BGVP DMS im Test – angeregt spaßiger In Ear – aus dem Reich der Mitte

Nach dem Test des DMG hatte ich nun auch die Gelegenheit den DMS In Ear Kopfhörer des Brands BGVP zu hören. Auch hier habe ich mich zuvor im Netz bereits informiert und war gespannt, ob denn der DMS tatsächlich ausgeglichen spielt. Ob dem so ist und ob ich das so empfinde, dazu nun mehr…



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Der BGVP DMS wurde mir von Linsoul.com

zur Verfügung gestellt.

Lieferumfang

Der BVGP DMS wird in einem hellbraunen Einschub mit schwarzem Mantel geliefert, auf dem der Kopfhörer in seinen Umrissen abgebildet ist. Das Zubehör ist mit den 8 Paar mitgelieferten Tips gut, jedoch gibt es beim DMS kein Case, in dem er verstaut werden kann. Neben den obligatorischen Dokumenten liegt natürlich auch das Anschlußkabel in der Schachtel.


Verarbeitung

Die Gehäuse des DMS sind aus Aluminium gefertigt und in der Faceplate ist eine Art Gitter eingebracht. Der DMS soll ein halboffenes Prinzip verfolgen. Die Integration dieses Gitters ist optimal gelungen und sehr schön umgesetzt. Es ist zu erkennen, dass es sich um zusammengesetzte Gehäusehälften handelt, jedoch gibt es keine Spalte oder Versatz. Die Verarbeitung der Gehäuse ist einwandfrei.

Was mir beim ersten Anstecken der Gehäuse an die MMCX-Stecker des Kabels jedenfalls aufgefallen ist, ist der Eindruck zum Kabel selbst. Dieses Kabel ist kein großer Wurf, denn wie so oft – leider – handelt es sich um ein recht störrisches Kabel. Es mag gern in der zuvor aufgewickelten Form verharren und hängt sich auch bei längerem Tragen nicht aus. Zudem besteht es komplett durch aus einem Doppelkabel, wie es sonst bei Lautsprecherkabel üblich ist.

Die Fotos konnte ich mit angestecktem Kabel nur mit Mühe und Not schießen, da das Kabel sich nicht ordentlich hinlegen ließ. Hängt das Kabel locker von den Ohren herunter, ist es durch die vielen ungewollten Kurven stets immer irgendwie im Weg. Insgesamt gibt es für das Kabel leider nur eine schlechte Bewertung. Es funktioniert und macht, wofür es da ist, nervt aber gewaltig.




Technik

Im Inneren des DMS werkeln je Seite sage und schreibe 7 Treiber! Ein dynamischer Treiber sorgt für das Bassfundament während sechs Balanced Armaturen für unterschiedliche Frequenzbänder bis zu 40 kHz hinauf zuständig sind. Die Impedanz liegt bei 12 Ohm und der Wirkungsgrad bei satten 110dB /mW. Das Kabel ist 1,2m lang und verfügt über einen 3,5mm-Stereo-Klinke-Stecker zum Zuspieler hin und MMCX Stecker für die Gehäuse.

Tragekomfort


Wie auch schon beim DMG tragen die Gehäuse des DMS etwas auf, da sie etwas tiefer gearbeitet sind. Auch hier gilt, dass 7 Treiber untergebracht werden sollen.
Das tut dem Tragekomfort jedoch keinen Abbruch, denn die DMS tragen sich sehr angenehm, wobei mehrstündiges Tragen absolut problemlos möglich ist. Die Kabel werden um die Ohren herumgeführt, was jedoch nicht sehr komfortabel ist. Das Kabel erinnert sich einfach zu sehr an seine Ausgangsform und hat gefühlt ein störrisches Eigenleben. Zudem verheddert sich das Kabel regelmäßig. Selbst die einfachen Kabel von Knowledge Zenith lassen sich leichter handhaben. Somit ist der Tragekomfort top, das Handling jedoch flop.


Klang

Hat der BGVP DMG hier noch die Meinungen gespalten, möchte ich beim DMS meinen, dass hier 80% der breiten Masse für ihn sprechen wird.
Habe ich beim DMG noch von Basshead gesprochen, ist der DMS in der Abstimmung frischer und bringt dennoch einen ordentlichen Pegel im Bass mit. Tatsächlich eignet er sich für Pop und Mainstream meiner Meinung nach am besten aber auch für Hardrock und Metall ist er sehr gut zu gebrauchen. Aufgrund einer Betonung im Oberbass dröhnt er mir bei manchen Jazz oder Funk Stücken allerdings dann, wenn ich diese auch mal etwas lauter hören möchte. Wenn ich den Bereich um 120Hz etwas Senke, so 3 bis 4 dB, dann klingt der DMS für mich “verträglicher”, ja sogar richtig genial. Man liest es raus, das ist schon Jammern auf hohem Niveau. 😉

Ein quasi Alleinstellungsmerkmal ist dessen räumliche Abbildung, die mich sehr überrascht. Die eingearbeiteten Gitter im Gehäuse sind offensichtlich kein Fake, denn der InEar klingt in dieser Kategorie so gar nicht nach InEar. Er spielt deutlich “offener” und “freier”. Das merken allerdings auch potentielle Sitznachbarn, denn im Ohr steckend kommt doch ein ordentlicher Geräuschpegel bis hin zum Sitznachbarn. Trotzdem ist die räumliche Abbildung das große Plus des DMS gegenüber vielen anderen InEar Kopfhörern und bekommt somit glatte 5 Sterne als InEar.

Wie bei jedem InEar lässt sich aber auch mit Tips Einiges bewegen und so gilt es einfach die private Tip-Sammlung zu probieren. Ich komme am besten tatsächlich mit “Vocal-Tips” von Fiio klar, denn die entschärfen den Bassbereich in Relation zu den Frequenzen darüber ein wenig. Der DMS klingt mit den “Vocal-Tips” ausgeglichener. Eine solche Anpassung habe ich damals mit dem DMG trotz Filter und den verschiedenen, mitgelieferten Tips nie erreicht. Die vier Balanced Armature Treiber im DMS sind gut ausbalanciert und so zaubern sie eine schöne Brillanz, bleiben aber dabei noch zurückhaltend.

Insgesamt würde ich den BGVP DMS als relaxt und zugleich ambitioniert abgestimmten Spaß-InEar bezeichnen wollen. Für den aufgerufenen Preis auf keinen Fall verkehrt.



Vergleich

Ich habe es bereits angedeutet, dass DMG und DMS sich doch deutlich voneinander entscheide. So ist der DMG ein wahrer Basshead und der DMS klingt angeregt spaßig und fällt damit soeben noch nicht in die Kategorie des Bassheads. Da wo der DMG einfach insgesamt zu wenig Klarheit und Durchhörbarkeit bietet, ist BGVP es gelungen dem DMS mehr Energie zu geben und Strimmen, Instrumente und einzelne Akzente so im Gesamt-Tuning zu platzieren, dass der DMS trotz ordentlichem Bass nie dumpf oder einfach nur dunkel klingt.

Am ehesten würde ich den DMS mit einem Tripowin TP10 vergleichen, wobei der deutlich trockener spielt und noch etwas heller unterwegs ist, insbesondere Gesang ist bei dem etwas mehr im Vordergrund. Das wird sehr wahrscheinlich einfach dem geschuldet sein, dass er keinen dynamischen Treiber mit an Bord hat und mit nur 5 BAs auskommen “muss”. In Sachen Präzision tun sich beide nichts, doch der spaßigere InEar ist eindeutig der BGVP DMS.


Fazit & Bewertung

Von beiden BGVP InEars, die ich bisher hören konnte, ist der DMS mein persönlicher Favorit, da er insgesamt für mich gefälliger abgestimmt ist. Wer allerdings behauptet, der DMS spiele ausgeglichen, der sollte sich vor dessen Anhören einfach mal eine 24-stündige Auszeit vom Musikhören nehmen, um sein eigenes klangliches Empfinden durchatmen zu lassen.
Der DMS spielt auf keinen Fall ausgeglichen. Im Vergleich mit dem DMG spielt er ausgeglichener, doch ordentliche Betonungen im Bassbereich bringt er dennoch mit und auch im Hochton hat er einige schmale Betonungen. Mit Tips von Drittanbietern lässt er sich jedoch sehr gut klanglich verändern. Ja, er spielt dann ausgeglichener.

Out-of-the-box:
Wer auf einen kräftigen Bass mit schönem Punch steht und trotzdem Gesang und Instrumente schön klar hören möchte mit einer leicht zurückhaltenden Brillanz, der ist beim BGVP DMS genau richtig.

Erneut aus dem Reich der Mitte ein absolut toller InEar zu einem attraktiven Preis.

Bewertung

  • Tiefbass
  • Bass
  • Mitten
  • Brillanz / Hochton
  • Dynamik
  • Räumlichkeit
  • Design / Verarbeitung
  • Kabel
  • Tragekomfort
  • Preis
4.1

Video & Galerie

Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0