Massdrop Hifiman HE-4XX im Test – Lohnt sich der Import aus den USA?

Der im Joint-Venture zwischen Hifiman und Massdrop entstandene HE-4XX ist ein magnetostatischer Kopfhörer zu einem günstigen Preis von $169. Selbst mit Einführgebühren liegt der Kopfhörer am Ende bei umgerechnet nur um etwa 180€, je nach Dollar-Kurs. Was aber bekommt man dafür?


Inhalt

Verpackung
Design & Verarbeitung
Tragekomfort
Technische Daten
Klangreproduktion
Hörproben
Vergleich
Fazit & Bewertung
Galerie

Verpackung

Die Verpackung ist einfach gehalten, nur das Nötigste ist im Karton. Eine genau passende Schale aus Kunststoff bettet den Kopfhörer und das mitgelieferte Kabel. Das war es auch schon. Ganz im Sinne von Massdrop ist der HE-4XX optimal kostenreduziert.

 

Design & Verarbeitung

Die Verarbeitung ist sehr gut. Für den aufgerufenen Preis schon rekordverdächtig. Keine Oberflächen- oder Lackfehler. Auch die 2,5mm Buchsen sind sauber in die Gehäuse eingelassen. Das war bei meinem HE-400i, den ich zuvor besessen hatte, nicht so. Alle Nähte sind ordentlich und sauber durchgenäht. Das Kopfband, auch wenn von alten Modellen reaktiviert, gefällt mir besser als die zweiteiligen Konstruktionen wie die des HE-400i oder die des Monolith M1060. Insgesamt spricht mich das eher fließend runde Design des HE-4XX deutlich mehr an. Die matte und leicht blau/lila farbige Lackierung der Cups verleiht dem HE-4XX zudem ein Hauch von Exklusivität.

 

Tragekomfort

Der HE-4XX wiegt etwa 370gr und ist als Full-Size-OverEar Kopfhörer angenehm zu tragen. Da gibt es ganz andere Kaliber, die gern auch an 600gr Gewicht herankommen. Das Kopfband legt sich leicht und bei mir zumindest recht großflächig auf den Kopf und drückt auch nach längerer Zeit nicht. Der seitliche Anpressdruck ist im Zusammenspiel mit den Pads etwas hoch. Dennoch ist der Druck so gerade richtig gewählt, dass der Kopfhörer nicht zu locker sitzt, um bei Bewegungen nicht gleich zu verrutschen. Die Pads könnten ein wenig weicher sein, stehen aber in ihrer Qualität denen des HE-400i in keiner Weise nach. Unterm Strich sieht es hinsichtlich des Tragekomfort mit meinem recht großem Kopf so aus, dass es im Bereich direkt vor meinen Ohren nach etwa einer Stunde etwas drückt. Danach braucht es ein paar Minuten Pause und eine geringfügige Positionsänderung, damit mehrstündige Hörsessions möglich sind.

Technische Daten

Der 370gr leichte HE-4XX spielt laut Hersteller im Frequenzbereich von 20-35.000 Hz, benötigt aber etwas mehr Leistung, um eine hohe Lautstärke zu erreichen. Bei nur 35 Ohm Impedanz bietet er zugleich nur 93dB/mW Schalldruckpegel. Am iPhone 6S+ klingt er somit etwas angestrengt und kann auch nicht auf Disco-Lautstärke gebracht werden.

 

Klangreproduktion

Schon mit einem mobilen Kopfhörerverstärker wie dem ifi Audio xDSD zeigt der HE-4XX dann auch, was in ihm steckt. Die xBass+ Funktion des xDSD bietet genau das Quäntchen an Tiefbass mehr, was der Hifiman benötigt, um mir noch mehr Spaß zu machen.
Von Hause aus spielt der HE-4XX sehr kontrolliert und auch detailliert. Ich möchte ihn als recht hell abgestimmten Kopfhörer bezeichnen. Die Mitten sind für meinen Geschmack als betont zu bewerten. Gesang kann manchmal schon in Richtung sibilant gehen und auch die Brillanz ist bei einigen Songs an der Grenze meines Gut-Bereiches. Wie immer ist diese Wahrnehmung komplett subjektiv. Für viele wird aber genau diese Klarheit und Brillanz genau das sein, was sie suchen, wenn es um trennscharfe Auflösung und Detailwiedergabe geht.
Im stationären Bereich kann ich nur wärmstens den RME ADI-2 DAC als Zuspieler empfehlen. Der hat mit dem Hifiman zum einen erst recht leichtes Spiel und zum anderen kann er ihn darüber hinaus mit seinem parametrischen Equalizer je nach Belieben „abstimmen“. Das Potential, diese Änderungen auch sauber umsetzen zu können, hat der Hifiman HE-4XX auf jeden Fall und lässt sich somit klanglich auf mindestens ein höheres Niveau bringen.

Hörproben



Jeff Cascaro „when she sings to me“

Bass ist vorhanden, doch im Vergleich zum Gesang leicht zurückgesetzt.
Basswiedergabe ist relativ weich. Es fehlt dem HE-4XX etwas an Punch.
„Sparkle“ ist sehr schön vorhanden, zu hören beim Schlagzeug, schon eine Spur zu metallisch. Ausgleichsgerade: leicht ansteigend

Holly Cole „Train song“

Ist mir persönlich insgesamt schon etwas zu hell. Die Details werden für meinen Geschmack etwas sehr präsent dargestellt, während der Tiefbass weniger im Vordergrund steht, wie es sonst bei dem Song der Fall ist. Am ifi xDSD mit xBass+ wird das jedoch komplett ausgeglichen. Da passt dann auch wieder die Detailzeichnung des HE-4XX.

Boris Blank „Fat Roller“

Bei dem Song, der recht hell abgestimmt ist, holt mich der HE4-XX ohne EQ-Unterstützung nicht ab. Der Tiefbass ist weich mit leichtem Nachhall eingemischt und sehr dezent. Dieser Tiefbass ist erst zu hören mit gut 6dB plus bei etwa 40Hz. Am Ende des Songs hat sich das Ohr aber auch darauf eingestellt und auch der Tiefbass ist wahrnehmbar, wenn man ihn denn kennt. Ohne den Song vorher gekannt zu haben, hat mein Freund den mit dem HE-4XX ohne Bassanhebung gar nicht wahrgenommen und war dann umso mehr erstaunt, was der Kopfhörer damit zaubert.

Five Finger Death Punch “ Far from home“

Bei Musik aus dem Bereich Hard Rock und Metall ist der Bass mit dem HE-X00 sehr schön dosiert. Das Schlagzeug klingt jedoch vordergründig. Crash-Becken übertönen gern auch mal die Lead-Gitarre. Für Freunde dieser Genres ist das möglicherweise aber genau das, was sie suchen.

Caliban „Paralyzed“

Das geht wider Erwarten mit dem Hifiman sehr gut. Allerdings werden mir auch da auf dauer Gesang und Gitarren etwas zu sehr in den Vordergrund gestellt. Das ist aber reine Geschmackssache.

Shelby Lynne „Just a little lovin'“

Musik mit dem Fokus auf Gesang und mit spärlicher Instrumentierung sind aus meiner Sicht die Parade-Disziplin des Massdrop Hifiman HE-4XX. Der Bass zur Untermalung, die Details des Schlagzeugs fein aufgelöst und der schön herausgestellte Gesang runden die Präsentation dieses Stückes hervorragend ab.

Kleiner Vergleich

Unterm Strich möchte ich für HE-4XX Vergleiche mit drei prominenten Magnetostaten anstellen. Das sind der HE-400i von Hifiman selbst, der Monoprice Monolith M1060 und der AEON Flow Open. Bis auf den AEON sind in meinen Ohren alle eher Betont im Bereich Stimme und Instrumenten, insbesondere bei Klavier, Gitarre, Geige usw. Der Monolith hat dabei jedoch deutlich mehr Tiefgang als alle anderen, wobei er aber von allen den Bereich 1-3 kHz am meisten betont und besonders Instrumente doch deutlich hervorstechen, was ab und an nerven kann. Das ist weder beim AEON noch bei Hifiman de Fall. Der AEON hat durch eine leichte Absenkung der Mitten und seiner langzeittauglichen Abstimmung Vorteile gegenüber den anderen Kandidaten, da spielt der MRSpeakers Kopfhörer deutlich souveräner und präziser. Der HE-400i und der HE-4XX sind sich insgesamt schon sehr ähnlich, doch im Bass gefällt mir die Massdrop Variation gegenüber dem Original im Bass noch etwas besser. Bei Brillanz und Hochton sind beide nicht optimal. Wovon der HE-4XX etwas zu viel hat, das fehlt dem HE-400i ein wenig. Dranschneiden geht bekanntlich nicht, doch der HE-4XX lässt sich im Bedarfsfall mit einfachsten Mitteln im Hochton bedämpfen, was ich bei ihm somit als weiteren Vorteil sehe. Um den Vergleich abzurunden und ohne auf den Preis zu schauen, bietet für mich der AEON Flow Open das beste Gesamtpaket dieser vier Kopfhörer, da er mit seiner Klangsignatur meiner Hörvorliebe am nächsten kommt. Doch auf Platz 2 sehe ich den HE-4XX vor dem M1060. Der HE-400i muss sich leider mit dem vierten Platz begnügen.

 

Fazit & Bewertung

Der HE-4XX ist ein bereits sehr guter magnetostatischer Kopfhörer, der mit etwas Klangoptimierung noch besser wird. Von Grund auf löst er sehr fein auf, betont dabei etwas den Gesang und den Hochton. Wer einen Magnetostaten ausprobieren möchte und die Präsentation von Gesang mag und es nicht scheut, einen Kopfhörer aus den USA zu importieren, sollte unbedingt den Massdrop Hifiman HE-4XX ernsthaft in Betracht ziehen.
Wenn man nun noch den Preis in Relation setzt und beim HE-4XX beim Hochton selbst etwas nach hilft, sprich ihn mit ein oder zwei Lagen Papiertaschentuch bedämpft, soweit das überhaupt individuell notwendig ist, gibt es für um 180€ Investition keinen Konkurrenten im Bereich der Magnetostaten bis 500€.

  • 90%
    Tiefbass - 90%
  • 92%
    Bass - 92%
  • 88%
    Mitten / Stimmen - 88%
  • 88%
    Mitten / Instrumente - 88%
  • 90%
    Obere Mitten - 90%
  • 90%
    Brillanz / Hochton - 90%
  • 92%
    Dynamik - 92%
  • 90%
    Design - 90%
  • 90%
    Konstruktion - 90%
  • 96%
    Verarbeitung - 96%
  • 88%
    Tragekomfort - 88%
  • 98%
    Preis - 98%
91%

Galerie



Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0