  • 98%
    Mitten / Instrumente - 98%
  • 98%
    Obere Mitten - 98%
  • 98%
    Brillanz / Hochton - 98%
  • 96%
    Dynamik - 96%
  • 96%
    Design - 96%
  • 99%
    Konstruktion - 99%
  • 100%
    Verarbeitung - 100%
  • 100%
    Tragekomfort - 100%
  • 80%
    Preis - 80%
  • 90%
    Räumlichkeit - 90%
96.4%

 

Video & Galerie




Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0