FOCAL Elegia im Test – Geschlossener High-End Kopfhörer der Referenzklasse

Was Focal in den letzten Jahren, angefangen mit dem Utopia, in Sachen High-End Kopfhörer auf die Beine gestellt hat, ist schon beachtlich. Als neustes Modell dieser Serie hat nun der Elegia den Weg zu mir gefunden und muss zeigen, ob auch er ein Miniklangwunder ist.

Der Focal Elegia wurde mir leihweise zur Verfügung gestellt.

 

Vorwort

Man könnte meinen, ich sei als Besitzer des Elex und ehemaliger Besitzer des Elear – hier geht es zu dessen Bericht – möglicherweise etwas vorbelastet, wenn es um Kopfhörer aus dem Hause Focal geht. Das stimmt in gewisser Weise, denn ich schaue umso kritischer auf ein neues Produkt eines Herstellers, der in meinen Augen bisher immer geglänzt hat. In der Beziehung bin ich kein Fanboy sondern kritischer Kunde. Mein erster Hig-End Focal war der Elear. Er war für mich damals insgesamt sehr gut und war mit einem akzeptablen Preispunkt ausgestattet, durfte aber dem Elex Platz machen, der aus der Kooperation zwischen Massdrop und Focal entstanden ist. Der Elex wird klanglich sehr oft mit dem Clear verglichen, ist aber technisch eher ein Elear. Farblich ist der Elex komplett in Schwarz gehalten zwar das komplette Gegenteil des silbergrauen Clear, doch ich kann bestätigen, dass er im direkten Vergleich klanglich sehr nahe an den Clear herankommt, jedoch nur etwa die Hälfte des Clear kostet. Leider ist der Elex in Deutschland bei Massdrop nicht direkt bestellbar.
Die lebendigeren Signaturen von Elex und Clear haben mich mehr angesprochen als die im direkten Vergleich neutralere Signatur des Elear. Und nun kommt der Elegia, ein geschlossener High-End Kopfhörer aus dem Hause Focal, dem zugesprochen wird, sich klanglich am Clear zu orientieren und der zudem auch noch dessen Case mitringt. Da wirkt sein Verkaufspreis von 899,-€ gerade zu verführerisch. Das klingt nach großem Kino!
Ob der Elegia hält was er verspricht und wo ich ihn am Ende in meinem persönlichen Ranking sehe, das werde ich in diesem Testbericht herausarbeiten.

Inhalt

  • Verpackung & Lieferumfang
  • Technische Details
  • Design, Verarbeitung & Tragekomfort
  • Motivation zum Elegia – oder „kleiner Focal-Vergleich“
  • Klangkette & -potential
  • Klang & Hörvergleich (versch. Kopfhörer)
  • Fazit & Bewertung
  • Video & Galerie

 

Verpackung & Lieferumfang

Der Elegia wird in einem Versandkarton geliefert, der bereits Auskunft über den Inhalt gibt. In dem Karton befindet sich die in schwarz gehaltene Produktverpackung, welche aus zwei Teilen besteht, die sich senkrecht ineinander schieben lassen. Als Aufdruck ist lediglich informativer Test und das Focal-Symbol zu finden. Sehr schön schlicht. Nach dem Abziehen der ersten Hälfte fällt der Blick auf das mitgelieferte Case des Elegia. Das Case ist sehr hochwertig ausgearbeitet und mit einem Trageriemen ausgestattet. Es dürfte dem Case des Clear sehr nahe kommen. Nach dem Öffnen des Reißverschlusses lässt es sich aufklappen. Im Deckel befindet sich ein Adapter von 3,5mm auf 6,3mm Klinke sowie das Anschlusskabel. In der anderen Hälfte liegt der Elegia, gebettet in einer passgenauen Form, so dass der Kopfhörer im Case fixiert ist und keine Spuren durch mechanische Beanspruchung wie Bewegung im Case beim Transport entstehen können. Im Karton befinden sich noch die üblichen Dokumentationen zum Produkt. Das war es dann auch mit dem Lieferumfang.

 

Technische Details

 

Hier mache ich es kurz:

  • Wirkprinzip: dynamisch, geschlossen
  • Impedanz: 35 Ohm
  • Wirkungsgrad: 105dB/mw @1kHz
  • Frequenzbereich: 5Hz – 23kHz
  • Treiber: 40mm Aluminium-Magnesium mit „M“-Dome Aufhängung
  • Gewicht: 430gr
  • Kabel: 3,5mm Klinke Stereo mit 1,2m Länge

 

Design, Verarbeitung & Tragekomfort

Zur Verarbeitung darf ich sagen, dass Focal konsequent das Design verfolgt, welches bereits beim Elear, Clear und auch beim Utopia zum Einsatz kommt und somit auf baugleiche Teile zurückgegriffen werden kann. Daher gibt es keine unliebsamen Überraschungen und die Verarbeitungsqualität befindet sich auf gewohnt hohem Niveau. Es gibt keine Grate, sonstige Rückstände oder Oberflächenfehler. Ähnlich wie Sennheiser zeigt Focal, wie die Fertigungsqualität optimiert werden kann, wenn Gleichteile benutzt werden und nur wenige neu Prozesse notwendig sind bzw. bestehende Prozesse für neue Produkte übernommen werden können. Was den Elegia natürlich von seinen Geschwistern unterscheidet ist das Gehäuse der Treiber, da es bei ihm ja nun erstmals geschlossen ist. Hier gehen die Meinungen hinsichtlich Design sicherlich auseinander, speziell was den Gitter-Ersatz angeht. Mir persönlich gefällt der „Deckel“ mit der gleichen Wölbung wie bei den offenen Modellen und mit dessen Muster sehr gut. Die innen unsichtbare Konstruktion des versetzten Treibers wird visuell durch entsprechende Variationen kreisförmiger Eintiefungen aufgegriffen und nach außen dargestellt. Auch die Farbkombination Schwarz und Silber gefällt mir sehr gut, sogar besser als beim Elear. Sehr pfiffig ist die Ventilation für die Dämpfung des Treibers gelöst, denn bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die Aussparung des Focal-Symbols im Vollmaterial mit einem Gitter hinterlegt ist.
Hinsichtlich des Tragekomfort gibt es beim Elegia keinen Unterschied zum Elex oder Elear. Die Polster sind meines Erachtens aus Alcantara gefertigt und sind weich und anschmiegsam. Die Polster des Elex sind perforiert, die des Elegia nicht, was aber lediglich der klanglichen Abstimmung dient, sich jedoch nicht auf den Tragekomfort auswirkt. Das Kopfband ist ebenfalls weich und breit wie das des Elex, so dass sich die 430 Gramm Gewicht des Elegia auch unterstützt durch einen für mich perfekten Anpressdruck der Cups optimal verteilen. Den Elegia kann ich zumindest stundenlang problemlos tragen.
Einzig das Kabel löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus. Es ist zwar mit Stoff ummantelt und sicherlich sehr robust, doch flach und starr. Es wirkt ein klein wenig wie das Kabel von Omas Bügeleisen. 😉

Motivation zum Elegia

oder „kleiner Focal-Vergleich“
Elegia vs. Elex


Dass der Elear, der sich auf dem Preisniveau des Elegia befindet, klanglich der deutlich neutral spielendere Kopfhörer ist und bei mir durch den Elex, der sehr ähnlich dem Clear spielt, abgelöst wurde, habe ich bereits eingangs geschrieben. Die Modelle Clear und Elex klingen für mich einfach frischer und authentischer, sie gefallen mir einfach noch ein wenig besser. Der Elex ist es dann statt des Clear bei mir geworden, weil er komplett in Schwarz ausgeführt ist und einen deutlich geringeren Preis hat. Der Elex steht bei mir ganz oben auf dem Treppchen der dynamischen, offenen Kopfhörer.

So hatte ich in Bezug auf den Elegia im Vorfeld einen Wunsch. Idealerweise sollte er klanglich meinen Elex ergänzen, den ich leider aufgrund der für meine Umwelt deutliche wahrnehmbaren Schallemission leider nicht immer so hören kann, wie ich will. Dieser Wunsch wurde durch die im Netz verfügbare Messungen genährt, welche dem geschlossenen Elegia die klanglichen Qualitäten des Clear zusprechen, er also somit auch ähnlich dem Elex klingen muss. Und deswegen  musste ich mich selbst davon überzeugen, ob der Klang des Elegia wirklich hält, was andere versprechen.

Vorab gesagt ist es ganz klar so, dass der Elegia klanglich kein Elex ist. Ob er dem Clear so nahe kommt, wie behauptet wird, ist durchaus möglich. Es gibt einen Threat bei Prof-X.de zu dem Elegia, in dem der Teilnehmer RunWithOne den direkten Vergleich zum Clear zieht und den Elegia als den etwas analytisch klingenderen Kopfhörer beschreibt. Interessant ist, dass der Elex ab den oberen Mitten und im Hochton stellenweise um 2dB mehr Intensität aufweist, was Messungen aus dem Internet zu entnehmen ist. Meine Messungen zeigen, dass der Elegia genau in dem benannten oberen Bereich tendenziell etwas zurückhaltender als der Elex abgestimmt ist. Im Zusammenspiel mit dem betontem Bassbereich empfinde ich den Elegia möglicherweise genau deswegen als nicht so analytisch. Man könnte also nun annehmen, dass der Elegia sich im Dreiergespann Clear, Elex und Elegia genau in der Mitte zwischen Clear (warm) und Elex (analytisch) befindet. Damit ist dann auch klar, warum er im direkten Vergleich unterschiedlich empfunden wird, zum Clear hin kann er analytisch wirken, zum Elex hin wärmer. Hier geht es aber um Nuancen, wenn ich das beziffern müsste um jeweils zwei bis drei Prozent Unterschied. Dennoch ist er vorhanden und wahrnehmbar.

Klangkette & -potential

Der Focal Elegia durfte sich an meinem iPhone 6S Plus, an einigen mobilen Kopfhörerverstärkern (ifi xDSD, RHA DACAmp L1, Fiio Q5, Oppo HA-2SE) und am ADI-2 DAC beweisen.


Selbst am iPhone spielt der Elegia sauber und differenziert und macht hinsichtlich Lautstärke auch ordentlich Spaß. An mobilen Kopfhörerverstärkern spielt er jedoch noch dynamischer und präziser. Der Elegia skaliert trotz seines hohen Wirkungsgrades sehr schön mit hochwertigeren Zuspielern. Am ADI-2 DAC ist dann selbst ohne weitere klangliche Einstellungen mein Eindruck der, dass der Elegia sogar noch ein wenig mehr von ihm profitiert. Richtig interessant sind jedoch die Möglichkeiten mit dem ADI-2 DAC in den Punkten Loudness und Räumlichkeit (=Width). Der Elegia mit seiner gegenüber dem Elex sehr guten Geräuschabschirmung lädt geradezu zum leisen Hören ein und mit eingeschaltetem Loudness kommt mir sein Dynamikumfang mächtiger vor als bis jetzt mit jedem anderen geschlossenen Kopfhörer. Nun kommt beim ADI-2 DAC zusätzlich auch die Funktion der Veränderung der Räumlichkeit zur Anwendung und der Elegia lässt sich fein dosiert nahezu auf die Bühnenbreite eines offenen Kopfhörers bringen, ohne dass es künstlich klingt. Dass der Elegia auf solche Änderungen so gut anspricht, dass hätte ich nicht erwartet. Ich habe aus dem Grund meine Sammlung an Brainwavz Ohrpolster mit dem Elegia getestet und bin erstaunt, wie sehr sich auch die Änderung der Polster auf dessen Klang auswirkt. Wenn nun jemand die Alcantara-Ohrpolster auf der Haut nicht mag, der darf sich nun freuen.


Mit den Echtleder-Polstern von Brainwavz verändert sich die grundsätzliche Signatur nicht, dass habe ich beim Pad-Rolling mit der Brainwavz Pad-Serie feststellen und messen können. Für meine Ohren hört sich der Elegia sogar noch etwas besser an im Bereich der Brillanz und des Hochtons. Die Messungen zeigen auch warum, denn der leichte Peak zwischen 6 und 7 kHz wird etwas vermindert und die schmalbandige Betonung bei 12,5kHz auf bis 11kHz hinunter erweitert. Ohne direkten Vergleich fällt das sicherlich kaum auf, doch im A-B-Vergleich klingt der Elegia mit den Echtleder-Polstern von Brainwavz einfach noch „runder“, besser gesagt klingt er deutlich räumlicher und offener. Schon ab Werk ist er der beste geschlossene, dynamische Over Ear, den ich bis jetzt gehört habe. Mit diesem Polster-Mod ist er für meine Ohren nahezu perfekt!

Vergleich der beiden Focal, Elegia mit Lederpolster-Mod

Klang & Hörvergleich

Wer bis hierhin gelesen hat, dem dürfte jetzt schon klar sein, dass der Elegia meinen Geschmack auf den Punkt trifft. Wie in den oben dargestellten Messungen bereits zu sehen ist, spielt er im Bassbereich gegenüber Oberbass (ab 150Hz) und Mitten etwas betonter und reicht auf diesem Niveau ohne abzufallen hinunter bis in den Tiefbassbereich (25Hz). Das mag ich sehr. Wo andere fehlenden Tiefbass mit angehobenen Oberbass kaschieren, bleibt der Elegia wie von Focal gewohnt sehr ehrlich. Die Mitten insbesondere Gesang und Instrumente stehe in einem sehr natürlichem Verhältnis zum Bassbereich und werden auch nicht nach vorn geschoben. Die Brillanz und der Hochton sind so von Focal modelliert, dass es Punktuell Akzente gibt, die den Elegia überaus interessant machen, ihn aber nicht zum Spaß-Kopfhörer machen. Hier hat Focal eine sehr schöne Balance gefunden. Für mich ist der Elegia damit genau die Ergänzung zu meinem eher analytischen Elex, die ich mir erhofft hatte.
Im Punkt Dynamik spielen beide Kopfhörer auf dem selben hohen Niveau. In Sachen räumliche Abbildung punktet der offene Elex mehr. Der Elegia bietet mit einer kleineren Bühne dafür aber auch bei hohen Lautstärken die gewünschte Schallisolation nach außen und bei geringen Lautstärken lässt er kaum Umgebungsgeräusche nach innen. Mit dem Elegia kann ich also bei phantastischem Klang ohne Stress auch mal laut hören, ohne meine Umwelt zu stören. Endlich klappt das Buchlesen und Musikhören gleichzeitig im selben Raum. 😉

Anmerkungen

#1
Als Feedback ist der Wunsch an mich herangetragen worden, meine Eindrücke etwas konkreter im Vergleich zu anderen Kopfhörern zu schildern. Mit dem Elegia werde ich meine subjektiven Eindrücke  zusammenfassen. Dadurch gibt es möglicherweise für den einen oder anderen eine gewisse Transparenz und Mehrwert.

# 2
Ich bewundere Menschen, die auch aus der Erinnerung heraus (meinen) Klangvergleiche anstellen (zu können). Natürlich habe ich auch „abgespeichert“, wie ich einen bestimmten Kopfhörer einmal empfunden habe, welches seine Nachteile oder Qualitäten sind und wie er mir abschliessend subjektiv gefallen hat. Das reicht mir aber nicht aus, um zwei Kopfhörer seriös miteinander vergleichen zu können. Ich brauche den direkten Vergleich und kann mich natürlich nur auf die Kopfhörer beziehen, auf die ich zeitgleich Zugriff habe.

Vergleiche

Ich habe mich entschieden, den Elegia mit unterschiedlichen Kopfhörern unterschiedlicher Preisklassen zu vergleichen. Um aber nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, handelt es sich bis auf den Focal Elex um geschlossene Kopfhörer, nämlich um den Fostex TH-X00, den Brainwavz HM5 und den Meze 99 Classics.


Elegia vs. Fostex TH-X00

Der Fostex TH-X00 wirkt als geschlossener Kopfhörer eher wie ein offener, denn er dichtet aufgrund seiner Cup-Konstruktion zur Umwelt nicht sehr gut ab. Der Focal Elegia hingegen lässt unangenehme Hintergrundgeräusche sofort nahezu verstummen. Hinsichtlich des Tragekomfort ist der Focal dem Fostex mit Serienpolster überlegen, da der Fostex mit seinem höheren Gewicht und seinem schmaleren Kopfband einfach etwas mehr auf dem Kopf drückt. Mit den Dekonie Schafsleder-Polstern sitzt der TH-X00 allerdings genauso komfortabel wie der Elegia.

Wie steht es klanglich um beide im Vergleich?

Der TH-X00 benötigt für das gleiche Lautstärkeempfinden gut 4dB mehr Leistung. Allerdings klingt er allein deswegen schon lauter, da er deutlich heller spielt als der Elegia. Das liegt aber daran, dass eine über den Frequenzverlauf gelegte Ausgleichsgerade ein geringeres Gefälle hat und insgesamt sein Frequenzverlauf ausgeglichener oberhalb 1kHz spielt. Der Elegia fällt im Vergleich in den oberen Mitten deutlicher ab, gleicht das aber mit schmalbandigen Akzenten wieder aus. Im Bass nehmen sich beide nicht viel, wobei aber der Fostex immer weich spielt, was ich seinen Bi-Zellulose-Treibern zuschreibe. Der Elegia kann weiche Bässe genauso wie schnelle Kicks darstellen. Aufgrund der helleren Abstimmung kann der Fostex lauter gehört nach einiger Zeit auch etwas anstrengend werden, während der Elegia theoretisch immer lauter gedreht werden könnte. Der Focal ist zu keiner Zeit sibilant während der Fostex gerade bei Frauenstimmen oft die Schwelle zur Sibilanz streift. Gleichzeitig stellt der Elegia Gesang insgesamt etwas mehr in den Vordergrund. Der Fostex ist da mit einer leichten V-Signatur unterwegs. Unter Strich ist der Elegia der beeindruckendereund zugleich auch entspanntere Kopfhörer.

Elegia vs. Brainwavz HM5

Der HM5 überrascht mich im direkten Vergleich doch enorm. Seine klangliche Abstimmung ist die des Fostex recht ähnlich, sprich auch der Brainwavz spielt insgesamt deutlich heller, schon fast neutral. Ihm fehlt etwas die Basspräsenz. In Sachen Schnelligkeit, Dynamik und Auflösung kommt er weder an den TH-X00 noch an den Elegia heran. Dennoch stellt er sich nebenbei auch 2018 als Budget-Empfehlung heraus, wenn es ein sehr guter, geschlossener und neutral klingender Kopfhörer sein soll. Der Elegia spielt erwartungsgemäß zwei Klassen höher. Auch wenn er im ersten Moment dunkler klingt, bietet er die klarer abgegrenzten Details und ist auch einfach für längeres Hören besser geeignet. Hinsichtlich Tragekomfort sehe ich beide auf Augenhöhe, auch wenn der HM5 deutlich leichter angesichts seiner einfacheren Konstruktion und des überwiegend eingesetzten Kunststoffes ist.
Ist eine Preisdifferenz von fast 800€ gerechtfertigt? Ich denke ja!

Elegia vs. Meze 99 Classics

Für etwa 300€ ist auch der Meze 99 Classics – hier dessen Rezension – deutlich preisgünstiger, bietet aber mit Holz und Metall ein gehobenes Design gegenüber dem Brrainwavz HM5. Klanglich spielt er mit einer leichten Badewanne und balanciert den betonten Oberbass überzeugend mit den oberen Mitten und angenehmer Akzentuierung aus. Im Tiefbass ist er eher zurückhaltend und somit insgesamt bestens für Gesang und akustischer Musik sowie Genres geeignet, die nicht vom Tiefbass leben. Auch wenn der Elegia mit knapp 500€ Aufpreis zu Buche schlägt, spielt er einfach deutlich universeller und ehrlicher als der Meze und ist auch hier klar den Aufpreis wert. Der Elegia klingt ausgewogener, obwohl er noch betonter im gesamten Bassbereich ist. Gesang und Instrumente stellt der Elegia einfach etwas plastischer dar und zeigt insbesondere im Bereich der Dynamik dem Meze, wie der schnelle Wechsel von leise zu laut und anders herum reproduziert werden muss.

Fazit zu den Vergleichen

Die direkten Vergleiche zeigen mir, dass der Elegia tonal ein komplett eigenständiger Kopfhörer ist und nicht als Upgrade zu einem bereits vorhandenem Kopfhörer zu sehen ist. Allerdings ist er mehr „Chamäleon“ als ein TH-X00, der gern auch harte Kicks nachfedern lässt. Im Punkt Dynamik schafft es kein anderer der genannten Kopfhörer, egal ob laut oder leise gespielt, die Unterschiede in der Lautstärke so ausgeprägt darzustellen. Der Fostex kommt am nächsten an den Elegia heran, klingt aber leise gespielt eher flach.
Bei meinen Vergleichen ist mir eher durch Zufall aufgefallen, dass erst ein iBasso iT04 – wohlgemerkt ein IEM, der es von Hause einfacher hat, Dynamik entspannter ddarzustellen –  neben dem tonalen Gefallen auch erst mit der Dynamik des Elegia und Elex mithalten kann. Die Focal Kopfhörer schaffen es tatsächlich mit meinem InEar-Favoriten und einen der besten IEMs auf dem Markt gleichzuziehen. Chapeau!

Bonus-Vergleich 
Elegia vs. AEON Flow Closed


Auch wenn der Artikel schon sehr lang ist, der magnetostatische AEON Flow Closed ist ebenfalls noch ein interessanter Vergleichskandidat zum Elegia. Ich darf vorwegnehmen, dass tatsächlich erst dieser Mr. Speakers Kopfhörer mit dem Focal Elegia mithalten kann, auch wenn dessen Abstimmung „neutraler“ ist. Durch seine Flächenmembran spielt er dafür einfach „weiter“, was ihm wiederum das besondere Etwas verleiht. Das unterstützt zudem seine messerscharfe Auflösung über den gesamten Frequenzbereich hinweg. Seine Dynamik ist ähnlich der des Elegia, einzig im Tiefbass hat er eindeutig das Nachsehen, denn er fällt gegenüber dem Elegia unterhalb von 70Hz schon deutlich ab, während der Focal stabil bis zu 30Hz hinab reicht Der Elegia klingt beispielsweise beim Ansehen von Videos deutlich beeindruckender, mächtiger. Dafür spielt der Mr. Speakers Kopfhörer je nach verwendetem Klangfilter von analytisch bis hin zu gelassen, immer mit einem Stück mehr Neutralität. Dennoch spielen beide für mich auf Augenhöhe zueinander. Der Focal spielt angeregt ehrlich mit etwas engeren Bühne, während der Mr. Speakers bei ebenfalls hervorragender Abschirmung weiter, offener und neutraler klingt. Der ein oder andere könnte es auch so sehen, dass der AEON im direkten Vergleich etwas langweiliger klingt als der Elegia. Dieser Eindruck mag im ersten Moment entstehen, ist aber schon nach einer Minute verflogen. Einen konkreten Sieger sehe ich in diesem Vergleich nicht.

Hörproben

Aufgrund der ausführlichen Vergleiche zu anderen Kopfhörern sollte schon klar werden, wo der Elegia „anders“ klingt. Daher an dieser Stelle nur die Auflistung der Musikstücke, die für diese Vergleiche immer wieder gehört wurden und als Testmusik von mir immer wieder gern genutzt werden.
Medicine (Maxxi Soundsystems), Footsteps (Gundelach, Finnebassen), Englishman in New York (Sting), 16 Tons (Tom Morello), When she sings to me (Jeff Cascaro), Mary Magdalene (Meshell Ndegeocello), The Chain (2014 – Fleetwood Mac), Billie Jean (Michael Jackson), um nur einige zu nennen.

Fazit & Bewertung

Ich mache es kurz. Nach gut zwei Wochen intensiver Testphase und besonders im Vergleich zu anderen großartigen, geschlossenen Kopfhörern aus meinem Bestand ist der Elegia für mich im Gesamtpaket der beste, geschlossene, dynamische Kopfhörer den ich bisher auf die Ohren bekommen habe.
Wer einen kraftvoll dynamisch und authentisch intim spielenden Kopfhörer mit trockenem und leicht betontem Bass, lebendigen Mitten und brillant dezent spielendem Hochton zu schätzen weiß, dem darf ich sagen: Der Focal Elegia ist ganz großes Kino!

Bewertung

  • 98%
    Tiefbass - 98%
  • 98%
    Bass - 98%
  • 97%
    Mitten / Stimmen - 97%
  • 97%
    Mitten / Instrumente - 97%
  • 97%
    Obere Mitten - 97%
  • 98%
    Brillanz / Hochton - 98%
  • 98%
    Dynamik - 98%
  • 92%
    Räumlichkeit - 92%
  • 97%
    Design - 97%
  • 97%
    Konstruktion - 97%
  • 98%
    Verarbeitung - 98%
  • 98%
    Tragekomfort - 98%
  • 88%
    Preis - 88%
96.4%



Video & Galerie




Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0