Palma DHS-1 im Test: Offen, geschlossen oder beides? Das Kopfhörer-Chamäleon unter den High-End-Modellen

Ein Kopfhörer, der per einfachem Dreh der Hörmuschel-Abdeckungen zwischen offener und geschlossener Bauweise wechselt? Das klingt im High-End-Segment nach einem mutigen Versprechen. Mit dem Palma DHS-1 stellt der spanische Hersteller Palma Audio ein Modell vor, das genau diese Flexibilität bieten soll. Mit einem Marktpreis von knapp über 2.000 € steigt der DHS-1 direkt in die audiophile Oberklasse ein. Doch hält das mechanische Chamäleon-Konzept in der Praxis, was es verspricht, oder erkauft man sich die Flexibilität mit Klangkompromissen? Ich habe mir den Palma DHS-1 an hochkarätiger Elektronik wie dem Cayin N8iii und meinem Lotoo PAW GT2 ganz genau angehört.



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Der Palma DHS-1wurden mir von Audiodomain.de leihweise zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!



Unboxing & Lieferumfang: Der Aufbewahrungsschrein


Beim Auspacken wird schnell klar, dass Palma Audio beim Zubehör nicht gespart hat. Der Kopfhörer wird in einer stabilen Transportbox – ich nenne es gerne einen „Aufbewahrungsschrein“ – geliefert. Im Inneren befinden sich praktische Beutel für den Kopfhörer sowie ein separates Täschchen für das Kabelset. Palma legt dem DHS-1 gleich drei hochwertige Kabel bei: ein Standardkabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker (1,2 m Länge) für den mobilen Einsatz, ein langes Heimkabel mit 6,35-mm-Stereostecker (2,8 m) für stationäre Kopfhörerverstärker sowie ein symmetrisches 4,4-mm-Pentaconn-Kabel (1,2 m), welches im Test meine erste Wahl war. Ergänzt wird das Paket durch zwei anklickbare Kabelbinder und die ausführliche Produktdokumentation. Ein kleiner Kritikpunkt im Alltag: Die Ausformung des Transportinlays ist extrem passgenau für den Kopfhörer gestaltet. Das führt leider dazu, dass kein zusätzlicher Digital Audio Player (DAP) mehr in das Case passt, wenn man auf Reisen geht. Das ist schade für die mobile Praxis, das Case an sich ist jedoch hervorragend verarbeitet.


Verarbeitung, Design & die Drehmechanik


Der Palma DHS-1 setzt auf 50-mm-Dynamiktreiber mit Neodym-Magneten und 26-mm-Schwingspulen. Die Membran besteht aus gepresster Zellulose mit einer stabilen Kalotte, gefasst in Kammern aus afrikanischem Sapele-Edelholz. Konstruktiv ist der Kopfhörer überraschend minimalistisch gehalten: Standard-Kunststoffelemente am Kopfband mit sichtbaren Verschraubungen erlauben ein leichtes Nachziehen bei Bedarf. Die Höhenverstellung läuft über ein Schiebesystem mit spürbarem Widerstand. Wichtig hierbei: Man muss dem System einen Moment leichten Drucks geben, damit es sich satt bewegt – rohe Gewalt führt nur zu unnötigem Blockieren.

Das Herzstück des DHS-1 ist die patentierte Drehscheiben-Mechanik an den Außenseiten der Holzcups. Durch eine Drehung um lediglich 14 Grad öffnen oder schließen sich integrierte Lamellen. Die Mechanik läuft sprichwörtlich „wie der Löffel im Honig“ – extrem samtig, präzise und wertig. Im geschlossenen Zustand blickt man auf ein graues Dämpfungselement (Filz). Akustisch muss man jedoch klarstellen: Ein Schließen der Scheiben verwandelt den DHS-1 nicht in einen 100 % schallisolierenden geschlossenen Kopfhörer. Vielmehr verschiebt sich die Charakteristik im Spektrum zwischen einem halboffenen System im unteren Bereich und einem voll offenen Kopfhörer.



Externe Playlisten – Qobuz & Spotify


Ich habe in einigen Playlists Musik zusammengestellt, mit welchen sich Eigenschaften von Kopfhörern besonders gut heraushören lassen. Am besten Du hörst Dich selbst durch meine Playlisten durch.


Mit den folgenden Links gelangst du direkt zu den Anbietern. Es handelt sich um keine Affiliate-Links. Hast du bei den Streaming-Diensten kein angemeldetes Konto, kannst du jeweils knapp 30 Sekunden in die Songs reinhören. Eine Verpflichtung zu Anmeldung besteht dafür natürlich nicht.




Der folgende Link führt Dich zur Miniklangwunder-Spotify-Playliste und mit Klick auf die unten aufgeführten Banner gelangst du zu den Miniklangwunder-Qobuz-Playlisten. Diese werden sogar von Qobuz direkt unterstützt. Qobuz hat sie unter der Rubrik „Events & Medien“ veröffentlicht. 🙂



Wer also maximal audiophiles Streaming nutzen möchte, klickt sich einfach zur Qobuz-Playliste von Miniklangwunder.

https://open.qobuz.com/playlist/4070201


Hörkette & Setup


High-End-Kopfhörer dieser Güteklasse verlangen nach entsprechender Elektronik, um ihr Potenzial offenzulegen. Für meinen Test kam neben meinem persönlichen Referenz-Player Lotoo PAW GT2 auch der extrem leistungsstarke, limitierte Röhren/Transistor-DAP Cayin N8iii zum Einsatz. Beide Player bieten durch unterschiedliche Betriebsmodi (Solid-State, P+-Modus bzw. umfangreiche DSP-Presets) ideale Voraussetzungen, um das Skalierungsverhalten des Palma DHS-1 gründlich zu analysieren.


Meine Klangbewertung


Im unmanipulierten Solid-State-Betrieb am Cayin N8iii präsentiert sich der Palma DHS-1 werkseitig mit einer eher warmen, entspannten Grundabstimmung. Der Hochton gibt sich zurückhaltend und verzichtet auf jegliche scharfe Sibilanten. Das macht den Kopfhörer überstundenlang langzeitauglich, lässt aber im ersten Moment das allerletzte Glitzern („Sparkle“) im Superhochton vermissen, das Fans analytischer Abstimmungen suchen.

Spannend wird es beim Wechsel der beiden Gehäuse-Modi:

  • Geschlossener Modus: Hier überrascht der DHS-1 mit einem extrem geradlinigen, ausgewogenen Frequenzverlauf. Die Mitten und Höhen wirken „wie an der Schnur gezogen“. Der Klang präsentiert sich völlig unaufgeregt, sauber durchgezeichnet und frei von Resonanzen. In dieser Einstellung besitzt der DHS-1 echte Qualitäten als analytisches Studio-Arbeitsmittel zum kritischen Gegenhören.
  • Offener Modus: Öffnet man die Drehscheiben, legt der Frequenzkeller drastisch zu. Der Oberbass und die unteren Mitten erhalten eine spürbare Verstärkung, was zu einer enormen Bassgewalt führt. Stimmen bekommen mehr Körper und klingen deutlich sonorer. Bei manchen Frauenstimmen kippt diese Wärme allerdings ins Dunkle – bekannte Gesangsstimmen wirken im Vergleich zu flachen Referenz-Setups stellenweise etwas zu getönt. Bei rein elektronischer Musik ohne Gesang erweist sich dieser Boost hingegen als voller Erfolg: Beats wirken plastischer, griffiger und mitreißender.
Einordnung & Vergleich mit internationalen Netz-Tests


Wirft man einen Blick auf Berichte internationaler Fachmedien (wie Headfonics, Headfonia oder HiFi Statement), fällt auf, dass der Palma DHS-1 dort durchweg für seine meisterhafte tonale Homogenität gelobt wird. Headfonics bescheinigt dem Kopfhörer eine leicht V-förmige Charakteristik mit überraschend viel Luft und Energie im Hochton. Headfonia hebt hervor, dass der Grundcharakter in beiden Modi nahezu identisch bliebe und die Umschaltung nur Nuancen im Raumgefühl ändere.

Hier unterscheidet sich meine Beobachtung aus der Praxis spürbar: In meinem Hörtest war der tonale Unterschied zwischen offen und geschlossen alles andere als vernachlässigbar. Während Netz-Reviewer die tonale Kontinuität betonen, habe ich eine deutliche Verschiebung festgestellt – von neutral-analytisch (geschlossen) hin zu druckvoll-warm mit voluminösem Oberbass (offen). Warum existiert diese Abweichung? Das liegt primär an der Wahl der Zuspieler, der Verstärker-Dämpfung und – wie sich im Test herausstellte – an einem ganz entscheidenden ergonomischen Detail.


Was mir sonst noch aufgefallen ist


Das vermutlich wichtigste Praxisergebnis betrifft die Ohrpolster-Geometrie und den Anpresswinkel der Treiber. Der Palma DHS-1 verwendet asymmetrisch geformte Polster aus Proteinleder. Als ich mir die Polster im Test genauer ansah, ging ich fälschlicherweise davon aus, die Polster seien verdreht montiert, da der dickere Bereich ab Werk nach oben zeigte. Ich drehte die Polster versuchsweise so, dass die Naht oben lag und der breitere Teil nach hinten/unten zeigte – so, wie man es von den meisten Ohrumschließern gewohnt ist.

Das Ergebnis war dramatisch: Der Hochton brach fast vollständig ein. Das gesamte Glitzern und die Raumabbildung verschwanden. Ich zweifelte bereits an meiner Wiedergabekette, bis ich die Polster wieder in die Werksstellung zurückdrehte (breite Seite oben, schmale Seite mit Naht unten). Durch diese vom Hersteller vorgesehene Geometrie stehen die Membranen erst im perfekten Winkel zum Gehörgang. Eine minimal falsche Ausrichtung oder falsche Höheneinstellung verändert die Frequenzkurve ab 1 kHz drastisch! Wer den DHS-1 testet, muss zwingend mit der Sitzgeometrie experimentieren, da hiervon die gesamte Hochton-Auflösung abhängt.


Das Chamäleon am Lotoo PAW GT2


Ein weiteres Highlight zeigte sich am Lotoo PAW GT2. Während viele High-End-Kopfhörer (wie ein Austrian Audio The Composer) starr auf DSP-Eingriffe reagieren und ihr Grundklangbild kaum positiv verändern, entpuppt sich der DHS-1 als wahres Tuning-Chamäleon. Nutzt man am Lotoo im geschlossenen Modus das werkseitige Preset „Headphone“, rastet das Klangbild magisch ein. Die Dynamiktreiber halten selbst extrem hohe Pegel und dichte Equalizer-Eingriffe mühelos aus, ohne ins Klirren oder Verzerren zu geraten. Wer gerne mit Presets spielt oder eigene Parametrische EQ-Kurven (PEQ) anwendet, findet im DHS-1 eine extrem belastbare Spielwiese.


Bühnenabbildung, Dynamik & Performance


In puncto Dynamik agiert der 50-mm-Membransatz schnell und kraftvoll, erreicht aber konstruktionsbedingt nicht die blitzartige Impulsantwort eines hochzüchtigen Magnetostaten (wie etwa einem HiFiMAN HE1000se). Dafür punktet der DHS-1 im Bassbereich mit herausragender Durchzeichnung bis in den tiefsten Subbass.

Die Raumdarstellung zeichnet sich durch eine hervorragende Tiefenstaffelung und eine sehr natürliche Breite aus. Der DHS-1 kreiert die perfekte Atmosphäre für intime Live-Aufnahmen in kleineren Räumen oder Jazz-Clubs. Große Stadion-Konzerte bildet ein voll offener Planar-Kopfhörer noch weiträumiger ab, doch für akustische Sessions ist die Räumlichkeit des Palma exzellent balanciert.


Fazit


Der Palma DHS-1 ist kein Kopfhörer für die schnelle Fünf-Minuten-Demonstration im Laden. Er belohnt Hörer, die sich auf das Setup einlassen. Mit seiner umschaltbaren Akustikkammer, der tadellosen Holzverarbeitung und seiner extremen Eignung für Klanganpassungen ist er das vielseitigste Werkzeug, das ich in dieser Preisklasse bisher in den Händen hielt. Wer einen kompromisslosen Verwandlungskünstler sucht und Wert auf exzellenten Tragekomfort bei korrekter Polsterausrichtung legt, sollte den spanischen Debütanten unbedingt auf seine Probehör-Liste setzen.

Klangfreund"M"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker und ein Klangfreund mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern; liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur; OverEar-Lineup: Dan Clar Audio E3 & Noir X, Meze Empyrean 2, Hifiman HE1000SE, HEDDphone 2 GT; InEar-Lineup: Deer Ear Bumblebee MKW & Azrael; Dauerhaft eingesetzte DAPs: Lotoo PAW GT2; Kopfhörerverstärker im Bestand: Cayin HA-3A, RME ADI 2/4 Pro SE, ifi Audio GO Bar Kensei