1More Triple H1707 Over Ear im Test – Ernst zu nehmender Hifi-Kopfhörer

Wird von 1More gesprochen, denkt sicherlich jeder an die vielen erfolgreichen InEar Kopfhörer aus dem Haus. Allerdings gibt es auch einen kabelgebundenen OverEar Kopfhörer, der ebenfalls die Bezeichnung Triple trägt. Was von ihm zu erwarten ist, darauf werde ich in diesem Test eingehen…

 


Vielen Dank an 1More für die freundliche Leihgabe des Kopfhörers.

Vorwort

Ich bin kein großer Freund von OnEar Kopfhörern, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Meine Ohren werden zu schnell zu warm und der direkte Druck auf meine Ohren verhindert ein langes Tragen. Das ist in diesem Fall wichtig zu erwähnen, denn der Triple OverEar ist aufgrund seiner geringen Abmessungen für mich ein OnEar Kopfhörer.  Aus diesem Grund bewerte ich ihn im weiteren Verlauf auch als OnEar Kopfhörer. Ich darf vorwegnehmen, als OnEar Kopfhörer macht er seine Sache ganz gut.

Inhalt

  • Verpackung & Lieferumfang
  • Technische Details
  • Design & Verarbeitung
  • Tragekomfort
  • Klang & Hörproben
  • Klangkette & -potential
  • Fazit & Bewertung
  • Video & Galerie

 

Verpackung & Lieferumfang

Auch beim vergleichsweise großen Karton für den Triple Over Ear Kopfhörer bleibt 1More seiner Linie treu und liefert eine Hochwertige Verpackung. Eine abziehbare Mantelfläche mit technischen Daten und einem Foto des Produktes gibt einen ersten Eindruck. Der Klappkarton darin beinhaltet ein sehr stylisches und kleines Case, in dem wiederum der Kopfhörer zusammengefaltet liegt. In einer Tasche aus Netzgewebe befindet sich das Anschlusskabel mit 3,5 mm Stereo-Klinke-Stecker und einem Adapter auf 6,3mm Klinke. Um später das Kabel gut verstauen zu können, ist im Deckel eine Schlaufe aus Klettband angebracht. Wem selbst das klein Case zu wuchtig ist, kann auf den noch zusätzlich mitgelieferten Beutel zurückgreifen. Komplettiert wird das Zubehör durch die übliche Dokumentation, bestehend aus einem kleinen Handbuch in verschiedenen Sprachen, einem 1 More Sticker und einer kleinen Produktübersicht. 

 

 

Technische Details

Der geschlossene Kopfhörer hat nicht umsonst den Namen Triple. Der Klang wird auf jeder Seite durch eine Kombination aus zwei aktiven und einem passiven Schallwandler erzeugt. Die Impedanz des Triple liegt bei 32 Ohm. Für die tiefsten Bässe ist eine art passiver Radiator verantwortlich. Als Breitbandtrieber findet ein dynamischer 40mm Lautsprecher aus Graphene Verwendung. Die Fläche des Schallwandlers ist somit besonders Steif und resultierende Verzerrungen sind auf ein Minimum begrenzt. Für die Brillanz und den Hochton zeichnet ein aktives Keramikelement verantwortlich, in der Funktionsweise sehr ähnlich einem Piezo-Hochtöner. Der reproduzierbare Frequenzbereich ist mit 20-40.000 Hz angegeben. Laut Hersteller wird ein Schalldruckpegel von 104dB bei max. 50mW Leistungsaufnahme erzeugt. Allerdings bin ich aufgrund meiner Erfahrung der Ansicht, dass er einen deutlich höheren Lautstärkepegel erreicht und der Wirkungsgrad bei 1mW angegeben ist. Discolautstärke (110dB) erreicht er mit Leichtigkeit. Das mitgelieferte Kabel ist etwa 1,3m Lang. Der Kopfhörer besteht überwiegend aus Metall. Durch den Einsatz von Aluminium wiegt der Triple leichte 293gr. Er ist faltbar zusammenlegbar. Die Klappgelenke, die Weitenverstellung und auch das Kopfband sind aus Metall gefertigt. Das Kopfband und die Ohrpolster sind mit „normalen“ Schaumstoff ausgeführt, Memory-Foam kommt nicht zum Einsatz. 

Quelle: http://shop.1more.de/headphone/1more-h1707-triple-driver-over-ear-kopfhoerer-silber/

 

 

Design & Verarbeitung

Allein schon die Style-Elemente im Felgen-Look auf der Rückseite der Cups lassen den 1More Triple wie den Sportwagen unter den Kopfhörern wirken.  Die Farbgebung in Silber und Schwarz, die glänzend geschliffenen Kanten und die leicht geschwungenen symmetrischen Formen verleihen dem Triple einen jugendlich sportlichen Charakter.  Die leichte Anmututng ist auch den geringen Abmessungen der Cups und Ohrpolster zu verdanken. Allerdings hat das zur Folge, dass der als Over Ear benannte Kopfhörer für sehr viele Nutzer allenfalls als großzügig bemessener OnEar funktioniert. Im Vergleich mit einem Aventho ist der Triple ein angenehm großer OnEar. Die Verarbeitung des Kopfhörers ist nahezu einwandfrei. Lediglich die Kunststoffringe zur Markierung der Seiten Links und Rechts weisen bei meinem Testexemplar kleine Grate und Kerben auf, die jedoch rein optischischer natur sind. Der zylindrische Gehäuseteil der Cups ist umlaufend geriffelt, dadurch wirkt die Fläche matt. Einziger Nachteil hier ist, dass in den Rillen sich Staub und Partikel beim Anfassen absetzen und von nahem betrachtet der Kopfhörer immer etwas beschmutzt aussieht. In meinem Video zum Triple ist das erkennbar. Das ist jedoch keine große Sache, denn einmal drübergewischt, ist die Oberfläche dann wieder sauber. Etwas schade ist, dass die Ohrpolster offensichtlich nicht entfernbar sind. Zumindest ist mir das auch mit sanfter Gewalt weder durch Drehen, Hebeln oder Ziehen gelungen.  Die Konstruktion ist ausgereift, jedoch nicht optimal für eine Instandsetzung durch den Nutzer. Hier gibt es gedanklich leichte Abzüge. Die Verarbeitungsqualität hingegen bewerte ich insgesamt als sehr gut. 
 

Tragekomfort

Im Bereich Tragekomfort überrascht mich der 1More Triple Over Ear tatsächlich, denn wie ich eingangs schon schrieb, ist er bei mir quasi als OnEar Kopfhörer zu sehen. Die Nachteile, dass meine Ohren nach kurzer Zeit zu warm werden ist zwar gegeben, jedoch bleibt meine negative Erwartung in sachen Druck auf die Ohren aus. Der Kopfhörer ist so ausgelegt, dass er vom Kopfband aus nicht zu stramm auf meinen Ohren drückt. Der Druck wird Dank der für einen OnEar doch großen Auflagefläche und das weiche Polstermaterial zudem sehr schön verteilt. Der Triple ist hinsichtlich des Tragekomforts für mich einer der wenigen OnEar Kopfhörer, die ich länger tragen kann und der erste, den ich sogar als angenehm zu tragen bezeichnen kann. Aufgrund des schweißtreibenden Nebeneffekts reicht es da unterm Strich aber dennoch für die Note „Gut“.

Klang & Hörproben

Der sehr gute Eindruck des Kopfhörers setzt sich vorweggenommen auch im Klang fort. Aufgrund des Designs dachte ich im ersten Moment, dass mich ein Kopfhörer erwartet, der ein Bassbomber, mindestens aber eine ausgeprägte Badewanne als tonale Abstimmung mitbringt. Dem ist nicht so. Der 1More Triple OverEar spielt zwar im Bass etwas betonter, hat aber keine Buckel, die mich stören würden. Kickdrums werden kraftvoll, dennoch ehrlich wiedergegeben. Gesang und Instrumente klingen ausgewogen, sind aber leicht zurückgesetzt, was mir sogar gefällt. Klavier, Geige, Gitarren, um nur einige Instrumente zu nennen, die schnell unnatürlich klingen können, gefallen mir mit dem Triple sehr gut. Durch den Keramik-Treiber erinnert die Signatur des Triple in Sachen Brillanz an InEar Kopfhörer, die mit Balanced Armature Treiber ausgestattet sind. Der Hochton ist sehr schön abgestimmt und passt trotz seiner „Keramik-Charakteristik“ sehr schön in das Klangtuning. Der Triple ist warm abgestimmt und doch kommen Details im Hochton zur Geltung. Im Bereich Dynamik ist der Kopfhörer gut, klingt aber gerade bei niedrigen Lautstärken etwas komprimiert. Die räumliche Abbildung des Triple reiht sich im Durchschnitt ein und bietet das, was für gewöhnlich von einem geschlossenen Kopfhörer erwartet werden darf. Ich habe lange überlegt, wie ich seinen klanglichen Charakter am besten beschreibe. Er ist kein neutral spielender Kopfhörer und auch authentisch passt nicht, dafür sind Dynamik und Bühne nicht ausgeprägt genug. Wenn ich mit ihm höre beeindrucken mich die betonten, tiefen Bässe und als Gegengewicht der sehr feine, fast schon kristallklarer Hochton, auch wenn er für mich etwas betonter sein dürfte. Am ehesten assoziiere ich mit dem Triple die Adjektive intim-live, direkt, angeregt. Um das etwas zu konkretisieren gibt es hier wie immer eine kommentierte Auswahl von Hörproben aus der Miniklangwunder Playlist auf Spotify.


Hörproben

Boris Blank „Fat Roller“


Wie so oft beginne ich mit diesem Song, da er mir mit vielen Kopfhörern einfach zu „dünn“ und „zischelig“ klingt. Damit hat der 1More keine Probleme. Der Bass wird sehr schön aufgewertet während Mitten und Hochton passend dosiert wiedergegeben werden. Kein Zischeln stört und der Song macht Spaß von der ersten bis zur letzten Note. Dabei stört auch nicht die eher dierekte Spielweise des Triple.


Al Jarreau „Cold Duck“

 

Der Bass steht etwas mehr im Vordergrund als ich es bei dem Stück sonst gewohnt bin, fast gleichwertig mit dem Gesang. Das ist für mich noch im gelben Bereich. Hier dürfte der Bassbereich ruhig um 3dB geringer sein. Alles andere passt hervorragend. Gesang, Bläser, Klavier und die Hihats, alles passt schon zueienander und verschwimmt zu keinem Brei. Der Fuß wippt mit.

 

Kurt Elling „In the winelight“


Da der More im Bass mehr betont habe ich diesen Jazz-ong gewählt. Hier ist tatsächlich anzuraten den EQ – falls vorhanden – zu nutzen, denn der Basslauf beginnt nach zwei bis drei Minuten etwas aufdringlich u werden. Sonst passt die weitere Abstimmung auch hier sehr gut. Instrumente, Stimme und Hochtonakzente kommen gut heraus.


Maxxi Soundsystem „Medicine – Original Mix“


Elektronische Musik ist die Paradedisziplin des 1More Triple Over Ear. Mit diesem Track passt einfach alles. Wenn hier ein Kopfhörer zu neutral spielt, dann macht mir der SSong keinen Spaß, der verliert dann einfach das gewisse Etwas. Ähnlich verhält es sich auch mit Stücken von Dominik Eulberg oder Oliver Koletzki. Ganz andere Richtung, auch die Musik von Andreas Vollenweider passt zum 1More Triple hervvorragend.

Klangvergleich

Als direkter Vergleich drängt sich mi sofort ein Beoplay H6 auf. Der Formfaktor ist nahezu identisch, wenngleich der B&O Kopfhörer etwas edler wirkt und anstatt Kunstleder mit echtem Leder ausgestattet ist. Auch dieser Kopfhörer ist im Angebot für um 200€ erhältlich. Dennoch gefällt mir der  1More Triple tatsächlich besser, denn er spielt insgesamt ausgewogener und trotzdem irgendwie frischer. Der H6 ist im Bass eher weich und bei „harter“ Musik kommte der nicht so gut mit wie es der 1More schafft. Im Hochton klingt der 1More für mich auch etwas präziser, ohne dass er dort übertreibt. Auch da ist der H6 etwas weicher. Mir persönlich gefällt der 1More hinsichtlich Klang besser, vom Design tendiere ich eher zu dem zurückhaltendem Chick des H6. Natürlich ist das komplett subjektiv und spiegelt nur meinen Geschmack wieder.

Klangkette & -potential

Auf Anregung eines Lesers kurz im Überblick mein Test-Setting. Der 1More durfte sich an den DAPs Shanling M3S, Hiby R6 und auch am ifi xDSD sowie dem RME ADI-2 DAC und auch ganz schnöde direkt am iPhone 6S+ beweisen. Die hier absolvierten Hörproben wurden mit dem ifi xDSD und via Spotify mit höchster Klangeinstellung durchgeführt. Generell versuche ich immer alle meine Hör-Szenarien und vor allem das tägliche Nutzungsverhalten abzubilden. Und da ist der Spotify-Stream klar an der Spitze. Der 1More spielt in gleichbleibender Qualität an allen getesteten Signalquellen und unterschiedet nicht zwischen HighRes FLAC und komprimierten Formaten in hoher Qualität. 

 

 

Fazit & Bewertung

Der 1More Triple H1707 OverEar ist aus meiner Sicht im Formfaktor eher dem OnEar Bereich zuzuordnen, macht dafür aber einen sehr guten Job, was den Tragekomfort angeht. Das Design ist jugendlich, sportlich, leicht und die Verarbeitung bis auf Kleinigkeiten sehr gut. Ein klarer Pluspunkt ist der konsequente Einsatz von Metall, was den Kopfhörer eine augenscheinliche Robustheit verleiht. Klanglich weiß der Triple ebenfalls zu überzeugen auch wenn er hinsichtlich Dynamik und Räumlichkeit nicht an die Spitze heranreicht.  Wer also einen leichten Kopfhörer mit gutem Tragekomfort und einem direkten und vollen Klang sucht, sollte sich unbedingt den 1More Triple Over Ear genauer ansehen. In diesem Kontext ist er im Gesamtpaket für einen Straßenpreis um 199,-€ klar zu empfehlen. 

Bewertung

  • 94%
    Tiefbass - 94%
  • 93%
    Bass - 93%
  • 92%
    Mitten / Stimmen - 92%
  • 92%
    Mitten / Instrumente - 92%
  • 92%
    Obere Mitten - 92%
  • 92%
    Brillanz / Hochton - 92%
  • 85%
    Dynamik - 85%
  • 85%
    Räumlichkeit - 85%
  • 94%
    Design - 94%
  • 90%
    Konstruktion - 90%
  • 94%
    Verarbeitung - 94%
  • 85%
    Tragekomfort - 85%
  • 90%
    Preis - 90%
90.6%

Video & Galerie



Mark "MLSensai"

gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit Leidenschaft zu Kopfhörern, DAPs und sonstigen Miniklangwundern  liebt eine ordentliche Reproduktion satter Bässe, ausgewogene Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten, entspannter Hochton mit akzentuierter Brillanz, kurz TP-Signatur  hört mit Over Ears: Focal Elex, Fostex TH-X00; Sennheiser HD58X; InEars: Brainwavz B400, iBasso iT01; DAPs: Fiio X7.2, Shanling M3s & M0