iBasso DX80 im Test – Volks-DAP oder Liebhabergerät?

Wer auf der Suche nach einen ordentlichen Digitalen Audio Player im Bereich um 400€ ist, der kommt um die Marke iBasso und den DX80 nicht herum. Schon seit 2015 ist er auf dem Markt und überzeugt auch heute noch mit seinen Qualitäten. Im Design polarisiert dieser DAP sicherlich, in der Bedienung jedoch legt er die Messlatte spätestens mit der letzten SW-Version v1.6.0 vom 31. Mai 2017 verdammt hoch!

 

Dank des deutschen Vertriebes NT-Global von iBasso konnte ich mich einige Wochen anhand eines Leihgerätes selbst von den Qualitäten des DX80 überzeugen. Einfluss hat diese Leihstellung auf meine persönliche Meinung nicht.

 

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Handhabung & Haptik
  4. Wiedergabe & Soundcheck
  5. Pro & Contra
  6. Fazit
  7. Bewertung
  8. Galerie

 

 

1. Verpackung & Zubehör

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Black is beautiful!“ scheint das Motto bei iBasso zu sein, naja, zumindest Anthrazit. Der DAP wird in einem sehr ansprechenden schwarzen Pappschuber geliefert, welcher spärlich bedruckt ist. Weniger ist mehr. Nach dem Öffnen „liegt“ der iBasso DX80 sicher gebetet in einem aufgeschäumten Profil. Das Zubehör befindet sich in der Ebene darunter und neben einer Hülle aus Silikon, einem Micro-USB-Kabel, einem SPDIF-Kabel und dem Handbuch gibt es noch ein Kabel für den Burn in. Insgesamt ein rundes, solides Paket.

 

 

 

2. Design & Verarbeitung

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Der iBasso DX80 verfügt über ein barrenförmiges Design, welche jedoch an den seitlichen Längsflächen jeweils mittels eines Pyramidenausschnittes verschlankt werden. So wirkt er trotz seines Gewichtes von 179gr und einem Volumen von ca. 125ml (Länge 12cm, Breite ca. 6cm, Dicke 1,7cm) sogar noch schlank. In der Hand fühlt er sich robust und hochwertig an, wenn auch etwas kantig. Aber genau das macht auch sein spezielles Design aus.

Das 3,5“ Touch-Display ist minimal vertieft eingebettet und macht auf den ersten Blick einen 

guten Eindruck. Mechanische Tasten für die „blinde Bedienung“ z.B. direkt in der Hosentasche befinden sich links und rechts am Aluminiumgehäuse und direkt unter dem Touch-Display. An der Unterseite sind der 3,5mm Kopfhörerausgang und der 3,5mm Line-Out Ausgang perfekt eingearbeitet. Auf der Oberseite ist neben der Micro-USB-Buchse und den zwei MicroSD-Kartenschächten noch der Digitale SPDIF-Ausgang im 3,5mm-Klinke-Format untergebracht.

Die Verarbeitung ist von höchster Qualität und der iBasso überzeugt haptisch auf ganzer Linie.

 

 

3. Handhabung & Haptik

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Alle Tasten haben einen sehr guten Druckpunkt und das Touch-Display reagiert schnell und zuverlässig. Zum Einsatz kommt ein proprietäres System, welches sich auf die wesentlichen Aspekte eines DAPs konzentriert. Durch die intuitive und einfache Bedienung gepaart mit hervorragender Darstellung sowohl optisch als auch akustisch, macht ess einfach Spaß sich mit dem iBasso DX80 zu beschäftigen.

iBasso beschränkt den DX80 auf das Wesentliche. Der DX80 ist ein Arbeitstier im positivsten Sinn. Keine unnötigen Funktionen, nicht zu viele Optionen und eine aufgeräumte GUI machen ihn allein aus diesem Gesichtspunkt schon zu einer Empfehlung. Und in Sachen abspielbarer Formate kann ich mich auch nicht beschweren. Ich habe keine Probleme gehabt, alle meine unterschiedlichen Musikformate mit ihm abspielen zu können, selbst Dire Straits im 6-Kanal-Flac meistert der DX80 ohne Not.

Nach dem Start befindet man sich sofort in der Playersoftware. Von dort aus gelangt man durch Streichen in horizontaler und vertikaler Richtung in die verschiedenen Menüs, welche sich in Kachelausführung präsentieren. Damit das stets klappt, sollte man möglichst am Rand des Displays mit dem Finger satt ansetzen und gleichmässig über die Hälfte des Displays streichen. Andernfalls arbeitet die Menüanforderung nicht immer zuverlässig.

Die Menüs sind logisch aufgeteilt. Von links gestrichen öffnet sich „Meine Musik“. Dort können die unterschiedlichen Auflistungen nach Künstler, Album, Titel, Verzeichnis usw. eingestellt wie auch Wiedergabelisten erstellt werden. Das von rechts aufklappende Menü handelt von den „Einstellungen“ des Players. Dort können alle Grundparameter eingestellt werden. Das Verlassen der Menüs geschieht durch ein Tippen in die linke obere Bildschirmecke. Eine Art „Schnellmenü“ mit den wichtigsten Einstellungen erreicht man von durch das Streichen von oben nach unten. Streichen in umgekehrte Richtung schließt das Menü wieder. Im „Schnellmenü“ lassen sich Gapless-Play, Gain, Digitaler Filter, der zu benutzende USB-Modus z.B. Betrieb als DAC sowie die Abspielmodi auswählen.

Egal ob der DX80 mit dem Dekodieren von 6-Kanal-Sound bereits gefordert ist, die Bedienung reagiert prompt und es entstehen keine Wartezeiten, die auf eine zu hohe Systemauslastung hindeuten. Das schaffen nicht alle DAPs. Hier zeigt sich die hervorragende Abstimmung von iBasso zwischen Hard- und Software.

Natürlich gehört zur Haptik auch das Display selbst bzw. seine Darstellung. Mit 3,2 Zoll (9,4cm) Diagonale und einer Auflösung von 480×800 in IPS-Technik stellt es alle Informationen aus jedem Blickwinkel scharf dar. Lediglich die maximale Helligkeit kommt gegen das direkte Sonnenlicht im Freien nicht an. Aber das ist eine Limitierung, die der Technologie der Displays im Allgemeinen geschuldet ist und daher nicht ungewöhnlich.

Unter Strich kann ich sagen, dass iBasso mit dem DX80 einen sher stimmigen DAP anbietet, was die Bedienung und Haptik angeht. Sehr gut!

 

4. Wiedergabe & Soundcheck

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Zur Technik

Beginnen möchte ich mit den Möglichkeiten, die der DX80 für die Klangwiedergabe bietet. Neben der obligatorischen Möglichkeit, einen Kopfhörer mittels 3,5mm Klinkeanschluß anschliessen zu können, stehen noch ein analoger Lineout Anschluß sowie ein kombinierter digitaler SPDIF elektrisch als auch optisch in 3,5mm Klinke-Technik zur Verfügung. Kopfhörer mit 32Ohm Impedanz werden mit maximal 260mW angesteuert. Wem das nichts kann ich insofern beruhigen, dass ein Audeze LCD-2 bereits im Low-Gain-Betrieb auf maximaler Lautstärke so laut ist, wie ich ab und mir nur einzelne Musikstücke anhöre, wenn es mal „abgehen soll“. Erst im High-Gain habe ich das Gefühl, dass der DX80 im obersten Bereich den Audeze nicht mehr komplett sauber ansteuert. Am Questyle CMA400i als stationärer Kopfhörerverstärker spielt der Audeze bei entsprechender Lautstärke noch absolut sauber.

 

Der iBasso DX80 bringt keinen integrierten Speicher mit, jedoch bietet er zwei MicroSD-Kartenschächte, durch welche dann bis zu 2x 2TB Speicherplatz möglich sind. Das sollte für einen mobilen Player mehr auls nur ausreichend sein. Tatsächlich ist es so, dass z.B. das 6-Kanal-Flac „Brothers in Arms“ Album der Dire Straits bereits 1,5GB groß ist. Aber selbst dann würden 1.000 solcher Alben diese maximalen 4TB lange nicht ausreizen. In „gewöhnlichen“ 320kB MP3s gerechnet bedeutet das grob Faktor 10, sprich 20.000 Alben sollten dann auch locker möglich sein. Wie gesagt, mehr als genug Speicherplatz für ein mobiles Gerät für den Privatgebrauch.

 

Was die abspielbaren Formate angeht, da hat mich der DX80 doch überrascht, denn ich hatte nicht erwartet, dass er mit den 6-Kanal-Flacs überhaupt zurecht kommt. Es gibt Geräte anderer Hersteller in anderen Preislagen, welche zugegeben deutlich mehr Funktionen an Bord haben und auch per WiFi stream können usw. dafür aber diese Dateien nur mit Mühe wiedergeben können. Konkret klappt das Vorspulen im Stück oftmals nicht, das scheint besondere Anforderungen an den Rechner zu stellen. Auch hier kann ich mich nur wiederholen, der DX80 frisst bisher alles, mit was ich ihn gefüttert habe, soweit es natürlich in den Spezifikationen aufgeführt ist. Bei DSD256 ist Schluß, doch bei FLAC-Dateien ist er eben nicht wählerisch.

 

 

Der integrierte Akku von 3.600mAh ist je nach Netzteilfähigkeit per MicroUSB im Zeitraum 3 bis maximal 8 Stunden aufgeladen. Bis zu 13 Stunden Spielzeit bietet er dann. Ich selbst bin mit einer Akkuladung und meiner durchschnittlichen Hörgewohnheit, welches etwa 20% leise Hören, 70% in gefühlt Zimmerlautstärke und 10% Partylautstärke entspricht, gut 8 Stunden hingekommen.

 

Soviel zum überwiegend technischen Aspekt im Bereich der Wiedergabe. Nun zu meinem persönlichen Höreindruck des DX80. Hier hilft ein Studieren der technischen Daten erst einmal nichts. Beim Soundcheck ist das Zuhören und darauf zu achten angesagt, ob mir der Klang und auch die erreichbare Lautstärke mit meinen bevorzugten Kopfhörern zusagt oder nicht.

 

Persönlicher Eindruck

 

Die Lautstärke ist wie schon im technischen Part angesprochen mehr als ausreichend für mich. Check.

 

In Sachen Klangreproduktion wird es da schon eher interessant. Meine Erfahrung ist, dass es im Bereich der Markengeräte keine schlecht klingenden DAPs gibt. In der Grundabstimmung halten sich alle von mir gehörten Hersteller an eine über alle Frequenzbereiche lineare Verstärkung. Was durch unterschiedliche Equalizer und Filter darüber hinaus erreicht wird, ist beachtlich und stellt sicherlich 80% der individuellen Geschmäcker zufrieden. Auch der iBasso DX80 hat einen 10-Band-Equalizer mit, der sich fein abstimmen lässt. Erwähnen möchte ich, dass iBasso den für mich logisch korrekten Weg geht. Denn sobald der EQ eingeschaltet wird, reduziert dich die Lautstärke soweit, dass erst ein Hochschieben aller Regler in den Plus-Bereich die ursprüngliche Lautstärke erreichen lässt. Hier wird also der Verstärker zu keiner Zeit überfordert, Clipping tritt oder Bildung von Artefakten durch zusätzliche Verstärkung von Frequenzbändern tritt vom Prinzip her nicht auf. Ibasso setzt auf Klanganpassung durch Dämpfung. Effektiv und sehr gut!

 

 

Beim Durchhören des Albums „Brothers in Arms“ habe ich dennoch in machen Passagen in Sachen Dynamik das Gefühl gehabt, dass da noch mehr geht. Nicht, dass es irgendwie komprimiert klingt. Mit Auswahl des „Sharp Roll Off“ Filters ist es dann doch etwas dynamischer. Im Vergleich zum CMA400i ist der DX80 in dieser Kategorie jedoch unterlegen. Klar, Äpfel mit Birnen zu vergleichen macht wenig Sinn. Der Questyle als ausgewachsener stationärer Kopfhörerverstärker und einem Preis von knapp 800€ und der DX80 mit oft schon unter 400€ Straßenpreis als DAP sind völlig unterschiedliche Gerätekategorien. Und dennoch ist dieser Vergleich interessant. Der DX80 ist für sich genommen als mobiles Gerät hervorragend. Natürlich kann er digital auch den Questyle bedienen und als Setup zu Hause ist das schon eine tolle Kombination. Selbst der iBasso DX200 kann klangtechnisch dieses Gespann auch nicht ersetzen, auch wenn er fast doppelte Lautstärke des DX80 erreichen kann, stellt aber im Alleinbetrieb natürlich ein Upgrade zum DX80 dar, welches aber im Wesentlichen darin besteht, dass Bluetooth, Wifi und ein symmetrischer Kopfhörerausgang als Plus enthalten sind. Im Punkt maximal möglicher Speicherplatz ist aber der DX80 Dank seiner zwei Speicherkartenplätze weiterhin vor dem großen Bruder. Soweit der kurze Seitenblick zum DX200.

 

 

 

5. Pro & Contra

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Auch wenn ich bisher keine Schwächen beim DX80 angesprochen habe, was grundsätzlich gut ist, so möchte ich die Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind, hier dennoch ansprechen. Daher meine persönliche Pro & Contra Aufzählung als knappe Übersicht meiner Erkenntnisse.

 

 

 

Pro

  • Zeitloses Design
  • Sehr gutes Display
  • Präzise Touch-Bedienung
  • Digitale Ausgänge
  • Hohe Lautstärke am „normalen“ Stereo-Kopfhörerausgang
  • Volle Unterstützung aller angegebenen Dateiformate
  • Perfekte Abstimmung Hardware / Software
  • Gute Akkuleistung

Contra

  • Silikonhülle wirkt nicht Premium
  • Konfiguration der Tasten nicht möglich
    • Tasten nicht in Menüs verwendbar
    • Standbyverhalten der Tasten nicht beeinflußbar
  • Lautstärke nicht mittels Touchfunktion verstellbar

 

 

6. Fazit

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Um nun die Eingangsfrage zu beantworten, ob es sich beim iBasoo DX80 um den Volks-DAP handelt oder doch eher um ein Liebhaberstück, kann ich nun sagen, das beides der Fall ist. Sehr salomonisch… hier aber meine Begründung. 🙂

 

Wenn jemand einen DAP sucht, der sich in dem was er bietet keine Schwächen leistet, dann ist der DX80 für jedermann zu empfehlen. Wer in erster Linie Ansprüche an die Haptik stellt, dann entscheidet das Design über Gefallen oder Nicht-Gefallen. Das ist dann auch genau die Unterscheidung ob Liebhabergerät oder nicht. Hinsichtlich des aktuellen Trends bei Smartphones durch 2.5D Glass und „runde Kanten“ immer weiter in Richtung Handschmeichler zu gehen, Ist das 2015er Design des DX80 schon fast als „Industrial“ zu bezeichnen. Aus dieser Sicht gehört der DX80 dann schon eher zu den Liebhabergeräten, was ihn aber nicht weniger interessant macht und ihn schon gar nicht in seiner Performance schmälert. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu hippen Smartphones der DX80 nahezu wertstabil ist, was sich spätestens beim Upgrade zum DX200 wieder rechnet.

 

Kurz und knapp, der DX80 ist ein rundum zu empfehlender DAP der Oberklasse ohne wirklich nennenswerte Schwächen und seinen Preis jeden Euro wert!

 

 

7. Bewertung

 

 

8. Galerie

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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s