Meze 99 Neo im Test- Besser als der Meze 99 Classics?

Den Meze 99 Neo habe ich nun seit einiger Zeit in meinem Besitz und teste diesen seither auch ausgiebig. Anfangs musste ich mich auf den Klang des 99 Neo erst einmal einlassen, denn im Vergleich zum Meze 99 Classics spielt er deutlich voller, was im ersten Moment den Anschein hat, als wenn er unausgewogen spielen würde. Immer in Hinblick darauf, wenn ich direkt mit dem 99 Classics vergleiche.

Was sagen andere Veröffentlichungen über den Meze 99 Neo?

Als Nachfolger eines überaus hochgelobten Produktes bestehen im Vorfeld immer sehr hohe Anforderungen und jeder erwartet, dass das neue Produkt noch besser ist. So gibt es einige Tests im Netz, vorwiegend habe ich bisher jedoch nur englischsprachige Artikel gefunden, die den Meze 99 Neo deutlich hinter dem Vorgänger, dem Meze 99 Classics sehen. Ich spreche hier natürlich nicht von den Seiten oder Blogs die Pressemeldungen veröffentlichen und deren Autoren sich selbst mit diesen Kopfhörern allenfalls oberflächlich beschäftigt haben, sondern ich rede von Artikeln von Personen, die ihre persönlichen Eindrücke beschreiben.

 

Bevor ich den Kopfhörer bekommen habe, war ich etwas ernüchtert, denn auch auf Innerfidelity wurde dem Neo nicht die Qualität des Classics bescheinigt. Vielleicht war mein erster Eindruck auch deswegen etwas voreingenommen. Genau aus dem Grund habe ich den Kopfhörer auch nicht in den ersten Tagen nach Erhalt getestet bzw. einen Artikel zu ihm geschrieben, sondern habe ihn jetzt einige Wochen immer wieder hergenommen und mit unterschiedlicher Musik gehört und auch mit anderen Kopfhörern verglichen. Im Ergebnis bin ich froh, das genauso gemacht zu haben.

Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen dass, der Meze 99 Neo nicht die Enttäuschung ist, die so manch anderer Tester am Ende seines Artikels als Fazit wiedergibt.

 

Wie gut der neue Kopfhörer aus dem Hause Meze nun wirklich ist und was ihn ausmacht, das werde ich hier mit meinen Eindrücken genau beschreiben.

Design und Verarbeitung

Im Punkt Design gibt es nichts Neues im direkten Vergleich zum Meze 99 Classics. Die Gehäuse aus Kunststoff sind die auffälligste Änderung. Sie Befinden sich zentral über ein Kugelgelenk aufgehängt an einem Metall Kopfbügel mit zwei Streben. An diesen ist ein Kunstleder Kopfband, das selbsteinstellend ist, befestigt. Die Verarbeitung ist einwandfrei. Ich erkenne keine Farbrückstände oder irgendwelche Ungenauigkeiten der Oberfläche. Mehr oder besser weniger kann man von einem Kopfhörer in dieser Preislage um 250€ auch nicht erwarten.

 

Tragekomfort

Der Meze 99 Neo trägt sich auch mit einem großen Kopf recht angenehm. Durch das selbsteinstellende Kopfband liegt er mit nur 260gr mit minimalem Druck auf dem Kopf auf und der Metallrahmen dosiert den Druck auf die Ohren sehr ausgewogen. Auch nach mehreren Stunden Hören schmerzt nichts. Lediglich die Ohrpolster dürften für große auch im Innenbereich etwas größer sein. Sicherlich sollten diese aus Design gründen nicht größer sein als die Gehäuse selbst, was aber meiner Meinung nach nicht unbedingt schlecht aussehen muss. Im Gegenteil, mit dem richtigen Ohrpolstern die z.b. als Ersatzteile auf dem Markt von anderen Herstellern erhältlich sind, sieht der 99 Neo sogar noch etwas beeindruckender aus. Ich rede hier von den Hybrid Polstern von Brainwavz. Zu diesen aber unter der Überschrift „Modding“ später mehr. Insgesamt ist der Meze 99 Neo sehr komfortabel.

 

Klang

Entgegen meiner ersten Annahme, dass die Mitten durch den hervorgehobenen Bassbereich überschattet werden und insbesondere Gesang darunter leidet, muss ich nun zugestehen dass dem nicht so ist.

Wie man etwas hört und wahrnimmt hängt auch immer ein wenig von der Tagesform ab. Mein Geschmack ist grundsätzlich so, dass ich einen prägnanten und druckvollen Bass sehr mag, der Gesang nicht untergehen darf und ich auch in den Höhen Akzenten und Details heraushörbar sein müssen, wobei aber in den Höhen keine stechenden Nadel Effekte bestehen dürfen.

Diese Kriterien erfüllen sowohl der Meze 99 Classics als auch der Meze 99 Neo, nur eben, dass der Neo im Bassbereich noch etwas druckvoller und beeindruckender spielt! Der Oberbass wird mit ein paar dB mehr betont, was bei einem direkten Vergleich sich erst einmal so anhört, als wenn Details verloren gehen könnten. Daran gewöhnt sich das Gehör bzw. das Gehirn relativ schnell und schon nach wenigen Minuten höre ich auch mit dem 99 Neo all die kleinen Details in der Musik, die ich auch mit dem 99 Classics höre. Hinzu kommt noch, dass der 99 Neo im Tiefbass eine schnöne Anhebung mitbringt. Das kommt meinem Geschmack sehr entgegen.

 

Wenn jemand fragt, welcher denn nun der bessere Kopfhörer ist, dann kann ich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Wenn ich Musik höre, die Fett abgemischt ist, ich denke da beispielsweise an „Royals“ von Lordi, dann spielt der Meze 99 Classics schon sehr gut auf. Eigentlich fehlt dort nichts, doch mit dem 99 Neo kommt im direkten Vergleich der Tiefbass noch einmal so richtig zur Geltung und verleiht dem Stück eine gewisse zusätzliche Dynamik. Der Meze 99 Classics spielt es eher analytisch ab und der Fokus liegt dabei mehr auf dem Gesang.

 

Im Bereich Metall sieht es bei dem Stück „Hail to the King“ von Avenged Sevenfold wieder etwas anders aus, denn hier hat für mein Dafürhalten der Meze 99 Classics die Nase vorn. Das liegt einfach daran, dass mir der 99 Neo im Bassbereich zu viel versucht zu zeigen. Insbesondere in den Genres Rock bzw. Metal kommen mir bisweilen tatsächlich Gitarren und Gesang etwas zu kurz, die Ausnahmen stellen Balladen wie „Sound of silence“ von Disturbed dar oder Klassiker wie etwa „One“ von Metallica. Da hat der Meze 99 Neo mit seinem drückenden Bass einige Vorteile wenn der Double-Bass dort einsetzt. Fullminant!

Im Bereich der Chillout oder auch Entspannungsmusik klingt der Meze 99 Neo auch bei geringer Lautstärke eindrucksvoller. Ein Beispiel für dieses Genre ist das Musikstück „Landmark“ von Antonio Forcione. Die tiefsten Töne der Akustikgitarre werden mit dem Meze 99 Neo so betont wiedergegeben, dass es einfach Spaß macht dieser Art von Musik zuzuhören und einfach zu genießen.

 

Bei anderen Kopfhörern bedarf es tatsächlich höherer Lautstärken, um einen ähnlichen, schon fast körperlichen Effekt zu erzielen, denn erst dann kommen diese Bass Bereiche hörbarer zur Geltung. Mit dem 99 Neo funktioniert das schon bei sehr geringer Lautstärke, was aber nicht bedeutet, dass man mit ihm nicht auch laut hören kann. Denn auch laut gehört wird der Bass nicht unangenehm, was unter anderem dem geschuldet ist, dass die obere Mitten und der Höhenbereich sehr schön im Gesamtbild zum Bass abgestimmt sind.

 

Wie sieht es mit dem Betrieb an einem Smartphone oder einem mobilen Media Player aus?

Sowohl der Meze 99 Classics als auch der Meze 99 Neo können ohne Probleme an einem Smartphone betrieben werden. Die maximale Lautstärke ist dabei so hoch, dass ich diese nicht länger als für ein oder zwei Lieder ertragen wollen würde, allein schon deswegen, um mein Gehör nicht zu schädigen. Die 40 mm Treiber mit 26 Ohm Impedanz leisten hier hervorragende Arbeit.

 

Zubehör

Als Anschlusskabel liegen zwei unterschiedliche Kabel dem Neo bei, welche jeweils über einen 3,5 mm Klinkenstecker in Stereo und 2 Stecker in 3,5 mm in Mono verfügen. Letztere werden separat links und rechts in die Buchsen der Lautsprechergehäuse eingesteckt. Die Stecker sind jeweils mit L&R markiert, damit man den Kopfhörer später auch korrekt aufsetzt, denn er selbst ist egal wie herum aufsetzbar. Geliefert wird der Meze 99 Neo wie schon der Classics in einem Hardcase. Mit dem Neo ist die Oberfläche nun aber griffig „geriffelt“ statt glatt. Für die Kabel ist eigens ein kleiner verschliessbarer Behälter im Case enthalten. Ein Flugzeugadapter und ein 3,5mm auf 6,3mm Klinke Adapter findet sich dort ebenfalls an.

 

Einspielzeit & Modding

Ich habe bereits erwähnt, dass ich zu Beginn, als ich den Meze 99 Neo zuerst gehört habe das Gefühl hatte, er ist zu dunkel bzw. im Bassbereich zu dominant abgestimmt. Das hat sich jedoch nach einigen Tagen gelegt, denn ich gehe davon aus, dass die verbauten Treiber ein wenig mechanische Beanspruchung benötigen, um in den normalen Betriebsbereich zu gelangen. Vom sagenumwobenen „Break In“ möchte ich an dieser Stelle nicht unbedingt sprechen.

Das Thema Einspielzeit eines Kopfhörers ist sehr umstritten und es gibt wie immer Menschen, die das als Unfug abtun, und andere, die daran glauben. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich aufgrund meiner ständig wechselnden Nutzung von Kopfhörern mich nicht an ein Modell ausschließlich gewöhne und ich auch nicht davon ausgehe, dass ich ausschliesslich diesen Klang einfach in meiner Wahrnehmung adaptiert habe.

Wer experimentierfreudig ist, der kann mit einer recht einfachen Maßnahme diese Abstimmung etwas verändern und klanglich möglicherweise den Meze 99 Neo sich so seinem eigenen Geschmack näher bringen. Und zwar kann jeder einfach einmal die Ohrpolster gegen unterschiedliche, auf dem Markt erhältliche Ersatzohrpolster verschiedener Hersteller austauschen. Die Polster sind für den Klang der ans Ohr dringt natürlich mitverantwortlich. So beeinflusst beispielsweise der Abstand des Treibers zum Ohr direkt die Wahrnehmung des Bass Bereiches. Je dicker das Polster ist, desto geringer ist die wahrgenommen Lautstärke vorwiegend im Bass. Hinzu kommen natürlich noch Eigenschaften des Materials, die dazu führen, dass beispielsweise höhere Frequenzen anders reflektiert werden als bei den original Polstern oder aber im Bassbereich Frequenzen wie bei Polstern aus Velours gemindert werden. Da heißt es einfach ausprobieren. Solche Ersatzpolster gibt es schon für 10 € und gehe natürlich bis realistisch um 50€ hoch, wie immer ist aber nach oben keine Grenze offen.

Wem der Meze 99 Neo in der Abstimmung von Hause aus schon zusagt, jedoch im Bass eine kleine Änderung erwünscht ist, nämlich dahingehend, dass der obere Bassbereich etwas vermindert und der Tiefbass etwas präsenter wird, dem empfehle ich einfach einmal die Hybrid Polster des Herstellers Brainwavz zu testen. Diese Polster kosten ungefähr 40 € und sind im Innenbereich mit Kunstleder und im Auflage Bereich mit Velours ausgestattet. Sie bieten maximalen Tragekomfort und sind auch etwas dicker als die Standard Polster des Meze 99 Neo. Ihr Durchmesser ist etwas größer und im Innenbereich bieten sie mehr Platz für die Ohren. Durch das Innere Kunstleder wird der Mitteltonbereich sowie der Hochtonbereich der originalen Abstimmung kaum verändert, sprich der Grundcharakter des Meze 99 Neo bleibt erhalten.

Mit diesem einfachen Modding wird aus meiner Sicht der Kopfhörer noch einmal ein Stück besser.

 

Fazit

Wie erwartet wird, möchte ich natürlich auch eine Empfehlung aussprechen und nun habe ich die Schwierigkeit, durch den Vergleich der beiden Kopfhörer aus demselben Hause sozusagen einen Gewinner küren zu müssen.

Wer einen neutral abgestimmten Kopfhörer sucht, der sehr schön auflöst und einen natürlichen Klang bietet, der ist sicherlich mit dem Meze 99 Classics gut bedient. Wer allerdings etwas mehr Fülle bevorzugt, der sollte sich ruhig einmal den Meze 99 Neo anhören.

Mir persönlich gefallen beide Kopfhörer sehr gut, wobei ich derzeit eine etwas dunklere klangliche Abstimmungen bevorzuge und daher auch den Meze 99 Neo den Vorzug gebe. Das hängt aber auch immer ein wenig davon ab, welche Musik ich für gewöhnlich höre. Das ändert sich immer mal wieder.

Im Sommer höre ich gern schwere Musik mit dunkel abgestimmten Kopfhörern, wobei ich mir im Herbst und Winter eine gewisse Leichtigkeit auf den Ohren im Ausgleich zur fehlenden Sonne bewahren möchte. Das ist sicherlich eine ganz andere Betrachtung wie sonst üblich, doch dadurch ist der Meze 99 Neo für mich der perfekte Sommer-Kopfhörer und der Meze 99 Classic versüßt mir die Winterstunden.

Mit dem Meze 99 Neo ist kein vermeintlicher Nachfolger auf den Markt erschienen, sondern eine sehr schöne Ergänzung der Produktpalette.

Daumen hoch an Meze!

 

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