Fidue A91 Sirius Testbericht – InEar Kopfhörer mit nur noch wenig Luft nach oben!

Das derzeitige #InEar #Flaggschiff von #Fidue, der #Sirius A91, liegt mit einem Preis von 999€ auf einem sehr hohen Niveau. Insbesondere bei InEar Kopfhörern ist gemessen am Material, dass ich in der Hand halte, meine persönliche Schmerzgrenze bei etwa einem Drittel des aufgerufenen Preises. Ein Testkandidat, der sich so positioniert, muss gefallen ohne jegliche Kompromisse!
Ich bin gespannt, wie @FIDUEAcoustics das gelöst hat…


An dieser Stelle möchte ich mich für diese vertrauensvolle Leihgabe bei Headsound @headsoundaudio herzlich bedanken!

 

Eines kann ich bereits vorweg sagen. Perfekt ist auch der Fidue A91 Sirius nicht, aber verdammt nahe dran!

Im letzten September hatte ich bereits über den Fidue A73 und Anfang Dezember über den Fidue A83 berichtet. Beide Kopfhörer habe ich als extrem spaßig abgestimmt empfunden. Umso interessanter war es, als mir Headsound erneut angeboten hat, den Fidue A91 Sirius ebenfalls zu testen. Meine Meinung zum Kopfhörer ist davon unberührt.

Seit einiger Zeit nutze ich den Kopfhörer nun regelmäßig. Zeit genug, um meine Eindrücke zu vermitteln und ein Fazit zu ziehen.

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Tragekomfort & Handhabung
  4. Soundcheck & Hörproben
  5. Individuelle Aspekte
  6. Fazit & Bewertung
  7. Galerie

 

1. Verpackung & Zubehör

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Die Verpackung des Fidue A91 Sirius sieht auf den ersten Blick eher unspektakulär aus, eher nichts Besonderes. Ist aber die erste Blisterfolie entfernt und der Pappmantel entfernt, zeigt sich eine edle schwarze Box, die noch einmal zusätzlich foliert ist. Die Oberfläche mit Lederstruktur wirkt sehr edel und beim Öffnen des Deckels der Box mit dem Haltebändchen an der Seite kommt eine regelrecht luxuriöses Gefühl auf. Die Präsentation der InEars ist absolut gelungen.

Der Blick richtet sich auf eine ebenfalls im Lederlook gehaltene obere Ebene, die sowohl die InEars selbst und die mitgelieferten 4 Paar Silikon-Tipps präsentiert. Darunter befindet sich eine hochwertiger Behälter mit glänzender Fidue Gravur. Im Behälter befindet sich das weitere Zubehör, ein symmetrisch ausgeführtes und mit Stoff ummanteltes Kabel. Ein Adapter von 3,5 auf 6,3mm Stereo-Stecker, Ein Paar Comply T500 Memory Foam Tipp, ein Flugzeugadapter und ein Beutelchen mit einem metallenem Plektron. Auf der Rückseite des Halteeinsatzes für die InEars befinden sich noch zwei Adapterkabel. Ein Kabel, dass den 2,5mm 4 poligen symmetrischen Stecker auf einen 3,5mm Stereo-Stecker adaptiert, und ein weiteres, welches auf einen 3,5mm TRRS Stecker bedient. Letzteres Format erschließt sich mir jedoch nicht, da hätte ich eher einen 4.4mm Pentaconn Adapter erwartet.

 

 

2. Design & Verarbeitung

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Beim Herausnehmen fällt die Verarbeitungsqualität positiv auf. Die Gehäuse aus Aluminium sind einwandfrei verarbeitet. Das Design der Dreiecksebenen gefällt mir sehr gut. Die Kanten sind präzise ausgearbeitet und verleihen dem Gehäuse seine Eleganz. Die Kabelausgänge sind ungewöhnlich am Gehäuse positioniert. Das hat aber einen guten Grund. Dazu später mehr.

Auch die mitgelieferten Kabel sind einwandfrei verarbeitet und von augenscheinlich hoher Materialqualität. Anzumerken ist, dass die Stecker nicht vergoldet sind, sonder eine silberne Oberfläche besitzen. Es empfiehlt sich daher, immer mal wieder die Stecker mit einem Tuch zu reinigen, denn mit der Zeit laufen die Kontakte gern etwas an, was zu Kontaktproblemen führen kann.

 

3. Tragekomfort & Handhabung

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Was den Tragekomfort angeht, da ist ganz klar zu sagen, dass die Gehäuse recht groß sind. Ich habe damit kein Problem, bei mir passen sie gut in meine Ohrmuschel und haben einen festen Sitz. Meine Frau mit recht kleinen Ohren hat hier das Nachsehen, denn sie muss die InEars kunstvoll einsetzen und mit den Fingern andrücken, sonst halten sie nicht im Ohr und dichten nicht genug ab.

Wie bereits angedeutet, sind die MMCX Buchsen für die austauschbaren Kabel etwas unüblich angeordnet, wodurch es angewinkelte Stecker am Kabel bedarf. Je nachdem, wie das Kabel nun mittels der Überwurfmuttern am Gehäuse fixiert wird, lässt sich der Fidue A91 Sirius als InEar mit Kabel über dem Ohr verlaufend tragen oder aber auch mit dem Kabel direkt nach unten hängend, ohne dass dass Kabel dabei geknickt wird. Bei InEars mit Kabeln mit gerade ausgeführten Steckern sind diese kontruktionsbedingt entweder nur mit Kabel nach unten hängend oder eben mit dem Kabel über dem Ohr tragbar. Beim Sirius funktioniert das je nach Belieben. Das gefällt mir außerordentlich gut.

Der Sirius hat bei mir generell einen festen Sitz und so nutze ich ihn gern mit dem Kabel nach unten ausgeführt, somit entfällt das Kabel immer über die Ohren fummeln zu müssen.

Zur Kennzeichnung links und rechts wurden die Muttern gut sichtbar in Rot für den rechten und Blau für den linken Kanal gekennzeichnet. Ein besonderer Knickschutz des Kabels ist nicht gegeben und angesichts der beschriebenen Ausführung auch nicht notwendig.

Die Trageeigenschaften möchte ich insgesamt für mich als sehr gut mit der Tendenz zu gut bewerten, denn auf Dauer wird gibt es an einer Stelle in beiden meiner Ohren ein punktuelles Druckgefühl. Das ist den recht großen Gehäusen geschuldet, die natürlich nicht individuell angepasst sind und sich nach einer durchschnittlichen Ohrform richten. Selbst bei einem Brainwavz B400, dessen Gehäuse kleiner ist, kenne ich dieses Problem. Einzig InEars in Patronen-Ausführung oder mit ultrakleinen Gehäusen wie der Brainwavz B100 erzeugen solche Langzeiterscheinungen bei mir nicht. Also alles im grünen Bereich.

 

4. Soundcheck & Hörproben

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Vorab kann ich sagen, dass der Fidue A91 Sirius zwar leicht anzutreiben ist, dennoch bestehen zwischen der Wiedergabe am iPhone 6s und einem ordentlichen DAP deutliche Unterschiede. Ich beschränke mich auf meine Höreindrücke, während des symmetrischen Betriebes am Shanling M3S, der diesen InEar ohne Probleme antreibt und selbst über hervorragende Eigenschaften in Sachen Klangreproduktion verfügt.

 

 

 

„When she sings to me“ von Jeff Cascaro

 

Den Anfang mache ich mit diesem sanften Titel ganz bewusst. Für mich ist der an sich perfekt abgemischt. Hier zeigt sich, welcher Kopfhörer wo seinen Fingerabdruck hinterlässt. Mir fällt sofort mit dem Fidue A91 Sirius seine tolle Wiedergabe von Instrumenten und Stimme auf. Das Schlagzeug wird druckvoll und sanft zugleich wiedergegeben. Einzig im Bereich der Brillanz  dürfte es einen Hauch mehr sein. So klingt ganz am Anfang der „Kristall-Sound“ ab Sekunde 13 „rund“. An anderen Stellen gibt es einzelne Triangel-Schläge, welche dann aber wieder diesem Titel den perfekten Glanz versehen. Hier macht sich offensichtlich die echte 5-Wege-Weiche bemerkbar, welche jeden einzelnen Balanced Armature Treiber somit gezielt schmalbandig ansteuert, wie es bei anderen InEars mit beispielsweise nur zwei BAs nicht der Fall ist. Alle Klänge werden analytisch voneinander getrennt, die Transparenz ist hier außerordentlich gut ohne dass der Sirius langwilig aufspielt, ganz im Gegenteil. Jeff Cascaro gefällt mir hier richtig gut. 

 

„Fat Roller“ von Boris Blank

 

 

Ganz anders „Fat Roller“, dieser Titel ist schnell und hell abgemischt, wobei keineswegs der Bass fehlt. Bei einigen Kopfhörern klingt der Titel für mich insgesamt aber oft zu hell und Spitzen im Hochton sind für mich gelegentlich sogar unhörbar. Der Fidue betont den Tiefbass so, dass der gesamte Titel von einem soliden Fundament getragen wird. Dank des etwas zurückgenommenen Bereichs der oberen Mitten bis hin zum Hochton macht mir sogar „Fat Roller““ richtig Spaß.

 

„Heart Beat“ von Antonio Forcione

 


Akustische Gitarre als Live-Aufnahme. Hervorragend wiedergegeben mit dem Fidue A91 Sirius. Jeder Anschlag, jedes Zupfen wird authentisch wiedergegeben. Die Dynamik des Instrumentes wird hier toll abgebildet. Hier gefällt mir besonders, dass die Bühnendarstellung nicht sehr breit ist, denn so höre ich die Musik, als stünde Antonio ein paar Meter vor mir auf der Bühne. Der Wiederhall des Raumes geht dennoch nicht verloren.

 

„Zuckerwatte“ von Oliver Koletzki

 

 

Musik einfach zum genießen. Der helle Gesang komplett ohne Sibilanz, brillante Akzente und als Fundament getrieben von einem kräftigem, präzisen und dennoch weichen Synthibass. Der Ich möchte sagen, dass hier der Fidue A91 Sirius seine besonderen Stärken komplett ausspielt. 

 

„Janie’s got a gun“ von Aerosmith

 


Zurückversetzt in die 90er ist das eines meiner Lieblingsstücke, das damals auf keiner Party fehlen durfte. Dieser Song hat alles, was ein Rock-Song braucht. Die Stimme von Steven Tyler hat eine ganz besondere „kratzige“ Färbung, was dieser Band auch einzigartig macht. Selbst im Tutti mit Crescendo bleibt der Song für mich mit dem Fidue A91 Sirius auch laut hörbar. Für gewöhnlich regele ich dann ein bis zwei Lautstärkestufen runter.

 

Soundcheck Fazit

Tonal liegt der Sirius komplett auf meiner Wellenlänge. Allerdings musste ich mich auch etwas einhören, denn die Abstimmung der fünf Treiber, bei dem jeder offensichtlich seine ganz eigene Aufgabe zu meistern hat, ist schon etwas Besonderes. Ab und an klingt es, als fehle etwas, was aber im nächsten Moment komplett revidiert wird. Der Fidue klingt ausgewogen und analytisch zugleich, ohne des Spaßfaktor Dank seines hervorragenden Bassbereiches zu vernachlässigen. Für mich klanglich fast eine Punktlandung.

 

 

5. Individuelle Aspekte

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Nach all dem positiven gibt es dennoch einige erwähnenswerte Eindrücke, die mit der Bewertung an sich nichts zu tun haben, dennoch wichtig sind, gerade wenn es um Kopfhörer dieser Preislage geht.

Allen voran ist es wichtig zu wissen, dass der Fidue A91 Sirius direkt aus der Verpackung genommen mich klanglich sehr enttäuscht hat.

Hierzu ungeschönt meine Notizen, die ich mir stets von meinem ersten Eindruck mache. Noch nie hat sich dieser so gewandelt wie bei diesem Kopfhörer. Warum, das kommt noch. Nun der Reihe nach.

Rückblende Unboxing und Erstinbetriebnahme des Fidue A91 Sirius

Verpackung, Haptik, Präsentation 1a mit Sternchen! Bei 5 BAs hätte ich mir mehr gewünscht. Ich bin zwar sonst ein eher „dunkler“ Klangtyp, aber hier fehlt es mir an oberen Mitten. Klingt bei einigen Tracks sehr nasal. Brillanz ist da, doch sehr weit im Hintergrund. Bass ist super, fast schon zu viel, tiefgehend mit Energie, schön straff. Instrumentenstaffelung ist mir eher nicht möglich, da fehlt es an Details, siehe den Punkt obere Mitten. Dynamik ist gut. Insgesamt rastet er in den ersten Minuten nicht ein. Die Bewertung wird schwer…“

Das waren nun ungeschönt meine ersten Gedanken direkt nach der ersten halben Stunde und das hat mich schon ziemlich verunsichert. Ich war mir nicht sicher, was Fidue sich mit diesem Kopfhörer als Flaggschiff gedacht hat.

Da es sich um einen nagelneuen Kopfhörer gehnadelt hat, der noch original eingeschweißt war, habe ich dann mein Standardprogramm gestartet und den Kopfhörer zunächst an einen DAP gehängt und mit ordentlicher Lautstärke einen Tag durchspielen lassen. Seitdem ich beim Audioquest Nighthawk und beim Meze 99 Neo nach einer gewissen Einspielzeit nicht unentscheidend klangliche Veränderungen festgestellt hatte, mache ich das bei nagelneuen Kopfhörern nach einem kurzen ersten Check immer so. Wirklich viel tut sich da aber zugegeben dann nicht mehr, es geht da eher um Nuancen.

Beim Fidue hingegen hatte ich bei meiner anschließenden Hörsession ein ganz anderen Kopfhörer im Ohr. Wo ich zuvor mit dem DACAMP L1 noch hinsichtlich Klang ordentlich eingreifen musste, um die oberen Mitten und den Hochton auf Trab zu bringen, war das mit den zuvor gemachten Einstellung am DACAMP nun viel zu viel. Keine Spur mehr von Nasalität oder zurückgesetzten Mitten und Höhen. Auch der Bass passte von da an hervorragend ins Klangbild. Nach und nach habe ich den Fidue dann noch am Shanling M3S, Fiio X7.2 und dem Questyle CMA400i betrieben. An allen das selbe Ergebnis, ein ganz anderer Kopfhörer. Unglaublich und doch genial!

 

Mein Test bezieht sich natürlich auf die Performance des „eingespielten“ Kopfhörers, dennoch war dieser kleine Exkurs wichtig, nicht dass jemand diesen Ausnahme Kopfhörer nach der ersten halben Stunde wieder einpackt und enttäuscht zu früh zurück schickt.

 

Ein weiterer Aspekt ist, was sich im Bereich „Sonstiges“ besonders in der Bewertung des Preises widerspiegelt, dass ich den Fidue A91 Sirius nicht als Kopfhörer für immer dabei sehe. Einige werden nun sagen, dass man einen so hochpreisigen Kopfhörer auch nur zu Hause nutzt. Aber warum eigentlich?

Ein InEar ist ja geradezu aufgrund seines Formfaktors schnell mal immer dabei. Allerdings ist auch die Gefahr eines unbemerkten Verlustes sehr hoch. Erst letzte Woche passiert, da habe ich in der Hektik meinen Brainwavz B100 wohl schlecht in meine Jackentasche gesteckt. Zumindest war er am S-Bahnhof nicht mehr dort. Da haben mich die verlorenen 40€ auch geärgert, wie wäre das erst beim Sirius?

Da macht der recht große Transportbehälter ja schon fast wieder Sinn, denn der fällt in jeder Tasche auf. Den steckt man nicht einfach so nebenbei schnell in die Hosentasche. 😉

 

6. Fazit

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Der Fidue A91 Sirius ist aktuell für mich der beste aller InEar Kopfhörer, die ich bisher gehört habe. Darunter war unter anderem auch ein Sennheiser iE800s. Tonal liegt er nach dem wichtigen „Burn In“ auf meiner Wellenlänge und bedient meinen Gechmack hervorragend. Im Bassbereich optimal ohne betontem Oberbass, dafür einen leicht betonten Tiefbass, Gesang wird sehr klar wiedergegeben, ohne im Vordergrund zu stehen, Instrumente werden fein herausgearbeitet und Akzente auf den Punkt gebracht. Die Räumlichkeit ist gut und zugleich die „schwächste“ Disziplin des Fidue A91 Sirius, wohingegen die Dynamik und Transparenz dann wieder sehr gut sind. Was mir besonders gefällt ist, dass er sich mit dem Kabel über dem Ohr und mit dem Kabel nach unten abgehend tragen lässt. Wen die Investition von 999€ nicht schreckt, meine Vorliebe in Bezug auf die Tonalität mit mir teilt und nicht zu kleine Ohrmuscheln hat, der dürfte mit dem Fidue A91 Sirius möglicher Weise seinen Endgame-InEar in den Händen halten.

 

 

Bewertung

Technisch ist Fidue mit dem A91 Sirius an der Spitze angekommen. Die Luft nach oben ist so dünn, dass nur noch der persönlich Geschmack was die Klangsignatur angeht, den Unterschied zu anderen Spitzenmodellen ausmacht. In der Gesamtnote spiegeln sich jedoch auch zusätzliche Aspekte wieder, unter anderem auch der Preis mit nur 70% Bewertung. 

 

 

7. Galerie

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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s