BeoPlay H4 im Test – Bluetooth OverEar Kopfhörer mit hohem Tragekomfort und klanglich höchst individualisierbar

Kurzbewertung – Auf den Punkt gebracht!

 

Bang & Olufsen ist vielen seit langem aus dem Bereich der „erwachsenen“ Lautsprecher bekannt. In den letzten Jahren gibt es jedoch sehr viel Entwicklung im Bereich der mobilen Geräte zur Klangwiedergabe. Ob Lautsprecher oder Kopfhörer, wer den B&O Signature Sound liebt, der wird auch hier nicht enttäuscht.

 

Ich selbst habe bereits den BeoPlay H6 2nd Edition und den BeoPlay H7 besessen, bis ich dann bei dem H4 angekommen bin. Im kabelgebundenen Bereich gibt es für mich schlichtweg passendere Kopfhörer anderer Hersteller. Dem H7 hatte ich als Bluetooth Kopfhörer eine Chance gegeben, da ich sehr günstig an diesen heran gekommen bin und ich den sehr guten Tragekomfort vom H6 bereits kannte. Auf Anraten eines Freundes, bin ich dann aber beim H4 gelandet, auch wenn er „nur“ den Einstieg in die kabellose H-Klasse der OverEar-Kopfhörer von B&O darstellt.

 

 

Nach nun einem guten halben Jahr der Nutzung des H4, beschreibe ich nun meine Eindrücke ganz ohne der Aufregung, ein neues „Spielzeug“ in den Händen zu halten, also komplett 100% NTS-frei.

 

Design & Tragekomfort

 

Hinsichtlich Design und Verarbeitung gefallen mir alle genannten BeoPlay Kopfhörer, wobei der H4 schon etwas einfacher „gestrickt“ ist, deswegen aber nicht weniger hochwertig ist. Hinsichtlich Tragekomfort ist er bisher sogar der beste BeoPlay, den ich auf meinem Kopf getragen habe. In der Hauptsache liegt das an den etwas dickeren und weicheren Polstern. Mit einer Innenöffnung von 50mm ist er wie seine Geschwister für mich kein hundertprozentiger OverEar. In meinem Fall liegt er immer etwas auf meinem Ohrläppchen auf, was mich aber nicht stört. Die Ohrpolster aus echtem Leder sind atmungsaktiv, so dass ich keine heißen Ohren unter ihnen bekomme.

 

 

Weiter wichtige Punkte eines Bluetooth Kopfhörers

 

Erstens, wie stellt sich die Akku-Laufzeit dar?

Gefühlt hält der Akku des H4 bei meinem Hörverhalten ewig. Da ich kein ausgesprochener Laut-Hörer bin, sind die angegebenen 19 Stunden locker drin, eher sogar deutlich mehr. Das Nachladen ist in etwa 3 Stunden erledigt.

 

Zweitens, wie lässt sich der Kopfhörer verstauen?

Der BeoPlay H4 kann leicht in ein flaches Case gelegt werden (leider nicht im Lieferumfang enthalten) , da dessen Ohrmuscheln sich flach drehen lassen. Wer einen schmaleren Hals hat als ich, der kann den Kopfhörer auch einfach um den Hals hängen lassen.

 

Drittens, hat der Kopfhörer eine aktive Geräuschunterdrückung integriert?

Nein, der BeoPlay H4 kommt ohne ANC aus, dass ist den teuerern BeoPlay-Modellen H8 und H9 vorbehalten. Dennoch ist seine passive Abschirmung schon sehr gut. Auf Bahn- oder Flugreisen dringen aber trotzdem monotone Motorengeräusche weiterhin bis an das Ohr durch. Diese auszublenden, ist genau die Domäne der ANC Kopfhörer.

 

Viertens, wie klingt der Kopfhörer und kann er auch ausreichend laut spielen?

Ja, laut spielen kann der H4. Ich würde ihm das Prädikat „Discolautstärke“ verpassen. Beim Klang hole ich etwas aus und komme damit auch zum Kern meines Berichtes.

 

 

Klangfähigkeiten

 

Die BeoPlay Geräte sind hinsichtlich des Klanges jeweils unterschiedlich in ihrer Grundabstimmung ausgelegt. Dennoch sind sie individuell in bestimmten Grenzen anpassbar. B&O liefert nämlich für Android und iOS die BeoPlay-App, mit welcher sich der Klang in schon beachtlichem Umfang anpassen lässt. Das Beste ist, dass die Anpassung im Kopfhörer geschieht, so dass er auch gekoppelt mit anderen Geräten diese Signatur behält. Erst wenn auf einem anderen Geräte ebenfalls die App installiert und bei gekoppelte Kopfhörer aufgerufen wird, ändert sich der Klang des Kopfhörers hin zur Grundeinstellung, wenn das im Kopfhörer hinterlegte Profil nicht auf dem Zuspieler mit aktiver App vorhanden ist. Am Shanling M3S betrieben spielt der H4 genauso, wie ich ihn mit meinem iPhone zuvor eingestellt habe.

 

In der Grundabstimmung ist der H4 schon sehr bassbetont. Die Mitten sind zurückgenommen und im Hochton ist er wieder eher spritzig abgestimmt. Man könnte also sagen, es handelt sich hier um eine schöne Badewanne, in die man sich hineinlegt. Das ist aber durchaus komplett änderbar. Durch eine Vier-Quadranten-Klangsteuerung geht BeoPlay seinen eigenen Weg. So bewirkt das Verschieben des im Standard in der Mitte befindlichen Kreises in y-Richtung nach oben eine Basszunahme, nach unten entsprechend eine Verminderung. Auf der X-Achse nach rechts nehmen die oberen Mitten und der Hochton zu, während nach links eine Dämpfung eintritt. Wird der Punkt durch die Geste des Größerziehens vergrößert, so ändert sich zum einen der räumliche Eindruck und zum anderen werden die Mitten mehr betont, wobei der Durchmesser des Kreises die Klangbreite bestimmt, also ob nur eine eher schmalbandige Anhebung erfolgt oder ein großer Teil der Mitten mehr betont wird.

 

Knappe Beispiele

 

Wer den Gesang etwas deutlicher hören möchte und etwas mehr Raum mag, der vergrößert einfach den Kreis so wie es ihm gefällt.

Wer etwas weniger Badewannencharakter möchte, der zieht den Kreis entsprechend in den Quadrant unten links.

Wer es noch etwas aufregender möchte, der zieht einfach den Kreis in Richtung oben rechts. Und so weiter…

 

 

Klangfazit

 

Es wird klar, den Klang an sich, die Tonalität kann ich gar nicht näher beschreiben. Allerdings hat der H4 auch Eigenschaften, die auch die App nicht ändert. So ist immer die B&O Signatur vorhanden. Der Bass federt und ist insgesamt eher weich abgestimmt. Der Hochton ist feinseidig. An einem Schlagzeug kann ich das immer am besten festmachen. Es fehlt dem BeoPlay ein wenig das Quäntchen an Dynamik und Metall klingt mir manchmal nicht genug nach Metall. Der H4 ist immer ein wenig ein smoother Gentleman. Das trifft es.

 

Dennoch stellt er alle Details sehr schön dar und deckt auch schlechte Aufnahmen auf. Leider verfügt er nicht über aptX und auch mittels AAC über das iPhone klingt mit ihm über beispielsweise Spotify zugespielte Musik im Hochton nicht mehr optimal. Kabelgebunden bin ich mittlerweile recht begeistert, was die bestmögliche Übertragung von Spotify leistet, da kann ich nicht mehr von schlechter Kodierung reden. Doch mit dem H4 klingen einige Brillanzen künstlich.

 

Um nur ein Beispiel zu nennen, ist bei „Englishman in New York“ von Sting stets der sonst brillante Akzent, der immer wieder im Lied zu hören ist, irgendwie „verbogen“. Ein ähnlicher Effekt wie damals, wenn von einer Kassette das Magnetband durch ein schlecht eingestelltes Kassettenlaufwerk an der Seite angeknittert wurde. Die älteren Semester erinnern sich vielleicht noch daran. 😉  Mit dem H4 ist das natürlich nicht ganz so schlimm, doch einen reinen Sinus im Hochton gibt der H4 nicht mehr wieder.

 

Ich möchte die Kritik auf hohem Niveau aber auch direkt relativieren, denn zu Hause auf dem Sofa wird der H4 sicherlich sehr selten genutzt, um in Klassik einzutauchen. Eher schon wird er den Weg zur Arbeit oder beim Gassi-Gehen mit dem Hund benutzt. Dabei wird das sicherlich nicht auffallen und auch sonst bei 90% der „normalen“ Musik nicht, egal ob es Pop, Rock, Jazz oder Heavy Metal ist.

 

Dennoch ist mir das nach anfänglicher Euphorie über diesen tollen Kopfhörer als klangliche Erkenntnis aufgefallen, wie ich es nach einiger Zeit der Nutzung festgestellt habe.

 

Fazit

 

Wer einen überaus komfortablen Kopfhörer sucht, der eine lange Laufzeit hat und zudem noch hochgradig an die eigene Klangvorliebe angepasst werden kann, dafür aber über Bluetooth in speziellen Fällen mit einer leicht „verknitterten“ Brillanz leben kann, der liegt mit dem BeoPlay H4 genau richtig. Zudem ist er gelegentlich für unter 199,-€ manchmal sogar für nur 179,- € zu bekommen, was ihn zu einem regelrechten Schnapper macht!

Von mir einen Daumen hoch!

 

Bewertung

 

Galerie

Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s