Im Test: Inline AmpEQ und AmpEQ mobile – Wie ein sehr guter Kopfhörerverstärker noch besser wird

Schon lange hatte ich vor hier mein kleines „Juwel“ vorzustellen. Ich spreche vom AmpEQ vom Hersteller Inline. Dieser Kopfhörerverstärker ist sehr klein und bietet zusätzlich zu einer Maximalverstärkung von bis zu 250mW bei 16 Ohm die Möglichkeit, den Klang nach ganz individuellen Bedürfnissen anpassen zu können. Einzig der angeschlossene Kopfhörer muss das mitmachen können. Der AmpEQ verfügt nämlich sowohl über die Regelungsmöglichkeit der Bässe, Mitten und Höhen als auch über eine Loudness-Schaltung, die bei geringen Lautstärken für einen satten Klang sorgt. Im Design erinnert er durch das das hochwertige Aluminiumgehäuse, der analogen Drehknöpfe und den metallenen Kippschaltern ein wenig an professionelles Studio-Equipment.

 

AmpEQ

Bereits seit der IFA2015 fasziniert mich diese kleine Schachtel. Anfänglich dachte ich eher, dass der AmpEQ in die Spaß-Ecke gehört, denn ein ordentlicher Kopfhörerverstärker mit so viel Schnick-Schnack, das ist sicherlich nichts.

Doch die Hörproben mit meinem AKG K702 haben mich da des Besseren belehrt. Ich dachte, dass ich gerade mit diesem Kopfhörer den technischen Unzulänglichkeiten des AmpEQ schon auf die Spur komme. Im flat Modus konnte ich keinen Unterschied zu meinen anderen Zuspielern feststellen. Im Gegenteil, der AmpEQ klang für mich sogar noch ehrlicher und der AKG klang plötzlich einfach etwas dynamischer. Der AmpEQ bringt zumindest für den K702 genug Leistung mit, so dass er sich offensichtlich erst richtig wohlfühlt.

Um ehrlich zu sein habe ich selbst mit dem Polkern-Mod beim AKG immer noch etwas Bassdruck vermisst und Dank des AmpEQ ist dieser Bass nun regelbar. Der Low-Shelf von 20 bis 250Hz ist für meinen Geschmack genau richtig gewählt. Hinzu kommt der schon über-ordentliche Regelbereich von plus minus 14dB. Auch die Bereiche 200-4.000Hz und 3kHz-20kHz sind ebenso regelbar. Sicherlich sind die Charakteristika der Regelungen vorgegeben, doch für mein Dafürhalten sind die Bereiche für einfache Anpassungen sehr gut gewählt. Möchte ich hauptsächliche Sprache verständlicher haben, so brauche ich nur den Mittenbereich zu regeln. Perfekt.

Durch diese Klangveränderungen gibt es keine hörbaren Effekte, die den Klang an sich verschlechtern. Der AKG würde eine unangemessene Aufbereitung sofort entlarven.

Die Loudness-Funktion ist ebenfalls sehr schön umgesetzt, denn ab etwa halber Lautstärke werden die Frequenzen kaum mehr dynamisch verändert. Da ist dann auch genug Leistung für die normale Hörfähigkeit vorhanden und eine Aufbereitung gerade im Bassbereich würde eher künstlich klingen.

Damit nicht immer wieder die Regler in Null-Stellung gebracht werden müssen, hat der AmpEQ eine Flat-Schaltung. Damit wird dann ein linear verstärktes und somit unverfälschtes Eingangssignal zur Verfügung gestellt.

Bis hierher ist der AmpEQ genau das, was ich sonst einen Zufallstreffer nenne. Ich habe den nicht gesucht und auch nicht Ausschau nach so einem Gerät gesucht, doch nachdem ich es nun entdeckt habe, kann ich es mir auch nicht mehr wegdenken.

Bei so viel Licht gibt es jedoch auch Schatten.

Ungünstig ist beim AmpEQ nämlich die Tatsache, dass ich zusätzlich zu den Klinke-Kabeln für die Audio-Übertragung mittels Micro-USB auch noch für die Spannungsversorgung sorgen muss. Dem Hersteller hatte ich das schon alsbald gemeldet. Eigentlich hatte der den AmpEQ vorrangig für den Betrieb am Notebook vorgesehen. Doch der AmpEQ macht sich eben auch als mobiler Kopfhörerverstärker aufgrund seiner geringen Abmessungen von ca. 12cm x 4,5cm x 4cm sehr gut.

Externer AkkuEr ist damit so klein, so dass er locker ohne Probleme zusätzlich zu einem OverEar-Kopfhörer mit im Case verstaut werden kann. Dafür habe ich dann einfach noch eine Powerbank mitgenommen, bis ich wieder zufällig einen in der Grundfläche perfekt passenden 3.000mAh Akku erblickt hatte. Mittels Klett habe ich den unter dem AmpEQ befestigt und die Gummifüsse des AmpEQ an den Akku umgesetzt. Ein kurzes MicroUSB-Kabel habe ich geschickt so platziert, dass der AmpEQ wie eine Einheit wirkt.

Soweit ist dieser Bericht eigentlich schon zu Ende und auch vorbereitet gewesen mit meinem Aufruf, dem AmpEQ doch eine Chance zu geben, ihn zu modden und sich über einen tollen und nicht nur mobilen Kopfhörerverstärker zu freuen.

Ja wenn ich mich nicht der dritte Zufall ereilt hätte und ich beim dem Vorhaben meine Rezension einzustellen bei der Suche nach AmpEQ doch glatt zwei Ergebnisse aufgetaucht sind. Nach anfänglich kurzer Verwirrung hatte ich dann den Aha-Effekt.

Der Hersteller hat das Potential offensichtlich erkannt und mittlerweile umgesetzt, nämlich zum ursprünglichen AmpEQ einen AmpEQ mobil ins Portfolio aufzunehmen. Der ist etwas höher, hat aber dafür bereits einen 2.200mAh Akku integriert und noch eine zusätzlichen -10dB-Pegel-Schalter integriert. Erst war ich zugegeben ein wenig angesäuert, da mein Mod ja nun überholt ist, andererseits hatte ich ja genau zu dem Punkt diesen Hinweis an den Hersteller gegeben. Und letztlich bin ich doch mehr als froh, dass hier das beste Beispiel dafür zu sehen ist, dass Hersteller auch mal auf Kunden hören.

Was liegt also näher auf de Hand, als den neuen AmpEQ mobil dem „Normalen“ einfach einmal gegenüber zu stellen?

2x AmpEQ

Ich mache es kurz. Klanglich sind beide absolut identisch. Der Pegel-Schalter ist eine sinnvolle Erweiterung. Die Beschriftung wurde etwas verändert, der AmpEQ mobil sieht jetzt etwas „aufgeräumter“ aus. Die Abmessungen entsprechen nun lustiger Weise genau meinem mit dem externen Akku gemoddeten AmpEQ. Wobei… das stimmt nicht ganz, denn beim AmpEQ mobil mit integriertem Akku gibt es kein USB-Kabel, das zusätzlich aufträgt.

2x AmpEQToll ist, dass beide Produkte parallel weiter angeboten werden. Für wen nämlich die 6 bis 8 Stunden Spielzeit des AmpEQ mobile – länger ist die Spielzeit mit dem externen 3.000er Akku auch nicht – grundsätzlich zu wenig ist, der kann auch den AmpEQ 2015 kaufen und sich einen 10.000er oder gar 20.000er Akku dranhängen, wenn er unterwegs ist. Das klappt natürlich auch mit dem 2016er Modell, doch den Aufpreis mag der ein oder andere vielleicht doch in einen größeren externen Akku stecken. Ich persönlich benutze allein aus dem Grund mittlerweile immer den neuen AmpEQ mobile, da ich oft gern mit verschiedenen Kopfhörern zum Vergleich höre und ich so schnell mit dem Pegel-Schalter die Lautstärke grob anpassen kann. Der Lautstärkeregler übernimmt dann nur das Feintuning.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch nennen, dass das Aufladen des internen Akkus des AmpEQ mobil etwa 2,5 Stunden dauert. Das hätte ich mir etwas schneller gewünscht. Deswegen habe ich trotzdem immer noch einen zusätzlichen kleinen Akku in der Nähe, falls ich mal wieder vergessen habe, den AmpEQ rechtzeitig aufzuladen. Aber ganz ehrlich, wer denkt schon daran, wenn man sich soeben in der Klangwelt verloren hat und die Glückseeligkeit noch nachwirkt?

Unterm Strich darf ich sowohl den AmpEQ als auch den AmpEQ mobil mit bestem Gewissen empfehlen!

 

Mark "MLSensai"

  • gelernter
  • Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern
  • liebt
  • eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz -> bildlich ein leicht nach links gedrehter, flacher Kreisausschnitt als Klangkurve
  • hört mit
  • Over Ears: Sennheiser HD700, Fostex TH-X00; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s

Ein Kommentar:

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