IFA 2019 – Teil 2 – Kurzer Test des Sennheiser Momentum 3


Bei Sennheiser gibt es in einem Vorführraum die Ambeo Soundbar zu hören und an den einzelnen Stationen die PCX550 II sowie die Momentum TWS. Die Aufmerksamkeit wird jedoch definitiv in Mitten des Standes mit einer eigenen Insel und mehreren Demo-Geräten auf den Momentum 3 gelegt, der bereits im Handel für 399,-€ erhältlich ist.


Der Momentum 3 ist mein persönliches Highlight bei Sennheiser.
Ich habe den Vorgänger bereits zwei Mal besessen und konnte nie vollends mit ihm eins werden konnte. Das Design der Momentum Reihe überzeugt mich von Anfang an. Edelstahl und Leder in einer absolut harmonierenden Kombination. Der neue Momentum setzt diese Tradition fort und wirkt weiterhin edel und leicht zugleich. Mit ihm habe ich auf der Messe gefühlt die meiste Zeit verbracht und hätte auch sofort einen mitgenommen, um ihm ganz genau auf den Zahn zu fühlen.
Leider sieht es mit Testgeräten derzeit etwas mager aus und so kann ich im ersten Wurf nur meinen Eindruck von der IFA beschreiben.


Haptik & Tragekomfort

Wie schon angedeutet hat Sennheiser auf den ersten Blick in Sachen Design und Verarbeitung alles richtig gemacht. Die Cups sind jetzt etwas größer geworden und die Polster bieten den Ohren mehr Platz und nun ist auch ein Manko des Vorgängers komplett ausgemerzt. Der Momentum 3 ist nun ein ordentlicher OverEar Kopfhörer, bei dem nun auch große Ohren ausrechend Platz haben. Einmal eingeschaltet, erkennt der Momentum 3 auch, ob er getragen wird oder nicht und pausiert so auch die Musik. Beim Zusammenklappen schaltet er sich sogar komplett ab, um beim Auseinanderklappen sich wieder einzuschalten. Das ist hervorragend gelöst, man muss sich nur klar sein, dass der Verbindungsaufbau mit Bluetooth einen Moment in Anspruch nimmt. Hinsichtlich Haptik ist der Momentum 3 absolut hervorragend.

Noch etwas skeptisch, doch am Ende absolut überzeugt!



Der Tragekomfort ist wie bereits beim Vorgänger sehr gut und wurde sogar noch durch die Änderung der Polstergröße verbessert. Ich bin sogar der Meinung, dass der Momentum 3 insgesamt noch entspannter seitlich anliegt.



Der Kopfhörer mag vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussehen, als hätte sich viel geändert, doch hinsichtlich des Tragekomforts, der automatischen Features der Steuerung und der Haptik insgesamt ist der Momentum 3 ein deutlicher Schritt nach vorne. Ich wüßte nicht, was da noch besser werden könnte.


Klang

Beim Klang hatte ich sofort den zweiten Aah-Effekt, denn wo der Momentum 2 mit immer noch ein wenig zu neutral gespielt hat, bietet der neue Momentum nun in Verbindung mit der Sennheiser App Möglichkeiten zur dauerhaften individuellen Anpassung, bei denen ich dann keine Wünsche mehr offen habe. Neben der ANC Einstellung, lässt sich der Klang visuell anpassen. Hier wird nicht ein schnäder Band-Equalizer genutzt sondern Änderungen werden anhand einer grafische Bedienung umgesetzt. Hier gilt es zu hören, was einem gefällt, ohne sich auf Zahlen zu stützen.



Für mich spielt der Momentum 3 aus dem Karton schon nahe an meiner bevorzugten Signatur, lediglich im Hochton bzw. Superhochton darf es etwas mehr sein. Auch das ist mit der App schnell realisierbar. Die App muss nicht einmal im Hintergrund laufen, denn die Einstellungen werden im Kopfhörer vorgenommen und sind so unabhängig der sonstigen Equalizer auf dem Zuspieler dauerhaft als Grundeinstellung des Kopfhörers verfügbar.

Im Bass spielt der Momentum 3 schön weit herunter und spielt im Tiefbass eher weich. Im Oberbass vermag er aber dann schnell und präzise zu sein und bildet Drumkicks schön trocken ab. Eine Tolle Kombination, um in allen Genres universell zu bleiben.
Die Mitten spielen auf dem Niveau, dass sich Gesang und Instrumente nicht in den Vordergrund drängen – mit der App ist das aber auch änderbar – und die Separation von Instrumenten gelingt für einen Kopfhörer in dieser Preisklasse außerordentlich gut.
Im Hochton gibt es bei Bedarf genug Energie um auch mal spaßig zu spielen und Akzente entsprechend zu betonen. Eine glasklare Auflösung ist jedoch mit dem Momentum 3 nicht gegeben, wenn man mal den HD800 als Vergleich her nimmt. Nicht, dass dieses überhaupt der Anspruch des Momentum wäre.

Collage von Informationen des Infodisplays des Sennheiser Standes auf der IFA


Technik & Fazit

Im Momentum 3 steckt einen Haufen Technik, die ich nur anreiße. Neben Bluetooth 5.0, aptX-Codex in allen Ausprägungen wie Low Latency usowie auch AAC hat er das beste Rüstszeug für den kabellosen Betrieb integriert. Interessant ist auch die Tatsache, dass er passiv eine Impedanz von 100 Ohm aufweist und aktiv gibt Sennheiser die Impedanz mit 470 Ohm an. Das könnte erklären, warum der Momentum 3 einfach so “HiFi” klingt.

Unterm Strich hat mich der Momentum 3 bis hierhin absolut überrascht und mit der angegebenen Spielzeit von bis zu 17h würde er mich durch meinen Alltag einer kompletten Woche bringen.



Der Momentum 3 ist ein Musterbeispiel, wie ein gutes Produkt immer weiterentwickelt wird, ohne es nur aufzuwärmen. Ich hoffe, dass ich den eher früher als später für einen ausführlichen Test in meine Hände und auf die Ohren bekommen werde. Ich arbeite daran. 😉

Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0