Alpha Design Labs Kopfhörer ADL-H128 im Test – Überraschend anders, überraschend gut!

Der ADL-H128 ist der zweite Over-Ear-Kopfhörer von Alpha Design Labs. Bereits im Jahr 2013 hat Furutech als Anbieter von hochwertigen Kabel und Stecker seinen ersten Kopfhörer über die Tochter ADL vorgestellt, den ADL-H118. Dieser direkte Vorgänger hat einige positive Reaktionen auf sich verbuchen können. Nach eigenen Angaben hat ADL an vielen Punkten festgehalten und nur gezielt Verbesserungen eingebracht.

Wie schon sein Vorgänger fällt der ADL-H128 allein schon durch sein interessantes Design auf. In wie weit er durch seine inneren Werte überzeugen kann, das beschreibe ich in diesem Artikel. Das Unboxing habe ich in folgendem Video festgehalten.

 

 

 

Design & Haptik

 

Im Punkt Design polarisiert der ADL-H128 genauso wie sein Vorgänger. Mit seinen dreieckig gestalteten Ohrpolstern bildet er schon rein optisch eine Ausnahme zu den sonst runden, oval oder rechteckig ausgeführten Pads anderer Hersteller. Auch die Farbwahl ist mit Schwarz, Blauen und Hellbraun ziemlich interessant.

Bei dem eingesetzten Material handelt es sich überwiegend um Kunststoff. So sind zwar die notwendigsten Teile wie die Verstärkung im Kopfband und in den Gelenken mit Metall ausgeführt, doch die Gehäuseteile bestehen allesamt aus Kunststoff. Dadurch ist der Kopfhörer mit nur 285gr sehr leicht. Im Design exklusiv in der Materialwahl vergleichsweise einfach gehalten. Etwas Boden macht der Kopfhörer jedoch wieder gut, da er über einen MiniXLR-Anschluß verfügt und weil ein hochwertiges Furutech-Silber-Kabel zusätzlich zum 3m Standard-Kabel mitgeliefert wird. Die Stecker am Silber-Kabel sind konventionell angelötet und verschraubt, so dass im Falle eines Kabelbruchs eine Reparatur durch Fachleute möglich ist. Bei einem Kabel von rund 100€ im Ersatzteilpreis lohnt sich eine Reparatur sicherlich und stellt eine angenehme Möglichkeit für den Endkunden dar. Der ADL-H128 ist sowohl zu Hause stationär als auch an jedem beliebigen Smartphone mehr als ausreichend laut betreibbar. Aufgesetzt sieht der Kopfhörer noch dezent aus und ist somit auch auf der Strasse getragen nicht zwingend ein Blickmagnet.

 

Tragekomfort

 

Aufgrund der dreieckförmigen Ohrpolster hatte ich erwartet, dass ich mit den ADL-H128 Probleme bekomme. Jedoch bietet er auch für meine großen Ohren genug Platz. Sie liegen im Inneren zwar am Polster etwas an, doch das stört mich nicht. Durch die ergonomische Konstruktion der Gehäuse liegen somit die Polster nahezu parallel der Kopfform an, was einer leichten Ausbuchtung im Bereich des Hinterkopfes zu verdanken ist. Das sorgt für eine sehr gleichmäßige Druckverteilung und das wiederum sorgt für einen sehr hohen Tragekomfort. Das Kopfband ist zwar kaum gefüttert, doch auch das liegt sehr angenehm auf dem Kopf auf. Auch in diesem Bereich entsteht für mich kein unangenehmer Druck. Bei meiner Frau sieht das etwas anders aus, denn ihr Kopf ist kleiner und somit auch die Auflagefläche oben auf der Kopfmitte kleiner. In dem Fall ist das etwas ungünstig, denn dann kann tatsächlich auch bei den nur 285gr Gewicht nach einiger Zeit ein unangenehmes Druckgefühl auf dem Kopf entstehen. Für mich ist der Tragekomfort jedoch sehr gut und lässt kaum Wünsche offen.

 

Technik

 

Alpha Design Labs liefert zwei Kabel zu dem nur 285gr leichten Kopfhörer und legt mit einem Silberkabel von knapp 1,5m Länge mit versilberten 3,5mm Klinke und MiniXLR Steckern die Messlatte, was das „Zubehör“ angeht, schon recht hoch. Diese Silber-Kabel werden laut Hersteller mit einem patentierten Verfahren hergestellt, einem kryogenem Verfahren, bei dem die Oberflächen von Materialien auf besondere Art und Weise gereinigt und „veredelt“ werden.

Bitte dieses Verfahren nicht mit dem Einfrieren von Erbmaterial oder gar Menschen verwechseln. Hier geht es um die technische Anwendung mit extremer Kälte z.B. durch Verspödung Oberflächen zu entgraten.

Das wiederum soll für dauerhaft einwandfreien Kontakt sorgen. Die Stecker des Kabels sind zudem verschraubt und konventionell verlötet, wodurch sie durchaus reparaturfähig sind.

Im Lieferumfang befindet sich noch ein einfacheres 3m Kabel. Einen klanglichen Unterschied höre ich ehrlich gesagt nicht zwischen beiden Kabeln. Jedoch ist kaum Mikrofonie bei dem besonderen Kabel vorhanden und es ist auch deutlich flexibler und macht vor allem viel mehr her.

Im Inneren des ADL-H128 werkeln zwei dynamische 40mm Treiber mit je 68Ohm Impedanz. Diese erzeugen ein für mich sehr gefälliges Klangbild mit einer sauberen Bassbetonung, feinzeichnenden und moderaten Höhen sowie einem Mittenbereich, der tonal etwas heller geprägt ist. Laut Hersteller werden dabei 20 – 20k Hz abgedeckt.

 

Mein erster klanglicher Eindruck

 

Mittlerweile gehe ich so vor, dass ich mein erste Hörsession knapp in Stichworten dokumentiere. Beim ADL-128H sah das so aus…

  • Oohhh
  • Toller Bass, druckvoll und tief
  • schöner Hochton, detailliert und sanft
  • Gesang leicht zurückgenommen
  • kommt mir irgendwie bekannt vor
  • Nighthawk?
  • Nighthawk!
  • geschlossene Variante, kleinere Bühne

      —->   2 Stunden später

  • Kommt am Honor 8 schon genial -> haben wollen
  • NTS abwarten (NTS=new toy syndrom)

Nach diesem ersten Eindruck habe ich ihn zwei Tage nicht mehr gehört, um den Eindruck erst einmal sacken zu lassen. Der ADL-H128 würde es schwer haben, meinen ersten sehr positiven Eindruck zu bestätigen. Daher war ich wirklich skeptisch, wie er mir im zweiten Testlauf gefallen würde.

 

Hörproben

 

Für „tiefere Untersuchungen“ habe ich mir dann wieder einige Stücke aus meiner stets wachsenden Spotify Playliste für den Kopfhörer-Check angehört.

 

Mein zweites Rendezvous mit dem ADL habe ich direkt mit „Royals“ von Lorde begonnen. Die Basswiedergabe hat mich sogleich wieder beeindruckt. Auch im Gesang ist alles „richtig“.

 

Bei „Englishman in New York“ von Sting auch keinerlei Sibilanzen. Mein erster Eindruck wurde rundherum bestätigt.

 

Neben den beiden zuerst genannten Liedern möchte ich bei Jamiroquai mit „Morning Glory“ mehr ins Detail gehen. Auch wenn es im ersten Moment unspektakulär wirkt, hat es das Stück in sich. Kopfhörern wird sehr viel abverlangt. Oft klingt das Stück langweilig. Das liegt aber daran, dass nur wenige Wiedergabegeräte es schaffen, alle unterschiedlichen Details herauszuarbeiten. Auch der ADL-H128 schafft nicht alles, doch er schafft es, mich bei dem Stück hinhören zu lassen.

Es beginnt nach den ersten Sekunden mit einem Percussion Frage-und-Antwort-Spiel. Der ADL schafft es das „Tik Tik?“ – „Tok Tok!“ sehr schön räumlich differenziert wieder zu geben. So erfolgt links im Ohr die Frage und rechts in gefühlt 2m Entfernung die Antwort. Beim nächsten Set spielt sich alles mitten im Kopf ab und so wechselt das hin und her bis später dieser Sound für eine Zeit dauerhaft um den Kopf kreist. Dieses Wechselspiel erweckt „Morning Glory“ so richtig zum Leben. Ich kenne das von schlechter abbildenden Kopfhörern, dass diese Ausnutzung des Klangraumes zuweilen doch sehr begrenzt ausfällt, das kann ich beim ADL nicht feststellen.

Ab 5:05 Minuten kommen noch weitere Sounds dazu, wie etwa eine Art „Glas-Klang“, der ebenfalls im Raum verteilt zu hören ist.

Der Gesang wird so von der ersten Sekunde an umspielt. Wie ich schon geschrieben habe birgt das Stück die Gefahr schnell langweilig zu klingen, wenn eben genau diese Effekte und Akzente nicht so gut wie mit dem ADL-H128 wiedergegeben werden.

 

Wer sich gern einen Überblick über meine komplette Playlist verschaffen möchte, der kann sich hier „durchhören“.angehört.

 

Kleiner Vergleich

 

Ich habe schon beim ersten Hören ein Dejavu erlebt und den Klang dem Nighthawk von Audioquest zugeordnet. Dieser Eindruck hat sich im weiteren Hören verdichtet und schließlich sind auch die Vergleichsmessungen entstanden, die einen ähnlichen Charakter aufzeigen.

Messung Nighthawk vs. ADL-H128

Hier ist schön zu sehen, dass nur geringe Unterschiede im Bassbereich sowie im Mitten- oder Hochtonbereich zu sehen sind. Jedoch spielt der ADL im Bassbereich 40-80 Hz etwas prägnanter. Es gibt natürlich Nuancen wo sich beide unterscheiden und der Nighthawk klingt auch räumlicher, wobei der geschlossene ADL nicht einmal so weit entfernt ist.

Im Hochton ab etwa 12kHz gibt es Unterschiede, dennoch kann ich nicht entscheiden, welcher dort der „bessere“ Kopfhörer ist.

Soll die Außenwelt nichts mitbekommen, ist der ADL auf jeden Fall dem Nighthawk vorzuziehen, denn selbst laut gespielt dringt kaum ein Ton nach außen. Soll es nicht so intim sein und die Live-Bühne soll sich ordentlich auftun, dann punktet der Nighthawk.

 

 

Klangfazit

 

Ich darf sagen, dass sich der ADL-H128 nicht hinter anderen Kopfhörern versteckt. Im Gegenteil, ich war sogar überrascht, wie gut er mit dem deutlich populäreren Nighthawk mithalten kann. Wer den Klang eines Nighthawks in geschlossener Variante sucht, der wird mit dem ADL-H128 besser bedient als mit dem Nighthowl Carbon, denn der klingt für mich im direkten Vergleich schon deutlich anders als sein offenes Geschwistermodell. Ich vermute, dass die klangliche Ähnlichkeit zwischen dem Audioquest Hörer und dem ADL unbeabsichtigt ist und dennoch ist sie vorhanden, was die Messungen auch bestätigen.

Die Bässe werden vom ADL-H128 satt und tief wiedergegeben während die Stimmen im Vergleich zu ausgewogeneren Kopfhörern etwas „dünner“ klingen. Das ist jedoch nur im direkten Vergleich zu hören. Im Hochton demonstriert er eine weitere Stärke. Der ADL-H128 ist gut für langes, entspanntes und zugleich auch mitreißendes Zuhören ausgelegt und enttäuscht mich während meines mehrwöchigen Tests klanglich in keiner Weise.

 

Fazit – Round Up

 

Der ADL-H128 bietet als geschlossener Kopfhörer einen Spitzenklang!

Hinsichtlich Design und Materialwahl muss jeder selbst für sich entscheiden, ob der ADL gefällt. Er wirkt jedoch weniger robust als andere Kopfhörer in dem Preissegment und besteht überwiegend aus Kunststoff, was ihn aber auch zu einem Leichtgewicht macht.

Unterm Strich empfinde ich sein Design als „anders“ und dennoch ansprechend.

Sind nun 399€ für Interessenten gut investiert?

Im Gesamtpaket von mir ein klares „Ja“!

Für mich ist der ADL-H128 einer der besten geschlossenen Kopfhörer, der zudem auch noch in einem für die mobile Anwendung tauglichem Format daher kommt!

 

PS: 

Besten Dank an Hifi-Passion, die mir den Kopfhörer leihweise zur Verfügung gestellt haben.

 

 


 

2 Kommentare:

  1. Ich glaube hier meintest du „NightOwl Carbon“ oder?
    „Wer den Klang eines Nighthawks in geschlossener Variante sucht, der wird mit dem ADL-H128 besser bedient als mit dem Nighthawk Carbon, denn der klingt für mich im direkten Vergleich schon deutlich anders als sein offenes Geschwistermodell.“

  2. Oh ja, Danke für den Hinweis. Das ist mir doch tatsächlich durchgerutscht.

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