Fiio M6 im Test – Durchweg beeindruckend!

Zum Ende des Jahres gab es im Bereich der DAPs von einigen Herstellern sehr interessante Ankündigungen. Unter diesen der Fiio M6 als ambitionierter „Portabler High Resolution Media Player“ im Low-Cost Bereich. Was er drauf hat, habe ich in diesem Artikel und in Youtube-Videos festgehalten.

Mein Dank geht an das Team von Fiio.de, die mir den M6 leihweise zur Verfügung gestellt haben.





Mich sprechen neue Sachen aus Prinzip immer an, wenngleich mir nicht immer alle gefallen. Der Fiio M6 hat mir aber schon sofort mit dem ersten Produktfoto gefallen und darüber hinaus seine tollen Wireless-Eigenschaften. Mit einem angepeilten Verkaufspreis von 159,-€ war ich allerdings sehr skeptisch, was der kleine DAP überhaupt zu bieten hat.

Vorweg darf ich an dieser Stelle folgendes schon verraten. Wer meint, mit dem M6 angesichts des Verkaufspreises nur einen DAP der Einstiegsklasse aus der 2. Fiio-Liga vorzufinden, den möchte ich direkt eines Besseren belehren. Ich war, wie schon erwähnt, absolut skeptisch, was unterm Strich bei den vielen Funktionen und Möglichkeiten bis hin zur Zuspielung von iOS-Geräten via Airplay überhaupt an Performance zu erwarten ist. Schließlich kostet der Fiio M6 schlanke 159,-€. Also habe ich ihn sehr skeptisch unter die Lupe genommen…

Meine persönlichen Eindrücke auch gern per Youtube Video, die detaillierten Eindrücke dann im Anschluss weiter hier im Text. 😉



Auf der Suche nach dem Haar in der Suppe

Das Gehäuse

Die Abmessungen des M6 fallen nur knapp 53,3mm x 92,5mm x 11,5mm sehr gering aus, über seine geringe Größe darf man sich also nicht beschweren. Das Gehäuse besteht aus Aluminium und Glas, wer hätte es gedacht. Die Verarbeitung ist auf sehr hohem Niveau und das Design mit den abgerundeten Kanten kenne ich so bisher nur von den Handschmeichlern von Shanling oder dem deutlich teureren Hiby R6. In Sachen Design und Verarbeitung ist also alles im grünen Bereich.


Das Display

Also einschalten, dann zeigt sich sicher, wo der Rotstift angesetzt wurde. Pustekuchen! Ein blickwinkelstabiles 3,2 Zoll IPS-Display mit ausreichender Helligkeit und… Trommelwirbel… sehr schöner Auflösung mit 480×800 Punkten und kräftigen Farben ist zu sehen. Auch hier alles super.





Die Bedienung

Als nächstes die GUI… Das hochmodifizierte und auf die nötigsten Apps reduzierte Android 6 Betriebssystem ist innerhalb von wenigen Minuten einfachst erlernbar. Selbst beim Abspielen von Musik hakt die Bedienung nicht. Also auch an der Bedienbarkeit hat Fiio nicht gespart.
Da muss doch etwas zu finden sein, also dann ans Eingemachte….



Die Konnektivität

Wifi & USB-Audio
Bevor ich überhaupt eine MicroSD-Karte eingesteckt habe, musste der M6 zeigen, ob die Wireless-Funktionen überhaupt brauchbar sind. WLan eingerichtet und direkt über das 2,4G Band mit dem Acces-Point verbunden. Zack, Airplay spontan via Pull-Down-Menü aktiviert und sofort mit dem iPhone zugespielt. Schnell noch statt Kopfhörer den ADI-2 DAC am USB Port des M6 angeschlossen und siehe da, die Verbindung wird auch da sofort aufgebaut. Perfekt!




Anmerkung:
Ich muss erwähnen, dass ich kurze Zeit später während des Testens Probleme hatte mit der Übertragung via USB-digital-Out. Da konnte keine Verbindung mehr mit dem externen DAC hergestellt werden. Das habe ich dem Fiio Support geschildert und prompt eine Antwort mit dem entscheidenden Hinweis erhalten. Nämlich… Durch mein vieles Ausprobieren hatte ich im Menü der Fiio-Music-App den „USP-Output-Mode“ eingeschaltet. Das ist aber Kontraproduktiv, denn so wird der USB-Port auf Systemebene nicht in den Status gesetzt, dass er als digitaler Ausgang funktioniert. Wer den M6 wie ich als digitalen Zuspieler für einen externen DAC via USB nutzen möchte, muss zumindest noch bei der Firmware V1.0 darauf achten, in der Fiio-Music-App den „USB-Output-Mode“ auf „off“ zu stellen. Dann gibt der M6 alles auch digital an angeschlossene DACs aus. Die Gegenprobe mit dem Inline AmpUSB EQ hat das Verhalten 1:1 bestätigt. Diese Funktion, Zuspielung kabellos und gleichzeit Weitergabe per digitalem Ausgang über USB, ist definitv meine absolute Lieblingsfunktion. 😉




In der Fiio-Music-App ist auch die DLNA-Funktion zu finden, welche ebenfalls einwandfrei meine Teilnehmer im Netzwerk erkennt und in Sekundenschnelle eine Übersicht über die dort Gespeicherte Musik liefert. Das Streamen und die Wiedergabe funktioniert absolut problemlos, die Wifi-Verbindung ist stabil. Bei anderen deutlich teureren Playern habe ich bereits aufgegeben, die integrierte DLNA-Funktion zu nutzen, da sie oft nicht richtig funktioniert und bei manchen sogar Streams nicht abgespielt werden. In dieser Disziplin ist der Fiio M6 ebenfalls sehr gut.


Bluetooth funktioniert spielend einfach, wenn auch nicht ganz so elegant wie beim Shanling M0. Mit dem Fiio M6 muss in den BT-Einstellungen zunächst die Funktion BT-DAC und dann Bluetooth selbst wieder eingeschaltet werden. So funktioniert jeder per Kabel angeschlossene Kopfhörer quasi als Bluetooth Kopfhörer. Netterweise sind neben SBC auch die Protokolle aptX, AAC, und LDAC abrufbar, sowohl in einfachster und höchster Klangqualität. Entscheidet man sich im Menü für die „stabile Funktion“, so wird stets über SBC verbunden, andernfalls beim iPhone via AAC und mit dem Redmi Note 5 LDAC (auch hier lassen sich die Modi noch definieren). Auch aus dieser Sicht absolut bestens!



in mitgelieferter Silikonhülle



Die unterstützten Formate

Als Nächstes habe ich dann meine Speicherkarte eingelegt und die 200GB Daten waren in etwa 15 Minuten komplett eingelesen. Egal ob WAV, mp3, DSD oder FLAC mit 6-Kanälen, der M6 spielt alle Formate ab. Auch hier zeigt aber die Firmware mit V1.0 noch kleine Verbesserungsmöglichkeiten, denn nur bei FLAC mit 6 Kanälen konnte ich weder vor- noch zurückspulen. In einem so frühen Stadium der Firmware kann ich das aber nicht als schlecht bewerten, wer hört sich auch mit Stereo-Kopfhörern 6-Kanal-Musik an? Wobei das ja sogar gut funktioniert… hmmmm



DAC & Verstärkerstufe & Klang

Also weiter auf der Suche nach der Schwachstelle, die der Preis von 159,-€ einfach mit sich bringen muss. Viel bleibt nicht übrig. Die nächsten Verdächtigen sind der interne DAC und der verbaute Verstärker. Der ESS Sabre 9018Q2C DAC-Baustein ist wohl bekannt und frei von jeder Kritik, so dass bei der Konvertierung in hörbare Signale keine Beeinträchtigungen entstehen. Hinsichtlich der Ausgangsimpedanz der Verstärkerstufe liegt der Fiio M6 bei unter 2 Ohm und somit werden auch In Ear Kopfhörer mit Balanced Armature Treiber sehr gut angetrieben.

Ein Blick in die beworbenen Leistungsdaten für den Kopfhörerantrieb bringt es aber jetzt zu Tage. Endlich eine Schwachstelle gefunden. Der M6 verfügt nur über einen Verstärker mit 3,5mm Stereo-Klinke Ausgang und nur >110mW bei 16 Ohm Last.

Gut, sämtliche InEar Kopfhörer, die ich besitze, spielen am M6 mehr als nur laut. Und selbst mit Over-Ear Kopfhörer angefangen mit dem Fostex TH-X00 über den Sennheiser HD58X bis hin zum AEON Flow Closed ausprobiert treibt der M6 alle mindestens laut an. Lediglich beim AEON Flow, ein Kopfhörer mit einem grandios niedrigen Wirkungsgrad, wird keine Disco-Lautstärke erreicht. Okay… – ehrlich zugegeben – ist das auch wieder keine echte Schwachstelle beim Fiio M6, denn am Stereo-Ausgang sind weder ein Shanling M3S noch ein Hiby R6 lauter. Erst im symmetrischen Betrieb haben diese DAPs, zumindest was die maximale Lautstärke angeht, Vorteile.

Auch im Bereich des Klanges kann ich nichts Negatives nennen. Es macht an dieser Stelle keinen Sinn irgendwelche Vergleiche mit anderen DAPs anzustellen. Mit entsprechenden Einstellungen der Filter und Equalizer-Settings wird auch ein Audioquest Nighthawk luftig und knackig. Im Bereich der Räumlichkeit und Dynamik kann ein Fiio X5 oder X7 zwar noch etwa 5-10 Prozent mehr herausholen, was aber dann auch erst im direkten Vergleich hörbar ist und auch stark vom Kopfhörer abhängt. Erst mit meinem Focal Elex kann ich in dem Bereich diese Nuancen wahrnehmen.



Energie

Mein letzter Gedanke ging dann in Richtung Akku und Laufzeit. Doch schnell wurde klar, dass der M6 nach knapp 7 Stunden Nutzung und 30% Restenergie ein echter Dauerläufer ist. Sogar im Standby-Betrieb verliert er nur verschwindend wenig an Energie, so dass der M6 nur mit ausgeschaltetem Display weggelegt nach drei Tagen immer noch bei 92% Akku liegt. Das ist ein effizientes Energiemanagement. Das Aufladen ist in knapp 2 Stunden erledigt, ebenfalls ein guter Wert bei einem 1.200mAh Akku ohne besondere Schnellladefähigkeit.



Der Rotstift

Also…
…natürlich wurde beim Fiio M6 tatsächlich Einiges eingespart, z.B. ein SPDIF-Ausgang, ein optischer Ausgang und auch eine symmetrischen Endstufe. Aber alles, was der Hersteller mit den Produktdaten und der Beschreibung verspricht, leistet der M6 auch sehr guten Art und Weise!





Fazit & Bewertung

Wer genau gelesen hat, stellt fest, dass der Fiio M6 meiner Meinung nach keine Schwachstelle hat und das unabhängig vom Preis. Er hat noch Verbesserungspotential im Bereich der Firmware – übrigens als OTA-Update verfügbar. Diese wird aber stetig angepasst, dafür ist Fiio bekannt und am Ende wird auch diese sehr gut sein. Fiio liefert mit dem M6 einen regelrechten Kracher ab. Für mich jetzt schon ein heißer Anwärter auf DEN DAP des Jahres 2019!

Bleibt mir nur zu sagen:
Chapeau Fiio!

  • 98%
    Design - 98%
  • 96%
    Verarbeitung - 96%
  • 98%
    Konnektivität - 98%
  • 96%
    DAC - 96%
  • 96%
    Verstärkerleistung - 96%
  • 98%
    Bedienbarkeit - 98%
  • 92%
    Performance - 92%
  • 96%
    Display - 96%
  • 100%
    Preis / Leistung - 100%
96.7%



Youtube

Und am Ende nun noch das 24 minütige Detailvideo zur GUI und den Features des Fiio M6…

Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0