Shanling M0 im Test – „DAP-to-Go“ oder „Miniaturisierung in Perfektion“

Als ich zum ersten Mal „M0“ hörte und die Größe des Shanling sah, musste ich unweigerlich an die H0 Spur der Modelleisenbahner denken, schmunzelte in mich hinein und schüttelte innerlich den Kopf, „Blöde Assoziation.“
Nachdem ich den Shanling M0 DAP nun jedoch ausgiebig testen konnte, ist dieser Vergleich gar nicht mehr so weit hergeholt. Auch der M0 könnte zum Liebling aller audiophilen Musikliebhaber werden, sie wissen es nur noch nicht!

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An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den deutschen Vertrieb www.shanling.de, der mir den M0 leihweise zur Verfügung gestellt hat!

 

 

Vorwort

Eigentlich hatte ich den Shanling M0 im Vorfeld nicht unbedingt im Fokus, zumal ich unlängst meinen Bericht zu den größeren Geschwistern, dem M2S und dem M3S veröffentlicht habe, von denen insbesondere der M3S mich auch heute noch begeistert. Allerdings wurde mir der M0 spontan zugeschickt, mit dem Hinweis, mir den einfach mal anzusehen. Und natürlich macht so eine Aufforderung natürlich neugierig.
Und ohne zu viel verraten zu wollen, ist der M0 überaus interessant. Den M3S habe ich für mich schon als Superlative in seinem Segment empfunden und nun kommt der kleine M0 so daher. Mein erster Impuls war, dass der sicherlich für alle Jogger interessant sein wird, das war es dann aber auch. Wie sich zeigt, weit gefehlt!

 

Inhalt

1. Verpackung

2. Design & Handhabung

3. Technische Daten

4. Klangvergleich

5. Welche Kopfhörer schafft der M0?

6. Was macht den M0 so besonders?

7. Wie positioniert sich der M0 in meinem persönlichem DAP Lineup?

8. Fazit & Bewertung

9. Galerie

 


1. Verpackung
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Ich mache es kurz. Ein für Shanling typisch bedruckter Karton, ein Inlay und in Mitten der winzige M0 als Blickmagnet. Das Zubehör nimmt mehr Platz ein, als der DAP selbst. Das alles wirkt irgendwie „witzig“ weil so winzig. Der M0 findet beinahe Platz in einer Streichholzschachtel.

 


2. Design & Handhabung
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Design

 

Beim Herausnehmen fällt sofort die sehr gute Verarbeitung auf. Das Unibodygehäuse aus Aluminium misst 4,0cm x 4,5cm x 1,4cm und lässt den M0 sehr edel wirken. Die Scheibe des Displays schließt bündig mit dem Gehäuse ab. Das Multifunktionsdrehrad an der rechen Seite fällt etwas flacher und kleiner aus als bei den größeren DAPs. Die USB-C Buchse und der Kopfhörerausgang als 3,5mm Klinke-Buchse befinden sich an der Unterseite. Eine sehr gut durchdachte Neuerung ist die Abdeckung des Slots für die MicroSD-Karte. So ist ein einfacher Spritzschutz vorhanden, doch zumindest ist die Optik deutlich besser als bei den MxS, wo die Sicht auf die Karte ungehindert ist. Meine weiße Karte fällt so nicht mehr auf. Zugleich ist dieser Deckel auch ein gewisser Schutz, dass die Karte auch unter ungünstigen Bedingungen nicht ausgeworfen und verloren werden kann. Mit nur 38 gr ist der M0 zudem sehr leicht, so dass man ihn in der Hosentasche gar nicht merkt. Leider steht mir zu diesem Zeitpunkt noch kein Clip-Case zur Verfügung, jedoch sehen diese auf der Herstellerseite sehr vielversprechend aus.

 

Handhabung

Auch wenn noch so klein, ist die Bedienung mittels Touch-Screen einfach und intuitiv. Auch hier hat man durch Ausprobieren in wenigen Minuten den Wisch raus. Durch die kleinen Schriften kann es sicherlich vorkommen, dass man insbesondere beim Einstellen des Equalizers oder Anwählen einzelner Menüpunkte oder Lieder im Ordnermodus auch mal daneben trifft. Nach kurzer Eingewöhnung passiert das jedoch kaum mehr, Voraussetzung ist eine gute Auge-Hand-Koordination. Wie die Bedienung des Shanling DAPs im Detail aussieht, kann in meinem Youtube-Video genauer angesehen werden.

 

 


3. Technische Daten
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Die ausführlichen technischen Daten sind hier auf www.shanling.de zu finden. Ich möchte an dieser Stelle nur ein paar Punkte exemplarisch benennen und meine Erfahrungen darstellen.

 

Größe
Der Shanling M0 ist tatsächlich mit 42x45x14 /mm sehr klein. Lege ich meinen Daumen mittig auf den M0 auf, ist das Display nahezu komplett verdeckt. Hier mit ein paar anderen Geräten zum Vergleich.

von links nach rechts: Sansa Clip+, darunter Shanling M0, Shanling M3S, iBasso DX200

 

Verstärkerleistung

Anfangen möchte ich mit der Leistungsangabe von 80mW. Dieser Punkt hat mich sofort etwas nachdenklich gemacht, ob der M0 als DAP eher nur für IEMs und somit auch eher nur für Jogger geeignet ist? Dafürsprechen würde vordergründig, dass er mit nur 0,17 Ohm Ausgangsimpedanz jegliche IEMs unverfälscht antreiben kann.
Der M0 ist aber tatsächlich deutlich universeller einsetzbar und kann auch gut mit ausgewachsenen Kopfhörern umgehen. Nicht einer ist dabei, bei dem ich das Gefühl habe, dass er mir auf Dauer zu leise spielen könnte. Bei der ein oder anderen nicht so laut abgemischter Aufnahme fehlen gelegentlich wenige dB, um dann auf Disco-Lautstärke zu kommen, doch selbst mein AKG-K240 spielt insgesamt so laut, dass ich ihn dauerhaft mit nur Stufe 70 betreibe, ebenso wie der AEON Open Flow.
Die 80mW des M0 entsprechen umgerechnet 19dB mehr Lautstärkepegel, womit dann der K240 bei 109,6dB liegt (110dB ist Disco-Lautstärke)! Der M2S sowie der M3S bringen es zwar auf 21,1dB und schaffen somit 2dB mehr Lautstärkepegel, doch ob das am Ende tatsächlich entscheidend und auch unmittelbar wahrnehmbar ist, möchte ich bezweifeln.

 

Bluetooth
Sowohl als Zuspieler für Kopfhörer oder sonstige Bluetooth-Geräte kann der M0 genutzt werden, als dass er auch Bluetooth Empfänger sein kann. Getestet habe ich mit Software v1.5 und der M0 kann z.B. ein vom Smartphone zugespielten Spotify-Stream verarbeiten und an die angeschlossenen Kopfhörer weitergeben. Agiert der M0 als Sender, so beherrscht er mit Bluetooth v4.2 sowohl aptX als auch LDAC und AAC Übertragung. Eine solche Übertragungsvielfalt habe ich in diesem Preissegment noch nicht gesehen und auch Klassen höher ist mir nicht bewusst, welcher DAP diese Vielzahl an Protokollen beherrscht.

 

Touchscreen
Mit 240×240 Pixeln ist das Touchscreen zwar klein, stellt aber alle Inhalte gut dar. Zudem hat Shanling mit der nun hauseigenen Software die Bedienfähigkeit sehr gut umgesetzt. Auch wenn die Ansicht begrenzt ist, das Zielen etwas geübtwerden muss und die Umsetzung ein klein wenig Träge ist, erlernt es sich durch einfaches Ausprobieren schnell, wie der DAP zu bedienen ist.

 

Akkulaufzeit

Ich benutze stets den High-Gain-Modus, in dem die Verstärkerstufe mit maximaler Leistung arbeitet, und komme damit auf gut 8-10 Stunden Akkulaufzeit. Shanling gibt bis zu 15 Stunden an, was jedoch nur bei leisem Hören und Low-Gain-Modus erreicht werden kann. Wer mit IEMs hört, wird in den allermeisten Fällen auch mit dem Low-Gain-Modus und einer geringen Lautstärkestufe auskommen, doch mit anspruchsvolleren OverEar-Kopfhörern ist der High-Gain-Modus Pflicht. Aufgeladen ist der 630mAh Akku in knapp 2 Stunden.

So viel zu den aus meiner Sicht technisch wichtigsten Eckdaten zum Shanling M0.

 


4. Klangvergleich
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Hier geht es mir nicht darum, wie welche Musik mit dem M0 etwa wie klingt, sondern wie er im Vergleich zu anderen Geräten klingt. Da der M0 über den Sabre DAC verfügt und auch der Verstärker mit 0,17 Ohm Ausgangsimpedanz schon auf hohem Level ist, setze ich große Erwartungen in den Winzling. Im direkten Vergleich höre ich keine Unterschiede zum M2S und M3S. Selbst im Vergleich zum iBasso DX200 ist der M0 nicht hinter ihm zurück. Was die Lautstärke angeht, hat er natürlich ganz klar das Nachsehen, da ist er dem iBasso deutlich unterlegen. Mit dem AEON Flow Open an beiden Geräten kann ich klanglich keinen Gewinner ausmachen, dafür aber in Sachen Antriebskraft. Der M0 schafft es den AEON Flow Open langzeittauglich und auf Maximum auch etwas lauter anzutreiben. Doch etwas leiser aufgenommene Stücke richtig laut zu hören, dafür fehlt es dem M0 einfach an Leistung. Der M2S und der M3S bieten hier mit 50mW gut 2 dB mehr Pegel, doch erst der M3S im symmetrischen Betrieb kann da noch einmal 3dB drauflegen und kommt somit annähernd auch in den Bereich des iBasso DX200 im unsymmetrischen Betrieb. Wer noch mehr Leistung benötigt, der findet dann in den Geräten iBasso DX200, Fiio X5.3 oder X7.2 entsprechende All-in-One-Lösungen. Aber auch ein stationärer Kopfhörerverstärker wie der Questyle CMA400i kann natürlich helfen.

 

Die Miniklangwunder Artikel der genannten DAPs sind wie folgt zu finden:

Shanling M2S und M3S

Fiio X7.2 

 


5. Welche Kopfhörer schafft der M0?
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Wie schon angedeutet können selbst eher anspruchsvollere Kopfhörer wie der AKG-K240 und AEON Open Flow mit dem Shanling gut betrieben werden, wenn man nicht unbedingt auf Discolautstärke und darüber pocht. Im Vergleich zum iPhone 6s klingen diese beide Kandidaten am M0 deutlich frischer, agiler und können bei Bedarf auch etwas lauter gespielt werden.

Auch wenn 150 Ohm Impedanz, der Sennheiser HD660S macht ebenfalls am M0 eine sehr gute Figur, der Wirkungsgrad des Sennheisers ist für den M0 mehr als ausreichend.

Der Hifiman HE-4XX benötigt ein wenig mehr Leistung im Gegensatz zum Monoprice Monolith M1060. Während auch der M1060 laut am M0 spielen kann, fehlt für den Hifiman einfach etwas der Schub.

Recht einfach anzutreiben sind der Meze 99 Classics und auch der Neo, beide entfalten ihr volles Potential am M0, genauso wie ein Teufel Aureol Real. Diese Kopfhörer lassen sich allerdings auch bereits am iPhone 6s nahezu ausreizen, was die Lautstärke angeht.

Interessant ist der Focal Elex, der ist zwar sehr einfach anzutreiben und auch am iPhone wird er sehr laut, doch klanglich zeigt sich, wie gut der M0 auflöst. Der Elex klingt ebenso wie der K240 und der AEON Flow Open deutlich dynamischer und frischer am M0.

 


6. Was macht den M0 so besonders?
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Es zeigt sich, dass der winzige M0 kein Spielzeug ist oder nur für Jogger und Nebenbeihörer interessant ist. Mit Kopfhörern, welche durchaus präzise Zuspieler zu würdigen wissen, braucht der M0 keine Angst zu haben. Wie schon erwähnt ist er klanglich aus meiner Sicht unstrittig, lediglich für noch leistungshungrigere Kopfhörer ist er allein nicht nutzbar. Dafür wiederum kann er aber auch mit Bluetooth-Kopfhörern umgehen oder dient als erhebliches Upgrade zum Smartphone mittels Streaming-Funktion via Bluetooth. Für alle ab iPhone 7 eigentlich genau auch die Lösung, um wieder kabelgebundene Kopfhörer nutzen zu können, insbesondere da er neben Bluetooth Standard aptX und Apples AAC Container auch noch Sonys LDAC beherrscht. Getestet mit meinem Zweitgerät Xiamoi Redmi 5 Plus ist sogar ein lippensynchrones Ansehen von Filmen möglich, wenn zuvor im Menü auf LDAC HQ gestellt wird. Mit dem iPhone bleibt bei dieser Einstellung der Kopfhörer stumm. Insbesondere soll wohl ab Android 8.0 Oreo LDAC per Prinzip unterstützt werden.

 

Kurzum:

Es macht den M0 besonders, dass er im Mini-Format ein vollwertiger DAP mit ansprechender Bedienung und HighEnd-Features ist.

 


7. Wie positioniert sich der M0 in meinem persönlichem DAP Lineup?
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Es ist gar nicht einfach, den M0 mit den größeren DAPs in eine Linie zu bringen, denn definitiv hat der M0 hinsichtlich Visualisierung natürlich das Nachsehen. Mit 240×240 Pixeln auf einer Fläche größer als mein Daumennagel lassen sich keine Wunder vollbringen. Im Vergleich zu dem alten Sansa Clip ist das jedoch schon um Potenzen besser. Die Nummernvergabe von Shanling passt schon mit M0 bis M3S.
An dieser Stelle kann ich nur sagen, dass der M0 für mich ein idealer Partner zum M3S, der symmetrischen Antrieb beherrscht und mittels App fernbedienbar ist, und auch zum Fiio X7.2 oder iBasso DX200 ist. So kann ich jetzt auf der Arbeit ohne Bedenken den M0 nutzen und ihn auch am Schreibtisch liegen lassen, was aber gar nicht mehr notwendig ist, da er schnell und unauffällig in der Hosentasche verschwindet. Den Fiio X7.2 oder den iBasso DX200 lege ich stets in meine abschließbare Schublade. Die sind zum schnellen Mitnehmen einfach etwas zu groß und um liegen gelassen zu werden und einfach zu kostspielig in der Anschaffung.

Bin ich längere Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, zum Beispiel auf Tages-Dienstreisen, ist der M3S wiederum meine erste Wahl, denn der bietet mir den besten Kompromiss zwischen Übersichtlichkeit, Leistung und Mobilität.

Wenn ich zu Hause bewusst Musik höre, dann nutze ich eher einen großen DAP, einfach weil die Übersichtlichkeit mit einem großen Display doch komfortabler ist. Zudem ist auch am stationären Kopfhörerverstärker betrieben das Handling einfach mit den HighEnd-DAPs besser.

Somit ist derzeit mein persönliches DAP Lineup M0, M3S und iBasso DX200 bzw. Fiio X7.2.

 

Nachtrag

Vor gut 10 Jahren gab es bereits einen ähnlich kleinen und hervorragenden Mini-DAP, wobei damals eher noch von MP3-Player gesprochen wurde. Es handelt sich um den Sansa Clip, der mich auch lange Zeit begleitet hat. Damals mit OLED-Display, Slot-Radio, dessen Sinn mir bis heute nicht erschlossen hat, FM-Radio und einem Clip an der Rückseite. Der ist nach einigen Jahren leider weggebrochen, war aber bis dahin genial. Der Sansa funktioniert wie zu sehen ist auch heute noch.

Seit der Sansa Clip eingestellt wurde gibt es nun mit dem Shanling M0 endlich einen mehr als würdigen Nachfolger, der diese Lücke wieder besetzt. Für den M0 soll künftig ebenfalls neben der aktuell bereits angebotenen Hülle eine Hülle mit einem Clip auf der Rückseite geben. Dann wird aus ihm quasi auch der „M0 Clip“.

 

 


8. Fazit
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Im Bereich der Mini-DAPs ist mir derzeit kein Gerät bekannt, welches an den Shanling M0 heranreicht. Eins ist klar: Der Shanling M0 wird auf jeden Fall dauerhaft bei mir einziehen.
Für alle, die einen kleinen DAP suchen und ein nicht allzu großes Display benötigen und nicht auf eine vernünftige Touch-Funktion verzichten wollen, wird der M0 sicherlich ein sehr heißer Kandidat sein.

Und für alle, die sich mit Wehmut an den Sansa Clip zurückerinnern und einen entsprechenden Ersatz vermissen, für die ist nun knapp 10 Jahre später der Shanling M0 Pflicht.

Es ist leicht zu erahnen:

Ich kann den Shanling M0 uneingeschränkt empfehlen!
Hut ab Shanling!

 

Bewertung


9. Galerie
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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0