Bluetooth Lautsprecher Kilburn II im Test – Kompakt, laut und vollwertige Marshall Box

Nach einiger Zeit gibt es hier auf Miniklangwunder auch einmal wieder einen Bluetooth Lautsprecher zu sehen. Es handelt sich um den Marshall Kilburn II, der für 299,-€ von Marshall angeboten wird.


Vorwort


Auf der IFA hatte ich den Stand von Marshall besucht und war von der Präsentation der aktuellen Modelle im Bereich Lautsprecher und Kopfhörer recht angetan. Die erste Generation des Kilburn war mir da bereits bekannt, wenngleich er es bis dahin nie in meinen Blog geschafft hat. Den Kilburn II auf der IFA ernsthaft zu hören, war schlichtweg nicht möglich und so habe ich meine Karte am PR-Stand von Marshall abgegeben.
Nun vor zwei Wochen hat Marshall – hier gibt es eine Übersicht der aktuellen Lifestyle Produkte – mir den Kilburn II dankenswerter Weise für einen Test leihweise zur Verfügung gestellt und er durfte drinnen und draußen zeigen, was er kann.

Inhalt

  • Verpackung
  • Technische Daten
  • Design & Verarbeitung
  • Handhabung & Haptik
  • Klang & Hörproben
  • Fazit & Bewertung
  • Galerie

Verpackung

Der Marshall Kilburn II kommt in einer vergleichsweise einfach gehalten Karton-Verpackung daher. Er ist separat in einem Fließ eingeschlagen, um möglichst Beschädigungen am edlen Außenmaterial zu vermeiden. Der Karton selbst gibt mittels Bild und der Nennung einiger Technischen Daten Auskunft darüber, was als Inhalt zu erwarten ist. Besondere Überraschungen birgt die Verpackung darüber hinaus nicht.

  

Technische Daten

Mit nur noch 2,5kg Gewicht und etwa 5,5 Liter Gehäusevolumen ist der Kilburn II gegenüber seinem Vorgänger etwas gewachsen, der mit 4,7 Liter etwas kleiner war, dafür ist der Nachfolger um satte 500gr leichter. Der Kilburn II nutzt Bluetooth 5.0 und aptX als Übertragungsprotokoll, somit ist eine verlustfreie und stabile Übertragung mittels Bluetooth gewährleistet. Mittels 3,5mm Klinke-Kabel ist eine analoge Zuspielung weiterhin möglich. In Punkt Grundrauschen verhält sich der Marshall Kilburn II sehr vorbildlich. Auch in kurzem Abstand kann ich kein Eigenrauschen bei zugespielter Stille ausmachen. Hinsichtlich der Akkulaufzeit bin ich ehrlich begeistert. Während meiner zweiwöchigen Testphase musste ich den Lautsprecher nur einmal nachladen, rekordverdächtig! Laut Marshall soll es  20 Stunden und länger möglich sein, mit dem Kilburn II mit einer Akkuladung Musik zu hören. Bei mir waren es gut 5 Stunden recht laut auf der Terrasse, beim Kochen und Aufräumen weitere knapp 4 Stunden deutlich über Zimmerlautstärke und abends in Summe etwa 8 Stunden Musik von leise bis knapp unter Zimmerlautstärke. In meinem Anwendungsmix mit oft mehr als 50% Lautstärke komme ich mit 17 Stunden nicht ganz an das von Marshall gesteckte Ziel heran, doch bei moderater Lautstärke ist sicherlich noch deutlich mehr erreichbar.

Selbstdimmende, feinstufige Akkuanzeige des Kilburn II rechts


Aufgeladen habe ich den Lautsprecher in etwa 3 Stunden, nachdem er sich abgeschaltet hatte. Toll ist, dass jedes Standard-Euro-Netzkabel für das Aufladen genutzt werden kann. Bis zum Abschalten hat er mit der gleichen Lautstärke weiter gespielt, lediglich nach Unterschreitung des dritten Balkens macht der Kilburn II sich durch dezente akustische Signale während er Musik wiedergibt bemerkbar und zeigt so an, dass sein Akku zur Neige geht. Allerdings geschieht das zum Glück auch nur wenige Male, so dass es nicht nervig wird. Bis zur kompletten Entladung hat es dann noch etwa 45 Minuten bei Zimmerlautstärke gebraucht, bis der Lautsprecher sich dann ausgeschaltet hat. 

Design & Verarbeitung

Hinsichtlich des Design gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder man mag das Marshall-Design im Gitarrenverstärker-Look oder eben nicht. Für mich ist das Design gelungen, auch wenn meine Frau den Lautsprecher in unserem Wohnzimmer als deplatziert empfindet. Klar… Gediegene Kernbuche-Möbel und ein mit Stoff bezogenes Sofa passen eben nicht so ganz so einem fetzigen Lautsprecher à la Marshall. Hier stelle ich mir in Kombination auch eher schlichte weiße Möbel vor und ein Ledersofa oder insgesamt einen Raum, der eher etwas in Richtung Industrial- oder Technical-Styling geht. Allerdings lässt sich bekanntlich über Geschmack nicht streiten, warum also den Marshall nicht auch auf dem hölzernen Regal in Szene setzen?


Der Marshall Kilburn II ist mit seiner Kunstlederoberfläche und dem Quaderdesign mit analogen Potis ein im positiven Sinn sehr auffälliger Bluetooth-Lautsprecher, der lustiger Weise in Natura deutlich kleiner ist, wie er auf Fotos sonst immer wirkt. Die Verarbeitung des Kilburn II ist auf hohem Niveau, wenn auch nicht perfekt. Die aufgeklebte Kunstlederhülle zeigt im unteren Bereich des Lautsprechers eine sichtbare Stoßkante. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Natürlich macht es die Struktur des Obermaterials fast unmöglich, die Stoßkante komplett unsichtbar zu gestalten.

Handhabung & Haptik

Die Handhabung des Marshall Kilburn II ist denkbar einfach. Am Lautstärkeregler drehen und mit einem „Klick“ schaltet sich der Lautsprecher ein. Um sich via Bluetooth koppeln zu können, einfach die entsprechende BT-Taste drücken, bis ein akustisches Signal hörbar ist, dann lässt sich der Kilburn II mit dem Zuspieler via Bluetooth verbinden. Mit den Bass- und Treble-Reglern lässt sich der Klang in bestimmten Grenzen dann noch dem eigenen Geschmack entsprechend nachjustieren.
Die Drehregler selbst bieten beim Bedienen einen ordentlichen Widerstand und vermitteln ein hochwertiges Gefühl, wie man es von Studio-Equipment eines Musikers bereits gewohnt ist. Gehäuse ist an den Ecken verstärkt und die vergitterte Front mit dem traditionellen Marshall-Schriftzug rundet das  „Look & Feel“ gekonnt ab. Haptisch ist der Marshall Kilburn II ganz oben mit dabei und zwar unabhängig, ob das Design gefällt oder nicht.

Klang & Hörproben

Was den Klang des Marshall Kilburn II angeht, so wird ihm von einigen Testern nachgesagt, er klinge „boomy“ und hätte einen „verbogenen“ Frequenzgang. Mich interessiert jedoch vorrangig der konkrete Anwendungsfall und zwar wie er z.B. im Wohnzimmer klingt, wenn er unter dem Fernsehr 20cm vor der Wand oder in einer Ecke platziert steht. Für mich bedeuten diese Szenarien konkret, Bass auf höchstens Stufe 1 und im Hochton auf Maximal gestellt, dann klingt er für mich sehr gut. Draußen auf der Terrasse benötigt er etwas mehr Wumms und ich drehe den Bass dann auch gern auf Stufe 6 oder 7 und bei höherer Lautstärke darf der Hochton auf Stufe 5 zurückgedreht werden. In beiden Anwendungsfällen gefällt er mir trotz sicherlich nicht perfektem Klang außerordentlich gut, denn Marshall versteht es, die Musik lebendig klingen zu lassen. Auch leise gespielt weiß der Kilburn II zu überzeugen, allerdings dürfte er insgesamt dann über etwas mehr Präsenz im Mitten- und im Hochtonbereich verfügen. Insbesondere im Hochton fehlt mir auf niedrigen Lautstärken die Brillanz und Durchzeichnung, wenn ich damit Pop, Electronic, Jazz oder gar Klassik höre. Bei Rock und Metall hingegen fehlt mir an der Stelle nichts. Aber hey… es ist ein Marshall! Schade, dass die Potis nicht bis Stufe 11 beschriftet sind. 😉
Ab Zimmerlautstärke spielt der Kilburn II ab Stufe 7 im Hochton jedoch bei den meisten Musikstücken unterschiedlicher Genres auf einem guten Niveau. Trotzdem sehe ich seine musikalische Domäne ganz klar bei Rock und Metall.


Auf der IFA wurde der Kilburn II damit beworben, dass er einen 360° Klang habe. Letztlich wurden ihm sowohl auf seiner Rückseite als auch auf der Vorderseite je ein Breitbandtreiber zum aktiven Bass-Treiber spendiert. Er strahlt einen Kanal nach hinten und den anderen frontal nach vorne ab. Das ergibt zwar keinen echten Stereo-Klang, dennoch klingt der Lautsprecher vergleichsweise weit und offen. Auch von der Seite oder hinten gehört ändert er kaum seine Charakteristik.

Meine Höreindrücke möchte ich noch kurz anhand von drei Beispielen beschreiben, damit auch nachvollziehbar ist, wo er aus meiner Sicht seine Stärken voll ausspielen kann.

Yello „Electrfied II“

Ich fange gleich mit der Schwäche des Kilburn II an, was nicht bedeutet, dass diese Musik mit ihm nicht hörbar ist. Bei diesem Electronic Track fehlt es ihm aber an Energie im Tiefgang. Mit Erhöhung des Bass-Levels zieht es jedoch auch die Stimme mit nach oben, was ab einem bestimmten Lautstärke-Level anstrengend wird. Im Hochton fehlt ihm dann etwas die Brillanz. Die Dynamik in dem Song kommt mit dem Kilburn II nicht ganz so heraus wie ich es mir wünschen würde.

Michael Jackson „Billie Jean“

Ein Klassiker, der mit dem Kilburn II richtig Spaß macht. Hier fängt der Marshall an, seine Stärke auszuspielen. In diesem Pop-Song ist schon etwas mehr los und Gesang und Instrumente werden sehr schön in den Raum gestellt, ohne dass es dabei an Bass und Höhen fehlt. Im Gegenteil, der Kilburn II gibt das Schlagzeug sehr schön agil wieder.

Caliban „Paralyzed“

Nun komme ich aber zur Domäne des Kilburn II. Auch wenn ich Hard & Heavy mag, gibt es doch einige Songs, die ich nicht mit jedem Kopfhörer oder Lautsprecher hören kann. Der Marshall paralysiert mich aber hier im positiven Sinn, er ist wie gemacht das treibende Schlagzeug und die E-Gitarren auf den Punkt wiederzugeben. Hier fehlt es dem Kilburn II auch nicht an Hochton und zudem geht er richtig laut. Mit ihm geht für mich die Post selbst oder gerade bei bei Metall à la Caliban so richtig ab.  Ob Metallica, Avenged Sevenfold oder Classic Rock wie Fleetwood Mac oder The Eagles, das kann der Kilburn II hervorragend. Das ist ein Marshall!

Fazit & Bewertung

Gepaart mit dem sehr guten Eindruck aus den Bereichen Design und Haptik macht der Kilburn II einfach einen sehr guten Job wenn es insbesondere um Rock und Metall geht, also genau dafür, wofür Marshall steht. Es macht Spaß mit ihm sowohl drinnen als auch draußen zu hören, egal ob laut oder leise. Ein Hingucker ist er mit seinem bewährten Marshall-Style, den analogen Potis und im Detail dem mit rotem Samt hinterlegtem Tragriemen allemal. Erstaunlich ist, was an Lautstärke aus der kleinen Marshall-Box herauskommt, die sogar in einem Rucksack Platz findet. Ultraportabel ist der Kilburn II damit zwar nicht, dennoch ist es problemlos möglich ihn auch mit dem Riemen vom Auto ein paar hundert Meter zu tragen.
Wer also einen mobilen, lauten und im Klang anpassbaren Lautsprecher für sein persönlichem Wacken-Festival sucht, der sollte sich den Kilburn II unbedingt etwas genauer ansehen.

  • 86%
    Tiefbass - 86%
  • 92%
    Bass - 92%
  • 90%
    Mitten / Stimmen - 90%
  • 92%
    Mitten / Instrumente - 92%
  • 90%
    Obere Mitten - 90%
  • 86%
    Brillanz / Hochton - 86%
  • 90%
    Dynamik - 90%
  • 96%
    Lautstärke - 96%
  • 96%
    Akkulaufzeit - 96%
  • 94%
    Design / Verarbeitung - 94%
  • 88%
    Preis - 88%
90.9%

Galerie



 

Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0