InEar Etymotic ER3SE im Test – Universell im Ohr und für Musik einsetzbar!

Seit 43 Jahren entwickelt das Traditionsunternehmen Etymotic aus Illinois Gehörschutz und Kopfhörer. Nachdem der ER4 bereits vor einiger Zeit überarbeitet wurde, ist nun der auch der ER3 in einer Studio Edition (SE) erhältlich.

Der ER3SE zeigt, was er als Kopfhörer mit Studioanspruch drauf hat…

 

Inhalt

  1. Verpackung & Zubehör
  2. Design & Verarbeitung
  3. Tragekomfort & Handhabung
  4. Soundcheck & Hörproben
  5. Fazit
  6. Bewertung
  7. Galerie

 

1. Verpackung & Zubehör

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Der Etymotic ER3SE wird in einer Pappschachtel mit aufgedrucktem Produktfoto und einigen technischen Daten geliefert. Der InEar Kopfhörer wird mit zwei Paar Silikon Tipps mit je drei Lamellen geliefert. Zusätzlich sind Wechselfilter mitsamt Ausdrehwerkzeug enthalten sowie eine Befestigungsklammer als auch ein kleines Aufbewahrungstäschchen mit Reißverschluss.

 

 

 

2. Design & Verarbeitung

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Lang, schmal und filigran. So muten die Gehäuse der Etymotic InEars auf den ersten Blick an. Beim Anfassen zeigt sich jedoch die Stabilität des Gehäuses. Auch das mit MMCX Steckern abnehmbare Kabel führt das Designkonzept weiter. Lediglich das Kabel wird in einem etwa 70° Winkel vom Gehäuse weggeführt. Durch dieses Design wirkt der Bereich, der im Ohr verschwindet, deutlich länger als bei InEars der Mitbewerber. Die Verarbeitung ist sehr gut.

 

 

3. Tragekomfort & Handhabung

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Das Einsetzen des InEars funktioniert außerordentlich einfach. Der ER3 wird im Prinzip soweit in den Hörkanal geschoben, bis eine nahezu perfekte Abdichtung gegeben ist. Laut Hersteller werden zwischen 36 und 42dB Geräuschreduzierung erreicht. Anfangs hatte ich Angst, ich könnte ihn zu weit in mein Ohr schieben und mich verletzten. Trotz meiner offensichtlich großen Ohren ist das völlig unbegründet. Der ER3 verschwindet fast komplett in meinem Ohr, so dass selbst beim Liegen auf der Seite kein weiterer Druck auf den InEar entsteht. Durch die einfachste Form dieses InEars liegt er an keiner weiteren Stelle am oder im Ohr auf. Somit ist es auch völlig egal, wie er gedreht wird. Der ER3 kann mit dem Kabel nach unten aber auch von vorn übers Ohr verlaufend getragen werden. Gar kein Problem. In Sachen Tragekomfort und Handhabung gibt es nichts Einfacheres. Universell im Ohr einsetzbar!

 

4. Soundcheck & Hörproben

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Die Etymotic ER3SE InEars legen den Grundstein durch die bereits angesprochene sehr hohe Geräuschisolierung. Sie müssen von deutlich weniger gegen störende Außengeräusche anspielen als viele andere Kopfhörer. Das ist ein enormer Vorteil, denn die Etymotic spielen nahezu unabhängig der Umgebungssituation stets auf demselben Niveau.

Mein erster Eindruck war, dass der ER3SE, der sich mit seiner Neutralität ja an die höchsten Studioansprüche richten soll, meine Vorlieben so gar nicht trifft.

Umso interessanter empfand ich schon nach wenigen Minuten, dass er tonal im Prinzip alles richtig macht, ohne durch besondere Betonungen auf sich Aufmerksam zu machen. Der Bass wird straff wiedergegeben. Die Mitten sind sehr schön durchhörbar und im Hochton gibt es eine smoothe Brillanz. Im Normalfall würde ich das bei einem Dynamiker mit ziemlicher Sicherheit schon fast als langweilig bezeichnen. Doch insbesondere die InEar Kopfhörer mit Balanced Armatures zeigen, wie trotz einer neutralen Abstimmung Hörspaß erzeugt wird. An erster Stelle kommen für mich da die authentischen Bässe, die nie zu weich sind, dann deren tollen Dynamik – auch da gibt es noch innerhalb der Bas deutliche Unterschiede – und nicht zuletzt auch die Hochtoncharakteristik. Auch die hat etwas Besonderes. Wo ich mit dynamischen Treibern alles etwas mehr „ineinander fließen“ höre, separieren BAs vor allem im Hochton besonders gut. Zum Teil sogar so stark, dass Komprimierungsartefakte mit diesen bei MP3-Dateien deutlich zu hören sind, während die meisten großflächigen Schallwandler in diesem Bezug schönfärben. Passiert das, hört sich manche Musik dann plötzlich technisch echt „schlecht“ an. Wer also diese Art der Analyse beim Hören nicht erleben will, der sollte sich zumindest keinen ER3 zulegen. Der ist ehrlich und entspricht tatsächlich den Anforderungen im Bereich Studioeinsatz.

 

Hörproben

 

Ain’t nobody (loves me better) – Accoustic“ von Jasmine Thompson

 

 

Ganz bewußt habe ich dieses Stück ausgesucht, bei dem Gesang im Vordergrund steht und dennoch von den Details der Instrumente getragen wird. Mit dem Etymotic ER3SE klingt diese Version von „Ain’t nobody“ hervorragend leicht und gefühlvoll. Jasmine Thompsons Stimme klingt zu keiner Zeit sibilant, trotzdem klar und hell während die Instrumente voll und nicht übertrieben klingen. Zu viel Hochton, zu viel Bass würden die Stimmung dieses Liedes schnell kippen und schlimmsten Falls zu einer verkappten Disco-Nummer werden lassen.

 

Die Roboter – Headphone Surround 3D Mix“ von Kraftwerk

 

 

Komplett etwas anderes als Kontrastprogramm sind „Die Roboter“. Auch hier macht der ER3SE seine Sache mehr als gut. Der Punch des Synth Bass ist sehr gut, wenn auch noch nicht eindrucksvoll. Der Etymotic präsentiert dieses Stück ebenfalls sehr ausgewogen. Hier darf es für meinen Geschmack etwas dynamischer zur Sache gehen. Tonal fehlt jedoch nichts. Am Ende der 7:43 bleibt jedoch ein wenig die Gänsehaut aus, die mir dieses Stück mit anderen Kopfhörern regelmässig verleiht.

 

Janie’s got a gun“ von Aerosmith

 

 

Lange nicht mehr gehört und dann nach vielen Jahren mit dem ER3SE. Gut, dass ich dieses Stück mit ihm wieder zuerst gehört habe. Klasse. Spätestens ab 2:30 Minuten ist in dem Stück so viel los, dass Kopfhörer mit für meinen Geschmack zu betonten oberen Mitten und Höhen wie z.B. der MSR7 als Over Ear solche musikalischen Highlight verderben. Alle Instrumente sind einzeln heraushörbar. Der Bass kickt genau richtig. Das Schlagzeug nervt zu keiner Zeit. Wenn hier jetzt noch etwas mehr Räumlichkeit und Dynamik wäre. Das ist allerdings schon ein Wunsch auf sehr hohem Niveau.

 

Of Mind“ von TesseracT

 

 

Auch viel los, nur auf einer ganz anderen, moderneren Art kommt TesseracT daher. Auch hier gibt kommt es auf den Kopfhörer an, dass ich mir diesen opulente und angefetteten Metall über längere Zeit entspannt anhören kann. Mit dem ER3SE gar kein Problem. Wieder verschwimmt hier nichts zu einem lauten Brei sondern jedes Instrument bekommt den Raum sich zu entfalten. Klasse. Hier fehlt mir weder zusätzliche Dynamik noch Räumlichkeit. Das muss so!

 

For evigt“ von Vollbeat

 

 

Mit dem Song habe ich eigentlich immer so meine Probleme. Sehr viel Powerchords und helle Männerstimme mit einer fetten musikalischen Begleitung. Auch hier mit dem ER3SE kein Problem. Mir scheint es, als wenn für mich der Etymotic wie dafür gemacht für mich schwierige Stücke gekonnt wiederzugeben. Besonders ist Heavy Metall ist mit ihm sehr lebendig und nicht erdrückend.

 

If you only knew – Original Mix“ von Finnebassen

 

 

Zum Schluß noch einmal mit den Füßen auf den Boden und dem ER3SE eine Disco-Nummer als Aufgabe gegeben. Der Bass kommt schön druckvoll und auch der Tiefbassanteil fehlt nicht. Die Akzente in den Oberen Mitten sind vorhanden, dürften aber etwas ausgeprägter sein. Der verfremdete Gesang ist etwas „flach“. Insgesamt eine gute Vorstellung, doch auch hier etwas mehr Dynamik, etwas mehr Raum und eine Spur mehr Badewanne. Der Drang nach Bewegung bleibt weitestgehend aus. Der ER3SE ist eben kein Spaß-Kopfhörer und unterstreicht damit erneut den Anspruch an seine Studioqualitäten. Alle Nuancen der elektronischen Feinheiten sind säuberlich heraushörbar, nichts wird überdeckt oder besonders in den Vordergrund gestellt.

 

Klangfazit

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Es für den Etymotic ER3SE keine Musikrichtung, die ihn schlecht dastehen lässt. Für mich jedoch ganz klar eine Überraschung in Sachen Metall-Präsentation. Der Tiefbassbereich wird angemessen wiedergegeben, dürfte für meinen Geschmack jedoch tatsächlich ein klein wenig präsenter sein. Die Mitten sind Perfekt, Gesang wird in allen Belangen hervorragend wiedergegeben. In Punkto „Glanz“ fehlt mir bei einigen Musikstücken jedoch noch das i-Pünktchen. Hier muss ich feststellen, dass zugunsten einer leichten Badewanne ich sogar eine leichte Übertreibung eher mitreißend empfinde. Hier kommt wieder das „SE“ zum Tragen, wodurch gerade beim relaxten Spaßhören der Etymotic dann doch ein wenig zu wenig ins Ohr geht. Die Dynamik, Auflösung und Räumlichkeit sind beim ER3SE gut bis sehr gut. Für den ER3SE wäre ein Mehr in diesen Bereichen vielleicht dann schon wieder zu viel, das könnte dann sogar „falsch“ wirken. Leider habe ich keinen ER4SE im direkten Vergleich, denn der soll in Sachen Dynamik und Räumlichkeit noch einen Tick mehr bieten.

Unterm Strich möchte ich den ER3SE als „extrem langzeittauglich“ beschreiben. Ein Kopfhörer, der den Zusatz „Studio Edition“ nicht umsonst trägt. Für Musik universell einsetzbar!

 

5. Fazit

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Etymotic ist mit dem ER3SE ein hervorragender InEar Kopfhörer zu einem vernünftigen Preis gelungen. Er ist im wahrsten Sinn des Wortes universell einsetzbar und bietet neben einer hervorragenden Geräuschisolation einen Spitzenklang ohne Spaßkopfhörer zu sein. Er erregt Aufmerksamkeit durch seine Präzision und Dynamik und spielt herrlich unaufgeregt langzeittauglich jede Art von Musik. Auch wenn „nur“ ein Kopfhörer der 3er-Serie und trotz meiner sonstigen kanglichen Vorlieben, empfehle ich unter den genannten Gesichtspunkten den Etymotic ER3SE als einen der besten Single-BA Inear Kopfhörer, die ich bisher im Ohr hatte.

 

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei „HEADTEK – finest headphones and more“, die mir den Etymotic ER3SE für diesen Test leihweise zur Verfügung gestellt haben.

 

 

6. Bewertung

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Sehr Gut –

 

 

 

7. Galerie

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Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0