RHA T20i im Test – Verwandlungskünstler auf hohem Niveau

Auf der Suche nach einem InEar mit Freisprechmöglichkeit bin ich auf den RHA T20i in schwarz aufmerksam geworden. Die Gehäuse dieses InEars gleichen dem des CL1 sehr, welche hinsichtlich Tragekomfort hervorragend sind. Ohne zu viel vorweg zu nehmen, der T20i trägt sich genauso hervorragend.

 

Freundlicher Weise hat mir RHA direkt den T20i zur Verfügung gestellt, den ich nun schon einige Wochen ausgiebig nutze. Was ich für einen Eindruck von ihm gewonnen habe, darüber berichte ich in diesem Bericht.

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Tragekomfort & Handhabung
  4. Technische Daten
  5. Soundcheck & Hörproben
  6. Fazit & Bewertung
  7. Galerie

 


1. Verpackung & Zubehör
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Die Verpackung hat es natürlich in sich. Von außen eine einfache Klappschachtel mit Fotos des T20i und einigen technischen Daten. Im Inneren wird mit dem Aufklappen auf der linken Seite sofort auf das besondere Feature des T20i hingewiesen, nämlich die austauschbaren Klangfilter. Rechts wird der InEar selbst kunstvoll mitsamt dem umfangreichen Zubehör präsentiert. Eine Ebene darunter befindet sich zudem noch ein Case, in dem alles Platz findet. Abgerundet wird der Lieferumfang mit der entsprechenden Produktdokumentation.

Neben den bereits angesprochenen Filtern, es sind 3 Paar, befinden sich noch sage und schreibe 9 Ohr-Tips in verschiedenen Ausführungen im Lieferumfang. Fünf Standard Paare sowie zwei Paare Memory-Foams und zwei Paare Lamellen-Tips werden mitgeliefert.

 


2. Design & Verarbeitung
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Der T20i hat mich sofort angesprochen, denn als ich ihn gesehen habe, hatte ich ein kleines Déjà-vu. Die Gehäuse, das Kabel und die Ohrfixierung sind ebenso wie beim CL1 gearbeitet, nur dass das Kabel nicht tauschbar ist und die Gehäuse statt aus Keramik aus Metallspritzguss sind. Die Gehäuse sind sehr klein und bohnenförmig, weswegen sie sich perfekt in mein Ohr einschmiegen. Die Gehäuseteile sind sichtbar zusammengefügt, dennoch ist die Verarbeitung sehr gut.

Das Gewinde der verschraub- und wechselbaren Filter ist leichtgängig. Das Kabel ist gummiert und mit einer Kabelfernbedienung auf der rechten Seite versehen. Diese funktioniert sowohl unter iOS, dass Play/Pause und Lautstärke plus und minus realisiert sind, als auch unter Android, allerdings dort nur die Play/Pause-Funktion.

Die Verarbeitung des Kabels und des 4 poligen 3,5mm Klinke-Steckers sind sehr gut.

 


3. Tragekomfort & Handhabung
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Ich habe bereits angedeutet, dass zumindest für meine Ohren der Tragekomfort sehr gut ist. Mit den richtigen Tips sitzt der T20i sicher und dicht im Ohr. Die Führungen über die Ohren sind quasi nicht spürbar, da optimal anpassbar. Auf etwa 12cm wurde das Kabel mit einer Art biegsamen Spirale verstärkt, welche ebenfalls gummiert ist. Diese Lösung ist seitens RHA patentiert und funktioniert hervorragend! Das macht auch die Handhabung beim Einsetzen und Herausnehmen denkbar einfach und komfortabel. Der Druckpunkt der gummierten Tasten der Fernbedienung könnte besser sein, wenngleich RHA dafür gesorgt hat, dass die Tasten durch Höhenunterschiede sofort richtig tastbar sind. Insgesamt ist zu merken, dass dieses nicht die ersten InEars sind, die RHA auf den Markt gebracht hat. Die Freisprechfunktion arbeitet so wie ich es von anderen InEars mit Kabelmikrofon bereits gewohnt bin. Die Sprachverständlichkeit für den Teilnehmer auf der anderen Seite ist unter normalen Bedingungen sehr gut.

 


4. Technische Daten
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Im Detail zu nachzulesen auf der RHA T20i Produktseite, hier auszugsweise:

• Dynamischer DualCoil™ Treiber
• Metallspritzguss Edelstahl-Konstruktion
• Tuning Filter: Bass, Höhen und Referenz
• 3-Tasten-Fernbedienung und Mikrofon
• Formbare Ohrbügel
• Verstärktes OFC-Kabel
• Hochwertige Ohrstöpsel und Transporttasche
• 3 Jahre Garantie

 


5. Soundcheck & Hörproben
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Im Bereich Klang ist der T20i dank der Klangfilter relativ wandelbar. RHA beschreibt dieses mit +3dB unter 300Hz mit dem Bass-Filter in Schwarz, +3dB ab 1kHz und höher mit dem Reference-Filter in Kupferfarbe und der silberne Refrence-Filter gilt als  Grundabstimmung. Da es sich hier um passive Filter zu Dämpfung handelt lässt es sich auch so ausdrücken. Im Prinzip dämpfen die Bass-Filter alles ab 300Hz aufwärts und die Reference-Filter ab etwa 1kHz aufwärts.

Hier Messungen, die die Änderungen qualitativ darstellen. Ungenauigkeiten zu den Herstellerangaben können aufgrund der unterschiedlichen Messsysteme auftreten. Doch auch der Hobby-Aufbau spiegelt das wieder, was ich auch höre.

 

Wunder dürfen natürlich nicht erwartet werden, denn die Filter wirken im Bereich der Mitten und des Hochtons. So erhält der T20i nicht plötzlich mehr Hochton oder Bass, sondern bestimmte Frequenzbereiche werden wie oben beschriebben mehr oder weniger mit den unterschiedlichen Filtern gedämpft. So kann der T20i in seiner Klangfarbe für mich authentisch spaßig aufspielen (Reference-Filter), als entspannter Langzeithörer seinen Dienst verrichten (Reference-Filter) oder sogar eher dunkel abgestimmt werden (Bass-Filter).

 

Um die Unterschiede besser aufzeigen zu können, habe ich mir drei Musikstücke unterschiedlicher Musikrichtungen herausgesucht. Ich beschreibe zunächst, wie ich sie zu hören erwarte und was der T20i im Vergleich mit den unterschiedlichen Filtern aus diesen macht.

 

„Cold Duck“ Al Jarreau

Bei diesem Song erwarte ich einen eher hellen Klang, viele Details müssen abgebildet werden insbesondere im Schlagzeug. Die Einzelschläge der Hihats und Crashbecken, das Saxophon und dann die Stimme von Al Jarreau, alles wird getragen durch klare konturierte Bässe. Spielt ein Kopfhörer hier zu dunkel, dominiert der Bass ungut. Sind Mitten undn Höhen gemindert, tritt der selbe Effekt ein, wird aber flankiert davon, dass auch die Lebendigkeit des Stückes auf der Strecke bleibt.

Mit den Treble-Filtern gefällt mir dieses Stück am besten. Hier werden die Akzente im Hochton akzentuierter dargestellt. Die Mitten und der Gesang hingegen sind nur gering angehoben. Die Lebendigkeit wird gut transportiert. Die Basslinie unterstreicht diese Lebendigkeit und klingt authentisch.

Die Filter Referenz und Bass nehmen mir bei diesem Stück zu viel der Lebendigkeit, die dieses Stück für mich so besonders macht.

Die T20i spielen insgesamt sehr dynamisch. Gerade bei Cold Duck profitiert die Lebendigkeit davon.

 

„Like a machine“ Thousand Foot Krutch

Dieser Track lebt vom kickenden Bass und der Dynamik. Aus dem Bereich Metall ein sehr melodisches Stück, welches aber diese Akzente unbedingt braucht. Werden Mitten hier überbetont, dann wird es für mich anstrengend. Im Hochton eher dezent abgemischt, was ich auch begrüße.

 

Beim ersten Hören mit den Treble-Filtern hat mich nach den ersten zwei Minuten das Stück doch etwas genervt, da mir Crash-Becken und Distortion-Gitarren einfach zu sehr gedrückt haben.

Im Wechsel auf die Bass-Filter sah das komplett anders aus. Wenn ich Heavy-Metall leise und lange hören möchte, dann sind die Bass-Filter genau richtig. Allerdings gehen mit Ihnen schon einige Details im Hochton verloren, die ich aber nicht unbedingt vermisse. Gerade das macht den T20i dann auch zum Hörer, der auch schlecht aufgenommenen Stücken sehr verzeihend gegenüber tritt. Wird allerdings lauter gehört, dann klingt mir dieses Stück sogar etwas zu dumpf und  insbesondere der Gesang doch einen Hauch zu verhangen.

Etwas mehr Spaß kommt mit den Reference-Filtern auf. Details sind besser wahrnehmbar, während die Instrumente insgesamt noch nicht nerven. Auch der Gesang wird deutlich heller dargestellt. Für normale und höhere Lautstärkepegel die durchaus richtige Wahl.

 

“What if” Kasia Lins


Tiefbass, Hochtonakzente pur, eine begnadete Stimme und eine klare und -für mich – richtig abgestimmte Aufnahme. Ein Lied, das ich auf Dauerschleife hören kann. Entspannend und beeindruckend zugleich.

 

Die Bass-Filter scheiden hier gänzlich aus, zu dumpf. Punkt.

Ob Reference- oder Treble-Filter, das ist hier nun tatsächlich Geschmackssache. Ich tendiere zu den Treble-Filtern, denn damit rückt die Stimme noch einen Hauch mehr in den Vordergrund, das Klavier wird etwas prägnanter und besonder die Gitarre im Hintergrund gewinnt etwas an Körper.

 

Die Dynamik und Räumlichkeit werden durch die Filter für mein Empfinden kaum verändert. Die Räumlichkeit entspricht dem, was ich auch von einem InEar erwarte. Also Musik weit außerhalb des Kopfes ist nicht zu erwarten, was aber völlig okay ist. Bei der Dynamik gehört der T20i klar zu den besseren Vertretern von dynamisch angetriebenen InEars. An den CL1 von RHA kommt er jedoch nicht heran.

 

Mit welchen Kopfhörern sind die T20i tonal mit den verschiedenen Filtern vergleichbar?

 

Mit dem Bass-Filter ist mir als populärer Kopfhörer sofort der Sennheiser HD650 in den Sinn gekommen. Die Details sind alle vorhanden, wenn auch im Hochton stark zurückgenommen. Mit den Treble Filtern ist es wie mit dem HD660S im Vergleich zum HD650. Die Änderung ist von ähnlicher Qualität. Auch beim T20i ist die signifikanteste Änderung im Hochton und mit geringeren Anteilen in den Mitten zu hören, ohne dass jedoch die Grundabstimmung leidet. Die T20i mit Reference-Filter angehört zeigen  beeinflussen die Mitten am wenigsten und reduzieren den Hochton nur ein wenig. Das kommt auch mit den Angaben des Herstellers gut hin, dass im Prinzip die Bass Filter ab 300Hz aufwärts dämpfen und die Reference-Filter ab etwa 1kHz aufwärts.

 

 


6. Fazit & Bewertung
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Insgesamt ist der T20i ein InEar, der nicht den Anspruch hat, Lieder zu sezieren oder jede Kleinigkeit exakt herauszustellen. Er verzeiht schlechten Aufnahmen und gibt diese einfach musikalisch wieder. Mir persönlich gefallen die kupferfarbenen Filter am besten, welche zugleich auch der „hellsten“ Klangwiedergabe entsprechen. Im Bereich Dynamik ist er gut, kann aber mit seinem großen Bruder, dem CL1, nicht mithalten, wohingegen er mir tonal und laut gespielt besser gefällt, da er nicht zu spitz aufspielt. Unterm Strich ein ehrlich und doch verzeihend spielender InEar mit Spassfaktor und hohem Lautstärkepotential. Als Immer-Dabei-Kopfhörer am Smartphone sehr gut geeignet und durchaus eine Empfehlung.

 


7. Galerie
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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s