Fiio X3 im Test – HighRes Mediaplayer – Hochwertig verarbeitet und erwachsen im Klang

FIIO-Produkte erfreuen sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. Zur Produktpalette von FIIO gehören Kopfhörerverstärker ebenso wie DACs und nicht zuletzt auch die High Resolution Player der X-Reihe.

Ich habe mir direkt nach dem Erscheinen den FIIO X1 2nd Generation gekauft, da für mich persönlich die Unterstützung von Bluetooth wichtig ist. Das bietet das aktuelle Flagschiff X7 derzeit auch, doch preislich liegen einige hundert Euro zwischen den beiden Geräten. Einen Artikel zum FIIO X1 2nd  werde ich zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen, sobald eine Firmware ohne Kinderkrankheiten verfügbar ist. Da sich zudem mit dem X1 2nd auch das Gehäuse geändert hat, statt Aluminium nun Kunststoff und statt mechanischen Tasten und Drehrad ein Touchpanel, war ich neugierig, wie er sich insbesondere hinsichtlich Gehäuse und Bedienung zum Vorgänger unterscheidet.

Zu diesem Zweck habe ich FIIO angeschrieben, ob eine Leihgabe möglich wäre. Es ist dann jedoch nicht der „alte“ FIIO X1 geworden, dafür aber der FIIO X3 2nd, der über das gleiche Aluminiumgehäuse und mechanische Drehrad wie der X1 verfügt. Das finde ich natürlich noch besser, denn so kann ich zusätzlich über meinen Eindruck in Richtung Features und Software zum X3 Modell berichten. Für diese Möglichkeit möchte ich dem FIIO-Shop Deutschland herzlich danken.

Erster Eindruck

Die Verpackung ist solide. Wie auch beim X1 werden die wichtigsten Daten bereits auf dem Karton angegeben. Ebenso befindet sich ein Produktfoto auf dem Karton, um dem Käufer schon vor dem Auspacken einen ersten Eindruck zu vermitteln. Nach dem Öffnen liegt der Fiio X3 in einer passgenauen Schale vor einem. Mein Versuch, den Player direkt heraus zu nehmen, scheiterte auch mit mehreren Anläufen. Das liegt daran, dass die aufgebrachte Pappe der Paßform den X3 exakt umrahmt, jedoch einen Hauch kleiner ist. So bin ich zum zweiten Mal darauf hereingefallen, denn beim X1 war das ähnlich. In der zweiten Runde klappte das Herausnehmen sofort. Wenn zunächst die Umrandung angehoben und herausgenommen wird, liegt der X3 dann allein und frei im Karton. Also möglichst den Player nicht senkrecht entnehmen, denn dann besteht die Gefahr, dass er herunter fällt.

Schon beim Anfassen und Hochheben des Players fällt sein ordentliches Eigengewicht auf. Das erzeugt sogleich den Eindruck, dass man etwas Hochwertiges in der Hand hält und kein Spielzeug.

Dieser Eindruck bestätigt sich mir auch in den nächsten Sekunden während ich mir den X3 genau ansehe und ihn einschalte. Im direkten Vergleich zum X1 2nd in Sachen Haptik geht der Punkt zugegeben an den X3. Mir gefällt das Touch-Drehrad des X1 schon sehr gut, doch beim X3 ist das mechanische Wählrad ausgereifter und gefällt mir noch einen Tick besser. Beim Display und den Einstellmöglichkeiten geben sich beide Player nichts. Die Startgeschwindigkeit des FIIO X3 bis zum automatischen sekundengenauen Fortsetzen des zuletzt gespielten Titel beträgt sehr gute knapp 8 Sekunden. Das Einlesen einer 64GB-Speicherkarte mit 3.642 Titeln in die Datenbank, was 21,1GB entspricht, dauert knapp 3 Minuten.

Dieser Vorgang ist bei Veränderungen im Dateisystem auf der genutzten MicroSD-Karte notwendig, falls die Bibliothek für das Abspielen und die Suchfunktion des Players genutzt werden soll. Ich bevorzuge das Abspielen nach Ordnerstruktur. Das Browsen durch die Ordner bietet FIIO ebenfalls an und so ist der X3 nach dem Einschalten auch unverzüglich nutzbar.

Die Bedienung der Software ist sehr einfach und verständlich aufgebaut, sie erschließt sich automatisch durch „learning by doing“. Die Anordnung der Menüpunkte, die mir weitestgehend auch schon vom X1 geläufig ist, ist logisch und bedarf keiner zusätzlichen Erklärung.

Das sind meine Eindrücke, die ich beim X3 in den ersten 20 Minuten gesammelt habe und auf die ich für gewöhnlich auch den ersten Fokus lege. Anhand dieser Eindrücke entscheidet sich oft, ob mir ein Gerät gefällt oder nicht. Kurz und knapp, der FIIO X3 gefällt mir!

Weitere Details, oder was mir sonst noch im normalen Umgang beim X3 auffällt

Zunächst hat der X3 zwei 3,5mm Klinke-Buchsen, eine für den Anschluß eines Kopfhörers und eine als Line bzw. Coax Out. Der X3 verfügt über einen per Menü änderbaren Gain und die Auswahlmöglichkeit, ob Gapless-Wiedergabe erfolgen soll oder nicht. Letzter Menüpunkt fehlt mir bisher noch beim X1. Zudem verfügt der X3 über einen besseren EQ, der 10 Bänder abbildet und so im Bass bis 31Hz hinunter abstimmbar ist. Beim X1 muss ich mich mit weniger Bändern und leider mit 62Hz als unterste Möglichkeit zur Bassanpassung begnügen. Dafür verfügt der X3 nicht über die Zuspielmöglichkeit via Bluetooth. Hier gilt es ganz nüchtern abzuwägen, was einem individuell wichtiger ist.

Der X3 ist mit 144gr angenehm schwer und hinsichtlich seines Gehäuses ist er etwa 20% voluminöser als der X1 2nd. Beide Aspekte sind natürlich auch nicht zu vernachlässigen. Der knapp 80 bis 90€ teurere Fiio X3 verbucht auf seiner Seite defintiv die Hingucker und spielt auch in Sachen Haptik eine Liga höher als der X1. Der X3 ist schon ziemlich sexy und es macht auch richtig Spaß ihn in der Hand zu halten und zu bedienen.

Der X3 kommt in meinem Test mit 128GB Karten, in meinem Fall eine Samsung Evo, einwandfrei zurecht. Da ich keine größeren Karten besitze, kann ich über größere Kapazitäten keine Auskunft geben.

Wieviel PS hat er denn?

Komme ich nun zum Motor des FIIO X3. Tolle Karrosserie, Sportfahrwerk und gehobenes Interiör hat der X3 ja schon, wenn auch noch nicht die Superb-Ausstattung. Doch der X3 ist weit weg von der Holzklasse. Technische Leistungsangaben sind immer das Eine und der X3 schneidet mit 224mW bei 16 Ohm und 200mW bei 32Ohm auf dem Papier bezüglich seiner Leistungsmöglichkeit gar nicht so schlecht ab. Er treibt meinen Fostex T20RP Kopfhörer so gut an, dass er mir richtig Spaß macht? Jein. Der Fiio X3 treibt meinen Fostex zwar recht ordentlich an – so laut höre ich nie lange durchgehend Musik – doch am Ende geht ihm bei recht leise gemasterten Stücken ein wenig die Luft aus. Insbesondere bei einigen alten Aufnahmen von Phil Collins ist mir das aufgefallen, z.B. Bei „in the air tonight“. Ein paar dB mehr dürften es gern ab und an noch sein. Abhilfe lässt sich aber ohne Probleme beispielsweise mit dem A5 Kopfhörerverstärker ebenfalls aus dem Hause FIIO schaffen. Das passende Stacking-Set wird auch direkt mit dem A5 mitgeliefert – aber das nur am Rande.

Wer aber beispielsweise mit einem Philips Fidelio X2 hört, der wird den Gain eher auf „Low“ belassen und auch dann in den seltensten Fällen voll aufdrehen. Im Paket mit dem Fidelio braucht es nichts mehr als den X3 als Zuspieler. Der integrierte Kopfhörerverstärker leistet mit eher leicht anzutreibenden Kopfhörern hervorragende Arbeit.

Klang

Beim Klang wird es ganz schwierig. Ab hier muss ich den objektiven Pfad quasi komplett verlassen. Es gibt hunderte Möglichkeiten Verstärker zu entwerfen. Meiner technischen Ader kommt ein Verstärker dem Ideal entgegen, der wirklich alle Frequenzen eines Ausgangsmaterials gleichermassen verstärkt. Hier nutze ich auch gern den Fostex T20RP zum „Einhören“, denn der bietet aufgrund seiner magnetostatischen Treiber immer eine konstante Impedanz von 50 Ohm, so dass ein Verstärker hier über alle Frequenzen hinweg eine konstante Last bedienen kann und keine zusätzlichen Herausforderungen erfährt.

Da ich über keine kalibrierte „Klangkette“ von der digitalen Datei bis hin zum Kopfhörer als Referenz verfüge, kann ich beim besten Willen auch nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit sagen, ob das Ausgangssignal wirklich linear verstärkt wird. Hier kann ich nur versuchen in den Vergleich zu gehen und dafür stehen mir der FIIO X1 und der Lotoo PAW5000 zur Verfügung.

Der FIIO X3 biete mir für sich allein genommen ein tolles Klangbild und eine sehr gute Durchhörbarkeit. Instrumente sind gut lokalisierbar und auch die Tiefenstaffelung ist gut vorhanden. Bässe werden konturiert dargestellt und Höhen so wiedergegeben, wie ich es auch erwarte. Und würde mir etwas fehlen, so stünde es mir ja frei, den EQ nach meinem Belieben einzustellen.

Tatsächlich klingen aber alle von mir aufgeführten Player im direkten Vergleich mit den gleichen Liedern, bei gleicher Lautstärke mit dem Fostex minimal unterschiedlich. Das bewegt sich jedoch im absolut minimalen Bereich und ist bei einem Wechsel der Player mit Unterbrechung beim Hören nicht mehr heraushörbar. Nur durch das unmittelbare Umschalten mittels mechanischem Umschaltpult kann ich sagen, dass der X3 einen Hauch „offener“ klingt, was einer leichten Betonung der oberen Mitten und unteren Höhen zu verdanken ist. Das muss nicht am Verstärker allein liegen, sondern kann auch von den unterschiedlich genutzten Dekoderstufen der Player herrühren.

Unterm Strich darf ich aber sagen, dass subjektiv sowohl der X1 als auch der X3 das Ausgangsmaterial nahezu unverfärbt wiedergeben.

Wie steht es mit der Laufzeit?

Der FIIO X3 hat mich nach dem ersten vollständigem Aufladen schon überrascht, denn selbst nach 7 Stunden zeigte er mir noch zwei Balken, also 50%, als Füllstandsanzeige an. Jedoch schaltete der X3 sich nach weiteren zwei Stunden dann ab. Interessant ist, dass dieses Verhalten jedoch mit der zweiten Akkuladung nicht mehr aufgetreten ist. Offensichtlich „lernt“ der X3 zunächst und zeigt dann den Akkustand genauer an. Mit dem 2.600mAh Akku kann ich nun schon 3 Aufladungen in Folge gut 9 Stunden mit dem Fostex Kopfhörer Musik hören und mit dem Philips Fidelio X2 sogar knapp 12 Stunden. Das gilt für einen ordentlichen Lautstärkemix. Das Nachladen dauert mit meinem USB Ladegerät gut 4 Stunden, einen Schnelllademodus gibt es nicht. In Sachen Akkulebenszeit ist das sicherlich auch sehr zu begrüßen, denn der Akku ist fest verbaut und lässt sich durch den Nutzer selbst nicht wechseln. Somit begrüße ich das akkuschonende Aufladen sehr.

Fazit

Es gibt einige Stimmen im Netz, die behaupten, zwischen den Playern der X-Reihe von Fiio lägen deutlich hörbare Qualitätssprünge. Zumindest für die Modelle X1 2nd und X3 2nd kann ich das nur hinischtlich der Haptik bestätigen. Aus technischer Sicht unterscheiden sie sich zwar durch Merkmale, die bei der Kaufentscheidung wichtig sind, doch klanglich liegen beide auf ähnlich hohem Niveau. Wer also einen edlen und hochwertig verarbeiteten HighRes Player sucht und der auch im Preis überzeugt, findet mit dem Fiio X3 ein ausgereiftes Gerät mit langer Spielzeit und hervorragendem Klang mit ordentlicher Leistung.

Der Fiio X3 hinterlässt während meiner Testzeit einen durchweg positiven Eindruck. Der Player ist einfach zu bedienen und von hoher Qualität. Haptik und innere Werte überzeugen mich vollständig. Highlights sind ganz klar die ausgereifte Bedienung mittels des mechanischen Drehrades und der sehr gute 10-Band Equalizer. Benötigte ich nicht unbedingt die Bluetooth-Funktion, wäre der X3 2nd auch angesichts des moderaten Aufpreises gegenüber dem X1 2nd  für mich die erste Wahl.

 

Nachtrag

Demnächst ist auch bei uns der X5 in der dritten Generation erhältlich. Dieser verfügt nun ebenfalls über Bluetooth. Jedoch liegt er preislich bei gut dem doppelten Preis des X3. Wie sich der X5 3rd schlagen wird, darüber werde ich hier dann auch berichten.

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