Fiio M11 im Test – Flaggschiff DAP der Mittelklasse

Der Fiio M11 begleitet mich nun seit einigen Wochen und hat sich zuletzt auf der Audiovista in Krefeld ernsthaft beweisen müssen.
Dort durfte er einigen hochkarätigen Kopfhörern direkt zuspielen und auch als digitale Signalquelle an High-End-Kopfhörerverstärkern herhalten. Ich darf vorwegnehmen, ich bin mehr als zufrieden…


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Der Fiio M11 und das zugehörige Ledercase wurden mir von Fiio-Deutschland

leihweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!


Vorwort

Seit der M11 angekündigt wurde, haben mich sein Design und seine technischen Daten sehr neugierig gemacht. Natürlich ist er mit aktuellen Smartphones hinsichtlich der reinen Leistungsdaten nicht vergleichbar, doch in erster Linie soll ein DAP die komfortable und vor allem hochpräzise Wiedergabe von Musik ermöglichen. Aus diesem Grund befürworte ich es auch, dass Fiio nun mehr darauf achtet, was sich auf dem Player installieren lässt und mit einer wachsenden White-List von Apps die Systemgeschwindigkeit im Auge behält.
Vom Fiio X7.2 kommend, auf dem auch ich am Ende nahezu jedes für einen DAP unsinniges Programm installiert hatte wie Kalender, ToDo-Listen und sogar eMail-Programme, um dann festzustellen, dass das Abspielen von Musik nicht mehr ordentlich gewährleistet ist, ist die Performance des stets schlanken und aufgräumten System des Fiio M11 eine Wohltat.
Meine ersten Erfahrungen mit der M-Serie von Fiio machte ich mit dem M6 und schon dort war ich hinsichtlich der Useability sehr beeindruckt und die M-Serie ist so zu meinem (heimlichen) Favoriten geworden.


Inhalt

  1. Lieferumfang
  2. Design & Verarbeitung
  3. Technische Daten
  4. Funktionsweise
  5. Klangreproduktion
  6. Fazit & Bewertung
  7. Galerie


1. Lieferumfang

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Der M11 wird in einem für Fiio üblichen schwarzen Karton geliefert, in dem sich sowohl eine durchsichtige Kunststoffhülle als auch ein USB-C Kabel für das Aufladen und die Anbindung als kabelgebundener DAC sowie ein SPDIF-Kabel und die obligatorischen Dokumente. Für das Einlegen der Speicherkarten ist ein SIM-Tool enthalten. Ob eine Displayfolie aufgebracht ist kann ich nicht erkennen. Nur bei genauem Hinsehen ist eine minimale Kannte an den abgerundeten Display-Kanten auszumachen. Wenn diese von einer Folie sind, ist diese absolut passgenau und nahezu unsichtbar angebracht.


2. Design & Verarbeitung

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Das weitestgehend quaderförmige Gehäuse besteht aus schwarzem Aluminium und liegt gut in der Hand. Die Unterseite verfügt über alle Audio-Ausgänge und ist für mich bereits das erste Highlight des M11. Denn neben dem obligatorischen 3,5mm Stereo unbalanced Ausgang sind gleich zwei symmetrischen Ausgänge vorhanden. Zum einen die klassische Aufnahme für den 4-poligen 2,5mm-Klinke-Stecker und zum anderen für den 5-poligen 4,4mm-Pentacon-Stecker. Somit ist man mit dem M11 als mobiles Zuspielgerät nahezu unabhängig von Adaptern, insofern hier nicht Kabel mit Steckern für den vorzugsweise stationären Betrieb eingesteckt werden sollen, wie ein 6,3mm Klinke- oder ein 4-poliger XLR-Stecker.

Auf der Oberseite des M11 befindet sich der Taster zum Einschalten und an den Seiten links und rechts befinden sich Navigationstasten und das analog zu bedienende Lautstärke-Rad mit digitalem Abgriff, sprich es kann endlos gedreht werden. Neben der Rückseite aus Glas sind die Pentacon-Buchse und das Lautstärke-Rad in Gold abgesetzt. Der M11 wirkt somit sehr edel.
Da er mir aufgrund der Rückseite aus Glas jedoch schon aus der Hand gerutscht ist und die beiliegende Hülle das Attribut edel leider mindestens neutralisiert, habe ich dankenswerter Weise nachträglich noch die passende Leder-Hülle erhalten. Mit dieser Hülle klettert der M11 damit für mich noch ein Stück höher als nur “edel” und befindet sich im Wettbewerb, wenn es um den derzeit “sexiest DAP” geht.


3. Technische Daten

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Die kompletten technischen Daten sind auf der Fiio-Seite zum M11 zu finden. Hier nur ein Auszug…

Der M11 wiegt 211gr und ist mit den Kantenlängen 70mm, 130mm und 15,5mm und einem Volumen von ca. 140ml hinsichtlich seiner Grundfläche kleiner als aktuelle Flaggschiff-Smartphones. Der M11 ist jedoch etwas dicker, irgendwo muss die dedizierte High-End-Audio-Technik ja untergebracht werden.

Mit einem IPS Touch-Display von 5,15″ größe mit 720p Auflösung, 32GB internem Speicher, 3GB RAM und einem 6-Kern-Prozessor von Samsung, dem leistungsfähigen Exynos 7872, muss sich der M11 nicht hinter aktuellen Smartphones nicht verstecken. WLAN und Bluetooth sind ebenso integriert wie gleich zwei MicroSD-Karten-Slots für die Speichererweiterung.

Die Ausgangsleistung des Fiio M11 beträgt im Stereo-Betrieb >195mW an 32Ohm und bei symmetrischer Zuspielung >550mW ebenfalls an 32 Ohm. Damit lassen sich auch leistungshungrige Kopfhörer wie ein MrSpeakers Ether2 auch angenehm laut hören, ohne jedoch bis zur “Discolautstärke” vorzudringen. Der Denon D7200 spielt am M11 bereits bei halber Kraft schon richtig laut und auch unbalanced reicht die Leistung für eine eigentlich zu hohe Hörlautstärke aus.
Der M11 arbeittet mit einem hochwertigen Wandler von AKM, dem Dual-DAC AKM AK4493. Dabei ist der M11 via USB-C als reiner DAC genauso Nutzbar sowie als digitale Audioquelle für externe DACs.
Die Spielzeit des M11 liegt je nach Nutzung bei bis zu 13 Stunden und das Nachladen des 3.800mAh Akkus benötigt zwischen 2,5 und 2,5 Stunden, je nach Ladegerät.




4. Funktionsweise & Benutzerfreundlichkeit

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Nicht nur beim Design und mit der Lederhülle ist der M11 ganz weit vorne. Auch in Sachen Benutzerfreundlichkeit oder – noch besser auf Neudeutsch – in der Useability ist der M11 für mich einer der besten DAPs, die ich bisher in den Händen hatte. Es gibt viele DAPs, die hinsichtlich der Griffigkeit des Gehäuses, des Formfaktors und der Software und Performance sehr gut sind. Oft sind es dann aber die Details, die später nerven. In einem Gespräch sagte mir jemand einmal, dass es doch ausschließlich darauf ankommt, mit einem DAP problemlos Musik am Stück hören zu können, das ist die einzig zu meisternde Hürde. Im Zeitalter der Smartphones muss ich dem absolut widersprechen. Eben weil wir es gewohnt sind, mit einem Fingerstreich oder allein mit der Stimme schnell das zu bekommen, was wir wollen, steigen auch die Ansprüche an Spezialgeräte wie DAPs, ohne dass wir Benutzer das aktiv so fordern. Es ist in den meisten Fällen andersherum. Nimmt jemand einen DAP in die Hand und kann ihn nicht intuitiv bedienen oder die Software hakt oder das Display ist mehr schlecht als recht, dann wird dieser Spezialist im Ersteindruck sofort jedem Mittelklasse-Smartphone unterlegen sein und die Frage Aussage steht im Raum “Wofür brauche ich denn überhaupt einen DAP? Mein Handy kann das alles besser!”
Und da ist der springende Punkt. Ein DAP muss da heute mithalten können. Und das kann der Fiio M11! Nach dem Booten bzw. Wecken aus dem Standby fällt das farbenfrohe und absolut klare Touch-Display auf. Und hier wird wohl niemand den Anspruch nach 4k haben, wohl aber, dass die Alben-Cover später toll anzusehen sind. Das ist mit dem großen HD Display ganz klar der Fall. Zudem wird das Display ohne Lags angesteuert, so wie es von üblichen Smartphones heute immer erwartet wird. Auch in der Bedienung selbst leistet sich der M11 keine Blöße. Im Video habe ich das aus der Ich-Ansicht für im Detail ausführlich dargestellt. Die Haptik der Bedienung, die Struktur der Menüs und auch die Reaktionen des Players auf Eingaben sind dort viel besser zu sehen, als ich es hier beschreiben kann.



Die Nutzeroberfläche ist bei den Geräten der M-Serie einfach und übersichtlich gehalten, was für ein schnelles Zurechtfinden und einer absolut einwandfreien Ergonomie führt. Learning-by-Doing ist mit dem M11 in maximal 15 Minuten komplett erledigt. Natürlich ergeben sich dabei auch noch individuelle Wünsche zu Optimierungen, doch insgesamt gibt es beim M11 keinen Dealbreaker, was ich nach meinen Erfahrungen mit dem M6 auch nicht erwartet hatte.
Ohne an dieser Stelle auf die weiteren Details eingehen zu wollen, hat mich aber das zweite Highlight des M11, welches erst nach dem Video mit einem Firmware-Update Einzug gehalten hat, absolut überzeugt. Nämlich die Möglichkeit, wie ich sie bisher nur von iBasso kannte, das System in einem dedizierten Musik-Modus zu starten. Einfach toll!

Unterm Strich lässt der M11 bei mir keinerlei Wunsch offen. Wenn überhaupt, dann geht es nur noch um Nice-To-Have Features, welche aber wie schon angedeutet, absolut individueller Natur sind.


5. Klangreproduktion

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Mir fällt es grundsätzlich schwer bei High-End-DAPs der großen Marken gravierende Unterschiede heraushören zu wollen. Es gibt sicherlich in der Integration der unterschiedlichen Bausteine verschiedene Ansätze in der Klangaufbereitung, doch nahezu jeder DAP bringt Möglichkeiten für die Klangveränderung mit. Der Fiio M11 reiht sich hier auf Augenhöhe zu dem Fiio X7.2, iBasso DX200 oder einem Hiby R6 ein.
Doch halt, ein kleiner Unterschied ist vorhanden, denn wie bereits in der Überschrift sehe ich den M11 ebenfalls als Flaggschiff DAP. Während er bei erscheinen 499,-€ UVP kostet, fallen für die genannten Kollegen mindestens 200,-€ mehr an Investition an.
Unterm Strich bietet der M11 High-End-Sound schon in der Mittelklasse und hinsichtlich Bedienung und Haptik macht er alles richtig.


6. Fazit & Bewertung

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Wem beispielsweise ein DAP aähnlich eines iBasso DX150/200/220 etwas zu wuchtig ist, der sollte sich den M11 ansehen, denn der geht in Richtung Formfaktor Handschmeichler. Spätestens mit dem M11 hat Fiio nun auch dem Nutzer die Möglichkeit gegeben, den M11 als Schweizer Taschenmesser zu benutzen oder eben als reines, puristisches Abspielgerät ganz ohne Schnick-Schnack. Und das nun bereiits im mittleren Preissegment.

In Preis/Leistung ist der M11 derzeit aus meiner Sicht unschlagbar. Zudem bietet er derzeit als mir einzig bekannter DAP alle Arten der Konnektivität, sowohl drahtgebunden als auch drahtlos.

Unterm Strich ist der Fiio M11 aktuell meine DAP Empfehlung für die Preisklasse bis 500€!

Bewertung

  • 96%
    Klang - 96%
  • 94%
    Leistung - 94%
  • 100%
    Technik & Features - 100%
  • 98%
    Kopfhörer Neutralität - 98%
  • 98%
    Design - 98%
  • 98%
    Verarbeitung - 98%
  • 90%
    Preis / Leistung - 90%
96.3%


7. Video & Galerie

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0