Audeze LCD-2 im Test – Traditioneller Klassiker zum gepflegten Entspannen

Im Jahr 2008 wurde Audeze (gesprochen Odyssey) als Marke sozusagen ins Leben gerufen. Der Öffentlichkeit wurde mit dem LCD-2 der erste offene Over Ear Kopfhörer mit magnetostatischen Treibern von Audeze präsentiert. Auch wenn bis heute der LCD-4 und nun auch ganz aktuell mit dem LCD-XC, erstmals eine geschlossene Variante eines Audeze Kopfhörer der LCD-Reihe, erhältlich sind, markiert der mittlerweile mit Fazor Technologie ausgestattete LCD-2 nicht nur einfach den Einstieg in die LCD-Reihe, sondern setzt seinen eigenen Siegeszug konsequent fort. Auch 10 Jahre später ist er fester Bestandteil der LCD-Serie und hat weltweit sehr viele Freunde gewonnen.

 

Ob auch ich mich mit dem Audeze LCD-2 anfreunden kann, das werde ich in diesem Artikel beleuchten.

Mein Dank geht an dieser Stelle einmal mehr an den deutschen Audeze Vertrieb www.audionext.de, der mir den Kopfhörer einige Wochen als Leihstellung überlassen hat.

 

 

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Präsentation & Technik
  3. Erster Eindruck – Das „Anfassgefühl“
  4. Klangwelten
  5. Was brauche ich zum Eintauchen?
  6. Was bleibt von der Vorfreude auf den LCD-2?
  7. Fazit & Bewertung
  8. Galerie

 

1. Vorwort

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Da ich schon lange diesen sagenhaften Klassiker hören wollte, zu dem ich bereits viele Berichte gelesen und Videos gesehen habe, und ich nun endlich die Gelegenheit dazu erhalten habe, werde ich meinen Bericht anders als sonst aufziehen.

 

Hier meine Geschichte zum Audeze LCD-2.

 

Schon oft war ich versucht mir diesen Kopfhörer zuzulegen, einerseits, weil mir das Material Holz, Leder & Stahl sowie sein Design sehr zusagt, andererseits, weil er polarisiert. „Ohne Fazor war er viel besser.“, bis hin zu, „Mit Fazor klingt er einfach smoother und relaxter.“, hat mich immer überlegen lassen, ob der LCD-2 etwas für mich sein könnte.

 

Zum Glück gibt es die CanJam und für mich gelegentlich auch Möglichkeiten wie diese, Produkte ohne Zeitdruck und vor allem in der eigenen Komfortzone testen zu können.

 

2. Präsentation & Technik

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So ist Mitte Januar das Paket von Audionext mit dem LCD-2 bei mir angekommen und erwartungsgemäß wurde der Kopfhörer in dem Travelcase angeliefert. Dieses Case allein ist schon sehr beeindruckend und hält sicher jede Behandlung auf dem Transportweg stand. Ob ich es allerdings bei einer Flugreise verwenden würde? Platzbedarf und Gewicht sprechen irgendwie dagegen. Es gibt immer noch den Zubehör-Markt von Drittherstellern. Sollte in meinem Fundus ein für den LCD-2 passendes Case sein, werde ich davon Fotos in die Galerie mit einstellen.

 

 

Nicht nur dieses Case ist beeindruckend, sondern in erster Linie natürlich der Inhalt. Beides passt zusammen, denn der LCD-2 ist mit seinen 550gr nicht gerade ein Leichtgewicht. Sein stattliches Erscheinungsbild verdankt er der Komposition der großen Treiber mit fast 40 Quadratzentimeter Fläche zur Schallwandlung, den Treibergehäusen aus Bambusholz und seinen angewinkelten Lederohrpolstern mit gut 11cm Durchmesser. Mit 50 Ohm Impedanz und 91dB/mW braucht es schon etwas Leistung, um den LCD-2 voll auszusteuern. 15W maximale Leistung dürften allerdings die wenigsten Kopfhörerverstärker zu bieten haben.

 

3. Erster Eindruck – Das „Anfassgefühl“

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Beim Herausnehmen habe ich direkt die Schwere und hochwertige Verarbeitung gefühlt, sowie auch das kalte und zugleich weiche Lederpolster. Beim Aufsetzen fiel mir auf, „…er ist schwer und dennoch irgendwie ein bequemer, lederner Ohrensessel.“ Als nächstes habe ich mir das verdrillte Kabel vorgenommen. Edel, recht dicke Kabel, noch flexibel und durch den 6,3mm Klinkenstecker und den zwei XLR-Stecker genauso schwerfällig anmutend wie der LCD-2 selbst. Beim Einstecken der Stecker in den Kopfhörer und dem somit verbundenen zweiten Blick auf den LCD-2 und zwar als Gesamtpaket mitsamt angeschlossenem Kabel, kommt mir unwillkürlich das Adjektiv „barock“ in den Sinn. „Eine üppige Prachtentfaltung“ kennzeichnet nicht nur den barocken Baustil, sondern eben auch die LCD-Reihe von Audeze.

 

4. Klangwelten

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Mit dem LCD-2 halte ich einen Kopfhörer in meinen Händen, der mir deutlich zeigt, wo die Reise hingeht. Ich erwarte keinen analytischen Klang, bei dem Bässe über homöopathische Mengen kaum hinausgehen. Selbst Neutralität erwarte ich vom LCD-2 nicht. Was ich erwarte sind Spaß und Präzision, ein Feuerwerk an Musik mit entsprechendem Donnergrollen. Genau die Audeze-Klangwelt, über die bereits so oft berichtet wurde.

 

Wie also nun loslegen? Den LCD-2 ans Smartphone anschließen?

Nein, vermutlich keine gute Idee.

 

 

Der 6,3mm Stecker drängt direkt auf, einen ausgewachsenen Kopfhörerverstärker zu nutzen und so darf er seine für mich ersten Klänge am Questyle CMA400i freisetzen. Da ich mich sowieso auf eine längere Hörsession einstelle, entschiede ich mich für die Spotify-Playlist von Miniklangwunder, hier verlinkt.

 

Fourplay „Max-O-Man“

Es geht also los mit Smooth-Jazz von Fourplay und „Max-O-Man“. Innerhalb weniger Takte „rastet“ der LCD-2 klanglich bei mir sofort ein. Das bedeutet nicht, dass er unbedingt perfekt ist, doch alle mir wichtigen Parameter werden vernünftig bedient. Der LCD-2 ist kein Bassbomber und bei den oberen Mitten und im Hochton insgesamt eher zurückhaltend. Dennoch gehen Details nicht verloren. Sie werden sogar sehr fein hörbar herausgearbeitet. Ein Bassbomber ist der LCD-2 genauso wenig wie ein Hörer mit ausgeprägter Badewannencharakteristik. Insgesamt klingt der LCD-2 für mich warm und mit entsprechender Lautstärke macht er mir auch richtig Spaß.

 

Sting „Englishman in New York“


Für mich schon ein Klassiker, den ich immer wieder gern höre. Besonders faszinieren mich die Räumlichkeit und die feinen Details mit unterschiedlichen Akzenten in diesem Stück. Der LCD-2 macht auch hier seine Sache sehr gut, wobei ich die Räumlichkeit schon beeindruckender gehört habe. In den feinen Details im Hochton vermisse ich zudem an einzelnen Stellen den besonderen Glanz, der mich bei diesem Stück immer so fasziniert.

 

Lovebirds „Icarus“


Hier zeigt der LCD-2 seine außerordentlichen Qualitäten. Tiefster Bass präzise, dynamisch und explosiv, eine klarer Vocal- und Mittenbereich und eindringliche Akzente mit einer tollen Räumlichkeit und Transparenz. Hier bleiben für mich keine Wünsche offen.

 

Sleepy Tom „Pusher (feat. Anna Lunoe)“


Ein weiteres explosives Stück, welches ich neu in meiner Playlist aufgenommen habe. Bässe hämmern eindringlich und wirken schon fast körperlich. Auch die Synthie-Effekte sind erste Klasse. Lediglich im Gesang klingt es teils etwas fordernd, was aber nicht schlecht ist, sondern was einfach für mich etwas zurückhaltender sein dürfte. Ich vermute aber, dass ich hier wieder zu den 20% vom Durchschnitt abweichenden Hörern gehöre, die auf bestimmte Betonungen eher empfindlich reagieren.

 

Angles & Airwaves „Flight of Apollo“


Dieses Stück in Stellvertretung zu schnellerer Musik in der auch in der Instrumentierung ordentlich etwas los ist hört sich für mich mit dem LCD-2 etwas grenzwertig an, denn hier zeigt sich, dass der Bereich Gesang, e-Gitarre und Schlagzeug für mich nicht ganz stimmig sind. Hier drückt mir alles etwas zu viel und ich muss gleich 25% Lautstärke herunterregeln.

 

Während dieser Hörproben ist mir aufgefallen, dass nach etwa einer Stunde die Polster im Bereich vor meinen Ohren anfangen auf der Wange zu drücken, auch wenn der Anpressdruck von den Polstern weitestgehend auf eine große Fläche verteilt wird, was anfänglich im Prinzip nicht spürbar ist.

 

5. Was brauche ich zum Eintauchen?

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Nachdem ich ausgelotet habe, wo die Stärken des LCD-2 für mich liegen, wollte ich auch wissen, wie es mit dem Zuspieler bestellt ist. Kann er nur von stationären Kopfhörerverstärker mit mehreren Watt Leistung oder auch von DAPs direkt laut genug angetrieben werden?

 

Der Questyle CMA400i ist ohne Frage dazu fähig, den LCD-2 ohne Not auf Partylautstärke bringen zu können. Beide bilden ein geniales Setup wenn es um ein Maximum an Dynamik und Transparenz geht. Wer den Fiio K5 besitzt, hat auch keine Probleme im High-Gain mit dem LCD-2 sehr laut hören zu können. Auch diese Kombination ist klanglich sehr gut aufgestellt.

In Bezug auf DAPs habe ich mit allen folgenden DAPs in Richtung Lautstärke keine Probleme gehabt den LCD-2 laut bis sehr laut anzutreiben. Für diesen Test standen mir von Fiio der X1.2, X3.3, X5.3 und X7.2 sowie Schanling M2S und M3S als auch die Questyle DAPs QP1R & QP2R zur Verfügung. Wenn es maximal laut sein soll, dann liegt man mit den Fiios X5.3 und X7.3 sowie den Questyle DAPs goldrichtig. In Bezug auf den Klang sind auch noch die Schanling DAPs vorne mit dabei, wenn die beiden in Richtung Lautstärke jedoch nur im Mittelfeld liegen. Mittelfeld bedeutet jedoch soviel, dass in diesen Kombinationen die Lautstärke so hoch ist, wie ich sie nur bei vereinzelten Liedern nutze. Anschließend durfte das iPhone 6s dem LCD-2 noch zuspielen. Das funktioniert klanglich gut und auch die Lautstärke ist ordentlich, doch da fehlt schon Einiges an Dynamik und Explosivität im Vergleich zu allen oben genannten DAPs. 

 

Um völlig entspannt in die Klangwelt des LCD-2 einzutauchen, gehört für mich einfach ein ordentlicher, stationärer Kopfhörerverstärker als Zuspieler zum LCD-2. Auch wenn der Fiio X7.2 und der Questyle QP2R als mobile Geräte fast an den CMA400i herankommen, so performt dieser mit dem LCD-2 doch am besten.

 

6. Was bleibt von der Vorfreude auf den LCD-2?

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Nachdem ich mich nun lange darauf gefreut habe, endlich den LCD-2 bei mir zu Hause mit meiner Musik und mit meinem Equipment hören zu können, stelle ich mir am Ende natürlich die Frage, wo ich den Kopfhörer für mich persönlich sehe.

Der LCD-2 ist ein toller Kopfhörer. Sein Klang und auch die Fähigkeit „schlechte“ Aufnahmen auch gnädig wiederzugeben, machen ihn für mich zum entspannten Musikhören überaus alltagstauglich. Einzig sein hohes Gewicht ist mir trotz des sonst guten Tragekomforts einfach auf Dauer zu viel. Ganz besonders ist es von Nachteil, wenn tatsächlich der Kopf sich auch gern zur Musik mitbewegen möchte und da spreche ich nun nicht von Headbanging. Etwas schnellere Bewegungen lassen den Kopfhörer dann doch schneller verrutschen, als ich es mir wünschen würde. Ich bin sehr froh, den LCD-2 so intensiv getestet zu haben und meine Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Bin ich aber traurig, dass er wieder gehen muss? Das bin ich nicht, der LCD-2 ist nicht mein „Endgame“.

 

7. Fazit & Bewertung

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In Anbetracht dessen, dass der LCD-2 einen vernünftigen Antrieb benötigt, ist er für mich ganz klar ein Kopfhörer, den ich nur zu Hause höre und dann auch eher zum Abschalten und Entspannen. Wie bereits in der Überschrift ist der LCD-2 für mich der traditionelle Klassiker zum gepflegten Entspannen unter den Kopfhörern. Der LCD-2 bedient für mich nicht alle Musikrichtungen gleich gut, wobei ich persönlich z.B. Hard Rock und Heavy Metall nicht unbedingt zum Entspannen höre. Elektro, Jazz, Chillout und sogar Pop meistert der LCD-2 sehr gut. Dennoch würde ich den LCD-2 etwas heller noch lieber mögen. Die Modelle LCD-3 und LCD-4 sollen wohl eher in diese Richtung gehen. Also habe ich ein neues Ziel, auch diese Hörer einmal intensiver testen zu können, um dann auch hier wieder meine Eindrücke zu berichten.

Ich bleibe dran…

 

Bewertung

 

 

 

8. Galerie

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Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s