Beyerdynamic T51i Testbericht – Bemerkenswerter kleiner OnEar Kopfhörer

Den T51i habe ich direkt von Beyerdynamic in einer Aktion im Angebot für 159€ gekauft. Im Normalfall schlägt er mit 279€ zu Buche. Was ich von ihm halte und welcher Preis für ihn aus meiner Sicht gerechtfertigt ist, dass beleuchte ich in diesem Artikel.

 

 

Vorab darf ich sagen, dass ich kein besonderer Freund von OnEar Kopfhörern bin und ich 279€ aus Neugierde sicher nicht investiert hätte. Doch beim Aktionsangebot von Beyerdynamic konnte ich nicht widerstehen. 

 

Inhalt

 

Design & Technische Daten

Tragekomfort

Was mir nicht so gut gefällt

Klang

Hörproben

Fazit & Bewertung

Galerie

 

Design & Technische Daten

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Beim T51-Modell handelt es sich um einen im Design ansprechenden und kabelgebundenen OnEar Kopfhörer mit geschlossenem Prinzip. Er wird oft als Nachfolger des DT1350 gehandelt, wobei seit Einführung des T51 jedoch beide Modelle parallel verkauft werden. Beide Kopfhörer sehen sich sehr ähnlich, der DT1350 ist farblich eher „dunkel“ gehalten und das zweiteilige Kopfband läßt sich auseinanderfächern. Beim T51 überwiegt die helle Oberfläche des Edelstahls und das Kopfband ist starr. Das 51er-Modell wird in der Variante „i“ mit einem Kabel geliefert, dass über ein Mikrofon und Steuertasten für Smartphones verfügt. Somit ist der T51i ein idealer kleiner Begleiter für den mobilen Einsatz. Das Modell mit „p“ wird mit einem normalen Stereo-Kabel geliefert. Der T51 verfügt über die Tesla-Technologie von Beyerdynamic. Das bedeutet, dass dort Treiber aus Vollmetallgehäuse eingesetzt werden, welche einen maximalen Wirkungsgrad besitzen und zudem nur ein Minimum an Störungen und Verzerrungen produzieren. Diese Treiber arbeiten somit besonders effizient und sind problemlos auch mit portablen Geräten wie z.B. Smartphones betreibbar, welche für gewöhnlich mit eher schwachen Verstärkerstufen für Kopfhörer ausgestattet sind.

 

 

TECHNISCHE DATEN

(Vollständige Daten auf der Herstellerseite…)

 

Übertragungsart
Kabelgebunden
Fernbedienung
3-Button Apple Remote
Nennimpedanz Kopfhörer
32 Ohm
Übertragungsbereich
10 Hz – 23.000 Hz
Kennschalldruckpegel
111 dB
Bauform
Ohraufliegend, geschlossen
Kabel & Stecker
Stereo-Klinkenstecker 3,5 mm & Adapter 6,35 mm
Gewicht (ohne Verpackung)
174gr

 

Tragekomfort

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Der T51i ist ein ohraufliegender Kopfhörer. Dennoch ist er selbst dafür sehr klein im Vergleich zu anderen Vertretern dieser Art. Im Vergleich mit den kleinsten ohrumschließenden Kopfhörern, die mir zur Verfügung stehen, wirken die T51i schon fast winzig.

Wie bereits erwähnt, bin ich kein Freund ohraufliegender Kopfhörer, denn unter diesen schwitze ich stets sehr schnell und das Tragen wird mir oft mit dem Druck auf den Ohren unangenehm. Der T51i jedoch deckt nur einen Teil meiner Ohren ab. Erfreulicher Weise bleiben meine unangenehmen Erfahrungen bezüglich des Wärmestaus aus. Das Ohr hat offenbar genug frei verbleibende Fläche „zum Atmen“ und abkühlen. Das hatte ich nicht erwartet, sehr schön. Die Einstellbarkeit des Kopfhörers ist einfach und vorbildlich. Die Rastung der einzelnen Stufen ist relativ schwergängig, was ein versehentliches Verstellen verhindert.

Der Anpressdruck ist natürlich auch beim T51i direkt auf den Ohren vorhanden, jedoch nicht unangenehm. Zwei Stunden tragen am Stück verursacht bei mir keinerlei Problem. Auch das Kopfband drückt nicht. Beide Eigenschaften sind sicherlich dem rekordverdächtigem Gewicht von nur 174gr geschuldet.

 

Was mir nicht so gut gefällt

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In Sachen Konstruktion fällt mir jedoch das Kabel als nicht so optimal geglückt auf. Es ist recht dünn und wirkt sehr zart. Es zieht sich leider nicht gerade, sondern behält immer leichte Krümmungen zurück, die durch das Aufwickeln für die Lieferung entstanden sind. Zudem ist es mit 1,2m recht kurz, so dass ich mit knapp 2m Körpergröße mein iPhone mit angeschlossenem Kabel nicht in meiner Hosentasche verstauen kann. Dafür fehlen dem Kabel einfach gute 20 bis 30cm. Zudem ist die Kabelfernbedienung recht nahe an der rechten Ohrmuschel angebracht, mit meinem auch recht großen Kopf ein Nachteil. Die Fernbedienung sitzt bei mir eher auf Wangenhöhe als im Bereich meines Mundes. Darunter leidet zum einen die Sprachverständlichkeit auf der Gegenseite und zum anderen sind für mich die Tasten eher schlecht zu bedienen. Eine bessere Lösung wäre die Fernbedienung knapp unterhalb des Kinns zu haben.

Das Kabel ist an beiden Seiten an den Gehäusen fest angebracht. Im Falle eines Kabeldefektes besteht keine einfache Tauschmöglichkeit. Die Ohrpolster sind aufgeklebt und ob die Gehäuse einfach demontierbar sind, ist ohne ein Herunternehmen der Polster nicht zu sehen. Das ist allerdings eher ein Nachteil aus Sicht eines Techikers gesehen, der im Fall der Fälle gern selbst Hand anlegt. 😉

 

 

Klang

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…oder wie steht es nun aber um den völlig individuellen musikalischen Eindruck des Beyerdynamic T54i?

Bevor ich meinen Eindruck schildere, zunächst die Messung des T54i. Ich werde punktuell auf diese Kurve zurückkommen, um auch anschaulich auf meinen Höreindruck einzugehen.

 

 

Ich habe mehrere Messunge durchgeführt, diese gemittelt und psychoakustisch geglättet. Letztes bedeutet, dass z.B. schmalbandige Ausreißer in etwa so ausnivelliert werden, wie es auch unser Ohr leistet. Ist eine schmaler Frequenzbereich betonter, so ist dieser nicht alleingestellt direkt zu hören, sondern beispielsweise wird Gesang als etwas heller oder dunkler wahrgenommen. Oft werden Betonungen so platziert, dass diese im Bass dann als kräftigerer Punch oder im Hochton als Brillanz identifiziert werden. Wird es mit der Betonung übetrieben oder befindet sich zufällig die Resonanzempfindlichkeit des eigenen Gehörs in genau so einem Bereich, dann kann das aber auch schnell zu viel des Guten sein und aus kräftiger Punch wird ein Bassbomber und aus Brillanz schneidende Höhen.

Wie die Messung zeigt, ist der T54i von solchen Überraschungen komplett verschont. Die ungeglättete Messung weicht kaum von der psychoakustisch geglätteten Kurve ab. Bravo!

 

 

Tonalität

Der T54i ist ein eher warm abgestimmter Kopfhörer, ohne dass es ihm an Präsens und Details im Hochton fehlt. Er ist deutlich bassbetont bis hinunter in den Tiefbass, fällt dann aber steil ab 160Hz auf sein mittleres Niveau ab. Das ist meiner Meinung nach sehr gut, denn so ist der vocale Bereich nicht vom kräftigen Bass beeinflußt und Männerstimmen werden nicht noch zusätzlich angedickt. Die beiden Senken um 1,7 und 3,7 kHz empfinde ich nicht als nachteilig, denn in diesen Bereichen gibt es bei vielen Menschen Resonanzbereiche. Da ist es dann wie so oft im Leben, dass weniger mehr ist. Der leichte Anstieg der gedachten Ausgleichsgerade von 5kHz bis 13kHz gefällt mir sehr gut, denn so sind Brillanzen auch als solche zu identifizieren, ohne das irgendwelche „Nadelstiche“ im Ohr entstehen.

 

Dynamik & Räumlichkeit

In Sachen Dynamik und Räumlichkeit darf man nicht zu viel vom Beyerdynamik T54i erwarten. Angesichts der kleinen Treiber und des On Ear Prinzips ist das sogar nicht einmal schlecht. Jedoch ziehe ich Over Ear mit größeren Treibern und offenem Prinzip dem T54i vor. Am besten beschreibe ich das mal so. Als Beispile dient mir der Besuch eines Klassikkonzerts. Von pp bis ff bildet der T54i das so ab, als wenn ich mit dem HD660S von p bis f höre, das ist nicht dramatisch, dennoch „hörbar“. Bezüglich der Sitzposition sitze ich gefühlt in der Mitte des Saales und erfreue mich an der Musik. Die Bühne ist also nicht so, als säße ich in der ersten Reihe oder sogar in Mitten des Orchesters, was ich persönlich auch nicht anstrebe, da ich ja Zuhörer und kein Musiker im Orchester bin. 😉

 

Hörproben

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…oder was bedeutet das beim Hören von Musik?

Jazz macht mir mit dem T54i sehr viel Spaß, da der Kontrabass auch in den tiefsten Registern gut zur Geltung kommt. Selbst bei Heavy Metall gefällt mirr der T54i richtig gut, denn wenn mehrere E-Gitarren Powerchords spielen und das Schlagzeug mächtig reinhaut und dann noch der Gesang ordentlich nach vorn geht, wird mit das mit dem T54i nicht zu viel. Mit einem Sennheiser HD660S ist das gelegentlich zu viel für mich und ich muss die Lautstärke dann ordentlich reduzieren.

Was mich sehr beeindruckt hat, ist die Scheibe „The Nightfly“ von Donald Fagen. Die nutze ich immer gern als Referenz, besonders den Song „New Frontier“.

Unabhängig vom Genre ist dieses Album so abgemischt, dass die Charakteristiken von Kopfhörern sehr schön auszumachen sind. Mit einem Sennheiser HD600 klingt alles sehr „neutral“, fast schon langweilig, obwohl alle Details heraushörbar sind. Der T54i belebt das alles ein wenig. Genau eben so viel, dass ich dieses Album damit gern hören mag. Die Details sind gut auszumachen und der Gesang und die Instrumente klingen weiterhin authentisch, während der Bassbereich betont eine fast schon mitreißendes Fundament bildet.

 

Fazit & Bewertung

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Unabhängig vom Kaufpreis ist der Beyerdynamic für mich klanglich der beste On Ear Kopfhörer, den ich bisher gehört habe. Der Tragekomfort ist ebenfalls sehr gut. So ist der Beyerdynamic T51i auch für 279€ Kaufpreis zu empfehlen. Im Angebot für 159€ war der T51i ein echter Schnapper!

 

 

Galerie

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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s