Lasmex H-95 Kopfhörer Modding – Das DIY-Projekt – 2. Teil

Was haben Kaffeefilter und Kopfhörer gemeinsam?

Beide Utensilien sind die Grundvoraussetzungen, um genießen zu können. Und wie beim Kaffee ist es auch mit Musik, beides ist eine Sache des persönlichen Geschmacks und da lässt sich erst einmal nicht drüber streiten und das gilt wiederum auch dafür, wie ein Kopfhörer für jeden persönlich klingen soll. Deshalb nun der 2. Teil des DIY-Projektes Kopfhörer Modding…

… und wer sich für die Vorgeschichte interessiert, für den geht es hier entlang zum 1. Teil…

 

Wie soll ein Kopfhörer für mich klingen?

Es gibt nicht den Einheitskopfhörer und neben Verarbeitung und Design kommt es im Kern auf die klangliche und räumliche Abstimmung an. Ich persönlich mag es, wenn ein Bassbereich tief hinunter reicht und auch präsent ist. Jedoch darf er nicht die Mitten und Höhen überlagern und auch zu „wanbbelig“ darf er nicht sein. Der Bereich des Grundttons und alles hinauf bis 4kHz, was insbesondere den Gesang mit beeinflusst, muss so passen, dass ich nicht das Gefühl habe, die Sängerin steht entweder direkt vor 5m vor der Band an meinem Sitzplatz und ebensowenig möchte ich sie aus der Umkleide singen hören. Im oberen Mittenbereich freue ich mich über Betonungen, die der Musik Räumlichkeit verleihen und möglichst die Instrumente authentisch wiedergeben. Der Hochton sollte eine Brillanz in die Musik bringen, die mich nicht überfordert und ich über Stunden hinweg unangestrengt der Musik zuhören kann. Akzente dürfen dabei jedoch nicht vernachlässigt werden.

Ob mein Geschmack nun populär ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, zumindest wird klar, wo meine Präferenzen liegen und wie sich meine Modifikation des Lasmex H-95 auswirken wird.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Messung im Originalzustand darstellen. Zu sehen ist eine ordentliche Badewannenkurve.

Einige Artikel im Netz haben den H-95 hochgelobt, doch für mich klingt er ab 2kHz deutlich zu anstrengend und der Bass ist mir zu „wabbelig“. Out-of-the-Box ein kurzweiliger Spaßkopfhörer, doch nicht geeignet für stundenlanges Musikhören. Hingegen beeindruckt mich die Separation der Instrumente genauso wie die vorhandene Räumlichkeit dieses eher halboffenen Kopfhörers.

 

Mein Ziel

Der Lasmex H-95 bietet gute Grundvoraussetzungen anhand seines generellen Frequenzverlaufes. Es sind keine außerordentlichen Peaks zu sehen und somit halte ich eine Anpassung an meinen Geschmack für relativ einfach und auch für jeden ohne Messequipment für reproduzierbar.

Ich möchte den Bereich ab 2kHz möglichst linear verlaufend absenken, wobei ich die Bereiche 2,1k-2,7kHz und den Bereich ab 7kHz besonders bedämpfen möchte. Mal sehen, wie gut das klappt. Der Bassbereich ist ebenfalls schon sehr gut vom H-95 betont, jedoch auch da etwas zu steil mit einer Differenz von 12dB von 60Hz bis hin zu 700Hz. Das werde ich ebenfalls versuchen zu begradigen. Was mir zuerst aufgefallen ist beim Lasmex, dass die Stimmen teilweise schon etwas zu voll und zugleich auch zu zischelig bei S-Lauten aufgrund des Mitten und Hochtonbereiches klingen. Das soll alles deutlich ausgewogener werden.

 

Vereinfachtes Prinzip eines dynamischen Lautsprecher

Damit ein „nur“ Anwender oder Laie versteht, was beim Modding gemacht wird, möchte ich kurz erklären, wie ein dynamischer Lautsprecher im Prinzip funktioniert. Wer das alles kennt, der kann diesen Absatz getrost überspringen. 😉

Sehr vereinfacht dargestellt handelt es sich bei einem dnamischen Lautsprecher um eine einfache Mechanik zur Schallerzeugeung, wobei die Eigenschaft von Magneten im Bereich eines stromdurchflossenen Leiters sichtbar bzw. hörbar gemacht werden. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an den Physikunterricht in der Schule zurück, da gab es so etwas wie die „Drei-Finger-Regel“ oder auch die „Rechte-“ bzw. „Linke-Hand-Regel“ usw. Diese Regeln haben uns damals vermittelt, in welche Richtung bezogen auf einen Pol eines Dauermagneten eine Kraft wirkt wenn ein stromdurchflossener Leiter zwischen dessen beiden Polen liegt. Wird der Strom kurz eingeschaltet, so bewegt sich der Leiter impulshaft in eine Richtung. In welche, ist für das Prizip an dieser Stelle egal. Genauso funktionert ein Lautsprecher, nur dass dieser für die Schallerzeugung optimiert aufgebaut ist. Die Membran mit allem dran entspricht im Prinzip dem sich bewegeneden Leiter von damals. Durch die unterschiedlichen Frequenzen wird die Memran hin und her bewegt und es entstehen Schallwellen. Durch speziell abgestimmte Konstruktion werden z.B. bei Kopfhörern breitbandig Frequenzen bis 20kHz und darüber wiedergegeben, auch wenn diese dann nicht mehr für uns Menschen hörbar sind. Dabei werden aber je nach Aufbau die Frequenzbereiche unterschiedlich ausgeprägt wiedergegeben. Diese Bereiche können dann entweder durch Aufbereitung des Signals selbst verändert werden und handwerklich durch entsprechende Gehäuse. Noch detaillierter möchte ich nicht werden, jedoch kann sich nun jeder Vorstellen, dass der Klang von vielen Feinheiten abhängt und warum nicht jeder Kophörer gleich klingt.

 

Was ist „Modding“?

Beim Modden oder auch Modifizieren probiert man natürlich einige Materialien aus, um Frequenzbereiche zu bedämpfen. Es gibt auch Mods, die mit nachträglich eingelöteten elektroschien Filtern arbeiten, um wie oben genannt, das Signal selbst zu verändern. Bei Bluetooth Kopfhörern wird Beispielsweise sogar aktiv der Klang passend auf den Kopfhörer mittels DSP „zurechtgebogen“. Per Kabel zugespielt klingen viele Kopfhörer dann nicht mehr so gut.

Ich möchte hier nun eine Modifikation vorstellen, die für sich ohne spezielle Kenntnisse reproduzieren lässt.

Modden ist keine Wissenschaft. Sicherlich lässt sich eine Menge berechnen, doch es geht ja eher darum, den Gesamtklang individuell zu verändern. Mit einem schlechten Ausgangsmaterial kann man keine Wunder bewirken, das muss schon passen. Und der Lasmex H-95 passt für mein Vorhaben ideal.

Ich betrachte beim Modden den Kopfhörer eher ganzheitlich und so benötige ich unterschiedlichste Materialien, um auch viel ausprobieren zu können. Dabei geht es oft darum, welche Materialien sich wie auswirken, ob nur auf bestimmte Bereiche oder gar den gesamten Frequenzverlauf. Das bedeutet jede Änderung muss gemessen werden, damit ich auch sehe, welche Auswirkungen auftreten. Es kommt darauf an, ob nur der Treiber selbst abgedeckt wird oder auch andere Belüftungsöffnungen. Oft müssen dazu auch versiegelte oder teilbedeckte Öffnungen erneut geöffnet werden, was zu einer zunächst deutlichen Klangverschlechterung führen kann. Da gilt es dann für sich herauszufinden, wie die neue Dämpfung sich auswirkt. Beim H-95 gibt es vier recht große und mit einem Zellstoff beklebte Öffnungen, die grob gesagt den Bass ausmachen.

 

Werden diese komplett versiegelt, dann erhöht sich der Bass bis 200Hz um mehr als 6dB… der Kopfhörer wird zur Bassschleuder. Werden die Öffnungen komplett geöffnet, dann flacht der Bass sehr stark ab. Es kommt also auf die richtige Dämpfung an. Auch im Inneren gibt es diese Möglichkeiten Änderungen vorzunehmen, im Fall des Lasmex H-95 sind aber keine Einfgriffe für eine Klangänderung im Inneren notwendig, obwohl auch auf der Rückseite und somit innerhalb des Gehäuses es Möglichkeiten für einen Modifikation hinsichtlich Bass gibt. Da diese aber zu Verzerrungen führt, habe ich zum einen davon Abstand genommen und zum anderen

wollte ich ja einen bestmöglich und einfachst reproduzierbaren Mod anbieten. Und am Ende habe ich es geschafft, mich komplett auf die Vorderseite zu beschränken.

 

An dieser Stelle möchte ich die „Einkaufsliste“ aus dem 1. Teil in Erinnerung rufen.

  1. Lasmex H-95
  2. Kaffee-Filter Typ 4
  3. Papiertaschentücher -> geändert. Nun 4-lagige dünne Fließ-Wischtücher
  4. Kugelschreiber
  5. Schere
  6. Lineal/Zirkel
  7. dünner Klebestift
  8. Tesafilm
  9. Dosenlocher*

*statt eines Dosenlocher funktionieren auch verschieden dicke und spitze Gegenstände bis Durchmesser 4mm, z.B. Zahnstocher, Fleischnadel,…

Die Positionen 2 & 3 sind die eigentlich interessanten Materialien. Alles andere ist als universelles Werkzeug zu sehen, dass beim Modden sowieso immer benötigt wird.

Leider ist die Einkaufsliste nicht ganz korrekt bzw. hat sich noch etwas geändert, denn im Laufe meiner klanglichen Anpassungen hat sich am Material für die Dämpfung doch noch etwas geändert.

Anstelle der Papiertaschtentücher machen sich beim Lasmex H-95 die einzelnen hauchdünnen Lagen von Einmalspült- bzw. -wischtüchern besser. Diese sind etwas offenporiger und sind nicht so dicht gepresst.

 

LASMEX H-95 MOD

Als erstes müssen natürlich die Polster von beiden Seiten abgezogen werden, was sehr einfach funktioniert. Das spätere Aufbringen braucht etwas Gefühl, geht aber recht gut. Ich habe schon erwähnt, dass vier Belüftungsöffnungen beim Lasmex H-95 vorhanden sind, die sofort sichtbar werden.

Diese Öffnungen werden mit der Scherenspitze oder besser einem Skalpell vorsichtig ausgeschnitten. Achtung, es könnten dünne Kabel dahinter entlang laufen, also genau hinsehen.

Dann wird eine kreisförmige Scheibe mit 55mm Außendurchmesser aus dem Kaffeefilter geschnitten mit einem Loch in der Mitte von 20mm Durchmesser. Dieser Filter wird dann zentriert über den Treiber mit zwei schmalen Stück Tesafilm fixiert und sorgt für die notwendige Dämpfung des oberen Mittenbereichs

Für eine Neutrale Abstimmung werden dann 4 kreisrunde Lagen des Spültuches mit 55mm Durchmesser benötigt und 3 ovale Lagen Spültuch, welche genau in den vertieften Bereich des Gehäuses passen sollen. Die ovalen Lagen decken neben dem Treiber auch die 4 zuvor freigelegten Belüftungsöffnungen ab. Mit jeder ovalen Lage wird sowohl der Bass wieder etwas hervorgehoben als auch der Mitten- und Hochtonbereich zusätzlich bedämpftbedämpft. Schön ist, dass dieses annähernd linear geschieht.

Wer sich den Kopfhörer wie in der Messung unten in Rot dargestellt warm abstimmen möchte, nutzt statt der 3 ovalen Lagen bis zu 6 ovale Lagen. Jede Lage bringt beide genannten Effekte in kleinen Schritten mit sich. Der gedachte Drehpunkt der Frequenzkurve liegt bei etwa 1kHz. Probier das einfach mal aus und höre dir die Änderung an, du wirst erstaunt sein, was auch nur eine Lage an klanglicher Veränderungen bewirkt. Für das Ausprobieren reicht es aus, den Kopfhörer mit nur aufgelegten Posltern anzuhören.

Wenn alles passt, dann einfach die Lagen mit wenig Tesafilm am Gehäuse fixieren und die Polster wieder aufziehen.

Zur Unterstützung habe ich hier noch eine kleine Fotostrecke der wichtigsten Schritte dargestellt. Vielleicht hilft es ja. 😉

Im Prinzip ist die selbsterklärend.

Aber zur Sicherheit…
1. pro Kopfhörerseite nur 1x Lage des Kaffeefilters, darüber dann die 10 oder 7 Lagen Spültücher, je nach Abstimmung
2. die Ovale am besten ausschneiden, indem zuvor auf einem Blatt Papier die Kontur des Ovals vom KH aufgezeichnet wird
3. das verwendete Spültuch besteht aus 4 ultradünnen Lagen Zellstoff
-> von mir genutzt: Hersteller WUNDmed, Art.Nr. 07-009 http://www.wundmed.deAMAZON ASIN B00859D5XW (nur sehr teuer dort)
Hier noch Alternativen auf Amazon…
…zwar noch ungetestet, schauen aber hinsichtlich der Verarbeitung sehr ähnlich aus.
A) Eco Plus Allzwecktücher 50 Stück ASIN B003GQBPJA
B) Flinka Haushaltstuch Tücher 38 x 50 cm ASIN B004WWIPY0

 

Falls noch Fragen sind, diese auch gern in den Kommentaren stellen.

Ich freue mich auch über jedes Feedback zu diesem Mod und wie euch der Kopfhörer vorher und nachher gefällt.

 

Hier das Resultat jeweils als Messung für die „neutrale“ und „warme“ Abstimmung im Vergleich zum Original.

 

 

Wer möchte, ist auch gern im Forum von  „Prof-X“ willkommen!

Dort bin ich ebenfalls vertreten und freue mich, auch dort von dir zu lesen.

Im Threat „LASMEX H-95 Modding“ können Erfahrungen noch deutlich besser ausgetauscht werden als hier über die Kommentare.

 

Hier angekommen darf ich verraten, dass es noch eine weitere Modifikation zu H-95 geben wird. Die bedarf allerdings mehr Geschick und auch mehr Werkezug, sorgt aber dafür, dass der Lasmex auch 3,5mm Klinke-Anschlüsse auf jeder Seite erhält. 🙂

Hier auf Miniklangwunder dazu demnächst mehr…

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